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Der Satan ohne Gesicht

Italien, 1969

  • Originaltitel: La bambola di satana
  • Alternativtitel:

    Satan's Doll (Int.)

    The Doll of Satan (Int.)

  • Regisseur: Ferruccio Casapinta
  • Kamera: Francesco Attenni
  • Musik: Franco Potenza
  • Drehbuch: Ferruccio Casapinta, Giorgio Cristallini, Carlo M. Lori, Alfredo Medori
  • Inhalt:

    Elizabeth und ihr Verlobter Jack fahren nach Schloss Schreckenstein, zur Testamentseröffnung des verstorbenen Lieblingsonkels. Dort erfährt Elizabeth dass sie das Schloss geerbt hat, was sie aber gar nicht so recht glücklich macht, da um sie herum lauter seltsame Dinge geschehen und sich merkwürdige Personen im Gemäuer aufhalten. Da ist zum Beispiel die frühere Sekretärin ihres Onkels, die seit einem Unfall im Rollstuhl mit klarem Blick vor sich hinvegetiert. Oder der Geist eines früheren Schlossbewohners, der in finsteren Nächten ihren Namen ruft und sie in Gestalt ihres Verlobten des nächtens besucht. Und sie stellt sich Fragen: Wollte ihr Onkel das Schloss wirklich verkaufen? Wohin ist der alte Shelton so plötzlich verschwunden? Wer sind die Männer, die sie eines Nachts entführen, an ein Andreaskreuz binden und auspeitschen? Warum heult der Hund in der Nacht? Und warum ist es ständig hell und gleich darauf wieder dunkel?? Und wieder hell???

  • Autor: Maulwurf
  • Review:

    Nebel wabern um ein altes Schloss, ein unheimliches Heulen geistert durch den nächtlichen Hintergrund, die benachthemdete Heldin, die soeben Alleinerbin eines Vermögens geworden ist, weswegen ihr völlig unverständlicherweise alle Welt an den Kragen will, die Heldin also erschrickt weil das Fenster im Gewitter plötzlich aufspringt, und anschließend bemerkt sie, dass merkwürdige Gestalten durch die Gänge huschen und seltsame Dinge treiben. Alle Personen im Schloss haben keine andere Aufgabe als mysteriös zu schauen und sich gegenseitig zu belauern, und zum geheimnisvollen Sterben ertönt eine Musik im rhythmischen Delirium.

     

    Kommt das bekannt vor? Sagt jemand Edgar Wallace? Ich sage SATAN OHNE GESICHT. Der Film ist der lebende Beweis, dass die deutsche Edgar Wallace-Reihe der 60-er Jahre auch in anderen Ländern erfolgreich und sogar stilbildend war. Gut, ein paar Unterschiede sind schon auszumachen: Der Wallace’sche Nebel fehlt, stattdessen herrscht trotz der französischen Örtlichkeiten oft ein eher mediterranes Flair vor (mit wunderschönen, wenngleich auch etwas unmotivierten Sonnenuntergängen), und einmal darf Frau Schurer ganz kurz ihre unbedeckte Brust zeigen. Auf der anderen Seite zieht der unheimliche Mönch in einer Szene durch die Gemäuer, und sogar eine richtig knackige Fuchsberger’sche Schlägerei hat es mit Roland Carey und Franco Daddi. Könnte der actiongeladene Schlusskampf so in einem Wallace stattgefunden haben? Schwer zu sagen, vielleicht wenn Jürgen Roland nach dem GRÜNEN BOGENSCHÜTZEN weitergemacht hätte …

     

    So oder so, wer DIE BLAUE HAND oder DER SCHWARZE ABT mag, der wird auch SATAN OHNE GESICHT mögen. Erna Schurer gibt eine durchaus überzeugende Karin Dor ab, inklusive Nervenzusammenbruch und fassungslosem Blick. Da gibt es irgendwann eine Szene in der die Erna unter Drogen steht und wilde Dinge erlebt, wozu mir der Begriff “entfesselte Kamera“ einfiel. Dieser Moment ist wirklich stark und das Delirium ist hautnah zu spüren. Leider fällt das alles recht kurz aus, aber dafür darf man sich dann an einer Auspeitschung erfreuen, die so auch von Renato Polselli hätte sein können. Überhaupt gehören die drogengeschwängerten Momente der Frau Schurer zu den stärksten des ganzen Films.

