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Der Schatz der Azteken

Frankreich | Deutschland | Italien, 1965

  • Originaltitel: Der Schatz der Azteken
  • Alternativtitel:

    Cumbres de violencia (ESP)

    Les mercenaires du Rio Grande (FRA)

    I violenti di Rio Bravo (ITA)

    O Tesouro dos Aztecas (POR)

    Mercenaries of the Rio Grande (USA)

    Treasure of the Aztecs

  • Deutsche Erstaufführung: 04. Mai 1965
  • Regisseur: Robert Siodmak
  • Kamera: Siegfried Hold
  • Musik: Erwin Halletz
  • Drehbuch: Ladislas Fodor, Robert A. Stemmle, Georg Marischka, Paul Jarrico
  • Inhalt:

    Der Geheimkurier Doktor Karl Sternau (Lex Barker) ist als Gesandter des amerikanischen Präsidenten Abraham Lincoln (Jeff Corey) zur Unterstützung der mexikanischen Regierung in das Krisengebiet gereist. Vor Ort soll der deutsche Arzt dem mexikanischen Präsidenten Benito Juárez (Fausto Tozzi) finanzielle Unterstützung im Befreiungskampf gegen die französische Fremdherrschaft zusichern, die gegen den Willen der Bevölkerung Erzherzog Maximilian von Österreich als Kaiser des Landes einsetzten. Das ambitionierte Vorhaben wollen einige Widersacher wie beispielsweise Marschall Bazaine (Jean-Roger Caussimon) und dessen Spionin Josefa (Michèle Girardon) vereiteln, außerdem konspiriert ihr Geliebter Alfonso (Gérard Barray), Sohn des Grafen Don Fernando de Rodriganda y Sevilla (Friedrich von Ledebur), im Hintergrund. Um Sternau aus dem Weg zu räumen, lässt er ihn vor ein französisches Kriegsgericht stellen, das ihn zum Tode verurteilt. Eines haben alle gemeinsam; sie suchen nach dem sagenumwobenen Schatz der Azteken...

  • Autor: Prisma
  • Review:

    Nachdem die Karl-May-Filmwelle 1962 mit dem Rialto-Film "Der Schatz im Silbersee" ins Rollen gekommen war, entschied sich Artur Brauner bereits 1964 dafür, ebenfalls Produktionen frei nach Motiven von Karl May durch seine cCc Filmkunst in die Kinos zu bringen. Der Debütfilm des Berliner Produzenten, "Old Shatterhand", wurde seinerzeit unter enormem Zeitdruck und widrigen Produktionsbedingungen in die Kinos gepeitscht und konnte nicht an die überwältigenden Erfolge der Rialto-Adaptionen anknüpfen. Es lässt sich jedoch sagen, dass Brauners Spürnase wie immer sehr wachsam war, er im Endeffekt jedoch nur als zweite Garnitur wahrgenommen wurde. 1965 wurden die Projekte "Der Schatz der Azteken" und "Die Pyramide des Sonnengottes" in Angriff genommen, die sich stilistisch und thematisch gesehen deutlich von den von Horst Wendlandt produzierten Filmen unterscheiden. In der Rückschau wurden Brauners Variationen von Publikum und Presse beinahe verhalten bis ablehnend aufgenommen, was wohl damit zu erklären ist, dass der Kinogänger die eher freien Interpretationen mit Märchencharakter zu schätzen wusste. Die Geschichten rund um den mexikanischen Bürgerkrieg sind enger an den Romanvorlagen des deutschen Schriftstellers orientiert, auch bieten sie eine bedrohlichere Atmosphäre an; doch der Stempel der Nachahmung blieb präsent. Für beide Teile wurde der international erfahrene Regisseur Robert Siodmak verpflichtet, der den Filmen zumindest zu einem deutlicheren europäischen Flair verhelfen konnte, was sich nicht zuletzt in der Besetzungsliste bestätigen wird. Das Konzept, weniger Sentimentalität und mehr Härte zu verwenden, geht bereits in "Der Schatz der Azteken auf" und findet in seinem Nachfolger seine Vollendung. Alles wirkt ein bisschen weniger theatralisch und verklärt, womit man sich vom Prinzip her erfolgreich gegen die Konkurrenz stellte.

