Psychout for Murder

Argentinien | Italien, 1969

  • Originaltitel: Salvare la faccia
  • Alternativtitel:

    Salvar la cara (ARG)

  • Regisseur: Rossano Brazzi
  • Kamera: Luciano Trasatti
  • Musik: Benedetto Ghiglia
  • Drehbuch: Rossano Brazzi, Diana Crispo, Renato Polselli, Piero Regnoli
  • Inhalt:

    Als Tochter des angesehenen und äußerst vermögenden Fabrikanten Brignoli (Rossano Brazzi) hat es die lebensfrohe Licia Brignoli (Adrienne Larussa) nicht gerade leicht, da ihr geführter Lebenswandel immer bestimmten Etiketten der mondänen Lebenswelt entsprechen muss. Als ihr Vater eines Tages vor der versammelten Riege an Vertretern aus Wirtschaft, Politik und dem Klerus eine öffentliche Rede abhält, vergnügt sich der pubertierende Trotzkopf währendessen klammheimlich mit dem fragwürdigen Fotografen Mario (Nino Castelnuovo) in einem schmuddeligen Stundenhotel am Rande der Stadt. Dumm nur, dass der saubere Mario sie lediglich als Mittel zum Zweck sieht und ihr gegenüber mit völlig falschen Karten spielt, denn die eigentliche Absicht des zwielichtigen Fotografs liegt in der Heraufbeschwörung eines handefesten Skandals, mit dem er dann anschließend genüsslich Papa Brignoli erpressen kann. Und was macht die naive Licia? Diese geht ihm natürlich völlig auf den Leim, denn während des lustvollen Miteinanders schneit urplötzlich die von Mario im Vorfeld einbestellte Polizei ins Haus, um in dem veruchten Etablissement schließlich eine ausgedehnte Razzia durchzuführen. Von Panik getrieben versucht Licia daraufhin das unheilvolle Haus unerkannt zu verlassen, wobei Mario sie durch einen versteckten Hinterausgang genau in das Blitzlichtgewitter einer perfekt positionierten Pressefotografenmeute lotst und somit tatsächlich tagsdarauf für den erhofften Skandal auf den Titelblättern der landesweiten Schmiergazetten sorgt.

     

    Völlig aufgelöst über das skandalträchtige Treiben seines widerspenstigen Töchterleins sieht Vater Brignoli dann nur noch eine Möglichkeit, um das in der Öffentlichkeit angekratzte Erscheinungsbild seiner Familie wieder einigermaßen bereinigen zu können: Licia muss in der Öffentlichkeit als psychisch krank dargestellt und zur Behandlung ihres “angeblichen” Leidens in eine geschlossene Nervenheilanstalt zwangseingewiesen werden. Gesagt, getan und bereits wenige Tage später findet sich die entsetzte Nestbeschmutzerin gegen ihren Willen auf der geschlossenen Abteilung einer psychiatrischen Klinik wieder, wo sie dann auch sogleich über einen längeren Zeitraum ihren aktuell gemeldeten Wohnsitz erhält.

     

    Doch irgendwann naht der Zeitpunkt, an dem die mittlerweile etwas wesenverändert wirkende Licia als geheilt entlassen wird und somit eines Tages völlig unverhofft wieder in den Schoß ihrer sauberen Familie zurückkehrt. Dabei stellt sich dann auch recht schnell heraus, dass das zuvor begangene Unrecht bei Licia keinesfalls in Vergessenheit geraten ist und sie eigentlich nur auf den richtigen Augenblick sinnt, um endlich ihren langersehnten Rachefeldzug gegen jedes einzelne der schäbigen Familienmitglieder in die Tat umzusetzen. Dabei geht sie dann sogar über Leichen....

  • Autor: Richie Pistilli
  • Review:

