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Sexuelle Gelüste triebhafter Mädchen

Italien, 1971

  • Originaltitel: La notte dei dannati
  • Alternativtitel:

    Les nuits sexuelles (FRA)

    Night of the Damned (USA)

  • Deutsche Erstaufführung: 25. Mai 1973
  • Regisseur: Filippo Walter Ratti
  • Kamera: Girolamo La Rosa
  • Musik: Carlo Savina
  • Drehbuch: Aldo Marcovecchio
  • Inhalt:

    Der Journalist Jean Duprey (Pierre Brice) und seine Frau Danielle (Patrizia Viotti) erhalten eine Einladung von Jeans alten Freund Guillaume de Saint Lambert (Mario Carra) zu dessen Geburtstag auf seinem antiken französischen Familiensitz. Nach längerem Gedankenaustausch entschließen sich beide die Reise anzutreten. Da Guillaume wohl erst seit kurzem schwer erkrankt sei, empfängt seine Gattin Rita (Angela De Leo) die Gäste, welche diese auch gleich über Jeans geistigen und körperlichen Verfall aufklärt, den Guillaume selbst auf einen Jahrhunderte alten Fluch des Schlosses zurückzuführen glaubt. Am nächsten Tag wird der Hausherr schließlich tot aufgefunden. Jean kommt die ganze Angelegenheit natürlich äußerst merkwürdig vor, denn auch wenn er die Fantastereien seines verstorbenen Freundes als Aberglauben abtut, so muss er sich dennoch eingestehen, dass es auf dem Anwesen nicht mit rechten Dingen zugehen kann: Gemälde mit Hexenverbrennungen im Schlafzimmer, sexuell-ausschweifende Rituale im Schlosskeller und das erste weibliche Todesopfer dieser okkulten Riten lässt auch nicht lange auf sich warten...

  • Autor: Tobias Reitmann
  • Review:

    Titelschmiede BRD - Du bist echt einzigartig! Denn wer glaubt, man würde auch in der deutschen Fassung einen seichten Gothik-Grusler vor die Linse bekommen, dürfte gewaltig irren. Hier bei uns unter dem reißerischen Titel "Sexuelle Gelüste triebhafter Mädchen" in die Kinos vermarktet, was ja schon fast wie ein exzessives Erotikreport-Filmchen klingt, musste dieser von seiner Ursprungsversion gewaltig an Federn lassen, nur um mit lüsternen Material etwas aufgepeppt zu werden. Darin sind wohl die Franzosen schuld, die wohl kein Interesse an einem weiteren Schloßgrusler aus Italien hatten und somit die parallel-gedrehten Anrüchigkeiten in ihre Version integrierten. Die Bundesrepublik muss diese Fassung dann aufgegriffen haben, denn die Laufzeit lässt schwer darauf schließen und somit ist beispielsweise anhand vom deutschen Filmplakat gar nicht mehr zu erkennen, dass es sich hier um nette Schauer-Unterhaltung aus dem Stiefelland handeln könnte. Ich kenne die deutsche Kinokopie allerdings nicht und berufe mich jetzt mal auf (Augenzeugen-)Berichte anderer Genre-Liebhaber. Jedenfalls dürfte die garstige Verfälschung sicher vehement dazu beigetragen haben, dass dieser Streifen wohl in die hintersten Annalen des Bahnhofskinos verschwunden ist und vielleicht genauso dem Verfall entgegenblicken muss, wie der Schlossherr im besprochenem Film!

     

    Regisseur Filippo Walter Ratti war mit seinen gerade mal über einem Dutzend Director-Credits nicht gerade der fleißigste Regisseur im Filmbusiness, aber immerhin bediente er innerhalb seiner Filmografie fast jedes Genre-Fach, was ihn im Nachhinein doch sehr umtriebig erscheinen lässt. Mir selber sind mit "Ferien in der Silberbay" (1961) und "Crazy Desires Of A Murderer" (1977) bisher nur zwei seiner Werke bekannt, welche ich zudem doch sehr ansprechend inszeniert fand, auch wenn es keinesfalls herausragende Werke waren. Hier versuchte er sich am Konstrukt des "gothischen" Horrorfilms, welcher zur Entstehungszeit von "La notte dei dannati" ja doch schon zunehmend am abebben war. So mischt Ratti auch in seiner Originalversion etwas nackte Haut in den Plot mit rein, verzichtet aber weitesgehend auf ausufernde Gewaltakte - ja, eigentlich gibt es die hier so gut wie gar nicht. Das es an Finanzen mangelte, lässt allerdings die minimale Set-Dekoration erahnen, denn schon der Anfang in den vier Wänden der Dupreys strotzt nicht gerade vor wirkungsvoller Einrichtungsvielfalt und auch das innere des Schlosses ist auf die wenigsten Utensilien beschränkt, was trotzdem allemal ausreichend ist und auch nicht großartig ins negative Licht fällt - bemerken wird es der aufmerksame Zuschauer aber dennoch, denn die kaschierende Magie der Verblendung des Beobachters beherrscht Ratti halt nicht so gut wie ein Maria Bava. Doch das soll hierbei auch gar nicht der Anspruch sein, denn Billigkeit besitzt halt auch genug Charme, sogar mehr als erzwungener Hochglanz. Wohlige Gruselstimmung dürfte hier allemal beim Publikum auftauchen und die behutsam eingestreuten erotischen Seancen steigern das Schmierpotential nur marginal, obwohl ich selber zu keinster Zeit eine Bedrohung oder ein beunruhigendes Gefühl verspüren konnte, auch wenn dennoch gelegentlich etwas Rambazamba ins Objektiv gepustet wurde.

