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The Red Stained Lawn

Italien, 1973

  • Originaltitel: Il Prato Macchiato di Rosso
  • Alternativtitel:

    The Blood Stained Lawn (USA)

  • Regisseur: Riccardo Ghione
  • Kamera: Romolo Garroni
  • Musik: Teo Usuelli
  • Drehbuch: Riccardo Ghione
  • Inhalt:

    Eine reiche Familie sammelt Randgrüppler wie Hippies, Prostituierte und Stadtstreicher ein und lädt sie zum Müßiggang in den Räumlichkeiten ihrer feudalen Villa. Doch die Motive der Familie sind alles andere als ehrbar. Und heimlich, still und leise lichten sich die Reihen der unterprivilegierten Gäste...

  • Autor: Christian Ade
  • Review:

    Ein Film wie IL PRATO MACCHIATO DI ROSSO ist heutzutage so unvorstellbar wie ein Telefon mit Kabel, ein Porno mit Schamhaaren oder eine Ilsa ohne Uniform.

     

    Da ist der moderne Film. Die Blockbuster. Immer schneller, lauter, teurer, dreidimensionaler. Da sind die Multimillionenbudgets und die Mega-Effekte. Da sind die Stakkatoschnitte. Im Minutentakt müssen neue Schauplätze eröffnet und diese dann mit Adrenalin, mit atemloser Action gefüllt werden. Hochgeschwindigkeitskino.

     

    Dagegen ist IL PRATO MACCHIATO DI ROSSO ein Gruß aus der Anästhestie. Das Äquivalent zur Chillout-Zone. Filmgewordene, wabernde Entspannungsmusik. An einer Stelle genehmigen sich die beiden Hauptprotagonisten genußvoll einen Joint. IL PRATO MACCHIATO DI ROSSO ist dieser Joint.

     

    Die Siebziger sind angebrochen, aber der Sommer von `69 geht weiter. Die Blumenkinder sind noch unterwegs. Die Elite hat den Abschaum ausgemacht. Ihr Chimärenblick richtet sich auf das Hippie-Pärchen, die Nutte, den Penner und das Zigeunermädchen.

     

    In Riccardo Ghiones Film wird die Elite von einer Familie vertreten: Mann, Frau, Bruder. Reich, dekadent, faschistisch. Die Herren (und Damen) dieser Welt. Perverse Vampire, die einer Wagner-Oper lauschen. Da ist dieser merkwürdige Roboter. Und das alte, grimmige Soylent Green-Prinzip aus JAHR 2022...DIE ÜBERLEBEN WOLLEN.

     

    Der Bruder verlässt die Villa. Fährt durch die Straßen. Ein Raubtier auf heimlichem Beutefang. Er gabelt den Abschaum auf. Und das Hippie-Pärchen, der Penner, die Nutte und das Zigeunermädchen folgen ihm bereitwillig in die Villa des Löwen.

     

    Das Blut gluckert in die edlen Flaschen; die Rosen in dem prächtig kultivierten Garten blühen in einem unglaublichen Rot. Der Roboter ist satt. Der Rubel rollt.

     

    Doch der gute alte (Wir kennen ihn aus STRIP NUDE FOR YOUR KILLER und DJANGO –SEIN GESANGSBUCH WAR DER COLT) Nino Castelnuovo – smart wie (fast) immer – kommt den dunklen Machenschaften der betuchten wie verkommenen Familie langsam auf die Schliche. Die ahnungslosen Gäste indes hängen immer noch beschwipst und arglos in ihrem komfortablen Spinnennetz.

     

    Und in der Nacht – heimlich, still und leise- lichten sich ihre Reihen.

     

    Horrorfilm? Science Fiction? Murder Mystery? Rabenschwarze Gesellschaftssatire? Sozialkritisch? IL PRATO MACCHIATO DI ROSSO ist von allem etwas, doch in erster Linie sehr exzentrisch. Regisseur Ghione setzt die Prioritäten gänzlich anders wie im Genrefilm normalerweise üblich. Ihm ist nicht wirklich am Terror gelegen. Auch nicht an Suspense. Ab und an setzt allerdings eine gewisse kafkaeske Note ein; das Gefühl einer nicht wirklich fassbaren, von daher unergründlichen Bedrohung. Es gibt aber auch köstlich-komische Momente wie etwa die Enthüllung einer weiteren dekadenten Spielerei, die ich an dieser Stelle einfach mal, ähem, „Vaginalpforte“ nenne.

     

    Ungeachtet irgendgelagerter Genre-Korsetts ist IL PRATO MACCHIATO DI ROSSO ein Film, der sein eigenes Ding durchzieht. Er hofiert weder den Sehgewohnheiten noch den Spannungsbedürfnissen seines Publikums. Was ihn speziell macht. Und irgendwie einmalig.  

     

    SOYLENT GREEN im italienischen Sommer der Liebe. Eine filmische Merkwürdigkeit, die insbesondere (oder besser: ausschließlich) den Gourmets obskurer 70er Jahre-Exzentrik munden dürfte. Um hier bestehen zu können, muss man mit völliger Entschleunigung klarkommen, eine Schwäche für’s (psychotronische) italienische Kino haben und darf weder vor kiffenden Hippies noch blutzapfenden Robotern zurückschrecken. Die Musik von Teo Usuelli –insbesondere das Thema während Alfieros Autofahrt- geht allerdings gleich ins Ohr.

     

    Achja, einen guten Tropfen (blutroten) Wein sollte man auch zu schätzen wissen.

  • Autor: Christian Ade
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