    Bei PSYCHOUT FOR MURDER handelt es sich um eine der wenigen Regiearbeiten des eigentlich vordergründig als Schauspieler bekannten Rossano Brazzi (MONDO CANE, DIE LEICHENFABRIK DES DR FRANKENSTEIN, DIE WILDE MEUTE, DAS HAUS DER VERFLUCHTEN), wobei man ihm seine Semi-Professionalität im Regiefach keinesfalls anmerkt, denn das vorliegende Endresultat kann zweifelsfrei als außerordentlich bezeichnet werden und entpuppt sich schließlich als eine wahrhafte Perle des Genres. Dabei handelt es um die dritte und zugleich letzte Regiearbeit des vielbeschäftigten Schauspielers Brazzi (seine beiden vorausgegangenen Regiewerke lauten: SETTE UOMINI E UN CERVELLO und WEIHNACHTSMANN IN NOT), der bereits 1943 an der Seite von Zarah Leander und Hans Stüwe in der deutschen Kriminalfilmproduktion DAMALS mitwirkte, bevor ihm dann seine Beteiligung an dem 1954 entstandenen DIE BARFÜßIGE GRÄFIN (mit Ava Gardner und Humphrey Bogart in den Hauptrollen) zum internationalen Durchbruch verhalf. Ab den 60ern konnte man Signore Brazzi dann vermehrt bei Genrefilmproduktionen antreffen und wirkte darüberhinaus bei zalreichen TV Serien mit (u.a. HAWAII FÜNF-NULL, DREI ENGEL FÜR CHARLIE, DAS TAL DER PAPPELN, ROMANZE OHNE ENDE, LOVE BOAT). Sein vorliegendes Regiewerk konnte mich regelrecht begeistern, da dieses mit einer herrlich wahnhaften Story aufwartet, eine berauschende Darbietung einer verzückenden Hauptprotagonistin bietet, durch fantastische Bildkompositionen des Kameramanns Luciano Trasatti besticht und dabei auch noch ein sehr hohes Maß des wohligen Zeitgeistes der End-60er versprüht. Kein Wunder, denn am Drehbuch war niemand geringerer als der einzigartige Renato Polselli (DAS GRAUEN KOMMT NACHTS, LUSTHAUS TEUFLISCHER BEGIERDEN, MANIA) beteiligt, was man diesem wahnwitzigen Spektakel dann auch ganz klar anmerkt. Außerdem ließ es sich Romano Brazzi auch bei dieser Regiearbeit nicht nehmen, in seinem eigenen Film auch noch zusätzlich als Darsteller mitzuwirken und übernahm somit die Hauptrolle des vermögenden Familienoberhaupts Brignoli, die er schlussendlich mit Bravour erfüllt. Als Hauptverantwortlicher für die Zwangseinweisung seines leichtlebigen Töchterleins wird ihm schlussendlich seine eigene Doppelmoral zum Verhängnis, denn Licia sieht nach dem ihr zugefügten Unrecht nur noch einen Lebensinn: Rache den verantwortlichen Familienmitgliedern! Und diese ist in diesem Fall nicht süß, sondern absolut psycho!

     

    Somit wären wir auch schon bereits bei der bezaubernden Hauptprotagonistin Adrienne Larussa (EIN RABENSCHWARZES SCHAF, DER MANN DER VOM HIMMEL FIEL, TERROR AT ALCATRAZ) angelangt, die in dieser bitterbösen Familiensage als leicht wahnhaftes Töchterlein Licia in Erscheinung tritt und zudem in den 80ern für 3 Jahre die angetraute Ehefrau des globigen Kampfgiganten Steven Segal verkörpern durfte. Eine großartige Filmkarriere ist der amerikanischen Schauspielerin augenscheinlich dennoch verwehrt geblieben, da ihre Beteiligung an abendfüllenden Spielfilmproduktionen recht überschaubar wirkt. In erster Linie wirkte sie bei TV Serien wie z.B. DIE STRASSEN VON SAN FRANCISCO, 3 ENGEL FÜR CHARLIE oder LOGAN'S RUN mit, wobei ihre für Genreliebhaber bekannteste Rolle die von Beatrice Cenci in Lucio Fulcis gleichnamiger Verfilmung (DIE NACKTE UND DER KARDINAL) darstellen dürfte, in der sie dann dem liebestollen Tomas Milian schlussendlich zu seinem Unheil verhilft. Dabei gab sie bereits in der Fulci Verfilmung eine dermaßen sonderlich gute Figur ab, dass sich ihre Darbietung für alle Zeiten im Gedächtnis manifestierten konnte, obwohl ihr eigentliches Schauspieltalent recht genügsam wirkt. Umso erstaunlicher, dass es ihr im vorliegenden Fall erneut gelang, eine mehr als denkwürdige Darbietung an den Tag zu legen und sich somit auch in der Rolle der völlig durchgeknallten Licia Brignoli ein weiteres Denkmal zu setzen. Nur scheint dieser wunderbare Film leider auch heute noch ein Nischendasein zu fristen, wodurch Adrienne Larussas mordsmäßige Darbietung auch weiterhin einer breiteren Zuschauerschaft vorenthalten bleibt. Bleibt nur zu hoffen, dass diesem haltlosen Zustand irgendwann mal ein Ende bereitet wird und sich eins unserer wohlverdienten Filmlabels dieser vergessenen Filmperle annimmt.