     

    Bereits der Einstieg deutet an, dass man sich im Zusammenhang mit gewissen Personen auf eine härtere Gangart gefasst machen darf, sodass sich schnell ein angemessenes Tempo zeigt, in dem es nicht versäumt wird, für vage Erklärungen über den geschichtlichen Zusammenhang zu sorgen. Auffällig ist insgesamt, dass die Bildgewalt dieses Beitrags vollkommen konträre Stimmungen und eine empfunden realistischere Atmosphäre als in den Alpha-May-Filmen fabrizieren kann, obwohl ebenfalls an Schauplätzen im ehemaligen Jugoslawien gedreht wurde. Die zwar schablonenartige Einteilung in Gut oder Böse kann ihre volle Überzeugungskraft aufbauen, da man es mit sehr unterschiedlichen Charakteren zu tun hat, die mehrdimensional zu agieren wissen. Lex Barker, als Doktor Sternau, diplomatischer Kurier des Fürsten Bismarck und geheimer Gesandter des amerikanischem Präsidenten, stellt sich entschieden gegen die ausreichend vorhandene Ungerechtigkeit und übernimmt die klassische Heldenfunktion sehr überzeugend. Seine großen Stärken zeigen sich im Rahmen seiner Sachlichkeit, die einfühlsame Momente jedoch nicht ausschließen. Recht und Ordnung in das von Bürgerkrieg, Anarchie und politischem Chaos gezeichnete Land kann er jedoch nicht alleine bringen, sodass der Verlauf selbstverständlich auf Verbündete setzt, die jedoch schon im ersten Teil stark minimiert werden. Seine Gegenspieler haben somit noch die eindrucksvolleren Gesichter. Allen voran ist sicherlich Gérard Barray als Graf Alfonso zu nennen, einen vermeintlichen Ehrenmann, der sich nur der guten Bräuche und Annehmlichkeiten der gehobenen Gesellschaft bedient, vom Grunde her aber ein moralisch verworfener Aristokrat ist, der mit Hilfe seiner Verbündeten auch noch den letzten Funken Skrupel ablegen wird. Zusammen mit seiner Geliebten Josefa, die von ihm verlangt, aus einer Hure wie ihr eine ehrbare Frau zu machen, agiert mit Raffinesse und spielt ihre Waffen gnadenlos aus, weil ihre Attraktivität und Intelligenz es zulassen.

     

    Dies alles wirkt perfekt inszeniert und choreografiert von der außergewöhnlichen französischen Actrice Michèle Girardon, mit der großartige Momente entstehen und man darf sich in voller Vorfreude ausmalen, was sie im zweiten Teil noch alles aushecken, beziehungsweise zerstören wird. Bekannte Mimen wie Fausto Tozzi, Friedrich von Ledebur, Hans Nielsen oder Gustavo Rojo runden das Geschehen sehr stilsicher ab; außerdem sorgen die reizenden Damen Theresa Lorca und Alessandra Panaro für sehr charmante Momente und dienen bereitwillig dem nötigen Spannungsaufbau, der mehr als einmal über sie gebahnt werden kann. Besondere Erwähnung sollen schließlich noch Rik Battaglia und Ralf Wolter finden, denn beide sorgen im Positiven wie im Negativen für bleibende Eindrücke. Während Ralf Wolter es dem Zuschauer nicht erspart zu versuchen, die Szenerie zwar der Vorlage entsprechend, aber strapaziöser Form mit handelsüblichem Humor aufzulockern, zeigt der Italienier Rik Battaglia alle Facetten, die ein Bösewicht vorweisen sollte, denn das Repertoire seiner Manieren umfasst alles von Rücksichtslosigkeit über Brutalität, bis hin zu Anzüglichkeit. "Der Schatz der Azteken" kann als Gesamtbild durchaus überzeugen und seine Stärken anhand von Vergleichen sogar deutlicher offenbaren. Zwar ist dieser erste Teil im Wesentlichen damit beschäftigt, Hintergründe zu schildern und Konstellationen zu ordnen, um letztlich den Weg für einen stärkeren zweiten Teil zu ebnen. Aus diesem Grund geht es hier zeitweise noch etwas zu beschaulich zu und viele Sequenzen wirken daher etwas in die Länge gezogen. Herausragend ist allerdings die musikalische Unterstützung des österreichischen Komponisten Erwin Halletz, der jede Situation perfekt abzustimmen weiß. Besonders das Titellied bekommt in Verbindung mit den beeindruckenden Bildern des Vorspanns eine nahezu epische Note und bleibt lange im Gedächtnis. Alles in allem ist Brauners Alternativangebot unter Robert Siodmak schließlich gelungen und kündigt eine starke Fortsetzung an.

  • Autor: Prisma
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