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Salomé

Frankreich | Italien, 1986

  • Originaltitel: Salomé
  • Regisseur: Claude d’Anna
  • Kamera: Pasqualino De Santis
  • Musik: Egisto Macchi
  • Drehbuch: Claude d’Anna, Aaron Barzman, Basilio Franchina
  • Inhalt:

    Die junge Salomé ist noch viel zu klein um zu erkennen, dass ihre königliche Mutter Herodias am Tode ihres Vaters schuld war, damit sie den jungen Herodes eiligst heiraten konnte. Der Kaiser allerdings macht sich das junge Paar gefügig, in dem er damit drohte, die künftige Königin zu töten, wenn es sich nicht seinen Befehlen beugte. Jahre später kommt Salomé als unberührtes, betörendes sechzehnjähriges Mädchen an den Hof ihres Stiefvaters. Nach einem erotisierenden Schleiertanz hat Salomé bei Herodes einen Wunsch frei und fordert den Kopf des Propheten Yockanaan. [Quelle: Cinema]

  • Autor: Maulwurf
  • Review:

    Es ist eine düstere und beängstigende Welt, in die uns SALOMÉ entführt. Es gibt keine Sonne, keine Vegetation, und selbst das Öllicht ist nicht hell und wärmespendend sondern blau und kalt. Das vorherrschende Gefühl scheint Angst zu sein, zwischenmenschliche Begegnungen beschränken sich auf verordneten, automatisierten Sex oder (Macht-) Kämpfe. Die Lustknaben haben künstliche Penisse, und nicht einmal die Gladiatorenkämpfe enden noch tödlich. Die Wände des Palastes, des einzigen Handlungsortes, sind aus dunkelgrauem Stein, und die allgegenwärtigen Wachen wirken mit ihren schwarzen Umhängen und stählernen Masken wie Vorstudien zu Peter Jacksons Nazgûl. Alles Gefühl ist aus der Welt entschwunden. Der einzige, bei dem noch Gefühle zu existieren scheinen, ist der im Kerker sitzende Prophet Yokanaan.

    Auch ist dies keine existierende Welt. Zwar sind die Kostüme größtenteils angelehnt an die aus US-amerikanischen Bibelverfilmungen bekannten Bettlaken, aber die Generäle tragen über ihren Rüstungen moderne Armeemäntel und rauchen Zigarillos. Ein Motorrad knattert durch die Nacht, und ich glaube einmal auch ein verrottendes amerikanisches Taxi im Hintergrund gesehen zu haben. Diese Settings schaffen zusammen mit der beschriebenen Gefühlskälte eine sehr intensive und bedrohliche Atmosphäre. Aus dem Bildschirm kriecht eine alles erdrückende Langsamkeit und Schwere, die lähmt, und die den Zuschauer in sich zieht. Wohlgemerkt keine langweilende Langsamkeit, sondern ein Schleppen, das bedrohlich und erdrückend wirkt. Bleiern, unwirklich …

    Die Figuren sind wie erstarrt und leben in Ritualen. Was außerhalb ihres kleinen Horizontes vorgeht, dass beispielsweise der General ganz eigene, gefährliche Pläne verfolgt, das ist weit weg und nicht interessant. Nur das eigene Leben zählt. Und dass der Mond am Himmel steht.

    Und in diese kalte und starre Welt bricht Salomé ein. Zuerst nicht als Bedrohung erkannt, birgt sie doch das Leben in ihren funkelnden Augen. Und der Schleiertanz, der eine ganz andere, nicht automatisierte Erotik in sich trägt, bringt manches in Aufruhr was lange unterdrückt war. Die Ereignisse überschlagen sich, und so einiges wird sich vermutlich ändern …

     

    Die Musik ist düster, stark rhythmisch und manchmal fast dissonant. Von den Endtiteln abgesehen könnte der Score des Öfteren von der deutschen Dark Wave-Band Das Ich sein, die Stimmung wird dadurch sehr stark betont und intensiviert. OK, die Endtitel sind bösestes 80er-Jahre Synthiegedudel, aber sogar dieses hat an der Stelle einen gewissen Charme. Die Schauspieler, allen voran Tomas Milian als Herodes, Pamela Salem als Herodias und Fabrizio Bentivoglio als Yokanaan, sind hervorragend. Tomas Milian spielt ruhig und lässig, was dem Charakter sehr viel Tiefe verleiht, und doch steht er eigentümlich unter Strom. Als ob er versucht eine Welt zu retten, die dem Untergang geweiht scheint. Seine Welt. Hervorzuheben ist auf jeden Fall auch Tim Woodward, der als General Nerva eine Spitzenvorstellung als arroganter und machthungriger General gibt wie man sie nur selten sieht.

     

    Die italienische DVD von 01 Distribuzione hat ein grauenhaft schlechtes Bild und nur italienische Untertitel, aber ein paar Mal hab ich mir sogar überlegt, dass das schlechte Bild der düsteren Stimmung nur entgegenkommt. Somit fehlen mir für eine schlussendliche Beurteilung dann leider die Italienischkenntnisse, und es bleibt als Resümee nur, dass der Film sich durchaus lohnt, wenngleich der Sinn so mancher Handlung aus sprachlichen Gründen verborgen bleibt.

  • Autor: Maulwurf
  • Links

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    IMDb

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