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Die Rückkehr der Zombies

Italien, 1981

  • Originaltitel: Le notti del terrore
  • Alternativtitel:

    La noche del terror (ESP)

    Le manoir de la terreur (FRA)

    The Nights of Terror (GBR)

    A Noite do Terror (POR)

    Burial Ground (USA)

    Zombie 3

  • Deutsche Erstaufführung: 23. Januar 1981
  • Regisseur: Andrea Bianchi
  • Kamera: Gianfranco Maioletti
  • Musik: Elsio Mancuso, Berto Pisano
  • Drehbuch: Piero Regnoli
  • Inhalt:

    Ein Professor, der ein wenig aussieht wie Rübezahl auf Crystal Meth, erforscht auf einem alten Anwesen und einem darauf gebauten opulenten Landhaus mit Dienerschaft alte Riten der Etrusker. Besonders interessant für Professor „Rübezahl“ ist der Kult um das gutbehütete Wissen vom Überleben der Toten. Er enträtselt den alten Ritus und wird, Schreck las nach, ein paar Minuten später von den herbeischlurfenden Untoten angeknabbert.

     

    Am selben Tag besucht der Schlossherr George mit seiner Geliebten Evelyn und deren Sohn, der an nichts anderes denkt, als seine Mutter flachzulegen, das Anwesen. Mit dabei sind zwei befreundete Pärchen, die auch nur ans Poppen denken. Bei all dem Schweinkram, den sie miteinander veranstalten übersehen sie fast, den vom Professor, verursachten Untotenaufmarsch. Geschockt von soviel Unheil versuchen sie um ihr Überleben zu kämpfen. Doch die Lage scheint aussichtslos. und somit fällt einer nach dem anderem dem „Zehn kleine Negerlein-Prinzip“ zum Opfer.

  • Autor: Jan Tempelhof
  • Review:

    Eines werde ich im Vorfeld loswerden müssen! Ich bin, was diesen Film betrifft, ein wenig voreingenommen und muss mich gegebenenfalls dafür entschuldigen, dass ich „Die Rückkehr der Zombies“ nicht konstruktiv genug bewerten kann und dies auch nicht möchte. Denn er war, in meinen jungen Jahren, einer der wenigen Zombiefilme der allerersten Stunde, die ich, Anfang der Neunziger, mit meinen neugierigen und willigen Augen, ungeschnitten konsumieren durfte. Oder wenn ich es mit anderen Worten formulieren darf! Dieser hier vorliegende Film ist einer meiner unverbesserlichen Alltime Favourites, die mich inspiriert haben, eine Vorliebe für diese Art von Kino zu entwickeln! Mit ihm bin ich gereift und groß geworden. Er hat mich all die Jahre begleitet und ist mir auch heute noch ein treuer Gefährte. Trotz meiner Streifzüge durch die gesamten Filmlandschaften aller erdenklichen Genres hat sich Bianchis „Die Rückkehr der Zombies“ für mich in ein gängiges Referenzobjekt verwandelt, an dem sich schon einige Filme messen lassen mußten und nicht bestanden haben.

    Zur damaligen Zeit, als das schneideverrückte Teutonenland seine immense Zensurdiktatur auslebte und alles heraussäbelte, was auch nur im entferntesten anstößig auf den geneigten Zuschauer wirken könnte, war Bianchis Film für mich wie eine verbotene Frucht, von der ich kosten durfte. Und diese Frucht war süß. Verdammt süß! Ich wurde nach und nach infiziert von der kolossalen, italienischen Exploitationkonserve, die mich all die Jahre genährt hat. Nicht das wir uns falsch verstehen! Storytechnisch ist dieser Streifen eine Katastrophe. Die Akteure sind ganz großer Müll und der Schnitt neigt zur Pedanterie. Da wird schon mal eine Szene doppelt verwendet (ich erinnere nur an jene mit der Bärenfalle). Oder es laufen rein zufällig Leute im Hintergrund durchs Bild. Es gibt diverse solcher Ausrutscher, die sich in einige Szenen eingeschlichen haben. Aber genau aus diesen Gründen ist „Die Rückkehr der Zombies“ eine wahrhafte, rotzige und über allen Dingen erhabene Sleaze-Offenbarung!

    Schmutzig, anspruchslos und billig. Extrem reißerisch, schnell, blutig und natürlich auch ein wenig misogyn, was zu jener Zeit die beliebte Allzweckformel und ein Garant für schnell verdientes Geld war. Er enthält alle Ingredenzien, was das Schmuddelfilmherz begehrt.

