The Children of Violent Rome

Italien, 1976

  • Originaltitel: I ragazzi della Roma violenta
  • Alternativtitel:

    La nuit des excitées (FRA)

  • Regisseur: Renato Savino
  • Kamera: Aiace Parolin
  • Musik: Enrico Simonetti
  • Drehbuch: Renato Savino
  • Inhalt:

    Eine neo-faschistische Jugendgang, die sich in einem eigens hergerichteten Raum mit Hitlerbild, Hakenkreuzen und Flipper-Spielautomat (!) trifft, hat so ihre ganz eigenen Probleme. Eines der Gründungsmitglieder trifft sich heimlich mit einer Kommunistin, ein anderer empfindet keinerlei Freude beim Sex mit einer Frau, kommt aber zuverlässig beim Flippern zum Schuss und der Anführer schwelgt beim Lesen von Giallos in sexuellen Gewaltphantasien, die er schließlich auch umzusetzen gedenkt. Dies führt zum „Circeo-Mord“, einem tatsächlichen Ereignis, bei dem zwei junge Frauen entführt, mehrfach vergewaltigt und eine der Beiden getötet wurde.

  • Autor: Gerald Kuklinski
  • Review:

    Von „G. N. Cinematografica“ (nie gehört), präsentiert von „Maxi 14 Cinematografica“ (auch nie gehört) kommt dieser unterhaltsame italienische Drittligist unter der Regie von Renato Savino. Savino, der hier das einzige Mal in seiner vier Filme umfassenden Regiekarriere das einzige Mal seinen richtigen Namen benutzte, liefert hier ein ebenso kurioses wie technisch gelungenes Werk ab.

     

    Bei der Schilderung folgender Episoden bitte im Hinterkopf behalten, dass es sich nicht, zumindest nicht offensichtlich, um eine Komödie handelt: eines der Gründungsmitglieder hat eine Affäre mit einer Kommunistin. Der Kerl, der nur beim Flippern zum Höhepunkt kommt, folgt ihnen zusammen mit einem der weiblichen Gründungsmitglieder. Die Beiden beobachten die Abtrünnigen beim Sex, werden dabei von der benachbarten Straßengang überrascht und die Gründungsdame mehrfach vergewaltigt, was sie aber toll findet, da Sex und Gewalt nun mal untrennbar zusammengehören. Ihre Worte. Da der Kommunistinnen-Beischläfer zu den Gründungsmitgliedern der Gruppe gehört, darf er sich später seine Bestrafung auch selbst aussuchen, und er entscheidet sich für die Selbstgeißelung mit der Peitsche. Anschließend darf er noch zuschauen, wie ein anderer es mit seiner Freundin treibt.

     

    Dann der Flipperkerl selbst: jedes Treffen der Gruppe beginnt mit dem Flipperjodler. Unter anschließendem Beifall seiner Mitstreiter kommt er sich heftig beim Flippern in die Hose. Beim ersten Mal wird das Ergebnis sogar kontrolliert. Bei einem späteren Einbruch in eine Kneipe soll er Schmiere stehen. Doch der Anblick des Flippers im Schankraum ist zu verlockend und so erwischt ihn ein vorbeiradelnder Polizist beim Bespringen des Geräts und der Einbruch muss unvermittelt abgebrochen werden.

     

    Einer geht noch: Während der Anführer der Neo-Faschistengang reiche Eltern hat und angewidert ist, das man ihm zum Frühstück schon wieder Kalbsfilet vorsetzt, hat der Anführer der benachbarten Straßengang ganz andere Probleme. Anstelle eines Frühstücks findet er nur eine Mitteilung seines Vaters auf seinem Teller, „zu Essen gibt es nur das, was du dir selbst erarbeitest.“ Also nichts. Er leiht sich von einem Freund eine Harpune, mit der er durch die Fenster zur Küche eines Restaurants ein gebratenes Hühnchen stibitzt. Der Besitzer erwischt ihn und verlangt für ein gebratenes Hühnchen eine kostenlose Nummer mit seiner Schwester. Die will aber nicht umsonst, also muss er erst ihren Zuhälter um Erlaubnis bitten. Der Zuhälter wiederum hat der Schwester ein Nachthemd versprochen, aber keine Kohle, ihr eins zu kaufen. Ein geklautes Nachthemd muss her, und nein, das ist noch nicht das Ende dieser Story.

     

    Na gut, das Beste zum Schluss: die Gang erhält den Auftrag, einen Kommunisten-Professor einzuschüchtern. Während die Gang ihm mit einer Zange den Schniedel abquetscht, sehen wir Zwischenschnitte auf die Nuttenschwester, wie sie neckisch einen Striptease für den Hühnerrestaurant-Besitzer hinlegt, und gerade als sie sich am Ende für einen Blow-Job zu ihm herabbeugt, erfährt auch der gequetschte Schniedel des armen Kommunisten-Professors Erleichterung.

     

    Wer das alles völlig absurd findet wird beim Ansehen des Films auf seltsame Weise überrascht werden, denn der Film ist gut gemacht, unterlegt mit einem jazzig-rockigen Soundtrack von Enrico Simonetti, und die weitgehend unbekannten Darsteller schlagen sich ganz hervorragend. „I ragazzi della Roma violenta“ wird zu keinem Zeitpunkt billig. Unter den Darstellern fiel mir nur der Name Paola Corazzi auf, die man schon in Werken wie „Eine Jungfrau in Blue Jeans“, „Das süße Leben der Nonne von Monza“ und zwei Nazisploitation-Filmen von Sergio Garrone sehen konnte. Darstellerin Cristina Businari (Miss Italien 1967) wiederum soll Regisseur Renato Savino verklagt haben, weil er etwas zu viel Interesse an ihrem Schambereich an den Tag gelegt haben soll, ob mit oder ohne Kamera ist nicht bekannt. Und nicht von den schwarzhumorigen Szenen täuschen lassen, denn es gibt einige (meist sexuelle) Gewaltspitzen, die es in sich haben, gerade weil der Film eben doch erstaunlich professionell gemacht ist.

     

    Ein guter Film? Nee. Aber definitiv sehenswert, wenn man dem Schmuddelkino nicht abgeneigt ist.

  • Autor: Gerald Kuklinski
  • Links

    OFDb

    IMDb

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