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Das Rätsel des silbernen Halbmonds

Deutschland | Italien, 1971

  • Originaltitel: Sette orchidee macchiate di rosso
  • Alternativtitel:

    Edgar Wallace - Das Rätsel des silbernen Halbmonds (D)

    Siete orquídeas manchadas de rojo (E)

    Le tueur à l'orchidée (F)

    Sete Orquídeas Manchadas de Sangue (P)

    Seven Blood-Stained Orchids (US)

    Seitsemän veristä orkideaa (FIN)

  • Deutsche Erstaufführung: 30. Juni 1972
  • Regisseur: Umberto Lenzi
  • Kamera: Angelo Lotti
  • Musik: Riz Ortolani
  • Drehbuch: Paul Hengge, Roberto Gianviti, Umberto Lenzi
  • Inhalt:

    Ein rätselhafter Mord erschüttert Rom. Eine junge Prostituierte (Gabriella Giorgelli) wird auf einem Parkplatz brutal ermordet, und am Tatort findet die Polizei in ihrer Hand das Medaillon eines silbernen Halbmonds. Zum Täter gibt es keine Hinweise. Kurz darauf geschehen weitere entsetzliche Morde an Frauen, und jedes Mal hinterlässt der Killer sein Markenzeichen. Welche Verbindung besteht zwischen den Ermordeten? Als auch Giulia (Uschi Glas) während ihrer Hochzeitsreise von dem Täter überfallen wird, tappt die Polizei vollkommen im Dunkeln da sich kein Zusammenhang herleiten lässt. Mario (Antonio Sabato), der Mann von Giulia, versucht dem Täter auf eigene Faust auf die Schliche zu kommen und kann nach kurzer Zeit bereits einige Zusammenhänge aufdecken, doch der Mörder ist gewarnt und attackiert auch Mario...

  • Autor: Prisma
  • Review:

    Eine Reihe von leichten Damen wartet auf einem Parkplatz auf gute Gelegenheiten, die Finanzen merklich aufzubessern, und plötzlich fährt eine schwarze Mercedes-Limousine vor, in die das erste Opfer des Halbmond-Mörders einsteigt. Unter einer Brücke soll das Geschäft stattfinden, und noch bevor sich die nichtsahnende Marcella vollkommen entblößen kann, gibt es ein böses Erwachen, beziehungsweise gar keins mehr. »Na, gefalle ich dir nicht?«, fragt sie ihren Kunden erwartungsvoll, doch dieser hat alles andere als sein Vergnügen im Sinn. Er massakriert sie mit einer Machete und lässt sein Markenzeichen, den silbernen Halbmond zurück. Bereits in den ersten Szenen präsentiert Regisseur Umberto Lenzi seinen Film in sehr eindeutigen, beziehungsweise prosaischen Bildern und setzt dabei auf konsternierende Erlebnisse. Da die Constantin Film diesen Beitrag unter dem Edgar-Wallace-Banner vermarktete, waren es der Schocks wohl doch ein bisschen zu viel für die empfindlichen Gemüter zahlreicher treuer Fans der Serie, so dass sich der Film, zumindest in der Bundesrepublik, keines großen Zuspruches erfreuen durfte. Das Konzept des Beitrags bietet mehrere Vorteile in einem. Der Zuschauer bekommt einen packenden Thriller geboten, darüber hinaus einen hervorragenden Giallo, außerdem handelt es sich um einen spannenden, mit neuen Impulsen angereicherten Überraschungscoup innerhalb der langjährigen Wallace-Reihe. Nimmt man "Das Rätsel des silbernen Halbmonds" als Giallo, so fährt man vermutlich am besten mit dieser beklemmenden Angelegenheit. Umberto Lenzi legt den Fokus auf eine größtenteils unmissverständlich wirkende Bildsprache, die Geschichte an sich wirkt lange nicht so weit hergeholt wie in vergleichbaren Produktionen, auch der Aufbau ist sehr gut strukturiert und durchdacht worden, so dass Komponenten wie Spannung, Tempo und sogar Tragik deutliche Konturen liefern.