     

    Aber kommen wir zurück zur zauberhaften Adrienne, die mit ihrem leicht verhafteten Lolita Charme die Männerherzen höher schlagen lässt und insbesonders die männlichen Schauspielerkollegen aufgrund der von ihr ausgehenden Reizüberflutung in den Wahnsinn treibt. Dabei hatte zunächst einmal alles völlig harmlos begonnen, denn Licia hatte nicht immer einen an der Klatsche. Erst durch den von ihrem sauberen Fotografenfreund ausgelösten Skandal und der damit verbundenen Zwangseinweisung in die Klapse begann das eigentliche Dilemma und nach dem etwas nervenbelastenden Aufenthalt im Irrenhaus kehrt Licia dann schließlich erheblich wesensverändert und zudem als ein komplett in schwarz gekleideter Racheengel in den Schoß ihrer lieben Familie zurück, um diesen daraufhin die jeweiligen Einzelrechnungen für das an ihr zuvor begangene Unrecht zu präsentieren. Dabei macht sie auch keinen Hehl daraus, dass der Grad ihrer mentalen Verwirrtheit erst durch den fremdbestimmten Aufenthalt in der Nervenheilanstalt so richtig an Fahrt dazugewonnen hat und außerdem stellte ihr doch die Familie selbst zuvor die Legitimität zum Verrücktsein aus... Wo liegt also das Problem?

     

    Da diese Frage von den verunsichert dreinschauenden Familienmitgliedern bis auf Weiteres unbeantwortet bleibt, eröffnet Licia ohne viel Federlesen ihr intregantes Rachespiel und geizt dabei auch nicht im Geringsten, wenn es um das Verteilen der entsprechenden Lektionen geht. Dabei entpuppt sich ihr bis dato unerkanntes Talent als pfiffige Fallenstellerin, wobei sie sich neben dem Dauerveranstalten raffinierter Psychospielchen auch für eine spannungsgeladene Wasseraerobic zuständig zeigt und zum Finale hin sogar einen warhaften Drahtseilseilakt auf die Beine stellt. Darüberhinaus sabotiert das verrückte Küken ein finanzkräftiges Geschäftsbegehren ihres werten Herrn Papas und richtet diesen letztendlich mit dessen eigener Doppelmoral zugrunde. Bestand zunächst noch Unklarheit darüber, ob Licia nun tatsächlich völlig durchgeknallt und außer Kontrolle geraten ist oder ihr unheilvolles Verhalten ganz bewußt an den Tag legt, so wird doch zumindest diese Fragestellung im weiteren Filmverlauf ganz deutlich aufgeklärt. Adrienne Larussa bietet hierbei eine wahnhafte One-Woman-Show, wie sie im Buche steht und ein diabolisches Grinsen steht ihr dabei auch durchwegs ins Gesicht geschrieben. Hinzu gesellt sich ein psychopathologisches Dauergelächter, welches den anwesenden Familienmitgliedern unentwegt einen tierischen Schauer über den Rücken zu jagen scheint. Abschließend sollte auch noch kurz erwähnt werden, dass sich die sehr euphorisch gestimmte Adrienne Larussa durchwegs höchst stylisch gekleidet zeigt und dabei ständig neue Outfits zur Schau trägt, die in den schillernsten Farben leuchten und zudem mit fantastischen Mustern versehen sind.

     

    Aber auch als Schwester eines durchgeknallten Gechwisterteils hat man es nicht gerade einfach, was in diesem Fall Paola Pitagora (FLUCHTPUNKT AKROPOLIS, ALLEIN GEGEN DAS GESETZ, DIE PERFEKTE ERPRESSUNG) in der Rolle der gebeutelten Giovanna am eigenen Leib zu spüren bekommt. Zwar war sie die einzige aus der schäbigen Familiensippe, die Licia während ihres Zwangsaufenthalts hinter den psychiatrischen Kliniksmauern persönliche Besuche abstattete, findet sich aber schlussendlich dennoch manifestiert im Wahnsystem ihrer vermeintlich mental entgleisten Schwester wieder, wodurch sie wiederum automatisch auf derer unwiderrufbaren Abschussliste einen festen Rang zugeteilt bekommt. Bevor Giovanna aber ihren heißgeliebten Balkon erstmals aus einer anderen Perspektive zu sehen bekommt, schürt das verführische Schwesternbiest zunächst einmal ordentlich Zwietracht zwischen ihr und ihrem Liebhaber Francesco, wodurch die ganze Situation überhaupt erst zu eskalieren beginnt. Der leicht schmierig wirkende Francesco wird hierbei von Alberto de Mendoza (NACKT ÜBER LEICHEN, DER KILLER VON WIEN, MANAOS - DIE SKLAVENTREIBER VOM AMAZONAS) verkörpert, wobei dieser von Beginn an den unwiderstehlichen Reizen des verführerischen Lolita Charms Licias verfallen ist und da er seine männliche Triebe in keinster Weise unter Kontrolle halten kann, entpuppt sich der lüsterne Stelzbock als ein vollkommen leichtes Opfer, welches Licia ohne größere Umstände mit Haut und Haar zum Frühstück verspeisen könnte. Zu guter Letzt gibt es dann auch noch den zwielichtigen Fotografen Mario, für dessen Darstellung sich Nino Castelnuovo (DJANGO - SEIN GESANGBUCH WAR DER COLT, WENN BEI SÜßEN TEENS DIE HÜLLEN FALLEN, DER GEHEIMNISVOLLE KILLER) verantwortlich zeigt.

