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Sex of the Witch

Italien, 1973

  • Originaltitel: Il sesso della strega
  • Alternativtitel:

    Sexes invertis (BEL)

    El último tiburón (ESP)

    Anges pervers (FRA)

  • Regisseur: Angelo Pannacciò
  • Kamera: Maurizio Centini, Girolamo La Rosa
  • Musik: Daniele Patucchi
  • Drehbuch: Franco Brocani, Angelo Pannacciò
  • Inhalt:

    Für Thomas Hilton (Simone Santo), Oberhaupt des Hilton-Clans und nebenei steinreich, scheinen wohl die letzten Tage gezählt und so treffen sich seine Angehörigen ein letztes Mal am Sterbebett des alten Greises, während dieser in seinen letzten Gedanken über die Familienangehörigen spottet und ihnen Würdelosigkeit vorwirft, außerdem prophezeit er seinen Nachkommen gedanklich den Untergang. Wenig später wird er zu Grabe getragen und die Testamentseröffnung kann beginnen. Da die letzwillige Verfügung vorsieht, das alle verbliebenen Angehörigen bis zum 30. Lebensjahr zusammen auf dem vererbten Anwesen wohnen müssen, damit der jeweilige Nachlass rechtmäßig angetreten werden darf, herrscht erstmal geteilte Stimmung - erst recht, nachdem einer der Erben auf dem Anwesen tot aufgefunden wird, selbstverständlich nicht durch Eigenverschulden. Sofort übernimmt der zuständige Inspektor (Donald O' Brian) die Ermittlungen und muss feststellen, das es im Kreise der Hiltons, nicht so ganz mit rechten Dingen zugeht...

  • Autor: Tobias Reitmann
  • Review:

    Ist es nicht wunderbar - wenn, trotzdem man viele Höhepunkte, sowie gute Durchschnittsbeiträge, ebenfalls aber schon einige Enttäuschungen bei der Sichtung von unzähligen Gernebeiträgen erlebte - dann aber immer noch von unbekannteren Glanzwerken in Entzückung versetzt wird? Denn genau dieser Gedanke kam mir beim Schauen von "Il sesso della strega" in den Sinn - ein in etwa ähnliches Erlebnis wie vor einigen Jahren, als ich Romano Scavolini's "Un Bianco vestito per Marialé - Spirits of Death" zum ersten Mal bewundern durfte - wo er leider noch ein undankbares Schicksaal ohne digitale Veröffentlichung fristen musste.

     

    Regisseur Angelo Pannacciò war mir auch bis dato völlig unbekannt, in seiner Filmografie finden sich auch nur ein Western, welchen er ein Jahr zuvor inszenierte, sowie ein paar wenige danach entstandene Spielfilme, bevor er ins Erotik-Geschäft wechselte und da bis Mitte der 80er Jahre tätig war. Eigentlich schade, das er das Giallo/Horror-Genre nicht mit mehr Beiträgen, außer dem zwei Jahre später erschienenem Exorzisten-RipOff "Un urlo dalle tenebre", aufwerten konnte.

     

    Unter den Darstellern tummeln sich alte Bekannte wie Camille Keaton, Jessica Dublin oder Donald O'Brian, während der Rest keine erinnerungswürdigen Auftritte vorzuweisen hat. Donald O'Brian, welche Jahre später als Mad-Scientist in "Zombies unter Kannibalen" oder als Jäger mit geplagter Impotenz in "Nackt unter Kannibalen", sowie in etlichen Nebenrollen auftrat, mimt hier den ermittelnden Inspektor - leider wieder nur mit wenig Screentime gesegnet. Jessica Dublin spielt ein entferntes Tantchen der Familie, welche sehr undurchsichtig präsentiert wird und wohl auch ein großes Interesse am Untergang des Hilton-Clans hegt. Die gebürtige Amerikanerin Camille Keaton, welche schon den Genre-Klassiker "Das Geheimnis der grünen Stecknadel" oder Jahre später Meir Zarchi's "Ich spuck' auf dein Grab" immens aufwertete, agiert hier als jüngeres Familienmitglied und darf später sogar kurz die Hüllen fallen lassen - allerdings versetzt mich ihr oftmals debil-aufgesetzter Blick etwas mehr in Überschwang. Neben einem noch jungen Gianni Dei, fügen sich die restlichen Darsteller ebenfalls gut ins Gesamtbild mit ein, obwohl sie sich alle vor der traumhaften Atmosphäre des Hilton-Anwesens beugen müssen, denn mit welcher Eleganz das gothische Ambiente von den beiden Kameramännern Maurizio Centini und Girolamo La Rosa eingefangen wurde, kann ich in Worte gar nicht fassen - ein Wahnsinn, wenn diese Bilder hoffentlich irgendwann einmal hochauflösend den heimischen Bildschirm entern dürften!

     

    Musikalisch wird natürlich auch vom allerfeinsten aufgetischt, selbst wenn Daniele Patucchi zu den unbekannteren Komponisten gehört, so kann er doch auf eine stolze Liste von über 50 Soundtracks zurückblicken, darunter auch prominentere Vertreter wie "Frankenstein '80", "Mondo Cannibale" oder "Das Lied von Mord und Totschlag" - hier jedoch verzaubert er wie eine klangliche Symbiose aus Ennio Morricone und Bruno Nicolai, serviert verspielte Jazz-Sounds vermischt mit orchestraler Tonkunst, welche Spannungsmomente, wie auch herkömmliche Situationen treffend untermalen.

     

    Pannacciò wählte allerdings eine sehr eigenwillige Plot-Inszenierung, so werden seine Charaktere eigentlich kaum eingeführt, was auch etwas die Bezuglosigkeit zum Zuschauer mit sich zieht, ebenso gibt es absurde Momente, wie z.b. eine farbverändete Tanzeinlage verschiedener Hippies, welche zu einem psychotronischem Rock-Geflecht benebelt das Tanzbein schwingen - eine Szene, die mit dem restlichen Film in keinster Weise in Verbindung steht, aber dennoch von Pannacciò mit reingehauen wurde, auch wenn sie dennoch zu unterhalten vermag. Ebenso wird es gegen Ende gar mysteriös und wir verlassen die Bahnen eines konventionellen Twists, was "Il sesso della strega" wiederum etwas Würze verleiht, auch wenn man es nicht verstehen muss. Hier steht die Inszenierung weit über der erzählten Geschichte und die Darsteller sind nur Handlanger, welche die rauschende Wirkung von Musik und Bildern umschücken dürfen.

     

    Wie bereits schon erwähnt, ist "Il sesso della strega" noch gänzlich unbekannt und bis auf ein paar wenige Connaisseure, konnten sich bisher nur wenige Leute ein Bild über dieses Werk machen, daher drücke ich fest beide Daumen, das dieser psychedelische Reigen, welcher auch nicht abgeneigt ist, ein paar kleine Schmiereinlagen zum Besten zu geben, hoffentlich bald seinen Siegeszug auf einem digitalen Datenträger antreten darf - es wäre mehr als verdient!

  • Autor: Tobias Reitmann
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