Romanzo Criminale - Der Pate von Rom

Italien, 2008

  • Originaltitel: Romanzo criminale - La serie
  • Alternativtitel:

    Roma criminal (ES)

  • Regisseur: Stefano Sollima
  • Kamera: Paolo Carnera, Ivan Casalgrandi
  • Musik: Pasquale Catalano
  • Drehbuch: Daniele Cesarano, Giancarlo De Cataldo, Paolo Marchesini, Barbara Petronio, Leonardo Valenti
  • Inhalt:

    Rom 1977: Im Vergleich zu Neapel mit seiner Camorra oder Sizilien mit der Mafia, war die italienische Hauptstadt zu diesem Zeitpunkt noch weitgehend von der organisierten Kriminalität verschont geblieben, aber dafür tummelten sich unzählige Banden an Kleinkriminellen auf den Strassen Roms, die Angst und Schrecken unter der Bevölkerung zu verbreiten wussten.

     

    Eine dieser kriminellen Rasselbanden ("la banda della Magliana") wird von dem jungen und charismatischen Pietro Proietti, auch bekannt als der „Libanese“ (Francesco Montanari) angeführt, der gemeinsam mit seinen Jugendfreunden Dandi (Alessandro Roja), Scrocchiazeppi (Riccardo De Filippis) und Bufalo (Andrea Sartoretti) kleinere Gaunereien für ein vermeintlich besseres Leben begeht.

     

    Nach einem weniger lukrativen Deal mit 50 Olivetti-Schreibmaschinen hat der Libanese die Nase von der unprofitablen Kleinkriminalität gestrichen voll und beschließt gemeinsam mit seiner Bande in das ganz große Geschäft einzusteigen. Für den Anfang soll hierbei eine Entführung des angesehenen und vermögenden Baron Rosellini (Aldo Abbate) dienen, wobei man sich zunächst mit einer (zuvor) konkurierenden Bande zusammenschließt, damit auch die benötigte Man-Power zur Durchführung der Aktion zur Verfügung steht.

     

    Gemeinsam mit dem Kopf der Bande, Freddo (Vinicio Marchioni) und seinen Mitstreitern Fierolocchio (Mauro Meconi) und den beiden Buffoni Brüdern, Ruggero (Edoardo Pesce) und Sergio (Lorenzo Renzi) rauft man sich schließlich zusammen und bereitet miteinander den geplanten Übergriff auf den Vertreter des Adels bis ins kleinste Detail vor.

     

    Die Entführung und Lösegeldzahlung scheinen zunächst erfolgreich von Statten gegangen zu sein, doch durch den Leichtsinn der Buffonis und weiterer mit involvierter Kleinkrimineller haben sich -zunächst noch unbemerkt- gravierende Fehler (mit tiefgreifenden Folgen) in den Tathergang eingeschlichen, durch die der ermittelnde Kommissar Nicola Scialoja (Marco Bocci) erst auf das Geschehen hinter den Kulissen aufmerksam gemacht wird. Nachdem einer dieser Fehltritte ans Tageslicht kommt, präsentiert der Libanese erstmals das unerschöpfliche Maß seiner Unbarmherzigkeit, indem er den schuldigen Cannizzaro Brüdern schonungslos das Leben ausbläst.

     

    Ermutigt von dem ersten Erfolg beschließt man daraufhin die Zusammenarbeit der beiden Banden auch zukünftig beizubehalten, um so gemeinsam die absolute Macht in der (noch ungekrönten) Unterwelt Roms übernehmen zu können. Um diese recht bescheidene Zielsetzung auch zeitnah erfüllen zu können, mischt sich der bunt zusammengewürfelte Haufen ins Drogengeschäft (inkl. Glücksspiel, Prostitution und Immobilien) der römischen Unterwelt ein und bringt nach und nach (fast) alle Bezirke der verfeindeten Banden in seine Gewalt.

     

    Lediglich der zuvor ungekrönte Gangsterboss "Il Terribile" (Marco Giallini) mit seinen beiden Gorillas Maurizio Gemito (Simone Mori) und Remo Gemito (Alberto Gasbarri) - aka die Gemito Brüder - lassen sich zunächst nicht aus ihrem Revier vertreiben, da dieser eine enge Geschäftsbeziehungen mit dem mächtigen Mafia Paten "Onkel Carlo" (Giuseppe Calò) unterhält und daher einem besonderen Kündigungsschutz untersteht. Zudem bestehen zwischen dem Libanesen und "Il Terribile" unüberwindbare Spannungen aufgrund eines für den Libanesen sehr schmerzhaften und erniedrigenden Zusammentreffens in der Vergangenheit.

