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La professoressa di lingue

Italien, 1976

  • Alternativtitel:

    Profesora de lenguas (PER)

  • Regisseur: Demofilo Fidani
  • Kamera: Antonio Maccoppi
  • Musik: Coriolano Gori
  • Drehbuch: Otello Cocchi, Demofilo Fidani, Fernando Popoli
  • Inhalt:

    Michele lebt in wohlhabenden Verhältnissen in einer schönen Villa nahe Perugia. Sein Vater Aristide Toppetti ist ein dort ansässiger erfolgreicher Schweinezüchter. Der junge Michele steht kurz vor seinem Schulabschluss hat aber zwei große Schwächen: Englisch und Französisch. Um diesem Problem entgegenzuwirken engagieren seine Eltern eine Sprachlehrerin, die Micheles Sprachkenntnisse auf Vordermann bringen soll. Mit der hübschen und erotischen Pamela hat allerdings niemand gerechnet und die bringt nicht nur Michele ins Schwitzen.

  • Autor: nerofranco
  • Review:

    Nach über einem Dutzend Western und ein paar Ausflügen in andere populäre Genres drehte Demofilo Fidani 1976 mit "Calde labbra" und "La professoressa di lingue" seine letzten beiden Filme. Auffallend bei diesen beiden Werken ist, dass von Fidanis Stammdarstellern (u.a. Strano, Mitchell, Cameron, Pacifico, Castrighella, Dottesio), die man eigentlich immer irgendwann zu sehen bekommt, niemand mehr dabei ist. Das ist zwar Schade hat aber dafür seinen ganz eigenen Reiz. Neben ein paar wenigen bekannten Filmschauspielern wie Pupo De Luca und Pietro Tordi haben wir es hier mit lokalen TheaterdarstellerInnen wie etwa Fausta Bennati und LaiendarstellerInnen zu tun. Während Demofilos Western zwar meist jede Menge Spaß machen aber qualitativ nicht gerade hochwertig ausgefallen sind haben seine Regiearbeiten außerhalb des Westerngenres wesentlich mehr Professionalität zu bieten und weisen auch nicht diesen eklatanten Billiglook vor. "La professoressa di lingue" ist eines dieser positiven Beispiele, wie etwa auch sein vorzüglicher Giallo "A.A.A. Massaggiatrice bella presenza offresi..." oder der Gangsterfilm "Sedia elettrica". Mein Liebling unter seinen Werken bleibt aber der ungewöhnliche Western "...e vennero in quattro per uccidere Sartana!" (Sie kamen zu viert, um zu töten), in dem Jeff Cameron vier ganz unterschiedliche Killer auf den Hals gehetzt werden.

     

    "Es gibt wichtigere Dinge im Leben. Dinge, die nicht warten können.
    Ich bin in Sie verliebt."
    (Michele zu Pamela)

     

    Demofilo Fidani verfolgt in "La professoressa di lingue" eigentlich nur ein Ziel: Femi Benussi bei den unterschiedlichsten Alltagssituationen aus allen nur möglichen Blickwinkeln zu filmen. Man sieht sie beim Frühsport, Sex, Duschen und bei jeder Menge powackeln. Benussi ist natürlich auch hervorragend geeignet für solch eine Rolle, die sämtlichen anwesenden Männern den Kopf verdreht. Sie spielt die Sprachlehrerin Pamela, die ausgerechnet von Don Girolamo ausgewählt wurde um den jungen Spund Michele in Englisch und Französisch aufs Examen vorzubereiten. Der verliebt sich aber auf den ersten Blick in die rothaarige und wunderschöne Pamela und hat ganz andere Interessen als zu Lernen.

     

    Aber nicht nur Micheles Testosteronspiegel gerät völlig außer Kontrolle sondern auch die aller anderen Herren, denen sie begegnet. Micheles Mutter Letizia (Fausta Bennati) will sie daraufhin auch schnell wieder los werden, da hat allerdings ihr Mann Aristide kräftig was dagegen. Auch der Großvater, der gerne nackte Mädels am Strand beobachtet, wenn auch imaginäre, bekommt noch einmal den x-ten Frühling und fängt sogar wieder mit Frühsport an um die junge Pamela zu beeindrucken. Pietro Tordi ist herrlich als ehemaliger faschistischer General, der jungen Mädchen nachstellt, seinem Neffen die Pornohefte klaut, Löcher zum Spannen in Türen bohrt und die meiste Zeit über irgendwelche Kriegsgeschichten erzählt. Vor allem ist er äußerst Stolz über sein Zusammentreffen mit dem Wüstenfuchs Erwin Rommel ("Che battaglia!").

