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Quintero - Das As der Unterwelt

Italien, 1969

  • Originaltitel: La legge dei gangsters
  • Alternativtitel:

    Der Killer (Alt.)

    La loi des gangsters (FR)

    Gangster's Law (USA)

  • Deutsche Erstaufführung: 22. Januar 1971
  • Regisseur: Siro Marcellini
  • Kamera: Silvio Fraschetti
  • Musik: Piero Umiliani
  • Drehbuch: Piero Regnoli, Siro Marcellini
  • Inhalt:

    Der Gangster Rino plant mit Hilfe des Hehlers Rigani einen ganz großen Coup, es geht um mehrere Hundert Millionen Lire. Dazu benötigen sie die Hilfe zweier junger Kleinkrimineller, des arbeitssuchenden Bruno sowie des Gangsters Quintero. Der Job klappt, das Geld kann kassiert werden, allerdings bekommt Rigani dabei einiges Blei ab. Quintero zeigt sich als miese Ratte, tötet einen der Gruppe vor versammelter Mannschaft, und verdrückt sich mit der Hälfte der Beute (anstatt mit den ursprünglich ausgemachten 30%). Die anderen schwören dass sie Quintero für diese Schweinerei umlegen wollen, aber es fragt sich halt wer da schneller ist …

  • Autor: Maulwurf
  • Review:

    Eine gute und eine schlechte Nachricht – die Gute zuerst: Bei QUINTERO handelt es sich um einen flotten und recht kalten Gangsterthriller, der sich stellenweise ein wenig an US-amerikanische Vorbilder der Zeit anlehnt und diese Stimmung mit einigen vielen Ruppigkeiten würzt. Die schlechte Nachricht: Dabei steht sich der Film des Öfteren leider selber etwas im Weg …

     

    Dabei könnte eigentlich alles so schön sein: Wenn QUINTERO straightforward erzählt werden würde hätte er das Zeug zu einem großen und harten Gangsterflick. Die Geschichte passt soweit: Ein Gangster linkt die anderen und es kommt zur reichlich bleihaltigen Abrechnung. Die Nebenhandlungen wie etwa die Geschichte um die sexgeile und steinreiche Contessa (Hélène Chanel) sind nicht weiter störend, machen die Figuren aber ein wenig plastischer, ohne dass dabei zu viel Zeit für anderes verschwendet wird. Lokal- und Zeitkolorit sind gut eingefangen, angefangen von der Hafenszenerie Genuas bis hin zur Hippie-Orgie mit bemalten Körpern und ekstatisch (oder gar epileptisch?) zuckenden Tänzern. Die Schauspieler sind erstklassig gecastet und arbeiten (wie gewohnt) ebenfalls erstklassig:

    Maurice Poli als Ex-Sträfling Rino der an das große Geld kommen will. Er versteht seinen Job und zieht ihn professionell durch, den kaltblütigen Mann kann so schnell nichts mehr überraschen. Fast nichts …

    Pasolini-Veteran Franco Citti ist Bruno, der kleine Mann aus dem Süden, der im Norden Arbeit sucht und nur Scheiße findet. Ab einem bestimmten Punkt ist er bereit für Geld alles zu tun, Hauptsache nicht wieder zurück ins Elend.

    Samy Pavel und Max Delys sind junge Kleinkriminelle, die in Sachen reingezogen werden die ihnen einige Nummern zu groß sind, aber der schnelle Reichtum lockt.

    Nello Pazzafini wie immer als Mann fürs Grobe, verlässlich und kaltblütig, wo er hinschlägt wächst so schnell kein Bart mehr.

    Und natürlich Klaus Kinski als Quintero – der Sinn seiner Rolle ist mir zwar nicht so recht klar, aber dafür macht er einen hervorragenden Job als eiskaltes Schwein das die anderen über den Löffel barbieren will. Kinski ist in einigen Einstellungen zu sehen wenn er den anderen mit der Waffe im Anschlag auflauert und dabei etwa durch eine halboffene Tür linst, diese Bilder würde ich mir jederzeit über das Wohnzimmersofa hängen. Was für eine Ausstrahlung, was für eine Präsenz.

     

