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Provinz ohne Gesetz

Italien, 1978

  • Originaltitel: Provincia violenta
  • Alternativtitel:

    Kommando Siku (DE)

  • Regisseur: Mario Bianchi
  • Kamera: Umberto Galeassi
  • Musik: Stelvio Cipriani
  • Drehbuch: Mario Bianchi
  • Inhalt:

    Commissario Franco Sereni (Calogero Caruana) tötet gerne kriminelles Gesindel. Dies mag zwar für das Opfer des Kriminellen im Nachhinein eine angenehme Genugtuung sein, Serenis Chef gefällt das aber gar nicht und er wird suspendiert. Ein normaler Mensch besäuft sich daraufhin oder bekommt Depressionen, Sereni hingegen legt sich mit einer Zigarette auf sein Bett und lässt genüsslich seine Erfolge gegen das organisierte Verbrechen als Rückblende an seinem inneren Auge vorbeiziehen. Nun ja, jeder hat so seine Hobbies … Damit aber die Handlung vorangeht meldet sich eine alte Freundin bei ihm, die als Hure bei einem Erpresserring arbeitet und das, was bei ihrer Arbeit passiert, nicht mehr mit ansehen kann, die Arme. Sie treffen sich also in einem Hotel in der Provinz das als Zentrale des Verbrecherrings fungiert. (Und zwar in genau der Provinz, in der alle Autos mit römischen Kennzeichen herumfahren …) Sereni wird auch gleich einmal die Leiche einer toten Hure in den Kofferraum gelegt, aber noch bevor die Polizei anrückt wird die Leiche auch schon wieder entsorgt und Sereni steht vor dem korrupten Commissario Righi (Spartaco Battisti) als Depp da. Könnte allerdings auch an seiner Kleidung liegen (oder seinem gigantischem Schnäuzer), dies aber nur nebenbei … Im weiteren Verlauf passieren dann mehr oder weniger nachvollziehbare Dinge (oft eher weniger nachvollziehbar), aber Sereni schafft es tatsächlich sich auf die Spur der Haderlumpen zu setzen. Die Organisation hat aber mit dem Killer Roberto (Al Cliver) eine recht effektive Mordmaschine und mit dem Kommissar Righi einen recht ineffektiven Hanswurst zur Verfügung. Wird Sereni es schaffen das Netz des Bösen zu zerreißen? Oder wird er sein Herz an die skrupellose Erpresserin Flavia (Antonella Dogan) verlieren? Oder wird er gar unter dem stahlharten Blick des Bandenchefs Augusto (Richard Harrison) sein Leben aushauchen. So richtig gespannt ist man da nicht…

  • Autor: Maulwurf
  • Review:

    Manchmal sieht man einen Film, und es fällt einem dazu genau ein Adjektiv ein dass diesen Film dann komplett und zufriedenstellend beschreibt. Bei Francis Ford Coppolas DRACULA beispielsweise war dies das Wort “opulent“, bei PROVINZ OHNE GESETZ ist es das Wort “ungelenk“. Das “Spiel“ Calogero Caruanas ist ungelenk (stakst er doch durch die Gegend wie eine Art bandscheibenoperierter Hulk), die Dialoge sind ungelenk, der Schnitt ist ungelenk, … Da gab es zum Beispiel eine Szene in welcher Sereni seine Freundin gerade vor dem schwarzen Mann gerettet hat. Also laufen die beiden langsam aufeinander zu, stehen voreinander, sie schaut ihn an, legt ihm eine Hand an die Brust, nimmt sie wieder weg, während er ununterbrochen zur Seite guckt. Irgendwann dreht sie sich dann todtraurig um und geht, während in seinem Blick die schiere Verzweiflung über die sinnlose Szene zu ahnen ist. Dieser Moment ist so dermaßen hölzern und unbegreiflich, dass ich lauthals und ausgiebig lachen musste. Ob das von Regisseur wirklich beabsichtigt war …?

