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Seddok - Der Würger mit den Teufelskrallen

Italien, 1960

  • Originaltitel: Seddok, l'erede di Satana
  • Alternativtitel:

    O Herdeiro de Satanás (BRA)

    Le monstre au masque (FRA)

    Seddok, el heredero del diablo (MEX)

    Atom Age Vampire (USA)

  • Deutsche Erstaufführung: 14. Juni 1963
  • Regisseur: Anton Giulio Majano
  • Kamera: Aldo Giordani
  • Musik: Armando Trovajoli
  • Drehbuch: Piero Monviso, Gino De Santis, Alberto Bevilacqua, Anton Giulio Majano
  • Inhalt:

    Die Striptease-Tänzerin Jeanette wird von ihrem Freund, dem Seemann Pierre, verlassen. Voller Liebeskummer setzt sie sich ins Auto und baut einen schlimmen Unfall, den sie mit einem schrecklich entstellten Gesicht überlebt. Der Arzt und hauptberufliche Mad Scientist Dr. Albert Levin bietet ihr an sie mit seinem selbst entwickeltem Serum Derma 28 zu heilen. Nach einigem Zögern willigt sie ein, aber Derma 28 wirkt leider immer nur eine gewisse Zeit, anschließend kommen die Entstellungen (die mittlerweile zu bösartigen Wucherungen umfunktioniert wurden) wieder hervor. Außerdem hat sich Dr. Levin recht heftig in Jeanette verliebt, und dann ist ihm auch noch zu allem Überfluss das schwierig herzustellende Derma 28 ausgegangen. Dazu braucht es nämlich die Drüsen lebender junger Frauen, und diese geben normalerweise ihre Drüsen recht ungern her. Dr. Levin sieht nur einen Weg an Derma 28 zu kommen und die Schönheit seiner Liebsten zu erhalten: Er spritzt sich selber das Vorgängerpräparat Derma 25, mutiert zu einem hässlichen Monster, und mordet junge Frauen. Was zum einen die Polizei auf den Plan ruft, und zum andern auch den wieder zurückgekehrten Pierre auf die Fährte des Doktors bringt.

  • Autor: Maulwurf
  • Review:

    Der große Klassiker des Genres, Georges Franjus AUGEN OHNE GESICHT, hatte in Italien im Mai 1960 Premiere, SEDDOK im August. Man kann wohl davon ausgehen, dass die an SEDDOK beteiligten Mitarbeiter AUGEN OHNE GESICHT bereits kannten, gar zu ähnlich ist das Motiv in beiden Filmen: Der Wissenschaftler, der einer geliebten Frau die Schönheit zurückgeben und erhalten möchte und dafür mordet. Ein spannendes Motiv, das auch Jess Franco ein Jahr später in SCHREIE DURCH DIE NACHT erfolgreich umgesetzt hat.

     

    Majano hat nun der Zugkraft der eigentlichen Story offensichtlich nicht so recht getraut und noch zusätzlich ein Dr. Jekyll und Mr. Hyde-Thema um die Verwandlung von Dr. Levin in den Seddok eingebaut. Was nichts anderes bedeutet, als dass nicht der Arzt in seiner menschlichen Gestalt mordet, sondern eine Mutation des Arztes in Form eines Monsters. Da spräche so jetzt eigentlich nichts dagegen, sind doch Mediziner von Haus aus eher seltener mordende Monster (Dr. Phibes und Dr. Crippen jetzt vielleicht mal ausgenommen). Aber die Probleme beginnen dann, wenn Majano auch diesem Handlungsstrang nicht traut und sich in der Erzählung lieber auf das Innenleben seiner Charaktere stützt als auf vordergründige Action. Das nämlich funktioniert tatsächlich nur noch bedingt.

     

    Sagen wir es so: Als Genrefilm würde SEDDOK eigentlich gut was hermachen. Die Geschichte an sich ist spannend und vor allem gruselig, es gibt eine Menge Morde und viele Möglichkeiten leichtbekleidete Damen zu zeigen. Auch hier sei wieder auf SCHREIE DURCH DIE NACHT verwiesen in dem Jess Franco nämlich auf genau diese Qualitäten setzt und damit auch Erfolg hatte. SEDDOK allerdings interessiert sich eigentlich gar nicht so recht für die Morde, ganz im Gegenteil werden diese fast nebenbei abgehandelt, und die einzigen leichtbeschürzten Mädels sind in dem Nachtclub zu bewundern, in dem Jeanette sich zu Beginn ziemlich weitgehend auszieht. Atmosphärische Szenen wie die Begegnung zwischen Pierre und Jeanette im nebligen Hafen sind viel zu selten, stattdessen herrschen Dialogszenen vor. Das Drehbuch versucht die Innenwelt der Charaktere zu ergründen und ihre Beziehungen untereinander abzuklopfen, wobei die Hauptthemen sich dabei um Schönheit und Liebe drehen. Nett, aber mal ganz ehrlich: Wenn ich so etwas sehen möchte vertraue ich eher auf Woody Allen denn auf einen italienischen Grusler von 1960 …

