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Season of the Senses

Deutschland | Italien, 1969

  • Originaltitel: La stagione dei sensi
  • Regisseur: Massimo Franciosa
  • Kamera: Alessandro D'Eva
  • Musik: Ennio Morricone
  • Drehbuch: Barbara Alberti, Dario Argento, Franco Ferrari, Peter Kintzel
  • Inhalt:

    Während einer tosenden Strandparty kommt den sechs Jugendlichen Monica (Laura Belli), Michele (Eva Thulin), Marina (Susanne von Sass), Claudia (Edda Di Benedetto), Marco (Ugo Adinolfi) und Peter (Gaspare Zola) urplötzlich die glorreiche Idee, einfach mal so nebenbei einen nächtlichen Ausflug mit einem Motorboot zu starten, wobei ihnen aber bereits binnen kürzester Zeit das Benzin ausgeht und sie sich daraufhin notgedrungen auf eine nahe gelegene Insel retten müssen. Glücklicherweise befindet sich auf dem malerischen Inselareal ein schlossähnliches Anwesen, welches von dem geheimnisvollen und adonishaften Luca (Udo Kier) bewohnt wird. Nachdem sich die gestrandeten Partygänger -eigentlich ungefragt- im Anwesen des gutaussehenden Schlossherren zunächst einmal gemütlich gemacht haben, treffen die sechs Jugendliche kurzerhand die folgenschwere Entscheidung, sich doch einfach für die nächsten paar Tage im Anwesen des völlig anteilnahmslos wirkenden Luca einzunisten. Gesagt, getan und am übernächsten Morgen sind dann sowohl Peter, als auch Marco bereits sang und klanglos verschwunden, wodurch die vier verbliebenen Damen von da an völlig alleingelassen mit dem unheimlichen Luca auf der einsamen Insel im Meer festsitzen. Doch Luca beherbergt in seinem tiefsten Innern so einige dunkle Geheimnisse, wovon sich eines dann als seine übersinnliche Fähigkeit zum Manipulieren von Menschen herausstellt. Dabei strahlt der mysteriöse Schlossherr eine unwiderstehliche Anziehungskraft auf die recht offenherzigen Damen aus, was bei diesen wiederum zu einem erheblichen Gefühlschaos führt und somit nicht nur ihre verborgendsten Sehnsüchte, sondern auch tiefsitzenden Urängste und das damit unweigerlich verbundene Gefühl der völligen Unsicherheit weckt. Nach und nach verfallen die fünf Frauen im tiefsten Inneren ihren sexuellen Sehnsüchten und Begierden, wodurch sie sich schlussendlich zu willensschwachen Marionetten in der Hand ihres Unterdrückers verwandeln. Bleibt nur noch die Frage, was der unheimliche und scheinbar auch übermächtige Luca eigentlich mit seinem teuflischen Spiel im Schilde führt? Eins sollte aber jetzt schon jedem klar sein: Am Ende wird allgemeines Heulen und Zähneknirschen herrschen!

  • Autor: Richie Pistilli
  • Review:

    Ein weiterer, sehr außergewöhnlicher Film von der stiefelförmigen Halbinsel, der den wohligen Zeitgeist der End-60er Generation bestens transportiert und zudem mit einer völlig abgedrehten Story auftrumpft, bei der wiederum kein geringerer als der allseits geschätzte Dario Argento seine Finger mit im Spiel hatte. Von Beginn an wartet dieses Ausnahmewerk mit umwerfenden Bildkompositionen auf, die dem bemerkenswerten Talent des Kameramanns Alessandro D'Eva (SKLAVEN IHRER TRIEBE, MATCHLESS - DER UNSICHTBARE SPION, DAS DRITTE AUGE) geschuldet sind und somit für mich zu den Filmen zählt, welche man alleine schon aufgrund ihrer unendlichen Bilderpracht einfach nur gern haben muss.

     

    Der 1924 in Rom geborene Massimo Franciosa war zu seinen Lebzeiten nicht nur ein erfolgreicher Drehbuchautor (ROCCO UND SEINE BRÜDER, DER LEOPARD, BETE AMIGO!) gewesen, sondern auch zugleich ein Regisseur (VERSUCHUNG IN LIEBE, HELLE STIMMEN, SEITENSPRÜNGE), der nach einer jahrelangen Zusammenarbeit mit Pasquale Festa Campanile (DAS NACKTE CELLO, WENN DU KREPIERST - LEBE ICH, DAS MÄDCHEN VON TRIEST) dann im Jahre 1964 auch endlich seinen ersten eigenen Film abdrehen durfte. Dabei widmete sich Massimo Franciosa in erster Linie den sentimentalen Komödien bzw. komischen Filmen aus dem neapolitanischen Millieu, wodurch die vorliegende Inszenierung wie ein Ausnahmewerk im Rahmen seines filmischen Schaffens wirkt.

