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Die Pyramide des Sonnengottes

Kroatien | Frankreich | Deutschland | Italien, 1965

  • Originaltitel: Die Pyramide des Sonnengottes
  • Alternativtitel:

    Los Volentos de Rio Bravo (ESP)

    Les mercenaires du Rio Grande (FRA)

    I violenti di Rio Bravo (ITA)

    Pyramid of the Sun God

  • Deutsche Erstaufführung: 17. April 1965
  • Regisseur: Robert Siodmak
  • Kamera: Siegfried Hold
  • Musik: Erwin Halletz
  • Drehbuch: Ladislas Fodor, Robert A. Stemmle, Georg Marischka
  • Inhalt:

    Der abtrünnige Hauptmann Verdoja (Rik Battaglia) und seine Bande überfallen die Hacienda von Don Pedro Arbellez (Hans Nielsen), um Doktor Sternau (Lex Barker) gefangenzunehmen. Die überlebenden Geiseln werden in "Die Pyramide des Sonnengottes" verschleppt, wo der sagenhafte Aztekenschatz verborgen liegen soll. Aber Dr. Sternau kann entkommen und die Suche gestaltet sich schwieriger als erwartet. In der Zwischenzeit bemüht sich Don Alfonso (Gérard Barray) um die Aztekenprinzessin Karja (Theresa Lorca), um ihr das Geheimnis zu entlocken, wo sich der Schatz verbirgt. Ein regelrechtes Goldfieber bricht aus, bei dem die Gefahr besteht, von seinen eigenen Komplizen betrogen zu werden...

  • Autor: Prisma
  • Review:

    Hilfreiche Erklärungen, imposante Bildstrecken und ein sich insgesamt zum Ende hin sammelnder Verlauf konnten den Vorgängerfilm als wegweisend für eine spannende Fortsetzung empfehlen. Wenn man so will, ist "Der Schatz der Azteken" als Horsd’œuvre zu bezeichnen und weist schmackhaft darauf hin, was dem interessierten Zuschauer noch bevorsteht. Robert Siodmaks Arbeit wurde seinerzeit lediglich in den deutschsprachigen Ländern und der Tschechoslowakei in zwei Teilen in die Kinos gebracht. Ansonsten bescherte man den Kinogängern eine zu einem Film komprimierte Schnittfassung. Als Nachfolger widersetzt sich "Die Pyramide des Sonnengottes" dem weit verbreiteten Mythos, dass Fortsetzungen in der Regel das Nachsehen haben, wobei die Eindrücke in diesem Fall aber gegenteilig sind. Vielleicht könnte man überspitzt sagen, dass Siodmak einen kompletten Film zugunsten einer stärkeren Fortsetzung verheizte, um schlussendlich die geballte Ladung präsentieren zu können. In der Tat ist das Angebot hier reichhaltiger; ein Eindruck, der sich bereits nach kurzer Spieldauer etablieren wird, was den ersten Teil jedoch nicht komplett abwerten soll. Vielmehr ergeben die gesammelten Impressionen ein Panorama der gehobeneren Klasse und es geht spannender, drastischer, vergleichsweise sogar dramatischer zu. Mit nahezu identischem Stab und der gleichen Besetzung etabliert sich logischerweise ein hoher Wiedererkennungswert und eine willkommene Abgrenzungstaktik zu Konkurrenzfilmen, da Lex Barker für Hauptrollenverhältnisse eher sporadisch zu sehen ist und die größere Bühne Kollegen wie Rik Battaglia, Theresa Lorca, Gérard Barray oder Michèle Girardon überlassen wird. Diese Tatsache wirkt wider Erwarten sogar erfrischend, da ein packendes Kräftemessen inszeniert werden kann, was zu mehr Spannung und weniger Vorhersehbarkeit führt. In der Saison 1965 konnte sich der Film übrigens in den Top Ten der erfolgreichsten deutschen Filme auf Platz 9 etablieren.

