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Die Rache des Vampirs

Italien, 1964

  • Originaltitel: La strage dei vampiri
  • Alternativtitel:

    Vampire, homme ou femme? (BEL)

    Slaughter of the Vampires (GBR)

    Curse of the Blood Ghouls (USA)

    Curses of the Ghouls (Int.)

  • Deutsche Erstaufführung: 19. Mai 1964
  • Regisseur: Roberto Mauri
  • Kamera: Ugo Brunelli
  • Musik: Aldo Piga
  • Drehbuch: Roberto Mauri
  • Inhalt:

    Und wieder einmal sind die Dörfler mit Fackeln und Gartenwerkzeugen unterwegs, das Monster zu töten. Diesmal jagen sie einen Vampir und seine Geliebte. Die Frau können sie erschlagen, der Vampir aber kann entkommen. Er kehrt wieder auf sein Stammschloss zurück, wo mittlerweile Graf Wolfgang und seine schöne Frau Louise leben. Der Vampir verliebt sich sofort in Louise und beißt dabei auch nicht auf Granit. Wolfgang sucht Hilfe bei Dr. Nietzsche in Wien. Der wiederum ist ein altgedienter Vampirjäger und weiß natürlich sofort Rat. Während allerdings Wolfgang sich in Wien verlustiert, macht der Vampir auf dem Schloss was ein Vampir halt so tun muss …

  • Autor: Maulwurf
  • Review:

    In der ersten Hälfte der 60-er Jahre waren Episodenfilme recht angesagt. Ihr wisst schon, diese Filme wo ein oder mehrere Regisseure ein Thema mit einer oft gigantischen Besetzung aus unterschiedlichen Sichtweisen angingen. So ist beispielsweise HEXEN VON HEUTE dank der Beteiligung von Clint Eastwood relativ bekannt, oder DIE DREI GESICHTER DER FURCHT, der zwar “nur“ von einem Regisseur ist, aber der heißt immerhin Mario Bava. Auch die britische Filmfirma Amicus hat dieses Format bis in die 70-er Jahre hinein immer wieder verwendet (GESCHICHTEN, DIE ZUM WAHNSINN FÜHREN um nur ein Beispiel zu nennen).

     

    Was möchte uns der Maulwurf nun sagen? DIE RACHE DES VAMPIRS ist doch gar kein Episodenfilm. Stimmt, ist er nicht. Aber dort wäre er hervorragend aufgehoben. Ich gehe sogar soweit zu behaupten, dass der Film als Teil eines Episodenfilm geplant war, dieser dann aber nicht zustande gekommen ist und DIE RACHE … dann alleine verwurstet wurde. Anders ist die Masse an Füllmaterial meines Erachtens nicht zu erklären, die den Film immerhin auf magere 76 Minuten hievt. Schon der Teaser vor dem Vorspann, das Freitagabend-Vergnügen der Dorfbevölkerung, hat mit der Handlung so gar nichts zu tun, und wenn man genauer hinschaut wird der Vampir hier auch nicht von Dieter Eppler gespielt. Die Szene dürfte also schon mal nachträglich gedreht worden sein. Nach dem Vorspann folgt dann eine ewig dauernde Kutschenfahrt, die in Punkto Sinnhaftigkeit und Länge einem unterdurchschnittlichem Film von Demofilo Fidani in nichts nachsteht. Erst nach etwa 10 Minuten beginnt die eigentliche Handlung in Form eines schön gefilmten Balls. Aber auch später stören immer wieder diese überflüssigen Szenen - Füllmaterial in der Menge und dem Ergebnis eines aufgeblasenen Schaumgebäcks. Walter Brandi tut sich beispielsweise in erster Linie damit hervor, ohne Mimik und Sinn durch den Schlosspark zu laufen. Minutenlang, ohne Musik und ohne Ziel. Die Szene im Garten des Dr. Nietzsche in Wien ist hundertprozentig nachträglich gedreht worden, genauso wie der Auftritt des lokalen Arztes. Nee nee, da bin ich mir sicher, das Teil hätte eine Episode eines entsprechenden Filmes sein sollen.

     

    Und dann hätte er auch gut funktioniert! Denn leider zerstören diese Szenen nachhaltig den Rhythmus des Films und vor allem auch seine Stimmung. Ein Vampirfilm in schwarz-weiß, das muss gruseln, das muss gotisch sein, da müssen die Gummifledermäuse im Akkord um die halbzerstörten Mauern geschleudert werden. Stattdessen schauen wir der Familie zu wie sie sich im Garten verlustiert, bei strahlendem Sonnenschein und mit spielendem Kind, und mit einem Arzt parlieren dessen Fähigkeiten sich auf Krankschreibung ohne Diagnose beschränken.

    Im Gegenzug gehen Dr. Nietzsche und Wolfgang irgendwann mal nachts in den Park, Louise suchen (die vom Vampir gerade mit einem Strauß Blumen beschenkt wird. Das nenne ich mal stylisch!). Sie trennen sich, und Wolfgang schaut. Und schaut. Und schaut. Dann setzt er sich langsam in Gang. Und läuft. Und läuft. Und schaut. Und läuft … Wenn meine Liebste des nächtens in einem dunklen Park verschwunden wäre würde ich den Keoma machen um sie wiederzufinden, aber nicht so Wolfgang. Er ist halt eher ein Gemütsmensch und lässt dem Vampir sein Recht auf knackige Frauenhälse.