     

    Roland Carey hat es mit seiner etwas zurückhaltenden Art da schon schwerer, ich tät ihn am ehesten vielleicht mal mit einem jungen Hansjörg Felmy vergleichen. Oder besser eine Art hanseatischer Lex Barker, weil er auch mal beweist dass er ganz gut hinlangen kann. Aber rein strukturell gesehen ist er eher als spröde zu bezeichnen. Andere Darsteller, wie etwa Aurora Bautista als geheimnisvolle Künstlerin, Lucia Bomez als dominante Mademoiselle Carol oder Ettore Ribotta als Paule aus der Nachbarvilla haben da ein wenig mehr Spielraum, dürfen auf jeden Fall etwas befreiter aufspielen und vor allem ominös wirken. Überhaupt, Stichwort ominös: Was der Film wirklich gut draufhat ist, falsche Spuren zu legen. Den wahren Täter kannte ich zwar schon recht früh, aber die Anzahl und die Identitäten der Helfershelfer war dann doch ein spannendes und lang anhaltendes Rätselraten. Die meisten der Beteiligten scheinen irgendein dunkles Geheimnis zu haben, und ich war mehr als einmal geneigt ganz einfach alle Anwesenden unter Generalverdacht zu stellen. Wie in den gelungensten Wallace-Filmen halt …

     

    Und noch etwas ist ominös, nämlich wie der Regisseur es geschafft hat sämtliche Szenenanschlüsse zu ignorieren und den Begriff der Tag- und Nachtgleiche in den Szenenaufbau zu integrieren. So ist es hell, ist es wieder dunkel, ist es wieder hell, dann kommt eine ganz andere Szene die mit der vorhergehenden aber auch überhaupt nichts zu tun hat, wobei die vorhergehende Szene allerdings mitnichten bereits abgeschlossen war, dann wird ein Handlungsstrang von vor einer halben Stunde urplötzlich weitergeführt – und dann ist es wieder dunkel. Bis einer der Protagonisten eine Tür öffnet … Nicht ominös ist, warum der “Regisseur“ Ferruccio Casapinta nur diesen einen Eintrag in seiner Vita hat, denn solche Leistungen sind normalerweise nur durch exzessiven Drogenmissbrauch, frühen Tod, oder eklatantes Desinteresse am fertigen Film zu erklären. Und alle drei Gründe sind für Filmproduzenten normalerweise eher spaßhemmend …

     

    Insofern sollte man ein wenig Humor mitbringen, Wallace-Filme wurden erheblich sorgfältiger inszeniert. Bei denen war nachts auch Nacht, und nicht Tag. Dafür darf man sich an wunderschönen Kulissen erfreuen (in solch einer Umgebung tät ich mich von Lucia Bomez jederzeit auspeitschen lassen!), hat Spaß mit der netten Peter Thomas-mäßigen Musik (Ich will mir mal versuchen einen eigenen Clip zu basteln, bei dem Nadia Henkowa aus DER FLUCH DER SCHWARZEN SCHWESTERN zu dieser groovigen Titelmusik tanzt. Nackt, und gaaaaaanz lang …), und kann sich wie erwähnt am Mörderraten ausgiebig beteiligen.

     

    Wer einen blutigen und mit nackten Tatsachen nicht geizenden Giallo erwartet dürfte reichlich enttäuscht sein. Wer aber Wallace-Filme mag kann hier gar nichts verkehrt machen. SATAN OHNE GESICHT macht eine Menge Spaß, gerade auch deswegen weil er ein wenig altmodisch wirkt, was einen guten Teil seines Charmes ausmacht.

  • Autor: Maulwurf
  • Review:

    Erschienen ist der Streifen als DVD und BR bei X-Rated als Nummer 4 der Euro Cult Collection. Technisch wie immer allerfeinste Sahne, gibt es als Schmankerl diesmal einen originalen Trailer, ein Making-of, eine kurze Slideshow mit seltenem Werbematerial, ein hochinteressantes Interview mit dem Synchronsprecher Gerald Paradies sowie Texttafeln mit einem Interview mit Erna Schurer. Ah, und einen Audiokommentar von Gerd Naumann, Matthias Künnecke und Bodo Traber hat es auch.

     

    Zur Verfügung stehen deutscher, englischer und italienischer Ton mit deutschen und englischen Untertiteln. Die Mediabooks haben dann auch noch ein 16-seitiges Booklet von Matthias Künnecke beiliegen.

  • Autor: Maulwurf
  • Links

    OFDb

    IMDb

     

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