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Sarg der blutigen Stiefel

Italien, 1971

  • Originaltitel: Il venditore di morte
  • Alternativtitel:

    El precio de la muerte (ARG)

    Uma Forca para um Canalha (BRA)

    Persecución mortal (ESP)

    La vengeance de Dieu (FRA)

    O Preço do Ódio (POR)

    Price of Death

    Last Gunfight

    1000 Dollar Kopfgeld

    Der Galgen wartet schon, Amigo!

    Sarg der blutigen Rache

  • Deutsche Erstaufführung: 27. April 1973
  • Regisseur: Lorenzo Gicca Palli
  • Kamera: Franco Villa
  • Musik: Mario Migliardi
  • Drehbuch: Lorenzo Gicca Palli
  • Inhalt:

    In einer Nacht wird zunächst die Tochter armer Mexikaner brutal ermordet und anschließend gibt es weitere Tote, als der Saloon überfallen wird. Am nächsten Tag droht dem Tagedieb Chester Conway der Galgen, weil man ihn für den Angriff auf den Saloon verantwortlich macht. Um dessen Unschuld zu beweisen, beauftragt Conways Verteidiger den Detektiv und Revolverhelden Silver in dem Fall zu ermitteln. Bis Silver allerdings dem wahren Mörder gegenübersteht, türmen sich die Leichen in der Stadt...

  • Autor: Christian Ade
  • Review:

    Gianni Garko in der Hauptrolle? In schwarzer Kleidung? Ein Schelm, wer da nicht an Sartana denkt. Tatsächlich aber spielt Garko in 1000 DOLLAR KOPFGELD dieselbe Figur, die Peter Lee Lawrence in Alfonso Brescias vier Jahre zuvor entstandenen Western STIRB ODER TÖTE verkörpert hat. Die Rede ist von Silver, einer schwarzgekleideten Personalunion aus Gentleman, Revolverheld, Kopfgeldjäger und Meisterdetektiv. Erdacht hat sich diesen Charakter der gebürtige Römer Lorenzo Gicca Palli, der das Drehbuch zu Brescias Western geschrieben hat und bei 1000 DOLLAR KOPFGELD dann selbst auf dem Regiestuhl Platz nehmen durfte.

     

    Silver hat zwar nun Garkos Gesicht bekommen; 1000 DOLLAR KOPFGELD ist trotzdem sein zweiter Fall nach STIRB ODER TÖTE. Moment mal - Fall?

     

    Der Begriff mag im Kontext eines Western zunächst befremdlich klingen, bekommt aber durchaus Sinn, wenn man bedenkt, dass beide Filme waschechte Genre-Hybriden sind.

     

    1000 DOLLAR KOPFGELD etwa beginnt nicht mit einem Western-typischen Shoot-out, sondern mit einem aus der Ego-Perspektive des Killers gefilmten Mord an einer Frau. Auch wenn Rasiermesser und schwarze Handschuhe fehlen; das ist nicht ein Hauch Giallo; sondern schon eine steife Brise, die hier durch den Wilden Westen fegt. In der Folgezeit gibt es zwar die eine oder andere Saloonschlägerei und hin und wieder ein Duell, aber Gicca Pallis Film präsentiert sich weiterhin weniger als reiner Western, sondern viel mehr als lupenreines Whodunit mit Patronengurt und Cowboyhut. Nur dass hier Sherlock Holmes als smarter Gunman in Schwarz auftritt, der ebenso schnell mit dem Colt wie mit den kleinen grauen Zellen ist.

     

    Gianni Garko ist mit sichtbarem Spaß bei der Sache und interpretiert die Rolle mit einem Höchstmaß an Witz und Coolness. Auch sonst hat man sich bei der Besetzung nicht lumpen lassen. Viele bekannte Gesichter geben sich hier ein Stelldichein. Klaus Kinski ist auf allen Plakaten zu sehen; hat im Film aber eher eine kleine, doch markante Rolle zwischen Gefängniszelle und drohendem Galgen. Und Luciano Catenacci mimt den Sheriff. Dennoch war dem Film seinerzeit kein großer Erfolg an der Kinokasse beschieden. Wahrscheinlich hat auch heute noch der eine oder andere Genre-Purist seine Problemchen mit der langen Gerichtsverhandlung, den vielen Kriminalfilmeinlagen und den (Manitou sei Dank!) nur sparsam eingestreuten Szenen, wo man denkt, lustig sein zu müssen, es aber nicht ist.

     

    Ich sehe die beiden „Silver“-Fälle als willkommene Abwechslung zu den doch oft sehr repetetiven Inhalten im Italowestern. 1971, als 1000 DOLLAR KOPFGELD gedreht wurde, waren die Lieder von Rache und Gold schon hunderte Male angestimmt worden und das Genre verlor sich langsam in Selbstzitaten. Ein inhaltlicher Tapetenwechsel tat Not und die Regisseure haben damit begonnen, ihre Western mit anderen Genres zu kreuzen. Freilich ist Gicca Palli mit 1000 DOLLAR KOPFGELD kein Hitchcock in Almeria geglückt, aber die unterhaltsame Mixtur aus Krimi und Bleioper funktioniert. Nicht zuletzt dank der äußerst charismatischen Hauptfigur und einem gelungenen Twist zum Schluss.

  • Autor: Christian Ade
  • Veröffentlichungen:

    Der Review lag die DVD aus der Regenbogenserie von Koch Media zu grunde. Den Film gibt es auf deutsch und auf italienisch. Im Bonussegment finden sich neben einer Bildergalerie mit Aushangfotos, Cover- und Plakatmotiven sehr interessante Statements von Hauptdarsteller Gianni Garko und Kameramann Franco Villa in der Featurette „Giallo Western“. Dort kommt auch der italienische Filmhistoriker Antonio Bruschini zu Wort.

  • Autor: Christian Ade
  • Filmplakate

    Links

    OFDb

    IMDb

     

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