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Shadow of Illusion

Italien, 1970

  • Originaltitel: Ombre roventi
  • Regisseur: Mario Caiano
  • Kamera: Erico Menczer
  • Musik: Carlo Savina
  • Drehbuch: Fabio Piccioni
  • Inhalt:

    Die junge Gail (Daniela Giordano) reist im Auftrag ihres Arbeitgebers nach Kairo, da das ägyptische Unternehmen, das mithilfe von Gails Firma ein neues Parfüm namens „ISIS“ auf den Markt bringen will, auf ihre persönliche Anwesenheit besteht. In Kairo angekommen, scheint jene Firma aber nicht zu existieren. Niemand holt Gail vom Flughafen ab, im Hotel wartet keine Nachricht. Passanten weisen sie auf einem Markt daraufhin, dass sie den Ring der Isis am Finger trägt und ein ebenfalls Fremder schenkt ihr „Spezialzigaretten.“ In ihrer Verwirrung begegnet Gail dem geheimnisvollen Caleb (William Berger), der an ihr sehr interessiert scheint. Doch vom Genuss ihrer „Spezialzigaretten“ abgelenkt, wendet sich Gail einer Gruppe von Hippies zu, die seltsamen Ritualen nachgehen. Am nächsten Tag warnt Caleb sie vor dieser Gruppe, da sie mit Kräften spielen, von denen sie nicht viel verstehen. Und so erzählt Caleb ihr die Geschichte der Götter Isis und Osiris und deren rivalisierenden Geschwistern Seth und Nephtys.

  • Autor: Gerald Kuklinski
  • Review:

    Und diese Geschichte geht ungefähr so: Isis, Osiris, Seth und Nephtys waren Geschwister, alle die Kinder von Geb. Der fand besonderen Gefallen an Osiris und gab diesem deshalb die Herrschaft über das fruchtbare Ober- und Unterägypten, während die arme Socke Seth die Oberaufsicht über das Wüstenland erhielt. Seth nahm seine Schwester Nephtys zur Frau, Osiris wiederum Isis. Seth war allerdings neidisch, auf Osiris Herrschaftsbereich und auf dessen Frau. Nach einem bereits vorangegangenen gescheiterten Mordversuch geht Seth diesmal auf Nummer sicher, zerstückelt seinen Bruder Osiris und versteckt die Leichenteile in verschiedenen Regionen. Isis gelingt es dennoch, diese zu finden und Osiris wieder zu erwecken, doch der kann nicht Mensch werden, sondern steckt vorläufig in der Unterwelt fest. Erst als Osiris‘ und Isis‘ Sohn (Horus) Seth besiegt, kehrt Osiris nach Ägypten zurück – doch Isis ist verschwunden.

     

    Was hat das mit dem Film zu tun? Moment, dazu gibt es noch eine Geschichte. Regisseur Mario Caiano hatte einen Deal – oder glaubte einen Deal zu haben – mit einem Darsteller, der seinen eigenen Film finanzieren wollte. Es gab ein Drehbuch, Schauspieler, eine Crew und eine Reise nach Kairo. Einziges Problem: jener Hauptdarsteller tauchte nicht auf und somit auch nicht die versprochenen Produktionsgelder. Caiano nannte diesen Darsteller zu Lebzeiten nicht beim Namen, meinte aber, dieser geplante Film sei später mit einem spanischen Regisseur realisiert worden. Anhand dieser Angaben halte ich es für möglich, dass es sich um Espartaco Santoni und den 1970 oder 1971 entstandenen „Tanz des Satans“ (Las amantes del diablo) handeln könnte, das ist aber nur geraten. Aber ist ja auch egal.

     

    Die Geschichte geht so weiter. Eine nahezu vollständige Crew – abgesehen vom Hauptdarsteller - sitzt in Kairo, allerdings ohne Geld oder ein Drehbuch, dass sie verwenden dürfen, denn letzteres gehört dem nicht erschienenen Hauptdarsteller und Nicht-Produzenten. Da macht Caiano eine Zufallsbegegnung auf dem Markt: William Berger. Ein Hauptdarsteller ist gefunden. Der wiederum vermittelt den Kontakt zu Frank Agrama, der für Drehgenehmigungen und Kairoer Lokalkolorit sorgt. Fehlt noch eine Story – ach was solls, einfach mit dem Drehen anfangen, dann kommt schon irgendwas bei rum. Und das ist es, eine Geschichte über einen menschgewordenen Gott, der in einem rothaarigen Model seine Geliebte Isis wiederzufinden glaubt und ein Hippiekult, der das verhindern will, warum auch immer. Caiano meinte, er habe den fertigen Film nie sehen wollen, was man angesichts der chaotischen Umstände, unter denen dieser entstand, nachvollziehen kann. Nichtsdestotrotz ist es ein herausragender Beitrag in Caianos Filmographie, gerade weil er nicht so straight erzählt wird. Einen besonderen Schauwert – neben ohnehin viel nackter Haut – bietet eine kuriose Vergewaltigungsszene. Die Hippiegruppe fängt eine „Spionin“, die zufällig ihr Ritual beobachtet hat, und einer der Männer der Gruppe vergewaltigt sie, während hinter ihm die Priesterin mit einer Peitsche auf ihn eindrischt.

     

    „Ombre roventi“ bietet sehr, sehr viel Wackelkamera von Erico Menczer, einen ebenso attraktiven wie wechselhaften Soundtrack von Carlo Savina, und das „Drehbuch“ ist von…vom Dubbing Director Fabio Piccioni, ist also vermutlich erst im Nachhinein draufgequatscht worden. Piccionis eigenes Regiedebut „Hexenkessel Kairo“ (Si può fare molto con 7 donne, 1972) mit Richard Harrison entstand – wie schon der Titel andeutet – ebenfalls in Ägypten und mit Unterstützung von Frank Agrama. Bei den Darstellern gibt es neben der schönen Daniela Giordano und William Berger noch einen vollbärtigen Antonio Cantafora, Krista Nell und Mirella Phamphili unter den Hippies zu entdecken. Cantaforas Äußeres in „Ombre roventi“ erinnert übrigens ebenfalls an den oben erwähnten Espartaco Santoni. Insgesamt ist „Ombre roventi“ ein durchaus gelungenes Raritäten-Kuriosum von einem Regisseur, der von diesem Werk später nichts wissen wollte. Lohnt sich wirklich, da mal reinzuschauen. Leider gibt es bisher nur eine grausliche Vollbild-Abscheulichkeit von „Midnight Video“, wie immer in Englisch mit fest eingebranntem asiatisch aussehendem Gekrakel.

  • Autor: Gerald Kuklinski
  • Links

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