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Sartana - Bete um deinen Tod

Frankreich | Deutschland | Italien, 1968

  • Originaltitel: Se incontri Sartana prega per la tua morte
  • Alternativtitel:

    Si te encuentras con Sartana... ruega por tu muerte (ESP)

    Sartana (FRA)

    Sartana Reza pela Tua Morte (POR)

    Gunfighters Die Harder (USA)

    If You Meet Sartana Pray for Your Death (USA)

  • Deutsche Erstaufführung: 22. August 1969
  • Regisseur: Gianfranco Parolini
  • Kamera: Sandro Mancori
  • Musik: Piero Piccioni
  • Drehbuch: Luigi De Santis, Fabio Piccioni, Adolfo Cagnacci, Renato Izzo, Gianfranco Parolini, Theo Maria Werner
  • Inhalt:

    Die rivalisierenden Bankiers einer Kleinstadt - Stewall (Sydney Chaplin) und Hallman (Gianni Rizzo) - beauftragen eine Bande von Mexikanern, einen Goldtransport zu überfallen. Ihr Anführer ist der berüchtigte General Tampico (Fernando Sancho). Um Zeugen zu vermeiden, werden gleichzeitig andere Bluthunde, geführt von dem rücksichtslosen Mörder Lasky (William Berger), auf die Mexikaner angesetzt. Doch es kommt zu ungeahnten Komplikationen, da ein Fremder mit Spieluhr und schwarzen Gewand auftaucht. Er nennt sich Sartana (Gianni Garko) und will die Beute ebenfalls in seinen Besitz bringen. Dabei muss er viele seiner Kontrahenten beseitigen. Als ihm die verschiedenen Interessengemeinschaften endgültig an den Kragen wollen, kommt es auf all seine List und Cleverness an...

  • Autor: Prisma
  • Review:

    Im September 1969 meldete das Film-Echo: »Der Nora-Filmverleih ist am Ende.« Da die Nora die Produktion in ihrem Programm hatte, handelte es sich hierbei selbstredend um keine guten Voraussetzungen für den deutschen Kinostart und obwohl Parolinis Film anschließend noch vom Cinerama Verleih übernommen wurde, konnte sich kein besonderer wirtschaftlicher Erfolg einstellen, was in anderen Ländern allerdings gegenteilig war. Dies sei nur nebenbei angemerkt, denn nicht immer spiegelt sich darin die Qualität des jeweiligen Beitrags wider. Als Auftakt der "Sartana"-Reihe macht "Bete um deinen Tod" eine sehr gute Figur und der Titelheld weiß eine überzeugende Note zu vermitteln, obwohl man sich augenscheinlich an anderen, erfolgreich laufenden Reihen des Italowestern orientierte. Gianfranco Parolini ordnet anfangs nicht, sondern lässt die Charaktere der Geschichte diese Arbeit nach und nach selbst übernehmen. Dies geschieht durch ausgiebige Liquidierungsmaßnahmen. Die Mittagssonne brennt heiß, der heulende Wind peitscht den Staub unerbittlich umher, die Kugeln treffen ihre Ziele mit beängstigender Sicherheit und "Sartana" erlegt seine Kontrahenten wie Beute. Was den Umgang mit Colt und Gewehr angeht, stellt sich unmittelbar nach dem ersten Auftauchen der Titelfigur heraus, dass es sich im Umgang mit Schusswaffen um einen der Besten handeln muss. Da die Gangster nicht zimperlich mit ihren unschuldigen Opfern waren, erlaubt sich der mysteriöse Fremde den gleichen Luxus und entledigt sich zahlreicher Sekundanten. Der frühe Verlauf spart nicht damit, eine eindeutige Marschrichtung zu diktieren und setzt dabei auf die Verwendung klassischer Stilelemente. Die sich aufbauende Kreation überrascht einerseits durch eine beklemmende Atmosphäre, da Brutalität und Zynismus ungeschönt ausgespielt werden.

     