     

    Als Sprachschüler Michele Toppetti bekommt man den jungen Walter Romagnoli zu sehen, der ansonsten nur noch im selben Jahr in dem bereits erwähnten "Calde labbra" auf der Leinwand zu bewundern war. Romagnoli macht seine Sache auch ganz ordentlich als leicht stotternder, spätpubertierender Schüler. Micheles Vater Aristide Toppetti wird dargestellt von Pupo De Luca, der den meisten wahrscheinlich aus Enzo Barbonis Klassiker "...continuavano a chiamarlo Trinità" (Vier Fäuste für ein Halleluja) bekannt ist. Dort spielt er den Prior, der Bambino (Bud Spencer) die Beichte abnimmt. Hier können seine Annäherungsversuche an Pamela klar als sexuelle Belästigung bezeichnet werden, denn er kann seine Finger nicht bei sich behalten. Als Teresa, Micheles Schwester, ist die hübsche Daniela Pastorelli zu sehen, deren leider einziger Leinwandauftritt dies hier gewesen ist.

     

    Was man noch zu sehen bekommt ist beispielsweise eine Szene in einem Korridor, die man fast identisch schon einmal in "Amico mio... frega tu che frego io" (Colorado – Zwei Halunken im Goldrausch) gesehen hat. In einer Szene wird Michele von seinem Freund Alfredo mal richtig aufs Kreuz gelegt als er ihn zu einer unglaublich hässlichen Prostituierten bringt. Michele rächt sich allerdings nicht weniger fies. Der Schlussgag ist auch nicht schlecht, hab ich so zumindest noch nicht gesehen.

     

    Fidanis Haus- und Hofkomponist Lallo Gori liefert mit einer wunderbaren Mischung aus amüsanten und romantischen Kompositionen eine vorzügliche Untermalung des erotischen Treibens. Für die Kostüme war wieder einmal Fidanis Frau Mila Vitelli Valenza zuständig, die diesmal ausnahmsweise nicht auch noch am Drehbuch mitschrieb. Deren Tochter Simonetta Vitelli ist leider nicht mit von der Partie, dafür sind ihr Bruder Paolo als Regieassistent sowie ihr Freund Alessandro Lucidi, der für den Schnitt zuständig war, dabei. Lucidi ist immer noch fleißig und arbeitet heute etwa bei der äußerst erfolgreichen Terence Hill-Serie "Don Matteo". Produziert wurde "La professoressa di lingue", wie auch viele andere Fidanis, von Diego Spatero und der "Cinematografica Tarquinia", die, wenn ich mich recht erinnere, von Spatero und Fidani gegründet wurde. Interessant ist die Tatsache, dass alle Beteiligten unter ihren richtigen Namen in den Credits aufgeführt sind.

     

    Die ausgewählten Drehorte sind wirklich vorzüglich. Perugia und deren Umgebung versetzten einen sofort in wohlige Urlaubsstimmung. Michele flüchtet sich in seinen Tagträumen auch einmal an den Strand der Isola Polvese im Lago Trasimeno. Auf dem Autodrome dell'Umbria in Magione bekommt man ein Autorennen geboten, bei dem Micheles Freund Alfredo als Sieger gefeiert wird. Fidani zeigt im Vorspann bereits jede Menge schöne Bilder aus und über der Stadt Perugia und man sich gleich mal denkt: "Ach, da wär ich jetzt auch gern."

     

    Bei "La professoressa di lingue" handelt es sich um eine amüsante und erotische Komödie mit einer fabelhaften Femi Benussi. Für alle Fans von Benussi ist dieser leider sehr unbekannte Streifen von Demofilo Fidani sowieso Pflichtprogramm, denn die Kamera bewegt sich die meiste Zeit über beschwingt rund um ihren schönen weiblichen Körper. Fidanis "La professoressa di lingue" ist eine lockere und leichte Angelegenheit, die einem einen amüsanten und vergnüglichen Abend bereitet, nicht mehr aber auch auf keinem Fall weniger.

  • Autor: nerofranco
  • Veröffentlichungen:

    Im Jahre 2015 veröffentlichte das italienische Label Cecchi Gori eine DVD von "La professoressa di lingue". Die Qualität ist bis auf ein paar wenige Momente wirklich ausgezeichnet. Der Ton ist nur leider an manchen Stellen etwas asynchron. Als Sprachoptionen gibt es allerdings nur die italienische Sprachfassung sowie italienische Untertitel für Hörgeschädigte. Als Bonusmaterial ist ein Interview mit dem Regisseur Roger A. Fratter unter dem Titel "La lingua del sesso" (Die Sprache des Geschlechts) enthalten, die ein paar interessante Fakten und Fotos von Fidani und Familie bietet.

  • Autor: nerofranco
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