     

    Unter den einzelnen Mitgliedern der zusammengewürfelten Systemverächtern besteht aber auch weiterhin ein sehr hohes Maß an gegenseitigem Misstrauen, was dauerhafte und recht explosive Beziehungsgefüge zur Folge hat und auch das leichtsinnige und unüberlegte Handeln einzelner Mitglieder mit den daraus resultierenden Folgen für die gesamte Sippschaft scheint auch kein Ende mehr zu nehmen.

     

    Eigentlich sollten ursprünglich alle Bandenmitgliedern gleichberechtigt sein und es sollte auch keinen festen Anführer geben, doch mit der Zeit kristallisieren sich der Libanese, Freddo und Dandi als eine Art "Führer-Trio" der Bande heraus, wobei in diesem Kreis wiederum der Libanese aufgrund seines erbarmungslosen Charismas das Zepter in der Hand zu halten scheint.

     

    Während sich Dandi viel lieber die Zeit mit seiner edlen Liebesdienerin Patrizia (Daniela Virgilio) vertreibt und sich somit immer häufiger dem aktuellen Treiben entzieht, halten Freddo und der Libanese mit dem Rest der Bande tapfer die Stellung, denn es herrscht Krieg in der Unterwelt von Rom. Zu alledem hängt ihnen ständig der unnachgiebige Kommissar Scialoja an den Fersen, der sich die Überführung der Bande zu seiner Lebensaufgabe gemacht hat.

     

    Die enorme Machtzunahme der "Magliana Bande" bleibt aber auch in der eigentlichen Machtzentrale des globalen Verbrechens, dem staatlichen Geheimdienst nicht unentdeckt, wodurch die Bande 1978 erstmals zum Zwecke der politischen Zielerreichungen von der staatlichen Behörde unbemerkt instrumentalisiert wird und sich plötzlich völlig ahnungslos in zeitgeschichtliche Geschehnisse wie z.B. die Entführung und Ermordung Aldo Moros oder dem Bombenanschlag 1980 in Bologna involviert sieht.

     

    Verantwortlich für dieses Komplott auf höchster Ebene ist "der Alte" (Massimo De Francovich), seines Zeichens ranghöchster Beamter des Innenministeriums und Mitglied der Freimaurerloge "Propaganda Due", der gemeinsam mit seinen beiden Laufburschen A-Hörnchen und B-Hörnchen - also den beiden Agenten Zeta (Fausto Maria Sciarappa) und Pi Greco (Claudio Spadaro) - die Zügel der tatsächlichen Macht im Angesicht des "kalten Krieg" Szenarios fest in den Händen hält. Zudem obliegt der staatlichen Behörde die alleinige Entscheidungsgewalt, wer in diesem globalen Machtspiel letztendlich sterben oder am Leben bleiben darf. Und die Mafia ist im Endeffekt auch nur eine Marionette des Geheimdiensts...

     

    Trotz kleinerer Rückschläge aufgrund unzähliger (Kurz-)Inhaftierungen einzelner Mitglieder, aber auch der gesamten Bande am Stück oder mehrfachen Verrätertums in den eigenen Reihen lassen sich der Libanese und seine Gefolgschaft von ihrem Vorhaben - die alleinige Herrschaft der römischen Unterwelt - nicht abschrecken und setzen unbeirrt ihren Siegeszug zur absoluten Machtübernahme in der römischen Verbrechenswelt fort.

     

    Doch die überschwängliche Macht und der überdimensionale Erfolg zeigen auch beim Libanesen ihre unausweichliche Folgen in Form eines Tony Montana-ähnlichen Kokainkonsumverhaltens, inkl. einhergehender Anfälle von Paranoia und Größenwahn.

     

    Nachdem "Il Libanese" schlussendlich auch seine aller letzten Konkurrenten aus dem Weg räumen konnte, hat er sein ursprüngliches Ziel eigentlich erreicht und könnte sich gemeinsam mit seinen Partnern auf den verdienten Lorbeeren ausruhen und das Leben in den vollsten Zügen genießen, doch aufgrund seines mit paranoiden Zügen ausgeprägten Größenwahns strebt er weiterhin die nächste Ebene des Verbrechens an und verbündet sich mit der Mafia und dem Geheimdienst.

     

    1981 kommt es dann zum Ende der 1. Staffel für die "Magliana Bande" zu einem schwerwiegenden Schicksalsschlag, dessen schwerwiegende Auswirkungen den kompletten weiteren Verlauf der 2. Staffel bestimmen.