    „Die Rückkehr der Zombies“ ist die Quintessenz aller schmissigen Low Budget- Granaten, die Ende der Siebziger und Anfang der Achtziger Jahre das diffuse Licht des italienischen Exploitation-Schlaraffenlandes erblickten. Er entstand innerhalb weniger Tage in Frascati, in der Nähe Roms. Der Zeitmangel und das niedrige Budget ziehen sich durch den gesamten Film, was man unter anderem vermehrt in den Masken der Zombies sieht, für die Gino De Rossi und Mauro Gavazzi zuständig waren und sie eigentlich recht ordentlichen Einfallsreichtum bewiesen haben, da jeder einzelne schmuddelige Zombie seinen eigenen, verwesenden Charakter hat. In Sachen Vielfalt haben sich De Rossi und Gavazzi demzufolge recht große Mühe gegeben. Aber durch das fehlende Geld mussten die Beiden notgedrungen Abstriche machen. Denn bei genauerer Betrachtung der Hälse der Zombies und deren Handunterseiten fällt auf, dass diese nicht geschminkt sind, was offensichtlich dem fehlenden Budget geschuldet werden kann. Aber genau diese Elemente lassen ihn natürlich um so exploitativer erscheinen.

    „Die Rückkehr der Zombies“ wurde schnellstmöglich in die gut geölte Zombie-Geldmaschinerie geworfen, um im Fahrwasser eines George A. Romero oder Lucio Fulci nebenher zu schwimmen, um soviel Kohle einzusacken, wie nur möglich war.

     

    Einen Andrea Bianchi als Meister seines Fachs zu bezeichnen, wäre offensichtlich ein wenig zu übertrieben. Dafür ist er als Regisseur zu ungenau und oberflächlich mit seinen Filmstoffen umgegangen. Er beherrscht das subtile Spiel mit der Dramaturgie nur im Ansatz und legte sein Hauptaugenmerk lieber auf extreme Bilder und schlecht gefilmte Erotik, als das er großen Wert auf Charakterzeichnung, oder kunstvoll getimten und ausgeleuchteten Bildern setzte. Die Qualität eines Fulci mit seinen wunderbar fotografierten Gewalteruptionen und surreal anmutenden und atmosphärischen Sequenzen, hat er nie auch nur ansatzweise erreicht. Wollte er wahrscheinlich auch nicht, um es Bianchi zugute zu halten.

    Die Szenen zwischen dem Zombiegeschnetzel sind im Prinzip nur Lückenfüller mit dumpfen Dialogen und ein wenig Pärchenpetting im Oswald Kolle-Style. Mit hochgezogener Feinrippunterhose fallen sie lustvoll stöhnend übereinander her und dies ist summa summarum keine feuchte Hose wert. Das Ganze ist in etwa so erotisch wie „ Das Wort zum Sonntag“ .Hier mal ne Brust, dort ein paar Strapse und das wars auch schon mit der Balz. Ein wenig schludrige Softerotik auf unterem Mittelmaß als Ablenkung zum Durchschnaufen zwischen dem Splattergematsche.

    Die unglaublich rasante Schnelligkeit dieses Werks wirkt auf mich nie langweilig. Kein tiefschürfendes Herumgelaber oder selbstverliebte Schwelgerei in monumentalen Bildern. Bianchi bringt es genau auf den Punkt. Nicht mehr und nicht weniger! Und das ist gut so! Er weiß, was er seinen Fans schuldet. Dreckiges, minderwertiges, mit einem Quentchen Rohheit garniertes, aber dennoch großartiges Nischenkino. Perfekt für das schmierige Bahnhofskino am Rande der Stadt, das versetzt ist mit einem Hauch nebulösen, abgestandenen Zigarettendunst und kleinen Pfützchen, verschütteten, billigen Fusels, der auf dem verdreckten Kinositz verdunstet. Genau so und nicht anders, muss Exploitationkino Anfang der Achtziger sein. Von daher hat Andrea Bianchi alles richtig gemacht.

     

    Drehbuchtechnisch gabs bei „Die Rückkehr der Zombies“ nicht wirklich viel zu schreiben. Will sagen, dass der Drehbuchautor Piero Regnoli das gesamte Script wahrscheinlich auf zwei Seiten hätte unterbringen können. Ein einziger Satz bringt die gesamte Story auf den Punkt. Drei bumsfidele Pärchen machen Urlaub in einem Landhaus und werden von fiesen,schimmligen Untoten beim Poppen gestört. Aber wir wollen Regnoli keine Talentresistenz unterstellen. Das wäre doch allzu zynisch!

