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Der Schwanz des Skorpions

Italien | Spanien, 1971

  • Originaltitel: La coda dello scorpione
  • Alternativtitel:

    La cola del escorpión (ESP)

    La queue du scorpion (FRA)

    The Case of the Scorpion's Tail (Int.)

    Scorpion's Tail (Int.)

  • Deutsche Erstaufführung: 25. Mai 1973
  • Regisseur: Sergio Martino
  • Kamera: Emilio Foriscot
  • Musik: Bruno Nicolai
  • Drehbuch: Ernesto Gastaldi, Eduardo Manzanos Brochero, Sauro Scavolini
  • Inhalt:

    Während sich die hübsche Lisa Baumer mit einem Jüngling vergnügt, kommt ihr Ehemann Kurt bei einem tragischen Flugzeugunglück ums Leben. Als sich dann noch herausstellt, dass Lisa eine Million Dollar aus der Lebensversicherung ihres Mannes kassieren soll, ruft dies den Versicherungsdetektiv Peter Lynch auf den Plan, der einen Betrugsversuch vermutet. Nachdem in London der drogensüchtige Ex-Freund von Lisa ermordet wird, reist diese sofort nach Athen, um die Versicherungssumme zu kassieren. Doch hier angekommen nimmt die Ex-Gattin von Kurt Baumer Kontakt zu ihr auf und versucht Lisa zu erpressen. Nur kurze Zeit später werden beide Frauen ebenfalls auf brutale Weise ermordet...das Geld aus der Lebensversicherung bleibt unauffindbar! Während die Polizei den Versicherungsdetektiv Lynch der Morde bezichtigt, versucht dieser gemeinsam mit der Journalistin Cléo Dupont dem Rätsel der Morde und der verschwundenen Versicherungssumme auf die Spur zu kommen. Doch der Killer mit den schwarzen Lederhandschuhen sucht und findet noch weitere Opfer...

  • Autor: Thorsten Strahmann
  • Review:

    Sergio Martinos LA CODA DELLO SCORPIONE steht im Schatten seines im selben Jahr erschienenden und ebenfalls mit George Hilton und Alberto de Mendoza besetzten LO STRANO VIZIO DELLA SIGNORA WARDH (Der Killer von Wien), muß sich aber ganz gewiss nicht hinter diesem verstecken. Martino katapultiert uns mit voller Wucht in die geliebten 70er-Jahre und verwöhnt uns mit einer edlen Darstellerriege, wunderschönen Bildern und einer äußerst spannenden Geschichte. George Hilton geht abermals in seiner Rolle als obercooler Macho auf und die wunderschöne Anita Strindberg, mit der Martino im Folgejahr den ebenfalls famosen Giallo TUO VIZIO É UNA STANZA CHIUSA E SOLO IO NE HO LA CHIAVE drehte, spielt sein gut geformtes Beiwerk mit Freude. Im Ganzen liest sich die Darstellerliste von La CODA wie das Who-is-who des Giallos, so dass auch die kleinsten Rollen mit uns sehr bekannten Gesichtern besetzt sind: Luigi Pastilli aus UN BIANCO VESTITO PER MARIALÉ oder MILANO CALIBRO 9 spielt den etwas genervten griechischen Inspector Stavros überzeugend, Ida Galli - hier als Evelyn Stewart -, uns bekannt aus LE ORME oder SETTE NOTE IN NERO, muss als Lisa Baumer leider viel zu früh dahinscheiden und Janine Reynaud, hier in der Rolle der Lara Florakis, beglückte uns bereits in Jess Franco´s KÜSS MICH, MONSTER von 1969.

     

    Martino und sein Kameramann Emilio Foriscot, die auch LO STRANO VIZIO DELLA SIGNORA WARDH gemeinsam gedreht haben, bescheren uns all das, was wir so lieb gewonnen haben...schöne Frauen, harte Kerle, Sonnenschein und traumhafte Kulissen und Dekors...und irgendwo steht dann meist auch noch zufällig eine Flasche J&B in der Ecke herum. Es gibt schwarzgekleidete Killer mit ledernen Handschuhen, blitzende Messerklingen und wundervolles unrealistisches Kunstblut zu genießen...sogar dem Gore-Fan wird in der ein oder anderen Sequenz ein Lächeln um die Mundwinkel gezaubert. Und diese kompletten gelben Zutaten sind in eine sehr spannende Story gebettet, die wir nicht zuletzt der Mitwirkung von Ernesto Gastaldi am Drehbuch zu verdanken haben, der ebenfalls die Vorlagen für so bekannte Genre-Granaten wie z.B. Lenzi´s DIE GEWALT BIN ICH oder TORSO lieferte, der ebenfalls von Sergio Martino 1973 inszeniert wurde.

     

    LA CODA DELLO SCORPIONE gelingt es des öfteren uns glauben zu lassen, wir seien dem Rätsel auf der Spur, nur um uns kurz darauf durch einen weiteren Twist eines besseren zu belehren. Er spielt sehr gerne mit den Sehgewohnheiten des damaligen Kinopublikums, um diese immer wieder ad absurdum zu führen, er wiegt den Zuschauer in Sicherheit, nur um ihn wieder verunsichern zu können.

     

    Und, als würde dieser leckere Cocktail noch nicht reichen, garniert ihn Martino mit einem der erlesensten Soundtracks, den ich kenne. Kompositionsgenie Bruno Nicolai hat mit diesem abwechslungsreichen Score ein absolutes Meisterwerk geschaffen. Während der Spannungsaufbau in jeweils sehr ähnlichen Themen und Sequenzen durch ein minimalistisches und sich sofort ins Ohr setzende Stück im Stile eines späteren John Carpenter erzeugt wird, wechselt Nicolai unvermittelt zu einem melodiösem und beruhigendem Song, der uns sogleich an die schönen, sonnigen Seiten des Lebens (der Handlung!) erinnert! Es ist ebenfalls ein musikalisches Spiel mit einem täuschenden Gefühl von Sicherheit, dass uns der Maestro hier um die Ohren fegt. Nicolais Score zu LA CODA DELLO SCORPIONE machte sich derart gut, das er des öfteren als Filmmusik herhalten durfte, zuletzt in Hélène Cattet & Bruno Forzanis Edel-Neo-Giallo AMER von 2009. Für mich ist LA CODA DELLO SCORPIONE ein perfekter Giallo, der all das bietet, was sich der Genrefreund wünscht und der sich meiner Meinung nach auf Augenhöhe mit LO STRANO VIZIO DELLA SIGNORA WARDH befindet. Nun gut, Frau Strindberg wird nie die Beliebtheit einer Edwige Fenech erreichen und auch ein Luigi Pistilli ist noch lange kein Ivan Rassimov...aber was soll´s...ein Sergio Martino geht immer!!!

     

    Fazit: Unbedingt empfehlenswert!

  • Autor: Thorsten Strahmann
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