     

    Nach etwa einer dreiviertel Stunde kommt Bewegung in das Ganze. Die Handlung konzentriert sich auf das Schloss, und hier vor allem auf den weitläufigen Keller und den Garten. Es bleibt größtenteils Nacht, und sieh da, ganz plötzlich kommt Stimmung auf, wird die Atmosphäre etwas gruseliger, werden die Vampire (Mehrzahl) ein klein wenig vampirischer. Vor allem in den letzten 20 Minuten ist nämlich gar nicht so recht klar, wer nun gebissen wurde und in welchem Umfang. Was zum heiteren Rätselraten führt, wer nun gerade mit oder gegen wen … Und entsprechend wird der Film tatsächlich spannender (obwohl der Begriff hier ziemlich fehl am Platze ist) und gefällt dann auch mit seinen dunklen und leicht herabgekommen wirkenden Settings.

     

    Dieter Eppler ist der namenlose Vampir. Dieter wer? Dieter Eppler kennt man aus verschiedenen Edgar Wallace-Filmen (meist in zwielichtigen Rollen), vielen anderen Krimis der späten 50-er und 60-er Jahre, natürlich als Kapitänleutnant Prien, und als Rüdiger von Bechlarn in der ’66-er Verfilmung der NIBELUNGEN macht er ebenfalls ziemlich Eindruck. Aber als Vampir? Nun ja, er ist recht expressionistisch geschminkt und agiert auch entsprechend. Wahrscheinlich orientieren sich deutsche Vampire immer an Max Schreck, mir fehlen da ein wenig die Insiderkenntnisse. Aber im Großen und Ganzen macht Hr. Eppler seine Sache durchaus gut. Engagiert war er eigentlich für einen Gangsterfilm, der aber nicht produziert wurde. Stattdessen gab es eben diesen Vampirfilm, und Eppler wurde quasi vom Fleck weg als Vampir genommen.

    Walter Brandi ist blass, bleibt blass, und langweilt wenn er zu sehen ist. Wer aber positiv überrascht ist Luigi Batzella, der hier unter seinem Stammpseudonym Paolo Solvay den Dr. Nietzsche gibt und wirkt wie ein etwas unterbelichteter Vittorio de Sica. Definitiv hätte ich mir gewünscht, dass Batzella den Schmonzes mit dem Regie führen hätte bleiben lassen und mehr Filme als Darsteller gemacht hätte, das konnte er nämlich bedeutend besser. Bei den männlichen Darstellern ist er auf jeden Fall derjenige der am ehesten Eindruck hinterlässt, neben Alfredo Rizzo als Hausmeister, der ebenfalls einige gute Momente hat.

    Die weiblichen Darstellerinnen allerdings rocken die Hütte. Ich glaube seit dem letzten Brad Armstrong-Film habe ich nicht mehr so viele aufregende Frauen auf einem Haufen gesehen. Graziella Granata ist wahrlich eine Granate, und wenn sie gegen Schluss wild schaut könnte ich mir nichts Schöneres vorstellen als ihr meine Halsschlagader zu Füßen zu legen. Die anderen Damen mit mehr Screentime dürften Edda Ferronao und möglicherweise Carla Foscari sein, das Internet spuckt da leider nicht so wahnsinnig viel aus. Aber schön anzuschauen sind sie allemal, und ordentlich spielen tun sie auch.

     

    Die Kameraführung von Ugo Brunelli ist gut und hält ein paar starke Einstellungen parat, und die Musik von Aldo Piga untermalt das Geschehen mit einem Arpeggio wie ein Sonnenuntergang. Die “Spaghetti Nightmares“ von Luca Palmerini und Gaetano Mistretta urteilen “Amateurhaft“. Dem möchte ich mich zu weiten Teilen anschließen, wenn da nicht so einige Momente wären die ein kleines bisschen Magie bereithalten. Zugegebenermaßen meist dann, wenn Graziella Granata durch das Bild segelt …

  • Autor: Maulwurf
  • Veröffentlichungen:

    Gesehen wurde die US-amerikanische DVD von Dark Sky Films unter dem Titel The slaughter of the vampires. Bild und Ton sind vernünftig, wobei ich mir einbilde, dass gelegentlich ein wenig zu viel Filter eingesetzt wurde. Die DVD bietet englischen Ton mit und ohne englische Untertitel, den alten US-Trailer und eine Bildergalerie.

    Außerdem ist enthalten ein auf deutsch geführtes und untertiteltes Interview mit Dieter Eppler, in dem er erzählt wie er zu dem Film gekommen ist, und wie Filme machen in Italien in dieser Zeit so war. Interessant ist auch sein Hinweis, dass er damals so gut italienisch sprach, dass er für die italienische Veröffentlichung nicht nachsynchronisiert wurde – wohl aber für die deutsche Version! Und dort sprach er sich nicht einmal selber …

  • Autor: Maulwurf
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