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The Riffs III - Die Ratten von Manhattan

Frankreich | Italien, 1984

  • Originaltitel: Rats - Notte di terrore
  • Alternativtitel:

    Ratos - A Noite do Terror (BRA)

    Año 225, después del apocalipsis/holocausto (ESP)

    Les rats de Manhattan (FRA)

    Rats: Night of Terror (GBR)

    Blood Kill

    Rats

  • Deutsche Erstaufführung: 03. August 1984
  • Regisseur: Bruno Mattei, Claudio Fragasso
  • Kamera: Franco Delli Colli, Henry Frogers
  • Musik: Luigi Ceccarelli
  • Drehbuch: Claudio Fragasso, Bruno Mattei, Hervé Piccini
  • Inhalt:

    Wir schreiben das Jahr 21schlagmichtot nach der Bombe. In Bella Italia herrscht Endzeit. Da entschließt sich eine äußerst illustre und noch geschmackloser gekleidete Gruppe junger Biker mit solch lustigen Spitznamen wie "Taurus", "Lucifer", "Chocolate", "Video" oder ganz ordinär "Kurt" zu einem kleinen Boxenstopp in einer gottverlassenen Stadtruine. Eine fatale Entscheidung, weil hier längst fette, struppige, eklige Kanalratten das Regiment übernommen haben. In Filmminute 53 wird die Protagonistin "Chocolate" mitten in einem Belagerungsszenario kreischen: "Ouch Scheiße! Wir haben vergessen, dieses Fenster da zu verbarrikadieren..." Kurz darauf, nachdem eine Leidensgenossin aufgrund des vorangegangenen Faux Pas von Rattenbissen übersät im hohen Fieberbett deliriert, möchte der Kollege "Taurus" zwecks Wundreinigung Wasser holen, doch dann fällt ihm siedendheiß ein: "Ouch! Scheiße! Ich habe das Wasser draußen vergessen!" Was verdeutlicht: Unsere wackeren Endzeitkrieger in RATS – NOTTE DI TERRORE sind zwar nicht so schlau wie ihre pelzigen Opponenten aus der Gattung Rattus norvegicus, aber wenigstens genauso häßlich...

  • Autor: Christian Ade
  • Review:

    Ich persönlich finde das Thema "Ratten versus Menschen nach dem Fallout in den Ruinen unserer Städte" grundsätzlich sehr interessant. Vor vielen Jahren hat der britische Autor James Herbert daraus einen recht fiesen und ziemlich packenden Horror-Roman mit dem Titel Domain gemacht. Wenn ihr ihn noch irgendwo finden solltet, lest ihn.

     

    Aber psssst... Habt ihr eben auch das Röcheln gehört? Das war die Hoffnung, die zuletzt gestorben ist. Oder hat tatsächlich einer der Anwesenden geglaubt, das Duo Infernale Bruno Mattei und Claudio Fragasso könne aus diesem Stoff einen kongenialen oder zumindest ernstzunehmenden Horrorfilm zaubern? Eben!

     

    Immerhin haben die beiden zusammen schon HELL OF THE LIVING DEAD verbrochen. Und Schlimmeres: ZOMBIE IV - DIE LETZTEN MENSCHEN.

     

    Mit Trash, Schlock und Dümmlichkeit durfte also schon im Vorfeld gerechnet werden. Was nun aber unglaublich klingt, aber wahr ist; die NOTTE DI TERRORE entpuppt sich letzten als noch dämlicher als befürchtet. Was die Sache filmkritisch betrachtet zwar verheerender, aber auf jeden Fall unterhaltsamer macht.

     

    Dabei ist noch nicht entschieden, wer nun das größere Scherflein zur grandiosen unfreiwilligen Komik dieser italienischen Endzeit-Nagetierkatastrophe beigetragen hat. Sind es die Ratten, die in ihren Angriffsszenen eher vor den Darstellern davonlaufen als zu ihnen hin und die sich viel mehr für eine zufällig auf dem Boden herumliegende Kaffeetasse interessieren als für die Knallchargeuse, die sich zwei Meter weiter unbeeindruckt allem weiter neue Locken in die Frisur kreischt? Oder dann doch unser lustiges, diesmal aus einer besonders untalentierten Kohorte italienischer Jungschauspieler bestehendes Endzeit-Ensemble, welches zu allem Überfluß noch lächerlicher gekleidet ist als die Mötley Crüe Anfang der 80er. Denn merke: In der Endzeit trägt man die Nuttenstiefel über den Flecktarnhosen.

     

    Strenggenommen stellen die derzeitigen 4,4 Punkte im Schnitt auf der imdb fast schon eine Überbewertung dar; andererseits hat dieser ganze grenzdebile Schlocksinn dann doch einige unvergessliche Momente zu bieten.

     

    Zum Beispiel werdet ihr euch ewig an dieses hinterfotzige Rattenvieh erinnern, das sich des Nachts unten in den Schlafsack der nacktschlafenden Moune Duvivier hineinknabbert und am nächsten Morgen aus deren Mund wieder zum Vorschein kommt. Oder an Alex McBrides explodierende Lederjacke. Und an diese völlig willenlose, beknackt-geniale Schlusspointe. Kleine, idiotische Späßchen wie die Szene, als die farbige Geretta Geretta einen Sack Mehl über den Kopf bekommt, nur um danach wie ein gedoptes Rumpelstilzchen freudig "I'm white! I'm white!" skandierend herumzutanzen, gibt es gratis zum Fremdschämen obendrauf.

     

    Und während sich im nuklearen Winter eine Gruppe fürchterlich gekleidete Schundmimen fröhlich mit der Kanalratten-Übermacht balgt (und in der Kammerjagd grandios scheitert), spielt Filmmusikant Ceccarelli auf seinem Keyboard unablässig Beerdigungsmärsche. Im wahren Leben ein grottenschlechter Film; in bierseliger – Verzeihung!- in sehr bierseliger Runde ein Heidenspaß.

     

    PS: Der deutsche Verleihtitel von RATS lautet THE RIFFS III - DIE RATTEN VON MANHATTAN und auch in der (wie immer köstlich schundigen) deutschen Synchronisation versucht man krampfhaft eine Verbindung zu Enzo G. Castellaris kultigen, aber kaum minder trashigen Endzeitfilmen herzustellen. Was dreister Etikettenschwindel ist: Weder im Original noch in der von mir gesehenen amerikanischen Fassung von RATS gibt es –abgesehen von der peinlichen italienischen Endzeitmode- einen tatsächlichen Bezug zu den RIFFS.

  • Autor: Christian Ade
  • Filmplakate

    Links

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    IMDb

     

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