    Andererseits empfindet man neben der bedrohlichen Note hin und wieder eine auflockernden, beinahe heiteren Ton, für den gewisse Darsteller im Rahmen angebrachter Situationskomik verantwortlich sind. Dennoch driftet die hochwertige deutsche Synchronisation nie in den Klamauk ab. Während des Goldraubes und den unsentimentalen Morden im Sekundentakt fallen die außergewöhnlichen Kameraeinstellungen auf, die dem Film eine ganz besondere Optik verleihen. Dies zieht sich wohlgemerkt durch den gesamten Film und sorgt dementsprechend für breite Zustimmung, da innerhalb eines im Prinzip recht herkömmlichen Plots ein gewisser Einfallsreichtum und eine willkommene Dynamik auszumachen sind. Stilistisch und narrativ stolpert der Zuschauer mitunter über leichte Durchhänger, während der Verlauf grundsätzlich spannend bleibt, wenngleich das Ende der Veranstaltung prognostiziert werden kann. Aufgrund der cleveren Machart kommt es auch hier zu gelungenen Überraschungen. Da der Vorspann mit prominenten Namen aufwartet, darf man sich auf einen interessanten Verlauf gefasst machen. Alles Weitere soll sich in einer kleinen Stadt abspielen, die ganz offensichtlich von überaus rücksichtslosen Zeitgenossen dominiert wird. Die wichtigsten Personen kommen schnell zum Zuge, weil sie sich in unmissverständlicher Manier selbst vorstellen und somit auch dem Letzten klar wird, dass Misstrauen, Verrat und Tod in der staubigen Luft liegen. Lange muss man nicht darauf warten, bis der nächste Kugelhagel die scheinbare Idylle durchzieht. Da die Todesopfer bereits nach einer kurzen Laufzeit fast nicht mehr zu zählen sind, ist davon auszugehen, dass Parolini dem Zuschauer von vorne herein wenig Atempausen gönnen möchte.

     

    Tempo, Action und klassische Western-Dramatik sind somit der Stoff, aus dem die Alpträume in diesem Nest gestrickt sind. Interessant hierbei ist vor allem die Tatsache, dass nicht nur "Sartana" die Köpfe rollen lassen wird, sondern auch, dass seine Kontrahenten ihm einen Teil seiner Arbeit abnehmen, da sie sich gegenseitig aus dem Weg räumen. Mörder töten Gangster, diese wiederum ihre Komplizen, niemand kann dem Nachbarn trauen und jeder scheint eigentlich auf sich allein gestellt zu sein. Wenn sich die Geschichte jedoch ordnet, ihre Konturen und eine deutliche Richtung preisgibt, sammeln sich Verbrecher und Prominenz der Stadt - was im Endeffekt das Gleiche ist - um sich gegen ihren neuen Todfeind zu mobilisieren. Der Titelheld bekommt durch die Darstellung von Western-Ikone Gianni Garko, aufgrund der exzellent choreografierten Darbietung sehr eindringliche Konturen und es wird eine hohe Glaubwürdigkeit vermittelt. Sympathiepunkte sammelt ein Mann wie er naturgemäß dadurch, dass er sich gegen bestehendes Unrecht stellt und wehrlose Bürger von mehreren Tyrannen befreit. Dass seine Absichten keineswegs nur philanthropischer Natur sind, macht ihn trotz der Silhouette eines quasi sichtbaren Phantoms greifbar und sympathisch. Die komplette Erscheinung des Italieners wirkt dabei wie geschaffen für eine mitreißende Performance. Der Einzelgänger, der aus dem Nichts erschienen ist und selbst seinem eigenen Schatten nicht zu trauen scheint, fackelt nicht lange, erhebt sich aber stets über den Verdacht, niedere Beweggründe zu haben, obwohl er seinen Gegnern das Denken mit zahlreichen Kopfschüssen abnimmt. Sein Erscheinen wird im Verlauf mit der verheißungsvollen Melodie seiner Spieluhr angekündigt, was so manche Person zusehends in den Wahnsinn treibt. Dabei wird der Eindruck einer regelrechten Hetzjagd vermittelt.

     

    Die verschiedenen Interessengemeinschaften finden sich schon bald in Nervosität und Hass wieder; Zustände, die zu gravierenden und im Zweifelsfall tödlichen Fehlern verleiten. Passende Gesichter für "Sartanas" Widersacher liefern renommierte Darsteller wie William Berger, Sydney Chaplin, Gianni Rizzo, Fernando Sancho oder Klaus Kinski, die aufgrund ihrer Erscheinung und den dazu passenden Gebärden wie typische Ebenbilder von Halsabschneidern und Mördern wirken. Doch können sie dem Protagonisten tatsächlich gefährlich werden? Mehr als nur einmal stellt sich heraus, dass sich der Italowestern auch ganz gern einer bestimmten Tragik bedient und dem Zuschauer Happy-Ends verweigert, auch wenn die Stilrichtung in "Sartana - Bete um deinen Tod" oftmals nicht dafür sprechen will. Dennoch liegen mögliche Überraschungen in der Luft, insbesondere, wenn es auf den ersehnten Showdown hinausläuft. Die einzelnen Darsteller zeigen sich jedenfalls von ihrer besten, beziehungsweise rabiaten Seite und in diesem Zusammenhang ist sicherlich der Österreicher William Berger zu erwähnen, von dessen Gemütszustand die größte Gefahr ausgeht. Von Natur aus aggressiv und nicht gerade auf Nächstenliebe bedacht, agiert er in Situationen, in denen er sich in die Enge getrieben fühlt, nur noch impulsiver, was bei einem Mann wie ihm schließlich zu vollkommen unberechenbaren Aktionen führen wird. Klaus Kinski und Fernando Sancho bedienen diese Sparte ebenfalls sehr überzeugend und sorgen für so manche Szene, die im Gedächtnis bleiben wird. Auf der anderen, aber eigentlich doch gleichen Seite, werden Gianni Rizzo und Sydney Chaplin als kultivierte Sadisten auftreten, an deren Händen nur kein sichtbares Blut klebt, weil sie ihre Handlanger haben. Diese äußerst dichte Besetzung gibt sich im Bezug auf die erinnerungswürdigen Momente des Films glücklicherweise die Klinke in die Hand.

