The Rage Within

Italien, 1969

  • Originaltitel: Delitto al circolo del tennis
  • Alternativtitel:

    Crimen en el club de tenis (ESP)

    Chantagem de Amor (BRA)

  • Regisseur: Franco Rossetti
  • Kamera: Vittorio Storaro
  • Musik: Phil Chilton, Peter L. Smith
  • Drehbuch: Ugo Guerra, Alberto Moravia, Franco Rossetti, Francesco Scardamaglia
  • Inhalt:

    „Würdest Du mit mir schlafen, wenn ich nicht Deine Tochter wäre?“

     

    Ricardo Dissi (Chris Avram) ist ein reicher und mächtiger Geschäftsmann aus der erbarmungslosen Finanzwelt, der aber aufgrund seines akademischen Titels auch zugleich als Professor an einer Universität doziert und dabei eine geheime Liebesaffäre mit der jungen Tochter seines besten Freundes unterhält. Doch was der völlig liebestrunkene Ricardo bis dato noch nicht ahnt: Seine vermeintliche Geliebte Benedetta Varzi (Anna Gaël) stellt gemeinsam mit seiner aufmüpfigen Tochter Lilla (Angela McDonald) und deren Freund Sandro (Roberto Bisacco) ein revolutionäres Studententrio dar, dass sich zur Aufgabe gemacht hat, die Vertreter des verhassten kapitalistischen Machtsystems auf manipulative Art und Weise moralisch hinzurichten und somit die Motoren der Machtzentren zu schwächen.

     

    Und genau aus diesem Grund wurde scheinbar auch der ahnungslose Ricardo von den fragwürdigen Weltverbesserern zum nächsten potenziellen Opfer erkoren und mit der aufreizenden Benedetta als Köder bereits das verfängliche Netz der Intrige über seinem Haupt ausgebreitet.

     

    Bereits einige Tage später kommt es für Ricardo dann auch schon zum bösen Erwachen, da er nach einem gemeinsamen Tennis-Spiel mit Sandro einen anonymen Erpresserbrief mit verfänglichen Fotos seines geheimgehaltenen Liebeslebens im Umkleideraum des ortsansässigen Tennis-Clubs vorfindet. Nachdem er sich dem sauberen Freund seiner Tochter mit seinem Problem anvertrauen konnte, akkreditiert er diesen sogleich ohne großes Federlesen zu seinem persönlichen Krisenmanager und begibt sich daraufhin auf dem direktem Weg zu seiner jungen Geliebten, der mittlerweile gleichfalls ein anonymer Erpressungsanruf zuteil geworden ist.

     

    Doch kaum zuhause angekommen, fallen die beiden Turteltäubchen in einem Anfall unbändiger Liebe erst einmal übereinander her, bevor Ricardo in Windeseile bereits vom nächsten Schicksalsschlag heimgesucht wird: Völlig unerwartet gibt die bis in die Haarspitzen mit Drogen zugedröhnte Benedetta während des heißen Liebesspiels endgültig ihren Löffel ab und lässt dem völlig aufgelösten Professor somit ihren an einer Überdosis kollabierten Leichnam als höchst-strafbares Andenken an die gemeinsame Zeiten zurück.

     

    Völlig verzweifelt bittet Ricardo nun seinen selbsternannten Krisenmanager um Mithilfe bei der Beseitigung des Corpus Delicti, wobei dieser den belastenden Leichnam der verflossenen Liebe letztendlich im Alleingang entsorgt. Zurück bleibt ein gebrochener Mann, dem das Lebensglück scheinbar für immer genommen wurde. Hat die revolutionäre Rasselbande somit ihr Ziel endgültig erreichen können?

     

    „Be a good girl... be a fathers child“

  • Autor: Richie Pistilli
  • Review:

    Dieser gialloeske Intrigen-Thriller aus den späten 60ern stellt sich im Großen und Ganzen als eine recht interessante und bildschöne Umsetzung einer Romanvorlage von Alberto Moravia dar, die aber aufgrund des sehr ruhigen, unspektakulären und manchmal auch langatmigen Inszenierungsstils des Regisseurs stellenweise auch etwas beschwerlich wirkt. Aber unterm Strich bleibt doch eine ansprechende und recht unterhaltsame Genre-Produktion zurück, die dem geneigten Giallo-Liebhaber schon einmal einen Blick wert sein sollte.

     

    Abseits von klischeebehafteten schwarzen Handschuhen, maskierten Meuchelmördern oder blitzeblank geputzten Schlitzwerkzeug wird hier von 3 unverbesserlichen Weltverbesserern ein höchst perfides Netz aus Intrigen und Lügen geknüpft, indem sich der verhasste Kapitalistenfeind verfangen und letztendlich darin psychisch zu Grunde gehen soll.

     

    Und da wären wir auch schon bei Chris Avram, der den kapitalistischen Klassenfeind, den Vater einer prahlenden Revolutionärin und den Liebhaber einer verdrogten Studentin zusammen in einer Person verkörpert und dabei sogar eine recht gute Figur abgibt. Angela McDonald ist in der Rolle des undankbaren Töchterleins zu bewundern, deren Antriebsfeder für das perfide Treiben scheinbar eher in der Unerfülltheit einer inzestiösen Hassliebe, als in der Überzeugung ihres revolutionären Gedankenguts zu finden ist und deren Schlussszene mit der Hand an der Glastüre einfach unvergessen bleibt.

     

    Ansonsten kommt diese rare Giallo-Perle für ihre Zeit recht freizügig daher und bietet auch ansonsten einen recht hohen Erotikanteil. Die Filmmusik von den beiden mir bisher unbekannten Komponisten kann sich zudem auch hören lassen und braucht sich hinter den Kompositionen der üblichen Verdächtigen in keinster Weise zu verstecken.

     

    Fazit: Ein scheinrevolutionärer Intrigen-Giallo, der letztendlich trotz seiner inszenatorischen Längen überzeugen und gefallen kann.

  • Autor: Richie Pistilli
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