     

    Darstellerisch ist alles auf anständigem Level, jeder verhält sich genau so, wie eine derartig-gelagerte Plot-Situation es erwartet - Überraschungen sucht man hier vergebens, was ohnehin zu verschmerzen wäre. Pierre Brice spielt quasi den Hobbydetektiv, aber ohne das er es weiß. Viel mehr ergeben sich die Situationen so wie sie eben kommen, womit er angemessen darauf reagiert und dem Publikum damit eine etwas augenzwinkernde Performance beschert. Was er wohl von dem deutschen Titel gehalten hat? Patricia Viotti, manch einem vielleicht noch aus "Amuck!" (1972) bekannt, spielt hier die Gemahlin von Herrn Brice, welche sich ins Netz des Okkultismus einfangen lässt und an ihrer Kreisch-Performance feilen darf, aber zu keinster Zeit die Unsympathische raus hängen lässt. Diesen Part übernimmt dann Angela De Leo, die hier die Gattin von Dupreys verstorbenem Freund mimt und natürlich mit allerlei Geheimniskrämerei gesegnet wurde. Mario Carra spielt ihren Angetrauten, welcher aber alsbald das Zeitliche segnet. Carla Mancini gibt es dann auch noch zu sehen, aber Mini-Rollen waren ja ihr Fachgebiet, da wird bei "Night Of The Damned" (so die amerikansiche Titelvergabe) ihrerseits keine Ausnahme gemacht. Der Rest tut nichts gravierendes zur Sache und dürfte beim Zuschauer auch schnell wieder vergessen sein.

     

    Musikalisch gibt es von  Carlo Savina mysteriöses Gedudel, aber keines was sich längerfristig im Gehörgang manifestieren wird, zumindest in meinem. Vielleicht lag es daran, dass der gute Carlo im selben Jahr noch mindestens zehn andere Filmchen mit seinen Kompositionskünsten veredelte, wer weiß? Die hier verwendete Orchestration erfüllt aber ihren Zweck, keine Bange. Nur einem Genie wie Herrn Savina, welcher nun mal in seiner gesamten musikalischen Laufbahn so an die knapp 200 Werke veröffentlichte, hatte ich mir hierfür etwas mehr erhofft. Dafür verzauberte der mir bis dahin noch unbekannte Kameramann Girolamo La Rosa so einige Male die Augen, auch wenn sich sein Können mehr auf die Innen- statt Aussendrehs beschränken musste, was meinerseits als eher schade empfunden wurde - man möge nur an die morbiden Aufnahmen des antiken Schlosses denken, vielleicht noch umworben von morgendlichen Nebelschwaden oder sonstigem Unheil vom Wetter ausgehend. Das bleibt allerdings im Verborgenen, aber hin und wieder geht es auch mal an die frische Luft, raus aus dem muffigen Lustkerker, bei dem dennoch alle Register des Möglichen gezogen wurden (Lichtspielereien, Kunstnebel, etc.).

     

    Alles in allem ein netter Gruselfilm in ansprechendem, aber nicht außergewöhnlichem Ambiente. Ratti zeigt, dass er mit etwas mehr Erfahrung auch den Horrorbereich gerne weiter hätte beackern können, aber er war halt ein Regie-behafteter Wanderer, welcher nach getaner Arbeit weiterzog. Hin und wieder wird man bestimmt auch wage inszenatorische Vergleiche zu Renato Polselli vernehmen, die ich aber absolut nicht teilen kann, eben weil es hier viel zu geradlinig zugeht und diese steigernde Abstraktheit einer Polselli-Produktion zu keinster Zeit durchblicken kann. Vielleicht kann man den Okkult-Sequenzen etwas Polselli-Feeling attestieren, aber im direkten Vergleich muss sich Ratti dennoch geschlagen geben, denn was bei "La notte dei dannati" eher nach Mittel zum Zweck aussieht, war für Polselli viel mehr ein unverzichtbares Trademark-Tool um den vorangeschrittenen Wahnsinn in seiner Erzählstruktur voranzutreiben. 

  • Autor: Tobias Reitmann
  • Veröffentlichungen:

    "Sexuelle Gelüste triebhafter Mädchen" ist hierzulande bisher nur vom Mercator Filmverleih in der besagten Erotikversion (welche obendrauf noch an Handlung beraubt wurde) im Kino erschienen. Im Ausland wurde der Streifen mit ein paar mehr Auswertungen für den Heimkinomarkt beglückt, allerdings beruht die (bis jetzt) einzige digitale VÖ von Cinema de Bizarre (Doppel-DVD) nur auf VHS-Material, welches aber zum Glück die vom Regisseur intendierte Fassung enthält, sowie einen Integral-Cut aus Grusel- und Erotikversion. Es wird also allerhöchste Zeit für ein angemesseneres Treatment dieser unbekannten Gruselverfilmung.

  • Autor: Tobias Reitmann
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