     

    Die Bande muss sich nach einem enormen Rückschlag zunächst wieder neu formieren und erneut zueinander finden. Anfänglich scheint dieses Unterfangen auch zu gelingen, doch dann zeigen einzelne Mitglieder der Bande nach und nach ihr wahres Gesicht und der Zusammenhalt unter den einzelnen Systemverächtern schwindet immer mehr.

     

    Obendrein gesellen sich auch vermehrt persönliche Fehden auf die Tagesordnung, deren Ausgang in den meisten Fällen für mindestens eins der Bandenmitglieder tödlich verläuft. Der allmächtige Geheimdienst und die verbrüderte Mafia packen die Gelegenheit am Schopf und versuchen die verbliebenen Bandenmitgliedern mit deren Machtanteilen unverblümt für ihre Zwecke zu gewinnen. Dies steigert wiederum den Unmut und Zorn anderer Mitglieder und der Zerfall der einst so mächtigen Bande schreitet unaufhaltsam voran.

     

    Und als wäre das alles noch nicht genug, kommt schlussendlich auch der unkaputtbare Kommissar Scialoja Mitte der 80er mit einem mittlerweile berserkerhaften Aussehen eines gebeutelten Henry Silvas zu seinem langersehnten Erfolg und der verbliebene Rest der Bande findet sich mal wieder in den Mauern eines römischen Gefängnisses zusammen. Doch für Einige wird diese Zusammenkunft zugleich auch die letzte in ihrem Leben sein...

  • Autor: Richie Pistilli
  • Review:

    Diese ca. 19 stündige Serie (aufgeteilt in 2 Staffeln) von Stefano Sollima enthält alle lebenswichtigen In­gre­di­enzen, die dem Italo-Crime-Herz normalerweise eine abnormale Höherfrequentierung versetzen und dieses vor Freude fast aus dem Brustkorb springen lassen. Zudem wartet diese sehr intensive, schonungslose und actionreiche Inszenierung mit einer wohligen 70er Retro-Atmosphäre auf, die aus heutiger Sicht recht ordentlich umgesetzt wurde.

     

    Ausgangspunkt dieser Serien Verfilmung ist die Romanvorlage "Romanzo Criminale" des ehemaligen Richters und Schriftstellers Giancarlo De Cataldo (dieser Roman soll auch auf Erfahrungsberichten wahrer Begebenheiten beruhen), die zunächst 2005 für das Drehbuch des unter der Regie von Michele Placido entstandenen Kinofilms Pate stand, bevor “All Cop are Bastards” Regisseur Stefano Sollima (mit ein wenig Hilfestellung durch Monsieur Placido im Hintergrund der Produktion) diesen wiederum zwischen 2008 - 2010 für das TV auf Serienlänge neu produzierte.

     

    Die komplexe Geschichte des gewaltsamen Aufstiegs und Falls der "banda della Magliana" unter der Führung des charismatischen Libanesen wurde von Sollima Jr. tadellos in Szene gesetzt und zieht den Zuschauer aufgrund der außerordentlichen Leistung der Darsteller und des sehr hohen Spannungspotentials (Vorsicht! absolute Suchtgefahr!) der Inszenierung in einen unausweichlichen Bann, aus dem es dann bis zum Ende (glücklicherweise) auch kein Entrinnen mehr gibt.

     

    Aufgrund der Komplexität der zahlreichen Nebenhandlungssträngen und der unüberschaubaren Anzahl an mitwirkenden Filmcharakteren, gestaltet sich eine kompakte Zusammenfassung der Ereignisse nicht gerade einfach und gespoilert soll ja nun auch nicht werden ....

     

    Die einzelnen Charaktere sind allsamt sehr gut herausgearbeitet und besitzen einen ordentlichen Tiefgang. Dabei bekommt jeder Einzelne seine eigene Lebensgeschichte bis zum Ende der Serie erzählt und sich somit dem Betrachter im Verlauf näher bringen.

     

    Das hört sich jetzt bestimmt alles sehr kompliziert und ggf. etwas lähmend an... isses aber absolut nicht!

     

    Die ganze Serie kann als dramaturgisches Glanzstück angesehen werden und erhält ihren sehr dichten Spannungsbogen durchgehend auf einem sehr hohen Level aufrecht. Die Schauspieler legen durch die Bank hinweg eine sehr intensive und mitreißende Darbietung an den Tag, so dass man sich recht schnell im Serienverlauf verliert und mit den einzelnen Charakteren immer vertrauter wird. Auch die Gewaltszenen (von denen es nicht gerade wenige gibt) kommen in einer für das TV-Serien-Format ungewohnten Direktheit daher und verfehlen ihre Wirkung beim Zuschauer in keinster Weise.