     

    Bei den Charakteren bilden sich auffällige Fraktionen und Allianzen, die von ihrem Ursprung her jedoch hauptsächlich als unzuverlässig im Rahmen der Vertrauenswürdigkeit dargestellt werden; zumindest in den meisten Fällen. Durch die Gier und Niederträchtigkeit vieler der Beteiligten wird sich der Kreis schnell schließen, aber nicht ohne Opfer zu fordern, sowohl für die Gerechtigkeit als auch Ungerechtigkeit. Häufig fängt die Kamera in diesem Zusammenhang Eindrücke ein, die empfindlich berühren und teils wirklich schockieren können, doch der Sonnengott "Montezuma" wird sich blutrünstige Rache vorbehalten. So hofft man zumindest. Das Verlangen nach Gold und Macht hat schon in ganz anderen Filmen für zahlreiche Katastrophen gesorgt und kehrt die Marschrichtung aus "Der Schatz der Azteken" ein wenig um. Klassische Elemente des Abenteuerfilms verbannen die starren und schwerfälligen Elemente, die zuvor auffälliger zu erkennen waren. Mehr Action, Tempo, perfide Veranschaulichungen sowie rücksichtslose Vorgehensweisen der Gangster sorgen für einen ordentlichen Spannungsbogen. Von darstellerischer Seite sind in "Die Pyramide des Sonnengottes" insbesondere Rik Battaglia, Michèle Girardon und Theresa Lorca zu nennen, die den turbulenten Verlauf mehr als alle übrigen Interpreten prägen und sogar tragen können,um charakteristisch für das Tauziehen zwischen Gut und Böse zur Verfügung zu stehen. Battaglia übertrifft sich dabei in einer Art Paraderolle selbst und wirkt wie der Inbegriff der Verworfenheit. Hierbei wirkt es wie selbstverständlich, dass er die Verachtung des Zuschauers und den Hass etlicher Charaktere ganz zielstrebig auf sich zieht, doch einem Zeitgenossen wie ihm ist es gleich, da es sein Lebenselixier darstellt. Viele werden an ihm scheitern und noch einmal so viele wird er ins Jenseits befördern, doch man hofft auf das Gesetz des Films: nämlich, dass ihm ein möglichst qualvolles Ende bevorsteht.

     

    Mademoiselle Girardon hingegen agiert aus dem Hinterhalt und setzt die Waffen einer Frau gewinnbringend ein. Insbesondere Konkurrenten nimmt sie dabei akribisch ins Visier und zur Verwirklichung ihrer Ziele macht sie sich zur Dirne, wenngleich zu vermuten ist, dass sie nie etwas anderes war. In diesem Kontext legt sie ihren Preis selbst fest: »Wer das Gold hat, hat auch die Frau!« Die damaligen Kritiken gingen hauptsächlich eindeutig, beziehungsweise hart mit Robert Siodmaks Werk ins Gericht und bei den wenigen positiv hervorgehobenen Aspekten wird vor allem Michèle Girardons Darbietung erwähnt. Ihre Präzisionsleistung wird zusätzlich von Eva Katharina Schulz perfektioniert, ihrer deutschen Synchronstimme. Theresa Lorca bedient die entgegengesetzte Seite sehr überzeugend und wird genau wie Girardon eine Art tragische Schlüsselfigur des Szenarios. Übrigens lernte die ehemalige spanische Flamencotänzerin Lorca bei den Dreharbeiten ihren späteren Ehemann Gérard Barray kennen, den sie noch im gleichen Jahr heiratete. "Die Pyramide des Sonnengottes" setzt insgesamt mehr auf Spektakel und Verstrickungen, kann daher einen ansprechenderen Unterhaltungswert bieten, was die hauseigene, aber auch externe Konkurrenz in die zweite Reihe verweisen kann. Als Motor fungiert das Großthema Goldfieber, ein Begriff, der eine vorprogrammierte Katastrophe in sich trägt. Zahlreiche Twists und ein hoher Bodycount kündigen ein packendes Finale an, das dem Vernehmen nach nur unter widrigen Umständen abgedreht werden konnte, wie viele andere Szenen übrigens auch. Die Frage, ob "Montezuma" der Gerechtigkeit zum Sieg verhelfen kann, wenn zahlreiche Sympathieträger längst in die ewigen Jagdgründe eingegangen sind, wird sich schließlich eindrucksvoll herausstellen. Einige Ungereimtheiten sind unter der Regie von Siodmak offensichtlich und daher nicht zu leugnen, aber im Orbit der May-Verfilmungen kann dieser zweite Teil den Platzhirschen der Rialto insgesamt doch ernsthafte Schwierigkeiten bereiten.

  • Autor: Prisma
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