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Politess im Sittenstress

Italien, 1976

  • Originaltitel: La poliziotta fa carriera
  • Alternativtitel:

    Bella, valiente y buena (ESP)

    La flic chez les poulets (FRA)

    A Mulher Polícia Faz Carreira (POR)

    Confessions of a Lady Cop

    Das verrückte Polizeirevier

    Flotte Teens und das verrückte Polizeirevier

  • Deutsche Erstaufführung: 04. September 1981
  • Regisseur: Michele Massimo Tarantini
  • Kamera: Giancarlo Ferrando
  • Musik: Pulsar
  • Drehbuch: Francesco Milizia, Marino Onorati, Michele Massimo Tarantini
  • Inhalt:

    Gianna Amicucci (Edwige Fenech), Tochter eines Portiers, möchte Polizistin werden. Sie liest leidenschaftlich gerne Kriminalromane, und ihr Verlobter ist bereits bei der Polizei. Zudem spioniert sie ihren Nachbarn hinterher und liest deren Post, immer in der Hoffnung auf ein Verbrechen zu stoßen.

     

    Nach Abschluss des Abiturs hat sie sich bei der Polizei beworben und wird auch für die Ausbildung akzeptiert. Sie stellt sich jedoch nicht gerade geschickt an, womöglich weil sie einfach zu eifrig ist. Mit der Fürsprache eines Freundes ihres Vaters gelingt es ihr jedoch, durch die Abschlussprüfung gemogelt zu werden.

     

    Sie wird dem Revier von Capitano Marcellini (Mario Carotenuto) zugeteilt und verursacht durch ihren überschäumenden Enthusiasmus einen Fauxpas nach dem anderen. Auf der Suche nach der verschwundenen Mutter eines kleinen Jungen erringt sie dann aber einen ersten Erfolg, selbst wenn sie sich dafür als Prostituierte ausgeben muss, um an Informationen zu kommen.

     

    Doch auf dem Weg dahin hat sie noch zahlreiche kleine Fehlschläge und ihren eifersüchtigen Verlobten zu erdulden.

  • Autor: Gerald Kuklinski
  • Review:

    Die Poliziotta-Trilogie mit Edwige Fenech wird von manchen als Quadrologie betrachtet. Denn die Existenz dieser drei Fenech-Filme - alle unter der Regie von Michele Massimo Tarantini entstanden und produziert von Luciano Martino – gehen auf den Erfolg der 1974 von „Steno“ gedrehten Komödie „La Poliziotta“ mit Mariangela Melato in der Titelrolle zurück. Man kann sogar auf gemeinsame Darsteller verweisen, denn Mario Carotenuto als Chef der „Politesse“, und der kleine (und recht nervige) Dauergast in italienischen Komödien der 70er - Alvaro Vitali - waren auch in „La Poliziotta“ schon dabei.

     

    Während dieser Film aber durchaus ernst gemeinte Ansätze gegen Frauenfeindlichkeit im Polizeidienst enthielt und Mariangela Melato einen Preis als beste Hauptdarstellerin einbrachte, gehören die Tarantini-Filme eher in die Kategorie Sexy Comedy. Und schaut man den Tatsachen ins Auge, die italienische Sexy Comedy ist sexistisch hoch zehn. Zudem hatte Stenos „La Poliziotta“ einen anderen Produzenten – Carlo Ponti – und spielte somit von vornherein in einer anderen Liga.

     

    Also doch eher eine Trilogie und keine schlechte. Edwige Fenech spielt die Rolle der übereifrig-schusseligen Polizistin Amicucci glaubwürdig und spaßig. Eine richtig feste Handlung gibt es eher weniger, mehr unterschiedliche Stränge, was den Film sehr abwechslungsreich macht. Es gibt sogar einen sehenswerten Running-Gag zwischen Giannas Chef, bei dem sämtliche technischen Geräte versagen, wenn er sie zu bedienen versucht. Er ruft dann stets nach seinem Assistenten Tarallo (Alberto Vitali), und bei dem funktioniert alles. Ein weiterer Running-Gag ist der Typ, der immer wieder versucht seinen Papagei einzufangen.

     

    Es gibt zwei Komponenten, die in diesem Film nicht so gut funktionieren. Die Eine ist, wenn diese Sexy Comedy in den Bereich „Sexy“ abdriftet, denn dann wird es richtig dämlich. Die Zweite ist hier gerade noch hinnehmbar, ich meine Alberto Vitali. Anfangs ist sein Part zurückhaltend, leider taucht er im letzten Drittel öfter auf. Alberto Vitali ist wirklich schwer zu verdauen, wer andere Komödien mit ihm gesehen hat, weiß was ich meine. Darauf komme ich ein andermal zurück, wenn er in einer anderen Review eine längere Rolle hat, hier – wie gesagt – ist er noch annehmbar.

     

    Ebenfalls sehenswert, dass Giannas Verlobter – der Polizist - und ihr Verehrer – ein Arzt – sich so ähnlich sehen. Der Verehrer ist das blonde Gegenstück zu dem Verlobten, gleiche Statur, gleiche Frisur, gleicher Pornobalken. Und wer schon immer Edwige Fenech (beziehungsweise ihr anscheinend männliches Double) in einer Kung Fu-Szene sehen wollte, bitte sehr. Erfolgreich und schlagkräftig setzt sie sich gegen eine Gruppe von potentiellen Vergewaltigern zur Wehr.

     

    Wie bereits zu Anfang erwähnt, gab der Erfolg von „Politess im Sittenstress“ zwei Fortsetzungen her, „Das Schlitzohr von der Sitte“ (La poliziotta della squadra del buon costume, 1979) und „Eine Superpolizistin in New York“ (La poliziotta a New York, 1981), beide ebenfalls von Michele Massimo Tarantini.

     

    Zur deutschen Titelgebung, offenbar war dem damaligen Verleiher nicht der Unterschied zwischen einer Politesse und einer Polizistin geläufig. Auffällig ist auch, dass die Kinofassung und die Videoveröffentlichungen Dialogschnitte hatten, und bei zumindest drei dieser gekürzten Dialoge geht es vornehmlich darum, dass Polizisten im Allgemeinen als dämlich bezeichnet wurden. Ungeschnitten wurde der Film in der Reihe „Sexy Comedy Collection“ von MIG/Euro Video unter dem Titel „Flotte Teens und das verrückte Polizeirevier“ veröffentlicht, die einst fehlenden Szenen sind untertitelt, und an der Bildqualität gibt es kaum etwas zu bemängeln – da haben wir schon Schlimmeres gesehen. „Flotte Teens“ gibt es allerdings keine.

     

    Mir persönlich hat dieser Film sehr viel Spaß gemacht, aber heutzutage wird nicht jeder gelassen über gewisse Extremalbernheiten und den handfesten Sexismus hinwegsehen können. Letzeren hätte es im Übrigen gar nicht in diesem Maße gebraucht, schadet eher dem Gesamtgenuss.

  • Autor: Gerald Kuklinski
  • Links

    OFDb

    IMDb

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