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Der Schlitzer

Italien, 1980

  • Originaltitel: La casa sperduta nel parco
  • Alternativtitel:

    Trampa para un violador (ESP)

    La maison au fond du parc (FRA)

    Violencia mortal (MEX)

    A Armadilha (POR)

    House on the Edge of the Park (USA)

    The House on the Edge of the Park (Int.)

  • Deutsche Erstaufführung: 17. April 1981
  • Regisseur: Ruggero Deodato
  • Kamera: Sergio D'Offizi
  • Musik: Riz Ortolani
  • Drehbuch: Gianfranco Clerici, Vincenzo Mannino
  • Inhalt:

    Die Freunde Alex und Ricky freuen sich bereits auf eine heiße Disconacht in N.Y.C, als ein letzter Kunde in der Garage auftaucht, wo Alex als Mechaniker arbeitet. Ein Upperclass-Pärchen mit einem unbedeutenden Motorschaden lädt die Beiden (bzw. sie sich selbst) auf eine Party in ihrem Haus ein. Dort trifft man auf weitere Upperclass-Schnösel, die sich über die Beiden amüsieren und Ricky beim Kartenspiel ausnehmen. Doch Alex- ein notorischer Vergewaltiger – hat anderes im Sinn und will sich nicht von ein paar reichen Snobs hochnehmen lassen. Doch das ganze Szenario entpuppt sich als Falle.

  • Autor: Gerald Kuklinski
  • Review:

    Vergewaltigung im Lullaby- und Disco-Sound

     

    Sieben Jahre nach Wes Cravens Erstling „Last House on the Left“ entstand Ruggero Deodatos „House at the Edge of the Park“, der, nach einer kurzen Rückblende zu Anfang, gleich dort ansetzt, wo Wes Cravens Film endet – beim Rachemotiv. Freilich erfahren wir das erst später.

     

    Tatsächlich darf David Hess zu Anfang eine Vergewaltigungsszene mit seiner eigenen Ehefrau drehen, und hier liefert Regisseur Ruggero Deodato einen ersten Hinweis darauf, was für ein spekulatives Thriller-Szenario uns in den kommenden 90 Minuten erwartet: Deodato verwendet Schwarzbild-Einblendungen, die jedoch nichts verschleiern sondern eher die „interessanten“ Einstellungen hervorheben, während eher Belangloses ausgeblendet wird. Die deutsche Zensur hat dies schamlos ausgenutzt, in dem sie in früheren Fassungen die Rasiermesser-Szene gegen Ende (neben ein paar weiteren Schnitten) um die expliziten Einstellungen beraubt hat, in dem man die Umkehrung dieses Stilmittels verwendete.

     

    „Delivers Shocks To The Maximum ... Pushes The Limits Of Acceptability” (Tagline)

     

    “Der Schlitzer” ist vordergründig ein Psycho-Thriller, in dem es aber hauptsächlich darum zu gehen scheint, die Erwartungshaltung des Zuschauers auf bevorstehende sexuelle Gewalt zu wecken. Und da Ruggero Deodato kein Anfänger ist, gibt es auch ausreichend ruhige Momente, in denen sich der Zuschauer dafür schämen darf, dass er noch immer gebannt vor der Leinwand oder dem Bildschirm sitzt und auf mehr hofft.

     

    Natürlich ist „Der Schlitzer“ (grässlicher dt. Titel) ein durchaus sehr spannender und gut umgesetzter Thriller, was nicht nur der professionellen Regie (das muss man in vier Wochen Drehzeit erst mal so hinbekommen) sondern vor allem auch einem guten Cast zu verdanken ist. Neben David Hess sehen wir, berücksichtigt man den Zeitpunkt des Filmdrehs, Giovanni Lombardi Radice in seiner ersten Rolle. Radice begann seine Karriere mit einer Reihe von Rollen, in der er ziemlich auf exzentrische, sadistische und geistesgestörte Charaktere festgelegt schien. Dies ist umso mehr verwunderlich, da er das Horrorgenre eigentlich hasst, privat ein sehr sanftmütiger Charakter ist und später eher auf der Theaterbühne und sogar als Opernregisseur anzutreffen war. Tatsächlich war ich eher überrascht zu lesen, dass er seit 1989 verheiratet (mit einer Frau!) und auch Vater ist, denn hört man ihn in Interviews sprechen, sieht ihn gestikulieren und hat seine zuweilen sehr überzeugende Darstellung von Homosexuellen gesehen, hätte ich ihn anders eingeschätzt- aber ist wohl nur ein Künstler und Schöngeist. Christian Borromeo wiederum sieht mal wieder aus als hätte er gerade erst frisch seinen Führerschein bekommen, dürfte hier aber um die Mitte Zwanzig bis Dreißig gewesen sein.

     

    Die weibliche Besetzung ist ein Traum: die knabenhafte Annie Belle, die schöne Lorraine De Selle und die dunkelhäutige Marie Claude Joseph – hier in ihrer leider einzigen Filmrolle – ist ein Hingucker, den man nur ungerne verpasst hätte. Als erstes Opfer von Alex, wie bereits erwähnt, David Hess‘ Ehefrau, die hier unter dem Namen Karoline Mardeck agiert. Zusammengestellt wurde dieser traumhafte Cast von Deodatos Schwiegermutter.

     

    Kurz zu den Rollen: Alex ist ein großspuriger, gewalttätiger aber durchaus komplexbeladener Gewalttäter, der Frauen benutzt und dabei völlig seinen Trieben unterworfen ist. So erfährt man später durch Ricky, dass der Mord, den man am Anfang sieht, wohl „nur“ eine Vergewaltigung werden sollte, bei der Alex jedoch jegliche Kontrolle über sich verlor. Ricky wiederum ist nicht nur Alex‘ Freund sondern scheint diesen geradezu zu vergöttern, beide scheinen keine weiteren wirklichen sozialen Kontakte zu haben. Ricky ist dabei offensichtlich auch eine männliche Jungfrau und steht so gar nicht auf Gewalt gegenüber Frauen, wie der weitere Verlauf während der Geiselnahme zeigt – was später auch von Gloria (Lorraine De Selle) angemessen honoriert wird.

     

    Deodatos „House at the Edge of the Park“, der sich gegen Ende auch seinen deutschen Verleihtitel „Der Schlitzer“ rechtschaffen erwirtschaftet, ist ein wirklich schuldiges Vergnügen, reißerisch und spekulativ.

     

    Musikalisch untermalt wird das Gewaltszenario von Riz Ortolani, im Gedächtnis bleiben das Lullaby „Sweetly, oh Sweetly“ und eine schmissige Disconummer. In den englischen und italienischen Tonfassungen gibt es auch etwas Spannungsmusik, die in der deutschen Fassung unterschlagen worden zu sein scheint.

  • Autor: Gerald Kuklinski
  • Filmplakate

    Links

    OFDb

    IMDb

     

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