     

    Darstellertechnisch jagt hier eine markante Hackfresse ungebremst die Nächste und es ist im Gesamten eine absolute Wohltat, von den heutzutage glattgebügelten und oftmals nichtssagenden Gesichtern verschont zu bleiben. Die Auswahl des Casts erweist sich im Gesamten als Glücksfall, da sich neben den überdurchschnittlichen und überzeugenden Leistungen gerade die unzähligen markanten Gesichtszüge mit ihren dazugehörigen Persönlichkeiten tief ins Gedächtnis einbrennen.

     

    Überhaupt wurde der Begriff "Authentizität" bei der kompletten Inszenierung ganz groß geschrieben, was letztendlich aber nicht nur den recht ordentlich umgesetzten Retro-Look der 70er und 80er Jahre betrifft, sondern auch bei der meisterhaften Umsetzung des Drehbuchs und der schauspielerischen Leistung zu tragen kommt. Neben den bereits in der Zusammenfassung aufgezeigten Geschehnisse der Zeitgeschichte wie z.b. der Terroranschlag in Bologna oder die Entführung mit der anschließenden Ermordung Aldo Moros, gibt es auch noch zahlreiche weitere Querverweise (bis hin zum Fall der Berliner Mauer) zu entdecken. Recht amüsant fand ich Szene im Pub während des Finalspiels der Fußball WM 1982 aus Spanien (Italien - Deutschland 3:1 )

     

    Zudem enthält die Inszenierung einen gehörigen Schuss an damianoesken Polit-Thriller-Elementen, die gerade beim Wirken der wahren Strippenziehern hinter den Kulissen, dem staatlichen Geheimdienst zu Tage treten. Egal ob ein König der römischen Unterwelt oder die mächtige Mafia in Sizilien, letztendlich sind sie alle nur Marionetten der allmächtigen Staatsbehörde und tanzen ohne ihr Wissen eigentlich nach deren Musik.

     

    Regisseur Stefano Sollima ist mit "Romanzo Criminale" die Unglaublichkeit gelungen, einen (Neo)Poliziottesco nicht nur im Sinne seines Vaters, sondern auch im Sinne der unzähligen weiteren Genre-Veteranen aus den glorreichen 70ern gekonnt in Serienlänge zu inszenieren, ohne dabei die entsprechende Authentizität der damaligen Zeit missen zu lassen.

     

    Staffel 1 zeigt den gewaltsamen Aufstieg der Bande bis an die Spitze der Macht und kommt im Gesamten etwas actionreicher daher, wobei Staffel 2 dann eher den Zerfall der Bande herausstellt. Zwar unterscheiden sich die beiden Staffeln in ihrer Grundatmosphäre, aber qualitativ und vom Spannungspotenzial her, steht die 2. der 1. in keinster Weise nach und weiß gleichfalls in höchsten Maßen zu begeistern.

     

    Die musikalische Untermalung ist auch durchwegs gelungen und setzt sich aus einem kunterbunten Mix an (auch) bekannteren Tracks der jeweiligen Era zusammen. Unvergessen bleibt hierbei die Hochzeitsfeier von Dandi und Patrizia mit der musikalischen Untermalung durch Joy Divisions “Atmosphere”.

     

    Fazit: Ein sehr intensives und hochspannendes Filmerlebnis im wohligen Retro Look der 70er und 80er Jahre, bei dem jedes Italo-Film-Liebhaber-Herz in ungeahnte Höhen schlägt. Diese Serie ist ein tiefgehender Kniefall vor den Polizeifilmen eines Lenzis, Sollimas (Sen.), Damianos oder Castellaris.

     

    Die beste italienische Serie seit "Alleine gegen die Mafia"! (wobei "Romanzo Criminale" bei mir einen noch stärkeren Eindruck hinterlassen konnte) Eine absolute Pflicht-Empfehlung!

  • Autor: Richie Pistilli
  • Veröffentlichungen:

    Die DVD von Edel / Motion mit der dt. Synchronisation (2.0 + 5.1) wäre fast gelungen, hätte man bei der it. Tonspur nicht auf die dt. Untertitel verzichtet. Soweit man nicht gerade der it. Sprache mächtig ist, wirkt diese Option irgendwie sinnbefreit.... sehr schade.

     

    Zumindest scheint das englische DVD Release der Serie für die O-Ton-Hörer entsprechende engl. Untertitel zu beinhalten.

  • Autor: Richie Pistilli
  • Kommentare (1)

    • Fantomas

      Fantomas

      04 Februar 2016 um 16:38 |
      komme selber aus der UDSSR weis wie das leben ist, finde den Film Spanend erinert mich an meine Jugend.

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