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Scheidung auf Italienisch

Italien, 1961

  • Originaltitel: Divorzio all'italiana
  • Alternativtitel:

    Divorce Italian Style (USA)

  • Deutsche Erstaufführung: 31. August 1962
  • Regisseur: Pietro Germi
  • Kamera: Leonida Barboni, Carlo Di Palma
  • Musik: Carlo Rustichelli
  • Drehbuch: Ennio De Concini, Pietro Germi, Alfredo Giannetti, Agenore Incrocci
  • Inhalt:

    In einem kleinen sizilianischen Dorf hat Don Ferdinando Cefalù (Marcello Mastroianni) nach 15 Jahren Ehe genug von seiner Frau Rosalia (Daniela Rocca). Zudem befindet sich seine 16-jährige Nichte Angela (Stefania Sandrelli), die gegenüber wohnt, gerade in voller Blüte. Heimlich beobachtet er sie abends vom Toilettenfenster aus, allerdings nicht so gut ausgerüstet wie sein Vater, der stets ein Opernglas dabei hat.

     

    Don Ferdinando und Angela verlieben sich ineinander, doch Angelas Vater findet heraus, dass es da jemanden gibt, ordnet eine Untersuchung auf Angelas Jungfräulichkeit durch die örtliche Hebamme und den künftigen Besuch einer Klosterschule an. Noch später am selben Abend kommt es zur Liebesnacht zwischen den Beiden, doch am nächsten Morgen ist Angela fort.

     

    Don Ferdinando sieht nur eine Lösung, um Angela irgendwann legitim heiraten zu können: ein Verbrechen aus Eifersucht, einkalkulierte Haftstrafe von 3 – 7 Jahren, dafür muss er seiner Frau einen Liebhaber findet, damit er dann – in seiner Eigenschaft als gehörnter und entehrter Ehemann, seine Frau erschießen kann.

     

    Da entdeckt er Camelo Patanè (Leopoldo Trieste), der in Messina unter neuem Namen lebt, da er im zweiten Weltkrieg desertiert ist, für tot erklärt wurde, es steht gar sein Name auf einer Ehrentafel für gefallene Soldaten, die sich auf dem Marktplatz befindet. Und Carmelo war einst glühender Bewunderer von Rosalia, schrieb ihr innige Liebesbriefe, und auch Rosalia trauert dieser entgangenen Liaison noch immer nach.

     

    Don Ferdinando engagiert Carmelo, der inzwischen als Restaurateur tätig ist, um ein paar übermalte Stuckmalereien in seinem Haus freizulegen. Er besorgt sich Mikrophon und Tonband und belauscht Rosalia und ihren früheren Verehrer, um rechtzeitig von einer Affäre zu erfahren. Dabei funkt ihm erst das junge Dienstmädchen Sisina (Margherita Girelli) dazwischen, die sich in Carmelo verliebt, zudem findet Don Ferdinando heraus, dass Carmelo ebenfalls verheiratet ist und drei Kinder hat.

     

    Schließlich scheint sein Plan aber endlich aufzugehen, Rosalia und Carmelo wollen sich heimlich treffen – allerdings nicht zu einem Schäferstündchen sondern zum gemeinsamen Durchbrennen. Don Ferdinando kommt zu spät, die Beiden entkommen, und Ferdinando wird zum gehörnten und entehrten Gespött des Dorfes. Der örtliche Mafia-Don will ihm schließlich helfen, die Flüchtigen aufzuspüren, damit er seine Ehre retten kann.

  • Autor: Gerald Kuklinski
  • Review:

    „Scheidung auf Italienisch“ ist bisher der einzige Film von Regisseur Pietro Germi den ich kenne, und man sollte ihn keineswegs als reine Komödie betrachten. Denn Hintergrund der Story war natürlich das italienische Eherecht, wo eine Scheidung nicht nur gesellschaftlich inakzeptabel sondern schlichtweg gesetzlich untersagt war – und das noch bis 1970. So befinden wir uns in einer bitterbösen und schwarzhumorigen Satire gegen Staat und katholische Kirche.

     

    Und gerade was die Kirche betrifft, gibt es weitere Referenzen. Den Priester, der am Wahltag mehrfach von der Kanzel wiederholt „Nicht vergessen, Christlich und Demokratisch wählen, Christlich und Demokratisch.“ Natürlich sind da die italienischen Christdemokraten gemeint, deren Parteihaus man später auch zu sehen bekommt, und eine solche Vorgehensweise kennt man auch aus gewissen eher ländlichen Gegenden bei uns. Die zweite Anspielung ist Referenz in vielerlei Hinsicht, der Priester warnt vor dem Besuch von Fellinis „La Dolce Vita“, trotzdem findet sich das halbe Dorf selbstverständlich zur Vorstellung ein. Hauptdarsteller in „La Dolce Vita“ natürlich ebenfalls Marcello Mastroianni.

     

    Mastroianni, hier nicht nur bereits mitten im Karrierehoch sondern ebenso in einer darstellerischen Hochphase. Er muss zahlreiche Szenen mit Off-Dialogen und – Monologen meistern und das gelingt ihm mit Bravour. Stefania Sandrelli hingegen noch in ihrem ersten Filmkarrierejahr, ihre Rolle ist nicht übermäßig groß aber wichtig. Daniela Rocca – mit angedeutetem Schnurrbart in der Rolle von Don Ferdinandos Ehefrau Rosalia – tut einem als Zuschauer ein wenig Leid, denn so schlimm ist sie ja gar nicht, romantisch, versponnen, aber eben nicht mehr taufrisch und von ihrem Ehemann nicht (nie?) geliebt – und entsprechend liebebedürftig und sexhungrig, was die Abneigung ihres Ehemannes nur erhöht.

     

    Ebenfalls erwähnen sollte man den Part von Don Ferdinandos Schwester Angnese (Angela Cardile) und ihrem Verlobten Rosario (Lando Buzzanca, hier in seiner ersten größeren Rolle), die auf die Zustimmung der Familie zu ihrer Hochzeit warten und heftig unter Druck stehen. Immer wieder tauchen sie erschrocken im Film auf, wenn jemand einen dunklen Raum betritt oder sie in einem Feld findet, und jedes Mal zupfen sie hastig ihre Kleidung zurecht.

     

    Woran erkennt man einen großen Klassiker? Unter anderem sicher auch an zahlreichen Nachahmern, sei es nur vom Titel her, wie bei Pietro Germis eigenem zwei Jahre später entstandenem „Verführung auf Italienisch“ (ebenfalls mit Stefania Sandrelli) oder De Sicas „Hochzeit auf Italienisch“ oder in Form von Referenzen, wie z. B. in Richard Quines „Wie bringt man seine Frau um?“ mit Jack Lemmon und Virna Lisi.

     

    In Deutschland ist „Scheidung auf Italienisch“ gelegentlich ungekürzt im TV zu sehen, ob die damalige FSK-Freigabe ab 18 Jahren inzwischen geändert wurde, ist mir nicht bekannt. Auf jeden Fall ein Pflichtfilm für Italo-Fans, gedreht in schönem Schwarz/Weiß. Ein Oscar für das beste Originaldrehbuch war ebenfalls noch drin, wenn auch recht spät, erst 1963, obwohl der Film 1961 entstand.

  • Autor: Gerald Kuklinski
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