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Magnum 45

Italien, 1976

  • Originaltitel: E tanta paura
  • Alternativtitel:

    Terror infinito (ESP)

    Plot of Fear (Int.)

  • Regisseur: Paolo Cavara
  • Kamera: Franco Di Giacomo
  • Musik: Daniele Patucchi
  • Drehbuch: Paolo Cavara, Enrico Oldoini, Bernardino Zapponi
  • Inhalt:

    Eine Detektei überwacht die Stadt. Eine Domina erwürgt einen devoten Kunden. Ein unheimlicher Killer mordet und hinterlegt bei seinen Opfern stets eine Illustration aus Heinrich Hoffmanns Struwwelpeter. Alle Spuren führen zu einem elitären Swingerclub, der in einer abgelegenen Villa nicht nur dem Sex, sondern offenbar auch dunklen Machenschaften frönt...

  • Autor: Christian Ade
  • Review:

    E TANTA PAURA kommt aus der Mitte des spannendsten, weil obskursten Filmjahrzehnt aller Zeiten. Das waren zweifelsohne die 70er. Nur dort trugen italienische Bullen noch stattliche Rotzbremsen zu ihren coolen Sprüchen und flirteten mit so unvergleichlich heißen und charismatischen Frauen wie Corinne Clery. Nur dort trafen sich dekadente Bonzen unter dem Deckmäntelchen des Tierschutzes in pompösen Villen zu Sexorgien und brachten sich vorher mit albernen Zeichentrickpornos oder dem Quälen von Prostituierten in Fahrt. Und nur dort gab es Killer, die frei nach so pädagogisch –ähem- wertvollen Kinderbüchern wie dem von unserem Struwwelpeter mordeten.

     

    E TANTA PAURA, seinem Zeitgeist treu ergeben, bietet in 96 äußerst lässigen Minuten das Obenerwähnte und noch viel mehr. Der stylishe Bondgirl-Verschleißer THE BLACK BELLY OF THE TARANTULA, in dem es nicht nur der aus DER SPION, DER MICH LIEBTE bekannten Barbara Bach an das zentrale Nervensystem geht, mag der bekanntere von Cavaras Gialli sein, doch E TANTA PAURA ist der unterhalsamere.

     

    Ähnlich cool wie Martino seinen SUSPECTED DEATH OF A MINOR hat Cavara diesen Streifen in Szene gesetzt. Das Ergebnis entpuppt sich als kongeniales Gemenge aus kreativen Morden, kultverdächtigen Szenen und lockeren Sprüchen. Es ist ein Balanceakt, doch Cavara findet immer die richtige Mischung aus Ironie und Ernsthaftigkeit. Sex, Gewalt und gute Laune feiern einträchtig Party und jeder kommt auf seine Kosten.

     

    Dabei ist der PLOT OF FEAR auch ein Plot der Cleverness. Cavara und sein Co-Autor Enrico Oldoini (im Film übrigens als Michele Placidos Deputy zu sehen) haben nämlich eine irrwitzige, aber auch recht raffinierte Handlung gesponnen. Mit großem Geschick werden alle klassischen Genre-Zutaten unter einen Hut gebracht: Diamanten, Erpressung, Eros, Thanatos. Alles vorhanden mit ein bisschen Sleaze als Sahnehäubchen.

     

    Nur als der in diesem dunklen Sumpf ermittelnde Inspektor plötzlich auf einen Kerl namens „Peter Struwwel“ trifft, rächt sich für den deutschsprachigen Zuschauer, dass der Struwwelpeter in der Kinderbuchvorlage eben nicht „Piercino Porcospino“ wie im Italienischen oder „Shock-Headed Peter“ auf Englisch, sondern eben Struwwelpeter heißt. Angesichts der Signatur des Killers bedarf es beileibe keiner Deduktionsgabe eines Sherlock Holmes, um das nicht wenigstens ein bisschen verdächtig zu finden.

     

    Gut, dass die Lösung in einem Giallo oftmals doppelbödig ist und gut, dass E TANTA PAURA hier keine Ausnahme bildet. Der PLOT OF FEAR schlägt noch einige Harken und bleibt somit auch für den germanischen Fan bis zum Abspann spannend. Übrigens: Das Titoli von Daniele Patucchi knallt mal richtig und nicht nur deshalb sollte man Paolo Cavaras Giallo Nr. 2 nach THE BLACK BELLY OF THE TARANTULA unbedingt auf der Rechnung haben. E TANTA PAURA ist eine locker flockig inszenierte Mordoper, mit allem, was ein Giallo braucht. Geheimtipp!

  • Autor: Christian Ade
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