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Racket

Italien, 1976

  • Originaltitel: Il grande racket
  • Alternativtitel:

    Forajidos 77 (ESP)

    Big Racket (FRA)

    The Big Racket (USA)

  • Deutsche Erstaufführung: 22. Juli 1977
  • Regisseur: Enzo G. Castellari
  • Kamera: Marcello Masciocchi
  • Musik: Guido De Angelis, Maurizio de Angelis
  • Drehbuch: Enzo G. Castellari, Massimo De Rita, Arduino Maiuri
  • Inhalt:

    Inspektor Nico Palmieri (Fabio Testi) hat in Rom alle Hände voll zu tun, denn eine neue Art des Verbrechens hält Einzug in der italienischen Hauptstadt: systematische Schutzgelderpressung, in Amerika auch "Racket" genannt. Dabei schrecken die jungen Täter, welche für einen großen Boss arbeiten, vor keiner Schandtat zurück, während der Polizei die Hände gebunden sind. Ein durchgeplanter Großeinsatz soll dem Gesindel Einhalt gebieten, aber der Plan schlägt fehl, einige Gesetzeshüter werden dezimiert und Palmieri, welcher bei seinen Vorgesetzten wegen seinen sturen Ermittlungsmethoden sowieso nicht sehr beliebt ist, wird daraufhin suspendiert. Sofort trommelt er einige frühere Opfer des Erpresser-Rings zusammen und holt gemeinsam mit ihnen zum gewaltigen Gegenschlag aus...

  • Autor: Tobias Reitmann
  • Review:

    Das waren sie - die goldenen Zeiten des italienischen Polizeifilms, wo die Guten mit herkömmlichen Methoden nicht mehr gegen die fiesen Strolche ankamen und somit unorthodoxere Vorgehensweisen präsent waren. Einer der leuchtenden Sterne dieses Genres ist natürlich "Racket" von Zeremonienmeister Enzo G. Castellari, welcher zuvor schon mit "Tote Zeugen singen nicht" und "Ein Mann schlägt zurück" den Poliziesco mit zwei absoluten Referenzbeiträgen optimierte und auch eine gewisse Fahrtrichtung für die Entwicklung der Filmgattung vorgab, sowie einen unerreichbaren Standard für die Inszenierung der Action-Szenen setzte. In diesem Film holt Castellari nochmal alles raus und schuf eine wahre Action-Perle, welche zwar moralische Fragen aufwerfen dürfte, ebenfalls aber ausgesprochen gut unterhält. Danach versuchte Castellari dem Genre mit "Dealer Connection" (ebenfalls mit Fabio Testi) und "Der Tag der Cobra" noch einmal etwas Leben einzuhauchen, aber da war der Zug für draufgängerische Ermittler, welche den Mob mit ihren eigenen Methoden zu bekämpfen versuchten, leider schon abgefahren.

     

    In der Hauptrolle agiert Fabio Testi, natürlich wieder voll in seiner Rolle aufgehend, denn die Authenzität, welche er seinem Charakter Nico Palmieri einhaucht, wird sofort auf den Zuschauer übertragen, womit es dem Inspektor zu keinster Zeit an Glaubwürdigkeit mangelt. Hier steht er, der wahre Hüter des Gesetzes, welcher es zuerst mit den gängigen offiziellen Methoden versucht, aber schnell feststellen muss, daß man damit nur gegen den Wind spuckt. So wird auch er nach einigen Rückschlägen zum Selbsjustiz'ler, aber Castellari macht aus Palmieri keinen Bullen, der den Notwehrparagraphen nur missbraucht um zu morden, sondern lässt ihn viel mehr aus einem Akt der Verzweiflung so agieren - denn wenn immer er dem Syndikat auf der Spur ist, gibt es einen gehörigen Dämpfer aus den eigenen Reihen und genau diese Hilflosigkeit, welche auch einige Opfer der Erpresserbande teilen, entwickelt sich zu einer rasenden Manie und gipfelt in einer Eskalation von Gewalt, welche im Finale von "Racket" actionlastig zelebriert wird.