     

    Das Prinzip des Serienmordes garantiert eine lange, im Dunkeln liegende Geschichte mit tiefen Abgründen und ein regelrechtes Mitfiebern mit den Haupt- und Nebenpersonen, nach deren Leben ein Unbekannter trachtet. Die üppige Besetzungsliste und die recht ausgefeilte Dramaturgie liefern genügend Tatverdächtige, auch dass der Mörder hier offensichtlich keine unnötige Zeit verliert, vermittelt ein ganz klassisches Zeitdiktat. Lenzis Spielfilm hat im Gegensatz zu den im gleichen Jahr entstandenen "Das Geheimnis der grünen Stecknadel" insbesondere im Rahmen der Crew kaum mehr Züge der obligatorischen, deutschen Herangehensweise zu bieten, was diesen Beitrag nicht nur zusätzlich von seinem Konkurrenten trennt, sondern ihn auch im Sinne der kriminalistischen Herangehensweise alternativ dastehen lässt, weil der Gerechtigkeit im Grunde genommen nicht Genüge getan wird. Dieser Spritzer Tragik tut dem Verlauf sehr gut und unterstreicht den Eindruck, dass man es mit sehr interessanten Charakteren zu tun hat, wobei man von einem Brillantschliff zugegebenermaßen weit entfernt ist. Das Prinzip, einen privaten Ermittler zu integrieren, erweist sich stets als gerne genommene Variante, da es sich in der Regel um einen der Sympathieträger der jeweiligen Produktion handelt, und diese Personen dem Zuschauer in der Regel näher sind, als sachlich und steril agierende Urgesteine der Polizei, deren Rolle auch hier zugunsten der Protagonisten untergeordnet wurde. Der Polizeiapparat und ganz Rom steht vor einem Rätsel, Anhaltspunkte werden mühsam wie in einem Puzzlespiel zusammengetragen, bis sich erste Erkenntnisse manifestieren. Jedoch wird diese verstreichende Zeit ihre Opfer fordern und die Mordszenen wurden spektakulär, und reichlich brutal in Szene gesetzt. Serienmord bedeutet nicht gleichzeitig, dass es sich immer um die selbe Vorgehensweise handeln muss, nur der silberne Halbmond wird als Markenzeichen hinterlassen um eine Kausalität zu demonstrieren.

     

    Das Ziel ist der Tod, jedoch beinhaltet der Weg dort hin eine, für den Mörder wichtige Kleinigkeit. Er will seine Opfer vorher quälen, er möchte, dass sie vorher mit ihm konfrontiert werden. Der Halbmondmörder will die Todesangst sehen um im Rahmen der Rache Genugtuung verspüren zu können. In diesem Zusammenhang sind die sehr nüchtern, und nicht minder atmosphärischen Ermordungsszenen zu erwähnen und natürlich die beteiligten Schauspielerinnen. Umberto Lenzi beweist hierbei eine gute Dosierung im Spektrum der Vorgehensweise. Manche Morde werden nahezu exemplarisch auf einem Silbertablett serviert, gepfeffert mit einigen Gewaltspitzen und brutalen Details. Auf der anderen Seite sieht man bestimmte Tathergänge nicht, so dass sie sich in der Fantasie abzuspielen haben, was unter Umständen noch viel intensivere Blüten treiben wird. Die Chronologie des Todes eröffnet die Prostituierte Marcella, gespielt von der überaus attraktiven Gabriella Giorgelli, die ein ziemlich erbarmungsloses Ende finden wird. Die Tatsache, dass sie wenig später als einfaches Mädchen mit gutem Herzen charakterisiert wird, erzeugt Mitleid, außerdem entsteht eine globale Fassungslosigkeit wenn sich am Ende herausstellt, wer sein bitteres Ende überhaupt nicht verdient hatte. Kathy Adams, ein Party Girl, versehen mit dem passenden Gesicht von Marina Malfatti, wird genau wie die psychisch labile Elena Marchi, alias Rossella Falk, vor ihrem Tod gequält, die Mordmethoden sind eigentlich wahllos und daher stets unterschiedlich. Zwischendurch bekommt der Zuschauer eine rasant geschnittene Messer-Attacke auf Uschi Glas zu sehen, jedoch sind die Szenen von Petra Schürmann und Marisa Mell in diesem Zusammenhang die eindringlichsten geworden. Der Mord an Concetta di Rosa geschieht im Off-Screen, wirkt aber umso bestürzender aufgrund des Settings Kirche und Beichtstuhl, wenn man bedenkt, wie sich das Ganze wohl abgespielt haben muss. Maria Sartori hingegen muss genau wie der Zuschauer eine barbarische Bekanntschaft mit einer Bohrmaschine machen, und diese Aktion wird sich am nachhaltigsten in die Erinnerung einbrennen.

