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Der schwarze Leib der Tarantel

Frankreich | Italien, 1971

  • Originaltitel: La tarantola dal ventre nero
  • Alternativtitel:

    O Ventre Negro da Tarântula (BRA)

    La tarántula del vientre negro (ESP)

    La tarentule au ventre noir (FRA)

    O Ventre Negro da Aranha (POR)

    The Black Belly of the Tarantula (USA)

  • Deutsche Erstaufführung: 07. Mai 1972
  • Regisseur: Paolo Cavara
  • Kamera: Marcello Gatti
  • Musik: Ennio Morricone
  • Drehbuch: Marcello Danon, Lucile Laks
  • Inhalt:

    Inspektor Tellini (Giancarlo Giannini) ermittelt in einer obskuren Mordserie, in der der unbekannte Killer seine Opfer zunächst mit einer Nadel paralysiert, bevor er sie mit einem Messer tötet. Sein erstes Opfer ist die leicht nymphomanische Laura (Barbara Bouchet). Da diese gerade Streit mit ihrem Ehemann Paolo (Silvano Tranquilli) hatte, gerät dieser zunächst in Verdacht, welcher sich durch dessen Flucht schnell erhärtet. Doch Tellini stößt bei seinen weiteren Ermittlungen darauf, dass offenbar alle Mordopfer zuvor erpresst wurden. Zudem ergibt sich eine Verbindung zu der Schönheitsklinik von Laura (Claudine Auger) als ihre Angestellte Jenny (Barbara Bach) getötet wird. Tellini kommt der Wahrheit allmählich näher und so geraten auch er und seine Frau Anna (Stefania Sandrelli) ins Visier des unbekannten Mörders.

  • Autor: Gerald Kuklinski
  • Review:

    Nach seinen Anfängen als Dokumentarfilmer und Regieassistent von Regiegrößen wie Henry Hathaway und John Huston, beweist Paolo Cavara nach seiner Zusammenarbeit an „Mondo Cane“ und „Alle Frauen dieser Welt“ eine gute Hand bei der Inszenierung von herausragenden Genre-Spielfilmen. Nach seinem eigenen Mondo-Werk „I malamondo“ lieferte er mit „Das wilde Auge“ (L'occhio selvaggio, 1967) seinen ersten Spielfilm und zugleich eine kompromisslose Abrechnung seiner Zeit mit Prosperi und Jacopetti.

     

    Nach einem Abstecher in den Bereich des Kriegsdramas mit „Ein Atemzug Liebe“ (La Cattura, 1969) inszenierte er den Giallo „Der schwarze Leib der Tarantel“, der zu den herausragendsten Werken dieses Genres gehört. Und auch später gelang es Cavara, z. B. mit „Das Lied von Mord und Todschlag“ (Los Amigos, 1973), „Virilità“ (1974) oder „Magnum 45“ (E tanta paura, 1976) eigentlichen Genre-Filmen eine aus der Masse hervorstechende Qualität zu verleihen.

     

    Dabei hat man zu Beginn von „La tarantola dal ventre nero“ noch das Gefühl, in einem Argento-Giallo zu sitzen, was nicht zuletzt an Kameraführung (Marcello Giatti), Beleuchtung und phantasievollen Schnittfolgen (Mario Morra) liegt – und natürlich an den ausgezeichneten Klängen von Ennio Morricone und Bruno Nicolai. Nach dem ersten Mord – und die Mordmethode dieses Films vermag auch heute noch den Zuschauer zu erschüttern – gelingt es Cavara dann aber, seinen eigenen Stil zu finden.

     

    Der Fokus liegt auf den Ermittlungen durch die Hauptfigur Insektor Tellini – gespielt von Giancarlo Giannini – und insbesondere bei der Hintergrundarbeit der übrigen Ermittlungsbeamten und der Spurensicherung legt Cavara Realismus an den Tag. Hier kommt (leicht) der Dokumentarfilmer durch. Auch die Mordmethode – eine Anlehnung an die Art, wie die sogenannte Wegwespe (Pepsis Formosa) eine Tarantel mit ihrem Stich lähmt um dann in ihrem Leib ihre Eier abzulegen – klingt sehr nach der Idee eines Mannes, der aus dem Bereich des Dokumentarfilms kommt. Der im späteren Verlauf der Handlung an Bedeutung gewinnende Nebenschauplatz einer Schönheitsklinik weckt wiederum Erinnerungen an Mondo Cane. Sehr interessant auch die rasante Kameraführung und die schnellen Schnittfolgen beim zweiten Mord, als erlebte der Zuschauer das Geschehen aus der Perspektive eines angreifenden Raubtieres.

     

    Überraschend für eine Produktion mit nur wenig bekannten Finanziers ist die Fülle hochkarätiger Darsteller bzw. Darstellerinnen. Neben den männlichen Parts von Giancarlo Giannini, Silvano Tranquilli und Giancarlo Prete kann „Der schwarze Leib der Tarantel“ mit einer ganzen Reihe bekannter und durchaus unterschiedlicher Schönheiten jener Zeit aufwarten: Claudine Auger (nur ein Jahr später in Mario Bavas „Im Blutrausch des Satans“, Reazione a catena, zu sehen), Barbara Bouchet, die weit mehr als nur talentierte Stefania Sandrelli natürlich, Barbara Bach , Rossella Falk und – in ihrer ersten winzigen Statisten-Rolle – taucht auch Eleonora Giorgi auf.

     

    Viel mehr möchte ich über diesen fesselnden und farbenfrohen Giallo eigentlich gar nicht schreiben, außer, dass man den Täter wie üblich kaum erraten kann, denn die Auflösung ist giallotypisch ziemlich an den Haaren herbeigezogen. Selbst Inspektor Tellini unterbricht am Ende genervt den Psychiater, der ihm die Hintergründe erläutern will, allerdings hat Tellini ohnehin andere Sorgen.

     

    Paolo Cavara begann Ende der Siebziger eine Zusammenarbeit für den TV-Sender RAI, bestehend aus Fernsehfilmen und Dokumentationen, bis zu seinem frühen Tod im Jahre 1982.

  • Autor: Gerald Kuklinski
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