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El Puro

Italien | Spanien, 1969

  • Originaltitel: La taglia è tua... l'uomo l'ammazzo io
  • Alternativtitel:

    El Puro - O Procurado (BRA)

    Pecos Acerta as Contas (BRA)

    El puro se sienta, espera y dispara (ESP)

    El Puro, la rançon est pour toi (FRA)

    The Reward's Yours... The Man's Mine (Int.)

  • Regisseur: Edoardo Mulargia
  • Kamera: Antonio L. Ballesteros, Edoardo Mulargia
  • Musik: Alessandro Alessandroni
  • Drehbuch: Fabrizio Gianni, Ignacio F. Iquino, Edoardo Mulargia, Fabio Piccioni
  • Inhalt:

    Der ehemalige Pistolero El Puro hat nicht mehr viel mit seiner Vergangenheit gemeinsam. Er ist ein vom Leben enttäuschter Alkoholiker der vor sich hinvegetiert. Dieses schützt Puro allerdings nicht davor, das auf seinen Kopf eine Belohnung von 10.000 Dollar ausgesetzt ist. Das Geld wollen sich vier Kopfgeldjäger verdienen. Als diese die Bardame Rosie totschlagen, ist es für Puro an der Zeit (sich zusammenzureißen und) Rache zu nehmen.

  • Autor: Frank Faltin
  • Review:

    Edoardo Mulargia erzählt die Geschichte des „El Puro“ aus dem Zentralen heraus. Fern von globalen Sichtweisen zeigt Mulargia eine Kleinstadt, irgendwo im Wilden Westen, in der man nicht über den Tellerrand hinaus blicken kann. Ein - von der Außenwelt abgeschirmter – Schauplatz, der seine Bewohner nach ihren eigenen Regeln leben lässt.

     

    „El Puro“ ist einer der Italo-Western die ich meinen persönlichen Topp 5 des Genres zuordne. Sein Look, seine Protagonisten und seine deftige Portion Sarkasmus, machen „El Puro“ zu einem außergewöhnlichen Western. Ein Werk das sich nicht hinter den Meilensteinen des Italo Western verstecken muss.

     

    Robert Woods verkörpert die Rolle des „El Puro“. Ein - vom Suff gezeichneter - Antiheld. Eine Konstellation die man u.a. aus den Howard Hawks Filmen „Rio Bravo“ (USA, 1959) und „El Dorado“ (1966) kennt. Die von Dean Martin und Robert Mitchum gespielten Charaktere Dude und J. P. Harrah haben mit ihrem Leben abgeschlossen und schütten sich täglich mit Whiskey zu. Erst eine Notsituation und das energische Appellieren an ihre längst verlorene Ehre, bringen die gescheiterten Existenzen wieder zurück in die Normalität.

     

    Diese – sich selbst bemitleidenden - Charaktere des US Western sind durch eine Situation aus der Bahn geworfen worden. Das unterscheidet sie deutlich von der Figur El Puro. Dieser ist durch die Veränderung seines Umfelds in die persönliche Krise geraten. Somit wird eine eigene Form des männlichen Individualismus geprägt. Eines der zahlreichen Kinder die durch die Entmythologisierung des Westernfilms gezeugt wurden.

     

    Der Umbruch des Wilden Westen überfordert deren Protagonisten. Sie werden zu Außenseitern die sich den gesellschaftlichen Normen nicht anpassen können. Einzelgänger, die sich nur mit Gewalt und Brutalität zu helfen wissen. Den Glauben an die Menschheit haben sie längst verloren. Vertrauen zu ihren Mitmenschen - wollen und können sie nicht aufbauen. So kann man ihn umschreiben, den Antihelden des italienischen Westernkinos.

     

    Der - nach der gleichnamigen Zigarrenmarke benannte - Charakter El Puro (eigentlich Joe Bishop), spiegelt das erwähnte Verlorensein deutlich wieder. Ein ehemaliger Revolverheld der nicht in der Lage ist seinen Whiskey zu bezahlen und deshalb oftmals auf die Fresse bekommt. Für die Gesellschaft ein Häufchen Elend auf das 10.000 Dollar Belohnung ausgesetzt sind. Dieser Sachverhalt spielt natürlich den Aasgeiern in die Karten. Somit öffnet sich der Vorhang für ein geistesgestörtes Bounty Hunter-Quartett.