     

    Ein Frauenmörder wählt sich also seine Opfer anscheinend völlig zusammenhanglos aus, sie kannten sich nicht, sie hatten eigentlich nichts gemeinsam, doch der Schlüssel zur Lösung wird dem unfreiwilligen Ermittler-Duo Antonio Sabato und Uschi Glas zugespielt. Erneut steht die Polizei ziemlich hilflos im Gesamtgeschehen da, es geschehen tödliche Fehler, wohlgemerkt für die anderen, aber auch die Dramaturgie offeriert in dieser Richtung ein paar kleinere Ungereimtheiten. Geschenkt, kann man sich sagen, da sich der Film durchaus bemüht, einen realen, greifbaren Transfer herzustellen, denn Mörder, Opfer und Polizisten sind ja sozusagen auch nur Menschen. Die Rollenverteilungen wirken insgesamt strikt voneinander abgegrenzt und sind - wenn man so sagen darf - recht italienisch, angesichts des Aufbaus von männlich-weiblichen Konstellationen und der Unterteilung in Haupt- und Nebenrollen. Die meist kurzen Auftritte von vielen Schauspielern garantieren einen sehr flexiblen Erzählfluss, es entsteht der Eindruck, dass ständig etwas Neues passiert, auch wenn man den roten Faden der Geschichte stets vor Augen hat. "Das Rätsel des silbernen Halbmonds" liefert insgesamt ein hervorragendes Gesamtbild, vor allem im stilistischen Sinne. Die aufmerksame Kamera wird in Verbindung mit der präzisen Montage zum Volltreffer und ist hauptsächlich an Prosa interessiert, verliert dabei allerdings auch nicht den Sinn für die Schönheit. Vor allem die bemerkenswerte musikalische Unterstützung von Riz Ortolani wird hierbei zum klassischen Verstärker und man bekommt ein sehr rundes, in sich abgeschlossenes Gesamtpaket geboten, dessen klarer Aufbau immer wieder überzeugend wirkt. Genau betrachtet, handelt es sich bei Lenzis Film um einen eher konservativen Giallo, aber auf der anderen Seite um einen progressiven Wallace, so dass man ihn - um allen Seiten gerecht zu werden - vielleicht Wiallo nennen kann.

     

    Last but not least sind die Personen zu nennen, die hier ebenfalls wichtige Überzeugungsarbeit leisten. Antonio Sabato als Modezeichner Mario macht einen hervorragenden Eindruck. Sein junges Glück wird direkt von schwarzen Handschuhen bedroht, die Macheten, Messer, Telefonkabel oder Bohrmaschinen auswählen, um die Opfer damit zu beseitigen. Sabato wirkt souverän und agil und es besteht eigentlich kein Zweifel, dass er den Wettlauf gegen die Zeit nicht gewinnen könnte. Neben ihm sieht man eine Uschi Glas, die glücklicherweise in die Reihe hineinwachsen konnte und somit eine reife Leistung offeriert. Im Sinne einer italienischen Frauenrolle wirkt sie vielleicht etwas zu bourgeois, weiß aber insgesamt zu überzeugen, wenn nicht sogar zu gefallen. Viele Gegenspielerinnen im Sinne von Ausstrahlung und Exposition können ihr dennoch das Wasser nicht abgraben. Marisa Mells Auftritt ist kurz gehalten worden, aber aufgrund der Anlegung und Bedeutung ein wichtiges Puzzlestück für die Story, außerdem präsentiert sie einen regelrechten Rundumschlag aus ihrem ausgiebigen Repertoire. Pier Paolo Capponi als Inspektor zeichnet eine sehr überzeugende Variante des strebsamen Polizisten, dem man ansieht, dass ihn die Arbeit über all die Jahre desillusioniert hat, und dem trotz aller Planung und Organisation manchmal Fehler unterlaufen können. Die kurzen bis ultrakurzen Auftritte von beispielsweise Petra Schürmann, Claudio Gora, Renato Romano, Marina Malfatti oder Gabriella Giorgelli bescheren Wiedersehensfreude und Präzision. Insgesamt bietet "Das Rätsel des silbernen Halbmonds" alle schmackhaften Zutaten, die ein überzeugender, kurzweiliger und packender Film braucht. Die Tatsache, dass sich alles, aber wirklich alles nur um eine Kettenreaktion tödlicher Irrtümer handelt, kann letztlich sogar etwas nachdenklich zurück lassen.

     

    Lange Rede, kurzer Sinn: Mein absoluter Lieblingsfilm!

  • Autor: Prisma
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