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Rächer der Meere

Frankreich | Italien, 1962

  • Originaltitel: Il giustiziere dei mari
  • Alternativtitel:

    O Justiceiro do Mar (BRA)

    Le boucanier des îles (FRA)

    The Executioner of the Seas (GBR)

    Avenger of the Seven Seas (USA)

  • Deutsche Erstaufführung: 28. September 1962
  • Regisseur: Domenico Paolella
  • Kamera: Carlo Bellero
  • Musik: Egisto Macchi
  • Drehbuch: Ugo Guerra, Luciano Martino, Ernesto Gastaldi, Domenico Paolella
  • Inhalt:

    Im Jahr 1790, zwei Jahre nach dem Beginn der Besiedelung Australiens, sind die dort von der britischen Regierung umgesetzten ehemaligen Strafgefangenen gezwungen, den Briten weiterhin Tribut zu zahlen. In der Siedlung Freeland verdienen sich die Einwohner ihren Unterhalt unter anderem durch Perlentauchen. Der britische Kapitän Redway (Roldano Lupi) erweist sich als besonders gierig, will sich persönlich an den Perlen der Freeland-Bewohner bereichern. Er weiß jedoch nicht, dass der Vater und der Bruders eines ersten Offiziers David Robinson (Richard Harrison) unter den Siedlern sind. Als Robinson sich weigert, das böse Spiel mitzuspielen, wird er selbst zum Gefangenen einer Strafkolonie der Engländer.

     

    Dem Tode nahe wird er von dem Piratenkapitän Van Artz (Walter Barnes) befreit und dessen Tochter Jennifer (Michèle Mercier) verliebt sich in ihn. Van Artz‘ rechte Hand Hornblut (Paul Muller) traut Robinson nicht, außerdem hat er selbst ein Auge auf Jennifer geworfen. Als Robinson erneut in die Hände der Engländer fällt und diese daraufhin die geheime Passage der Piraten durchschiffen, scheint die Sache klar. Robinson ist ein Verräter – so macht Hornblut jedenfalls Jennifer glauben, deren Vater bei dem Überfall von den Engländern getötet wurde.

     

    Kapitän Redway ist es aber nicht gelungen, der Perlen habhaft zu werden. Die sind in die Hände von vermeintlichen Kannibalen gefallen. Redways dunkelhäutige geliebte Nike (Marisa Belli) gehörte einst zu deren Stamm und schlägt einen Tausch vor. Um die Perlen von den Wilden zurückzuerhalten, solle Redway diesen dafür englische Gefangene überlassen, als Opfer für deren Gottheit. Unter ihnen befinden sich dann auch Jennifer und Robinsons Bruder Cary.

  • Autor: Gerald Kuklinski
  • Review:

    „The Englishmen are attacking us from the rear!“

     

    Zwischen 1960 und 1962 drehte Domenico Paolella neben Peplums einige Piratenfilme, die mitunter recht düster ausgefallen sind. Dies gilt auch für „Rächer der Meere.“ Hier geht es knallhart zu. Bösewicht Captain Redway – gespielt von Roldano Lupi – ist gierig, sadistisch und ein Trinker. An Bord seines Schiffes versteckt er eine dunkelhäutige Mätresse, der er im Laufe des Films allerlei Versprechungen macht und nicht eine davon gedenkt er einzuhalten.

     

    Den Ungehorsam seines ersten Offiziers nimmt er persönlich, will ihn im Laufe der Handlung Ertränken lassen, foltert ihn, will ihn aufhängen und bei seinen Verbündeten als Verräter abstempeln. Natürlich gibt es in diesem Werk durchaus sympathische Charaktere wie den Piratenanführer Van Artz – hervorragend gespielt von Walter Barnes – und dessen Tochter Jennifer, doch gerade der Charakter des Helden David Robinson bleibt aufgrund der Darstellung Richard Harrisons eher blass.

     

    In den deutschen Kinos lief „Rächer der Meere“ im September 1962 leider nur in gekürzter Form an. Auch die englischsprachige Fassung, die mir vorlag, scheint ursprünglich zensiert gewesen zu sein, das konnte man an etwas blasseren italienischsprachigen Inserts erkennen. Hier betrafen die Kürzungen unter anderem die Folterung von Robinson, wo dieser an den Füßen aufgehängt von Redways Handlanger gegen messerbewährte Kerkerwände geschleudert wird, sowie ein paar blutige Einstellungen bei den Szenen mit einer fleischfressenden Pflanze. Überhaupt kommt in „Rächer der Meere“ dank einer Vielzahl von Ideen und Kampfszenen keine Langeweile auf. Da habe ich im Bereich des italienisch-französischen Piratenfilms leider schon fürchterlich dröge Dinge gesehen.

     

    Beeindruckend ist auch die Ausstattung, insbesondere die originalgetreuen Schiffe, die beim Dreh Verwendung fanden, welche man aber freilich – ebenso wie ein paar Settings – in den anderen ähnlich gearteten Paolella-Filmen wiederfindet. So etwa in „Frauen für die Teufelsinsel“ (Le prigioniere dell'isola del diavolo, 1962). In diesem sind nicht wenige derselben Darsteller dabei wie in „Rächer der Meere“, z. B. Michèle Mercier, Marisa Belli, Roldano Lupi und Paul Muller. Womöglich entstand hier so einiges Back-to-Back.

     

    Und das wars auch schon, was wohl einer der Gründe ist, warum ich eher ungern über Piraten- oder Mantel und Degenfilme schreibe. Drei Stunden habe ich mal mit dem Ansehen des Zweiteilers „Unter der Flagge des Tigers“ und „Donner über dem Indischen Ozeans“ von Roy Rowland verbracht, nur um dann schon an den katastrophalen Stabs- und Darstellerangaben in Vorspann und Datenbanken zu scheitern. Domenico Paolellas „Rächer der Meere“ und ebenso sein „Frauen für die Teufelsinsel“ sind in jedem Fall überaus sehenswerte Beiträge aus diesem Genre, die sogar Piratenmuffel bei Laune halten werden.

  • Autor: Gerald Kuklinski
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