     

    Besondere Erwähnung soll auch die sporadisch als Sängerin und Schauspielerin in Erscheinung getretene Heidi Fischer erfahren, die sich darin gefällt, ihre Undurchsichtigkeit über Transparenz zu stellen. Ihre guten darstellerischen Fähigkeiten zeichnen sich hier schnell ab, auch ihre auffallende Schönheit bleibt nicht unbemerkt, doch leider brachte es die Deutsche in ihrer Karriere auf kaum zehn Auftritte in Kino und TV. Ein Charakter wie Evelyn Hallman ist nach den Gesetzen des Italowesterns dafür prädestiniert, Opfer ihres eigenen doppelten Spiels zu werden, sich möglicherweise zu besinnen, um sich für die richtige Seite zu entscheiden oder beispielsweise einfach nur attraktive Staffage ohne weitere Funktion zu bleiben. Heidi Fischers Performance ist insofern bemerkenswert, da sie in Intervallen versucht, zahlreiche Möglichkeiten über ihr wahres Gesicht offenzulassen und eine Ahnung von Geheimnis um sich zu kreieren, was der Geschichte sehr gut tut, wenngleich ihre Relevanz für die Handlung nicht maßgeblich sein wird. Allerdings lässt sich die Interpretin im Rahmen der begrenzten Möglichkeiten nicht das Schicksal vieler ihrer Kolleginnen aufzwängen, nur eine ansehnliche Hülle ohne eigene Seele zu bleiben. Insgesamt gesehen ist "Sartana - Bete um deinen Tod" in allen Bereichen sehr überzeugend ausgefallen. Zwar bleibt den dem Empfinden nach unzähligen Opfern keine Zeit mehr für ein Gebet, aber dem geneigten Zuschauer wird sie hingegen kurzweilig vertrieben. Es wird sehr viel Wert auf Details gelegt, überdurchschnittlich viele Szenen erscheinen außerdem hervorragend choreografiert, die straffe Montage sorgt zusätzlich für Spannungsmomente und überdies ist der Beitrag mit vielen Überraschungsmomenten versehen worden. Gianfranco Parolini orientiert sich ganz klassisch am Panorama des Italowestern und durch eine Portion Experimentierfreudigkeit wirkt "Sartana" um einiges lebendiger und gefährlicher als viele Konkurrenten. Am Ende wird sich also herausstellen, ob es schließlich die Maus ist, die sich auf tödliche Weise selbst mit einer Katze verwechselt hat.

  • Autor: Prisma
  • Veröffentlichungen:

    Ganz in wohlklingender Manier ehemaliger Ankündigungen eines bekannten deutschen Großverleihs kann eigentlich nur folgendes gesagt werden: Colosseo Film bringt "Sartana - Bete um deinen Tod". Etwa genau 50 Jahre nach Entstehen ist Gianfranco Parolinis Startschuss der "Sartana"-Reihe in hervorragender Präsentation auf Blu-ray erhältlich, erstmals ungeschnitten in einer neuen 4K-Abtastung im originalen Breitbildformat, sowie der vollständigen deutschen Kino-Synchronisation. Der Hauptfilm kann optional und in neuem Glanz im deutschen oder italienischen Mono-Ton gewählt werden. Bei den Extras findet sich neben einer Artwork-Galerie das schmackhafte Goodie "Mondo Garko", ein informatives und über 40-minütiges Interview mit Hauptdarsteller Gianni Garko. Unterm Strich bleibt schließlich nicht nur eine insgesamt sehr gelungene Veröffentlichung zu erwähnen, sondern auch das gute Preis-Leistungsverhältnis dieses Blu-ray-Pakets von Colosseo Film.

  • Autor: Prisma
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