     

    Neben dem brillanten Testi gibt es natürlich wieder das gewohnte schauspielerische Umfeld von Castellari, wobei auch hier der Cast gut zu seinen jeweiligen Rollen passt, aber dafür hatte Enzo schon immer ein gutes Gespür, somit ist niemand fehlbesetzt und man kann sich als Zuschauer am reichhaltigen Ensemble erfreuen. Da hätten wir die bösen Buben (und Damen), welche rücksichtslos von Marcella Michelangeli, Giovanni Cianfriglia, Massimo Vanni, Roberto Dell'Acqua und Joshua Sinclair dargestellt werden und auf keinen Fall mit Sympathie punkten. Renzo Palmer, Glauco Onorato, Romano Puppo und Vincent Gardenia schlagen sich aus verschiedenen Motiven auf die Seite vom Inspektor, um gegen die Verbrecherbrut anzutreten - denn bis auf Romano Puppo, welcher eher als Profi für seinen Job finanziell entlohnt werden soll, hat jeder der anderen Helfer einen herben Verlust durch die Bande zu verzeichnen, was der Glaubhaftigkeit ihres Sinneswandels durchaus plausibel erscheinen läßt. In weiteren Rollen gibts noch Salvatore Borgese als Ermittlerkollege von Palmieri, Antonio Marsina als schmierigen Anwalt und Enzo's Tochter Stefania ist ebenfalls kurz zu sehen, wobei sie aber, wie in fast allen Filmen ihres Vaters, ein unglückliches Schicksal ereilt.

     

    Was den Film neben dem guten Cast und den grandiosen Action - und Stuntsequenzen noch voran peitscht, ist der hervorragende Score der Angelis-Brüder, welche eigentlich fast jedes wichtige Werk von Castellari vertonen durften und auch außerhalb ihres Schaffens für Enzo eine richtige Institution für hochwertig-qualitative Filmmusiken im Stiefelland wurden, sei es nur durch ihre zahlreichen Beiträge für die Spencer/Hill-Komödien, einige Superbullen-Teile oder eben auch andere Thriller - und Krimisoundtracks, wobei ihre Diskografie an die knapp 200 musikalische Filmvertonungen umfassen dürfte. Hier wird der Zuschauer durch die Musik in Verbindung mit den Bildern regelrecht in den Sitz gepresst und ich bin der Meinung, dass sich dieser musikalische Beitrag gleich neben ihrem Wahnsinnswerk zu "Ein Mann schlägt zurück" einreihen darf - definitiv eine der besten Genremusiken, wo sich Micalizzi, Cipriani und co. leider dahinter anstellen müssen.

     

    Neben all den genannten Wohlfühlpunkten gibt es noch schöne Aufnahmen von Rom, welche von Routinier Marcello Masciocchi wundervoll eingefangen wurden, wobei auch wieder Enzo's Feingespühr für dramatische Action-Momente in Form von Slow-Motion gut präsent sind und da hat Masciocchi einfach tolle Arbeit in der Umsetzung geleistet, denn wenn am Ende in der Lagerhalle abgerechnet wird, dürfte das Herz eines jeden Actionfans höher schlagen - ein wahres Feuerwerk, welches hier abgefackelt wird und so kann man im Endeffekt auch den Film beschreiben.

     

    Hier wurde ein großer Vertreter des italienischen Action - und Krimikinos geschaffen, welcher auch nach knapp 40 Jahren noch zu begeistern weiß und nichts von seiner Intensität verloren hat. Dank dem tollen Schauspieler-Ensemble, den schicken Kamera-Einstellungen, einem grandiosen Score und bombastischen Stunts, entstand ein zeitloser Klassiker des Poliziesco - vielen Dank Mr. Castellari!

  • Autor: Tobias Reitmann
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