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Das Rattennest

Italien, 1974

  • Originaltitel: Una donna per 7 bastardi
  • Alternativtitel:

    Una mujer para siete bastardos (ESP)

    The Sewer Rats

  • Regisseur: Roberto Bianchi Montero
  • Kamera: Mario Mancini
  • Musik: Franco Micalizzi
  • Drehbuch: Leila Buongiorno, Richard Harrison
  • Inhalt:

    Ein Mann (dessen Namen wir nicht erfahren) hat eine Autopanne. Weit entfernt von der Zivilisation landet der Unglücksrabe in einem Goldgräberdorf. Das Begrüßungskomitee besteht aus einem Raubmörder, einem Kinderschänder, einem Deserteur, einem Bankräuber, einem alten Mann, einem stummen Mundharmonikaspieler, einer Nymphomanin und deren Ehemann Carl. Man hält den Fremden für einen Polizisten. Folglich fühlt sich die illustre Schar von Schwerverbrechern bedroht. Der Hass, innerhalb dieser speziellen „Gemeinschaft“, steigt von Minute zu Minute - und es stellt sich die Frage:

     

    Wer wird diese Hölle überleben?

  • Autor: Frank Faltin
  • Review:

    Roberto Bianchi Montero („Schön, nackt und liebestoll“) erfindet, mit „Das Rattennest“, das Kino (nun wirklich) nicht neu - aber er findet eine neue Definition für den Begriff: Asozial. Die von Russ Meyer, Joseph W. Sarno, Michael Findlay und weiteren Regisseuren geschaffenen Dogmen des Roughie werden, gemessen am „Rattennest“, beinahe entkräftet. Begriffe wie: „Gemeinschaftsfeindlich“ und „Gemeinschaftsschädigend“ sind - in Bezug auf die Antagonisten aus dem „Rattennest“ - als Komplimente zu sehen. Roberto Bianchi Montero präsentiert dem Rezipienten einen Knäuel von Parasiten die zu den Pionieren des „Asozialenfilm“ avancieren. Das Wort - Pionier - sei jedoch mit (etwas) Vorsicht zu genießen. Blicken wir nämlich nach Skandinavien so fällt uns auf, dass Vidal Raski (1974, ca. ein Jahr vor Monteros „Rattennest“) einen Film namens „Das Haus der verlorenen Mädchen“ kreierte. Ein Werk das mit kranken Humor, gestörten Darstellern sowie extrem heruntergekommenen Räumlichkeiten auf sich aufmerksam macht(e).

     

    Die Firmierung „Rattennest“ passt zu Monteros Film wie die Proletenfaust aufs Spießerauge. Das kleine Goldgräberstädtchen, in dem sich der Film abspielt, besteht aus den widerlichsten und dreckigsten Gebäuden der Filmgeschichte. Bretterverschläge die Vittorio De Sicas Baracken, beim „Wunder von Mailand“, beinahe wie Luxus-Appartements wirken lassen. Somit überrascht es auch nicht, dass sich der Bodensatz der Gesellschaft - in einem solchen Örtchen - besonders wohl fühlt. Der Chef dieser Bagage ist Gordon Mitchell in der Rolle des Deserteurs Gordon (sozusagen der „König der Asozialen“). Ein Kernassi der, gemeinsam mit Carl, eine Menge Gold an die Seite geschafft hat. Carl versorgt das „Dorf“ mit Bier und Whiskey. Getränke die als Hauptnahrung dienen - und mit 500% Aufschlag an die „Dorfbewohner“ verkauft werden. Gordon und Carl schmeissen somit den Laden - jedenfalls so lang bis ein Fremder auftaucht. Dieser sorgt für Unfrieden und Verwirrung, denn alle haben bekanntlich Dreck am Stecken. Eine Konstellation die an den Jack Arnold Western „Auf der Kugel stand kein Name“ erinnert.

     

    Die Anwesenheit, von Gesetzlosen, innerhalb eines kleinen Goldgräberstädtchens kann das Western-Thema zusätzlich stärken. Hierbei handelt es sich um spezielle Gesetzlose die, lt. Aussage von Gordon, für ein paar Dollar ihre eigene Mutter auf den Strich schicken. Inmitten einer solchen „feinen“ Gesellschaft wird selbstverständlich für viele Reibereien gesorgt. Jeder hasst Jeden - und wenn Kinderschänder, Mörder und Deserteur aufeinander treffen - dann geht einiges. Um diese, stets angespannte, Atmosphäre weiter anzuheizen, schickt Montero Dagmar Lassander - als die Nymphomanin Rita - ins Rennen. Diese legt es (erfolgreich) darauf an, dass es in den Hosen von Unholden und Missetätern sehr eng wird. Holla, die Waldfee!

     

    Die Handlung im „Rattennest“ ist sehr bescheiden und Spannung mag auch nicht so recht aufkommen. Bereits zu Beginn bietet der Film einen Spoiler der zur richtigen Lösungseinschätzung führen kann. „Das Rattennest“ lebt vorrangig von seinen extremen Charakteren, deren Scharmützel und den daraus resultierenden Situationen. Dazu kommt eine gute, deutsche Synchronisation die im besten Roughie-Stil zu Werke geht. Dabei wird der Fremde - unzählige Male - mit der Titulierung „Krüppel“ angesprochen.

     

    „Wer hat die Kiste gestohlen?“ - „Der Krüppel.“
    „Wer hat mit dem Alten gesprochen?“ - „Der Krüppel.“
    „Warum ist Rita weg?“ - „Der Krüppel.“ …

     

    Roberto Bianchi Montero hat mit „Das Rattennest“ einen Film geschaffen, der mir die Kinnlade (immer wieder) nach unten fallen lässt. Der Film bietet ein Lumpenpack welches man nicht mehr als Protagonisten bezeichnen kann. Selbst die „Identifikationsfigur“, der Fremde (gespielt von Richard Harrison), hat es faustdick hinter den Ohren. Unter dem Strich lässt sich „Das Rattennest“ als eine Mischung aus Western, Thriller und Exploitation bezeichnen. Zur besonderen Garnierung wurden sämtliche Müllhalden zwischen Nord- und Südpol in den Film integriert. Wer sich diesem asozialen Treiben hingeben kann und will - der wird vorzüglich unterhalten. Denjenigen die, nach Ansicht des „Rattennest“, nach weiteren asozialen Filmproduktionen lechzen: empfehle ich Memduh Üns – „Turksploiter“ und „Death Wish-Aufguss“ - „Cellat - Der Henker“.

  • Autor: Frank Faltin
  • Veröffentlichungen:

    „Das Rattennest“ wurde - in Deutschland - nur auf VHS (Vegas / Starlight) veröffentlicht. Das Bildformat ist an beiden Seiten beschnitten. Die Bildqualität ist bescheiden. Über weitere Veröffentlichungen ist mir nichts bekannt.

  • Autor: Frank Faltin
  • Links

    OFDb

    IMDb

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