     

    Solche Szenen hat es öfters. Dass im Jahre 1978 Disco-Szenen zum Standard gehörten weiß ich, aber eine Stimmung wie in dieser Disco habe ich höchstens mal bei der letzten Kündigungswelle erlebt. Mag vielleicht auch daran liegen, dass das Lied von Simonetta Io zumindest für heutige Ohren etwas eigen klingt und nicht wirklich tanzbar ist. Drollig sind auch denkwürdige Momente wie der Gangster, der vor der Friedhofstür zurückschreckt wie ein Vampir vor dem Kreuz, oder das Ende der Prügelei in der Disco, das mit einem wüsten Zeitraffer inszeniert wird. Oder der Kampf Sereni gegen Killer, bei dem regelmäßig Schnitte in die Totale eingefügt werden, was die Dynamik des Kampfes regelmäßig ausbremst. Ich meine, der Kampf kommt wie fast alle Actionszenen eigentlich recht hart und wuchtig rüber. Calogero Caluana hat seine Brötchen lange als Stuntman verdient, was man auch deutlich sieht. Hier ist er wirklich gut und macht eine ordentliche Figur, was man in den reichlich vorhandenen Dialogszenen eher nicht so sagen kann. Aber diese Aufnahmen in der Totalen haben ungefähr den gleichen Effekt wie eine Kaffeepause. Finde ich.

     

    A propos Kaffeepause, der Film hat natürlich auch seine guten Seiten: Da wäre einmal Al Cliver als sadistischer Killer Roberto, der seine Präsenz hier konkurrenzlos zur Wirkung bringen kann. Dann Richard Harrison, der im Anzug genauso eine gute Figur macht wie immer, und ein Schwung nett anzusehender Damen die sich gelegentlich nackt vor der Kamera räkeln dürfen. Die Titelmusik von Stelvio Cipriani geht ebenso schmackig ins Ohr, wenngleich das Geblubber während des Films eher von Ciprianis Schwiegermutter kommen dürfte. Aber der jazzige Titeltrack macht wirklich Laune, zumal wenn er mit einer kostengünstig produzierten Verfolgungsjagd unterlegt ist (für Platzpatronen hat das Budget ausgereicht, für die Darstellung der auf- oder einschlagenden Kugeln allerdings nicht mehr). Weiter hat es jede Menge Actionszenen, die vielleicht nicht optimal inszeniert sind, aber durchaus abwechslungsreich daherkommen. Richtig langweilig wird es jedenfalls nicht so schnell: Ständig wird Sereni verprügelt oder prügelt selber jemanden, irgendwelche Mädchen werden ermordet, und irgendwie ist anscheinend halb Italien unterwegs um zu sterben oder sterben zu lassen.

     

    Zusammengefasst rockt dieser Film nicht wirklich, was sicher an der Kombination Mario Bianchi/Calogero Caruana liegen dürfte. Ein durchschnittlich begabter Regisseur und ein überdurchschnittlich unbegabter Schauspieler, das kann nicht gut gehen. Nichtsdestrotrotz habe ich schon eine menge Schlimmeres gesehen, und zumindest in Bezug auf modische Abscheulichkeiten hat der Film einige Schauwerte. PROVINZ OHNE GESETZ hat also als Resümee einen gewissen trashigen Charme, ein paar wenige nackte Damen, viel Action, eine gute Titelmusik und einen Hauptdarsteller der, sagen wir mal, etwas eigen ist. Um nicht zu sagen hölzern … Es gibt sicher schlechtere Möglichkeiten 76 Minuten Lebenszeit totzuschlagen, aber ein paar bessere Ideen hätte ich da schon auch. Nichts für Polizeifilm-Neulinge, sondern nur für Hartgesottene mit Hang zum Trash.

     

    P.S.: Angemerkt sei noch, dass die deutsche Synchro sehr gut sein soll. Sehr gut im Sinne von schräg, lustig, idiotisch. Allerdings habe ich den Film italienisch mit englischen Untertiteln gesehen, und ich bin definitiv nicht bereit mir das Teil in der nächsten Zeit noch mal zu geben. Aber nach Berichten anderer Zuschauer soll die Synchro ein guter Teil des Spaßes sein. Selber ausprobieren…

  • Autor: Maulwurf
  • Veröffentlichungen:

    Die DVD von X-Rated ist als große und kleine Hartbox mit jeweils 2 Covermotiven erschienen, wovon je eines mit dem Film nichts zu tun hat. Das Bild ist hervorragend und scharf, der deutsche Ton recht laut und verständlich, der italienische Ton ist etwas leiser aber ebenfalls gut verständlich. Das ist auch wichtig, weil die englischen Zwangsuntertitel des italienischen Tons mitunter den Eindruck erwecken zu einem anderen Film zu gehören. Subs ohne gesprochene Dialoge bzw. Dialoge ohne Subs sind des öfteren dabei, rudimentäre Italienischkenntnisse helfen da weiter. Als Extras gibt es einen guten Audiokommentar von Dr. Marcus Stiglegger sowie den Originaltrailer.

  • Autor: Maulwurf
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