    Genauso wenig zu schreiben hatte er wohl auch bei „Malabimba“, in dem Andrea Bianchi auch auf dem Regiestuhl saß. Der deutsche Titel „Komm und mach's mit mir“ ist an Unsinn und Peinlichkeit kaum zu unterbieten. Wäre mal interessant, wie Frauen reagieren, wenn man sie mit diesem Spruch anmacht. Werd das demnächst mal ausprobieren! Des weiteren schrieb er das Drehbuch für „Grossangriff der Zombies“ von Umberto Lenzi. Dort hat sich Piero Regnoli selbst übertroffen und schrieb den wohl peinlichsten Twist der gesamten Filmgeschichte ans Ende dieses „Geniestreichs“

     

    Mariangela Giordano spielt Evelyn, die in „Die Rückkehr der Zombies“ eine regelrechte Augenweide ist. Sie verkörpert hier die wahrhaft perfekte Mittvieziger-MILF und ist der feuchte Traum aller kleinen vorpupertierenden, verpickelten Teenager, die bei jeder Gelegenheit einen Ständer in ihrer Jeans bekommen. Und das sieht ihr Filmsohn mindestens genauso. Dieser wird gespielt von Peter Bark und ist das kurios-freakige Highlight des gesamten Streifens. Der kleine Michael, hat ein massives ödipales Problem mit seiner Mami. Er ist eifersüchtig auf ihren Lover (Oder ist es Michaels Vater? Man weiß es nicht genau!) und würde liebend gern selbst an Mamas Titten nuckeln und seine flinken Finger unter ihren Rock befördern, um dort ein wenig herumzuspielen. Nun ja, verehrte Liebhaber des „besonderen“ Films. Gott sei Dank befinden wir uns in Gefilden des Exploitation-und Trashfilms und dort darf Sohnemann am Ende des Films doch noch ran an Mamas Glocken. Aber leider nur als Zombie und als jener nuckelt er nicht daran, sondern..... Aber schauts euch selbst an, Freunde! Denn diese Szene ist in seiner Misogynie völlig überdreht und abstrus, weil Mama ihrem Sohn die Brust förmlich anbietet, so dass es schon fast lächerlich wirkt und der Schock vor lauter Schmunzeln beinahe seine Wirkung verfehlt. Peter Bark ist zu diesem Zeitpunkt eigentlich fünfundzwanzig, spielt hier aber einen zwölfjährigen, verwöhnten Bengel. Den Zwölfjährigen nimmt man ihm bei weitem nicht ab. Sein wahres Alter aber genauso wenig. Er liegt mit seiner Kellerbräune irgendwo dazwischen und sieht aus, als sei er ein fehlgeschlagener, verschrumpelter und mumifizierter Dario Argento-Klon, der viel zu mickrig geraten ist.

    Ich komm noch einmal auf Mariangela Giordano zurück. Sie war mit Gabriele Crisanti liiert, der diesen Film produzierte. Da liegt es natürlich auf der Hand , dass Giordano in einigen von Crisanti produzierten Filmen mitspielte, unter anderem in dem oben erwähnten „Malabimba“ oder auch in „Patrick lebt“, wo ihr in einer eindrucksvollen Szene ein Schwert zwischen die Beine gerammt wird. Auch in dem sehr seltenen „Giallo a Venezia“, nicht von Crisanti produziert, musste die gute Giordano herhalten, indem ihr bei vollem Bewusstsein die wunderhübschen Gliedmaßen tranchiert werden.
    1937 in Dolcedo geboren, wurde sie 1954 zur „Miss Ligurien“ gekürt, was ihr als Sprungbrett ins Filmbuisness galt und sie dadurch mit ihrer Anwesenheit so einige Eurotrashperlen zierte.

     

    Alles in allem ist die „Die Rückkehr der Zombies“ handwerklich ein eher minderwertiges Kinojuwel, dass an den meisten Stellen so gar nicht überzeugen kann und dies wohl auch nicht will. Nimmt man den Film als das was er ist, nämlich ein Werk, dass sich mit aller Gewalt weigert, klinisch rein und glattgebügelt dem damaligen Mainstreamkino zu verfallen, sondern sich im versifften und verruchten Bahnhofskino einen Platz im Olymp zu sichern, kann man mit ihm über Jahre hinweg sehr viel Spaß haben. Der Streifen ist voller Makel und genau deshalb ein dreckiger, ungeschliffener Rohdiamant. Blutig und billig. Schnell und geradlinig. Die markante Inszenierungsdilletanz ist aber interessanterweise charmant und keineswegs langweilig umgesetzt.

    „Die Rückkehr der Zombies“ ist ein unglaublich symphatisches Filmchen voller kruder Ideen. Trotz seiner vielen Schwächen ist er ein kleiner Meilenstein des italienischen Horrorkinos.

    Aber wie gesagt! Ich kannn nur für mich sprechen. Was alle anderen denken, soll mir im Grunde aber vollkommen egal sein!

  • Autor: Jan Tempelhof
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