     

    Die exzellente Filmmusik entstammt dieses mal der Feder Benedetto Ghiglias und entpuppt sich als ein Fest der guten Laune. Neben der hervorragenden Titelkomposition LOVE YOUR NEIGHBOUR AS YOURSELF sticht in erster Linie das Hauptthema ins Ohr, bei dem es sich dann um eine feierlich flotte Beatkomposition mit höchsten Ohrwurmqualitäten handelt. Dazu gesellt sich eine halbwilde Partyband, die den tanzenden Gästen einer Gartenparty mit ihrer schmissigen Beatmukke dann so richtig einheizt.

     

    Fazit: Rache ist psycho!

  • Autor: Richie Pistilli
  • Veröffentlichungen:

    Und wie so häufig existieren auch von dieser italienisch-argentinischen Co-Produktion mehrere Schnittfassungen, wobei ich mal ganz grob die italienische Originalfassung mit der amerikanischen Schnittfassung verglichen habe und sogleich über einige prägnante Unterschiede gestolpert bin. Zu meiner größten Überraschung entpuppt sich in diesem ungewöhnlichen Fall die amerikanische Schnittfassung um einiges freizügiger, da ausschließlich in dieser die heiße Badewannenszene zu sehen ist, in der sich Frau Larussa lustvoll mit einem prima Brausekopf selbst bespaßt. Bei der italienischen Fassung herrscht an dieser Stelle ein völlig sinnbefreites Schnittmassaker vor, wobei Adrienne Larussa lediglich beim Besteigen der Wanne zu sehen ist, was aber wiederum im Vergleich zur amerikanischen Fassung viel anschaulicher in Szene gesetzt wurde.

     

    Ein weiterer Unterschied liegt bei den jeweiligen Eröffnungssequenzen vor, wobei sich die amerikanische Fassung erheblich von der italienischen Fassung unterscheidet, da diese in den ersten 15 min. mit einer komplett anderen Schnittfolge aufwartet. So beginnt die amerikanische Fassung auch sogleich mit einer Pre-Title Sequenz, die in der italienischen Fassung gänzlich fehlt: Diese zeigt die eingeschüchterte Signora Larussa im Rahmen ihres Zwangsaufenthalts in der Klapse, wobei diese gerade einen alptraumartigen Zustand zu durchleben scheint. Daraufhin folgt ein völlig veränderter Vorspann, der abermals alternatives Bildmaterial zu Tage trägt: Hierbei wird gezeigt, wie die glücklich verliebte Frau Larussa mit ihrem fadenscheinigen Fotografenfreund eine glückliche Zeit verlebt, sei es beim gemeinsamen Stadtbummel, beim gemeinsamen Tennisspiel oder während einer ansehnlichen Fotosession am Pool. Der eigentliche Filmbeginn erscheint daraufhin in der amerikanischen Schnittfassung auch wieder etwas verändert, da die gute Adrienne zunächst im Rahmen weiterer alternativer Szenen einem Psychiater ihr Leid klagt und diesem in “kommentierten Rückblenden” das Zustandekommen ihres momentanen Dilemmas erläutert. Zu guter Letzt wurde der amerikanischen Fassung während des Vor- und Abspanns eine komplett andere Filmmusik unterlegt, wobei völligst dreist das eigentliche LOVE YOUR NEIGHBOUR AS YOURSELF durch ein kinderliedartiges DADDY SAID THE WORLD WAS LOVELY ersetzt wurde.

  • Autor: Richie Pistilli
  • Bitte Kommentar schreiben

    Sie kommentieren als Gast.