     

    Zu dem Ganzen gesellt sich dann auch noch eine sehr gut aufgelegte Darstellerriege, von denen der junge Udo Kier (HEXEN BIS AUFS BLUT GEQUÄLT, ANDY WARHOL'S FRANKENSTEIN, SUSPIRIA) in der Rolle des geheimnisvollen und unheimlichen Schlossbesitzers Luca die beeindruckendste (oder besser gesagt "dominierendste") Darbietung an den Tag legt. Keine Ahnung, wie genau seine Masche letztendlich funktioniert, aber Hauptsache ist, sie funktioniert. Und das tut sie schließlich auch tadellos, so dass sich die vier adretten Damen bereits kurz nach ihrer Ankunft ihm gegenüber hilflos ausgeliefert fühlen und auch schließlich nach und nach mit Haut und Haar verfallen. Dabei benötigt Herr Kier beim ersten Durchgang seines geschlechtsspezifischen Machtspiels noch ein wenig Hilfestellung durch ein handliches Maschinengewehr, damit er die zunächst noch widerspenstigen Schönheiten für sich gefügig gemacht bekommt. An anderer Stelle lässt er dann im Rahmen einer weiteren Etappe des makabren Machtspiels auch einfach mal seinen scharfen Schäferhund auf die völlig ahnungslosen Partygirls los, nur um diesen dann wiederum vor den Augen der tollgeschockten Damen mit mehreren Maschinengewehrsalven das letzte Geleit zu verleihen. Ansonsten macht sich der gute Udo aufgrund seiner übersinnlichen Masche eine nach der anderen klar, und als ihn auch das nicht mehr richtig rockt, sogar alle auf einmal. Zwischendrin wird sich dann auch mal mit handbemalten und überdimensionalen Gotcha-Kugeln beworfen, stylische Kleidung am offenen Lagerfeuer verbrannt oder auch einfach nur in trauter Runde ein berauschendes Kostümfest zelebriert. Außerdem liest Udo scheinbar abends gerne „Wolfsblut“ und besitzt inmitten seines geräumigen Wohnzimmers auch noch einen eigens entworfenen Designermüllschlucker, durch den er dann aber nicht nur leblosen Restmüll ins offene Meer entsorgt.

     

    Die Damen der Schöpfung hingegen scheinen dabei den bannenden Kräften des jungen Udo Kiers hilflos ausgeliefert zu sein, obwohl sie sich zunächst gegen den unbändigen Drang ihrer manipulierten Gefühle zu sträuben versuchen. Letztendlich werden sie aber alle Opfer ihrer verborgenen Sehnsüchte und schlummernden Triebe, welche dann wiederum von Lucas übersinnlichen Kräften beherrscht werden und dadurch vier lebensfrohe Frauen zu willenlosen Liebesdienerinnen verkommen lässt, die sich daraufhin allesamt wie paralysiert nur noch nach dem Objekt ihrer Begierde verzehren. Also scheinbar ein leichtes Spiel für unseren diabolisch wirkenden Dominator Udo.

     

    Von den vier Darstellerinnen sagten mir die Darbietungen der hübschen Neapolitanerin Laura Belli (DAS SYNDIKAT, DER UNERBITTLICHE VOLLSTRECKER, DER BERSERKER) und der reizenden Eva Thulin (ZUM ZUM ZUM N°2, SKLAVEN IHRER TRIEBE, INVASION) am meisten zu, wobei letztere im Direktvergleich die Nase noch etwas weiter vorne hat. Außerdem gibt es mit Susanne von Sass eine weitere deutsche Beteiligung zu vermelden, wobei diese im Laufe ihrer recht überschaubaren Filmkarriere lediglich an einer weiteren abendfüllenden Spielfilmproduktion beteiligt war und ansonsten nur noch für die süddeutsche TV Serie “KÖNIGLICH BAYERISCHES AMTSGERICHT” vor der Kamera stand. Die letzte im Bunde hört auf den Namen Edda Di Benedetto (EINSAME HERZEN, ZEIG MIR DAS SPIELZEUG DES TODES, LIBERTY) und war mir bis dato noch völlig unbekannt. Trotz einer souveränen Darbietung im Rahmen dieser Inszenierung, konnte sie bei mir schlussendlich keinen bleibenden Eindruck hinterlassen.

     

    Gekrönt wurde dieses bildschöne Filmspektakel übrigens durch eine rocklastige Filmmusik des Maestros, die dann auch zugleich der Grund war für die längst überfällige Betrachtung dieses wundervollen Films.

     

    Fazit: Sexy, unheimlich, geheimnisvoll, beeindruckend und bildschön.

  • Autor: Richie Pistilli
  • Veröffentlichungen:

    Leider ist mir von diesem bemerkenswerten Film nur die TV Fassung mit einer Spielzeit von ca. 82 Min. bekannt. Laut der IMDB soll aber scheinbar auch noch eine 94 minütige Fassung existieren. Außerdem scheint es sich auch in diesem Fall mal wieder um eine deutsch-italienische Co-Produktion zu handeln, von der letztendlich keine deutschsprachige Fassung produziert wurde. Im Vorspann selbst wird dann lediglich Monaco anstatt eines deutschen Kooperationspartners angegeben.

  • Autor: Richie Pistilli
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