     

    Schade eigentlich, denn das Außenrum passt recht gut. So sind die Settings recht ansprechend gestaltet (vor allem das klassische Mad Scientist-Labor im Keller macht was her), und die Schauspieler sind hervorragend gecastet. Alberto Lupo als Dr. Levin ist diabolisch, unheimlich und hat eine dermaßen sinistre Ausstrahlung, dass ich ihm jederzeit zutrauen würde der Erbe des Teufels (so der übersetzte Originaltitel) zu sein. Bedauerlich, dass Lupo mit seinem aristokratisch-bösem Gesicht nie richtig über die Peplums hinausgekommen ist. Susanne Loret schaut gut aus und ist mit ihrem entstellten Gesicht deutlich am Ende ihres Lebens angelangt, diese Empfindungen bringt sie jedenfalls sehr klar und deutlich rüber. Aber für eine süße Sexmaus waren ihre Gesichtszüge wohl zu herb und für das Drama war sie wahrscheinlich zu sexy, eine größere Karriere blieb ihr leider verwehrt. Sergio Fantoni als Seemann Pierre bringt alle Merkmale eines jugendlichen Helden mit: Gutes Aussehen, harte Fäuste und eine gewisse Arroganz. Er macht insgesamt wirklich eine gute Figur und durfte dies in vielen weiteren Filmen der 60er- und 70er-Jahre beweisen. Und dann ist da noch Roberto Bertea als stummer Gehilfe Sacha, der immer brav das Labor aufräumen darf und seinem Herrchen hündisch ergeben ist, von diesem aber immer flott in die Schnauze kriegt. Die Szenen mit Sacha sind durch die Bank beeindruckend und haben oft eine böse und unheilvolle Ausstrahlung. Bertea schafft es, trotz oder vielleicht auch gerade wegen seines hilflosen und schiefen Grinsens zur einzigen Sympathiefigur im Film zu werden. Die Rolle hätte gerne ausgebaut werden können.

     

    Ansonsten hat es noch sehenswerte Nebenrollen wie Ivo Garrani als Kommissar oder Franca Parisi (die ihre kurze Karriere in deutschen Heimatfilmen wie DIE HEILIGE LÜGE mit Karlheinz Böhm begann) als Monique, die Assistentin des Doktors, die keinerlei Anlass zur Kritik bieten und sich voll und ganz in den Dienst der Handlung stellen.

     

    Wenn diese (also die Handlung) noch etwas zupackender wäre, dann könnte SEDDOK eine Sternstunde des frühen italienischen Horrorkinos sein. So aber ist die Chance leider ein wenig vertan worden, was zu einer gewissen Unentschlossenheit führt. SEDDOK pendelt zwischen Gruselflick und Seelendrama, und befriedigt da einfach nicht auf ganzer Linie. Trotz Sacha …

  • Autor: Maulwurf
  • Veröffentlichungen:

    In Deutschland erschienen ist der Film als DVD bei Ostalgica. Eine etwas durchwachsene Sache diese Veröffentlichung:

     

    Das Bild ist gut. Anhand einer eingefügten Szene aus einem unbearbeiteten Master sowie anhand der Extras kann man ermessen wie das Ausgangsmaterial aussah, und dass der Ein-Mann-Betrieb Ostalgica da ein kleines Wunder vollbracht hat. Manchmal wirkt das Bild vielleicht etwas matschig, aber das Sehvergnügen wird definitiv nicht getrübt.

     

    Anders sieht es leider mit dem Ton aus. Der wurde nämlich aufbereitet und um das Hintergrundrauschen bereinigt. Dadurch klingt die finale Version leider extrem dumpf. Auf der DVD liegen auch der unrestaurierte Originalton sowie eine Zwischenversion vor, was die Bearbeitungsschritte ein wenig verständlicher macht. Aber so recht schmecken mag der Ton nie. Alle deutschen Tonspuren liegen nur für die kürzere deutsche Kinofassung vor.

     

    Es gibt bei dieser Veröffentlichung aber noch mehr: So gibt es die unrestaurierte deutsche Kinoversion (die wahrlich Augenkrebs verursachen kann), einen Ausschnitt aus der Super-8-Version, sowie die ungeschnittene Originalversion, allerdings nur mit asynchronem Ton. Aus diesem Grund wurde eine dritte DVD beigelegt mit synchronem Ton. Die Extras zum Film (US-Trailer, die in der deutschen Version geschnittenen Szenen, die Eröffnungssequenz der US-Version sowie der Ton(!) der US-Version sind nur auf der 2. DVD enthalten. Die 3. DVD, also die mit der synchronen Originalversion, bietet diese Extras nicht, dafür aber den 12-minütigen Kurzfilm DEAD CONTINUE von Rolf Höhne. Alles klar?

  • Autor: Maulwurf
  • Filmplakate

    Links

    OFDb

    IMDb

     

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