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Die Ratte des Syndikats

Italien, 1980

  • Originaltitel: Mafia, una legge che non perdona
  • Alternativtitel:

    Máfia - Lei Sem Perdão (BRA)

    La mano de hierro de la mafia (ESP)

    The Iron Hand of the Mafia

  • Regisseur: Roberto Girometti
  • Kamera: Roberto Girometti
  • Musik: Stelvio Cipriani
  • Drehbuch: Roberto Girometti, Pierpaolo Lubrani, Pelio Quaglia
  • Inhalt:

    Nach dem überraschenden Tod von Don Ernesto stellt sich die dringende Frage, wer denn der neue Don in Salerno werden soll. Don Raffaele würde sich anbieten, denn dieser wird von allen akzeptiert und respektiert. Aber ausgerechnet der möchte sich aufs Altenteil zurückziehen und lehnt die Wahl ab. Und noch während die Frage unbeantwortet im Raum steht beginnt das große Sterben. Ein Boss nach dem anderen fällt tot um oder verschwindet spurlos. Notgedrungen, und um für Ruhe zu sorgen, nimmt Don Raffaele die Wahl also an, tappt aber trotz freundlicher Unterstützung durch die Polizei völlig im Dunkeln bezüglich der Frage wer da gerade aufräumt. Doch dann wird sein kranker Junge entführt, und Don Raffaele wird … böse (zumindest so etwas ähnliches). Er sucht und forscht nach den Urhebern dieser Gemeinheit in ganz Italien, und bemerkt dabei überhaupt nicht, dass die Gefahr in seiner unmittelbaren Nähe sitzt.

  • Autor: Maulwurf
  • Review:

    Zu Francis Ford Coppolas DER PATE habe ich mal gelesen, dass damals die ganzen Typen der amerikanischen Cosa Nostra in den Kinos saßen und ihren Spaß hatten. Sie liebten diesen Film und sahen ihn sich wieder und wieder an, weil sie dort endlich mal genau so gezeigt wurden wie sie sich selbst sahen: Als taffe Burschen mit dem Herzen am rechten Fleck.

     

    Bei der RATTE DES SYNDIKATS dürfte das ähnlich gewesen sein. Ich meine, welcher hartgesottene Camorrista würde sich nicht über eine dermaßen freundliche und wohlgesonnene Darstellung freuen. Hey, die sind doch alle gar nicht so schlimm. OK, sie fuchteln ab und zu mit ihren Knarren rum, und manchmal sterben sie recht überraschend, aber wenn es hart auf hart kommt und ein Kind in Not ist, dann kann man sich wirklich auf die Boys verlassen. Wenn ich mir zum Beispiel überlege, was Bob Hoskins in RIFIFI AM KARFREITAG mit seinen bisherigen Kollegen und Freunden anstellt um dem Verräter auf die Spur zu kommen, da ist richtig Dampf und Überzeugungskraft drin, und der Gewaltpegel ist immens hoch. In RATTE gibt es als Gegensatz diese Szene, in der zwei Ohrfeigengesichter in einem Kühlwagen eingesperrt werden. Als die Tür wieder aufgeht kommt Don Raffaele mit zwei Schlagetots rein und unterhält(!) sich mit den Typen. Klar, die beiden erzählen ihm frei von der Leber weg alles was er wissen möchte – UND DANN GEHT DER DON EINFACH WIEDER WEG! Sind wir hier in der Kinderstunde??? Oder ist Salerno einfach so tiefe Provinz, dass dort Begriffe wie „Niedertracht“ oder „exzessive Gewaltanwendung“ überhaupt nicht bekannt sind?

     

    Der im gleichen Jahr entstandene RIFIFI AM KARFREITAG ist übrigens generell ein passender Vergleich. Hier wie dort geht es darum, dass jemand aus der engsten Umgebung des Bosses zu einem ungünstigen Zeitpunkt eine Menge Blut verspritzt, und der Boss höchstpersönlich zum schnellen und harten Eingreifen gezwungen ist. Wo aber Bob Hoskins stahlhart durchgreift und in der Londoner Unterwelt kein Stein auf dem anderen bleibt, herrscht in Bella Italia ein lässiges Urlaubsflair vor, als ob der Film vom Tourismusministerium finanziert worden wäre. Der britische Thriller wurde zu einem der stilbildenden Gangsterfilme der neueren Zeit, der viele andere Genrefilme durch seine Härte und Kompromisslosigkeit maßgeblich beeinflusste, während der italienische Vertreter tatsächlich mit seinen pittoresken und schön anzuschauenden Bildern von Salerno … punktet (zumindest so etwas ähnliches). Der Schurke läuft im leichten Sommeranzug mit Espandrillos durch die Stadt, und irgendwie sind immer alle sehr entspannt und freundlich. Auch die wenigen Morde sind kein Grund zur Beunruhigung, als Tourismusdestination kann Salerno auch nach dem Genuss dieses Films immer noch guten Gewissens empfohlen werden. Kann sich jemand erinnern, wie der in die Enge getriebene Tomas Milian in DIE VIPER auf einer belebten Kreuzung aus einem Krankenwagen springt und mit seiner Maschinenpistole alles niedermäht was in der Nähe ist? DER Mann ist gefährlich, aber bestimmt nicht die Kuschelganoven in RATTE ...

     

    Tja, und so ergibt die Freigabe ab 12 Jahren plötzlich auch Sinn. Ich meine, der Film beginnt fast wie ein Jess Franco-Film, etwas holprig aber durchaus nett und stimmungsvoll, mit einigen unblutigen Morden und einem überflüssigen (und jugendfreiem) Striptease. Etwa ab der Hälfte, wenn das Kind entführt wird und der Verräter bekannt ist, kommt auch ein wenig Spannung auf. Aber das letzte Viertel, die Befreiungsaktion auf dem Boot, die haut dann so richtig rein. Eine Inszenierung wie in einer Vorabendkrimiserie, und mit einem Ende wie wir es in so einem Film sicher niemals sehen wollten. Bis dahin war ich dem Streifen eigentlich noch geneigt, aber das Ende gleicht eher einer Folge GROSSSTADTREVIER als einem italienischen Mafiathriller …!

     

    Was gibt es sonst noch Erwähnenswertes? Gordon Mitchell rennt zwei- oder dreimal mit einer René Weller-Gedächtnisfrisur durchs Bild, ein paar unglaublich lustige komödiantische Einlagen werden mit Tiefschlägen ins Zwerchfell verwechselt (die typische Comedia dell’italiana-Frau des Medikamentenlieferanten ist nördlich der Alpen wohl für die wenigsten schmerzfrei goutierbar ), Malisa Longo darf einmal kurz ihren wunderschönen Körper präsentieren, und die Musik von Stelvio Cipriani ist außer zu Beginn eher unter der Rubrik „unauffällig“ einzuordnen. Ach ja, und einen kurzen Catfight mit genauso unauffälliger Nackteinlage gibt es auch noch.

     

    Kann man sich anschauen wenn man in Urlaubsstimmung kommen möchte, muss man aber nicht …

  • Links

    OFDb

    IMDb

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