    Es könnte so schön sein. Der Film beginnt mit einer tollen Sequenz in der die Hauptpersonen nervös und bis zum äußersten gespannt auf etwas warten, und aufgelöst wird die Szene mit einer wüsten Schießerei mitten auf einer belebten Piazza in Genua - und *plop*, weg ist der aufgebaute Druck. Bei der anschließenden Flucht werden die Hauptdarsteller in Rückblenden vorgestellt, was als Stilmittel ja völlig in Ordnung ist, aber das geschieht dermaßen holprig und mühselig, dass das Interesse an den Personen halt einfach verschwindet. Es kommt schon wieder, das Interesse, und die Spannung wird auch wieder aufgebaut, aber das ist halt leider Zeit die vergeht. Oder auch nicht, je nachdem wie man es sieht … Fakt ist, dass wenn die Story linear erzählt worden wäre, sie um einiges stärker gewirkt hätte (Hatten wir das nicht schon mal? Egal, dann wird es nur umso wahrer.). Vielleicht wären Drehbuchautor und Regisseur dann auch aufgefallen, dass ausgerechnet der Titelfigur Quintero irgendwo die Daseinsberechtigung fehlt. Warum zur Hölle brauchen die Gangster für ihren Plan ausgerechnet diesen Typen? Zum schnelleren Sterben? Irgendwann wird mal kurz erwähnt dass er den Plan finanzieren soll, aber wenn die Ganoven für eine Schrottkarre, 2 Uniformen und ein paar Bleispritzen einen Financier benötigen, dann sind sie selber schuld wenn sie schlussendlich in den harten Genueser Asphalt beißen müssen …

    Die Figur Quintero hat aber auch noch ein weiteres Manko, nämlich ein ihm zugeordnetes musikalisches Thema, das definitiv NICHT passt. Musikalisch besteht der Film im Wesentlichen aus 3 Themen, einer groovigen Bassline die ordentlich Spannung aufbaut und viel zu selten zu hören ist, aus einem Piero Umiliani-typischen Beat der halt gut in das Jahr 1969 passt, den ich allerdings nicht unbedingt zu einer Gangsterstory im Hafenmilieu verorten würde, und schließlich dem Quintero-Thema, das aus einer Duane Eddy-artigen gedehnten Gitarrensaite besteht – Twäng! Kinski steht also in Killerstimmung im Nadelstreifen da mit einer MP, schaut aus wie ein klassischer Chikago-Gangster, und dazu ertönt eine Variation von Peter Gunn … NEIN!!!!!!!

     

    Dabei könnte alles so schön sein. Die Darstellung der Polizeiarbeit orientiert sich ein wenig an zeitgenössischen US-Cop-Flicks à la NUR NOCH 72 STUNDEN, dazu die erwähnten europäischen Ruppigkeiten (die Schlägereien gehen schon einigermaßen unter die Gürtellinie und sind manchmal recht hart), gestorben wird teilweise recht schnell, und die Grundstory passt auch. Vielleicht hätte man da jemanden ranlassen sollen der sich mit sowas auskennt. Theater-Regisseur Siro Marcelli war vorher größtenteils im Peplum-Bereich unterwegs und drehte 2 Jahre vorher die Gurke LOLA COLT. Drehbuchautor Piero Regnoli hatte bis dato zwar unter anderem bereits den Klassiker NAVAJO JOE in seinem Werksverzeichnis stehen, allerdings auch Granaten wie LEGGE DELLE VIOLENZA von Gianni Crea - Insgesamt ein eher durchwachsenes Oeuvre. Na ja, und wenn der Regieassi Mario Bianchi heißt wird das Resultat schon erklärlicher …

     

    Ein interessanter Aspekt, auf den mich Kollege Tobias Reitmann aufmerksam gemacht hat (Danke an dieser Stelle!!), ist das Fehlen einer Identifikationsfigur. Zwar beginnt der Film mit Bruno, dem armen Schwein aus dem noch ärmeren Süden, aber wer dann eine Underdog-Ballade erwartet liegt ziemlich daneben. Stattdessen wechselt irgendwann die Perspektive auf den Gangster Rino und Bruno verschwindet ein wenig im Hintergrund. Das letzte Drittel der Geschichte wird dann mehr oder weniger abwechselnd erzählt, was es dem Zuschauer sicher nicht einfacher macht, aber filmisch natürlich nicht uninteressant ist. Trotzdem, Mitfiebern mit einem Charakter ist nicht, was ich persönlich immer ein wenig unschön finde.

     

    Zu guter Letzt also noch mal: QUINTERO lohnt sich, ist gute Gangster-Unterhaltung, macht dank der deutschen Synchro stellenweise auch richtig dolle Spaß, und wer die VHS günstig schießen kann macht damit garantiert keinen Fehler. Er sollte nur nicht zu viel erwarten …

  • Autor: Maulwurf
  • Veröffentlichungen:

    Gesehen wurde die Kinoversion, die in wenigstens drei oder vier Stellen geschnitten ist (mutmaßlich um 10 Minuten). Sollten die Angaben der OFDB stimmen, wäre die deutsche VHS noch mal um weitere 4 Minuten gekürzt. Meiner unmaßgeblichen Meinung nach dürften sowohl Handlung (Renatos Freundin überredet ihn zur Polizei zu gehen) wie auch Gewalt (Bruno ist lädiert als er bei seiner Freundin unterkommen will. Laternenpfahl? Straßenbahn?) geschnitten sein. Deswegen fassen wir uns jetzt alle bei den Händen und wünschen uns zu Weihnachten, dass ein Label sich erbarmt und den endlich mal digital und komplett veröffentlicht …

  • Autor: Maulwurf
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