     

    Debile Charaktere besiedeln den italienischen Western zu Hauff und sie gehören zum Genre, wie das „Salz in die Suppe“. Diese skurrilen und gestörten Typen, haben einen festen Platz im „Kosmos der Antihelden“. Tomas Milian als Albino in „Django - unbarmherzig wie die Sonne“, Nino Castelnuovo als Jason Scott in „Django - Sein Gesangbuch war der Colt“, sind (nur) zwei Beispiele für derartige Persönlichkeiten. Es gibt allerdings auch Genrevertreter die mit einer ganzen Armada von Irrsinnigen besetzt sind. Hier fallen Filme wie „Töte, Django“ und „Il Nero“ besonders ins Gewicht.

     

    Die Gefahr die von diesen IW-Psychos ausgeht ist: deren nicht vorhandene Hemmschwelle. Edoardo Mulargias „El Puro“ bietet von dieser Spezies zwei ganz besondere Typen. Cassidy (gespielt von Aldo Berti) und Gypsy (gespielt von Marc Fiorini). Der eine schlägt gern Frauen tot, der andere ist mit sämtlichen Eigenschaften eines „Parade-Psychopathen“ gesegnet. In schauspielerischer Hinsicht muss man beiden eine ausgezeichnete Leistung bescheinigen. Ein infernalisches Duo, das dem Killer-Quartett (s)eine besondere Würze verleiht.

     

    Der Italo Western ließ seinen Hauptprotagonisten überwiegend einen einprägsamen Namen zukommen. Hierbei richtete man sich an amerikanische Vorbilder wie z.B. Ringo, oder man kreierte Titulierungen wie Sartana, Santana, Sabata, Il Nero, El Cisco, El Puro und (des deutschen Verleihs liebstes Kind), Django. Der Filmtitel wird in Verbindung mit solchen Namen zu einem prägenden Slogan der sich in der Wahrnehmung des Filmkonsumenten förmlich einhämmert und somit eine starke und bleibende Wirkung erzielen kann.

     

    Der Begriff „Puro“ wird in erster Linie mit einer Zigarre in Verbindung gebracht. Ins Deutsche übersetzt bedeutet „puro“ – „rein“. Eine Tatsache die zu Interpretationsansätzen führt. „Rein“ bedeutet zum einen sauber und unbefleckt. Auf der anderen Seite kann man das Wort zur Stärkung des Negativen verwenden. Beispiel: „Er ist ein reiner Bastard.“ Somit werden diverse Aspekte geboten welche die Figur „El Puro“ aus unterschiedlichen Betrachtungswinkeln präsentieren. Unter dem Strich bleibt es dem Rezipienten (allerdings) selbst überlassen, wie er den Namen „Puro“ deutet. Sollte er diesen einzig mit der Zigarrenmarke assoziieren… so ist das vollkommen in Ordnung.

     

    Ob die „Dollar Trilogie“, die „Ringo-Filme“, „Navajo Joe“, „Django - Die Totengräber warten schon“, „Django – Sein Gesangbuch war der Colt“, „Der Gehetzte der Sierra Madre“… Die Liste kann beliebig weitergeführt werden. Diese – sowie viele andere Italo Western - sind u. a. durch eine Musik verbunden die auf den jeweiligen Film(Anti-)Helden zugeschnitten wurde. Es sind die unverkennbaren Hymnen eines staubigen Wilden Westen. Die akustischen Aushängeschilder die zum Mitsingen oder Mitsummen animieren. „El Puro“ macht keine Ausnahme. Alessandro Alessandronis Score bringt alle Eigenschaften mit, die man sich von einem solchen Soundtrack wünscht. Von Dramatik über Melodramatik - hin zur beschriebenen Hymnenqualität. Wer das „Puro-Theme“ kennt - der wird es lieben und stets der Versuchung erliegen diese Melodie zu summen oder zu pfeifen.

     

    „El Puro“ konnte mich, bei meiner Erstsichtung vor ca. 3 Jahren, umgehend in seinen Bann ziehen. Diese Faszination wird mir bis in alle Ewigkeit erhalten bleiben. Mulargias Film ist - wie „Il Nero“, Töte Django“ und „Willkommen in der Hölle“ - einer der Genrevertreter die das gewisse Etwas versprühen. Ein Film der, mit seiner Eigenständigkeit, in der Lage ist ein Genre zu revolutionieren und somit den Rezipienten in andere Sphären zu katapultieren.

  • Autor: Frank Faltin
  • Veröffentlichungen:

    Dieser außergewöhnliche Western wurde bisher nicht für den deutschen DVD und BluRay-Markt veröffentlicht. Somit möchte ich die Besprechung mit den Worten von Marc Fiorini (Gypsy) schließen:

     

    „It´s El Puro I want!“

  • Autor: Frank Faltin
  • Links

    OFDb

    IMDb

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