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Plattfuß räumt auf

Italien, 1975

  • Originaltitel: Piedone a Hong Kong
  • Alternativtitel:

    Pie Plano en Hong Kong (ARG)

    Pies grandes (ESP)

    Le Cogneur (FRA)

    O Regresso do Inspector Martelada (POR)

    Flatfoot in Hong Kong (USA)

    Buddy in Hongkong

    Plattfuss in Hong Kong

    Flatfoot Goes East

  • Deutsche Erstaufführung: 26. Juni 1975
  • Regisseur: Steno
  • Kamera: Giuseppe Ruzzolini
  • Musik: Guido De Angelis, Maurizio de Angelis
  • Drehbuch: Lucio De Caro, Steno, Franco Verucci
  • Inhalt:

    Kommissar Rizzo ist Leiter des Drogendezernats in Neapel, und in dieser Eigenschaft versucht er händeringend den Kopf der neapolitanischen Drogenmafia, Don Pastrone, dranzukriegen. Just zu dieser Zeit weist das FBI den gefürchteten Gangster Frank Barella nach Italien aus, und der möchte sich das Geschäft selber unter den Nagel reißen. Und um das Fass voll zu machen kommt gleichzeitig der DEA-Agent Sam Accardo aus Washington nach Neapel, um die italienische Polizei auf Vordermann zu bringen. Zwar kann gemeinsam noch ermittelt werden dass es eine undichte Stelle bei der Polizei gibt, doch dann wird Don Pastrone ermordet, und der Verdacht fällt … auf Kommissar Rizzo. Der geht daraufhin stiften, und zwar erst nach Bangkok und dann weiter nach Hongkong, um herauszubekommen wer der tatsächliche Maulwurf innerhalb der Polizei ist.

  • Autor: Maulwurf
  • Review:

    Der erste Piedone, SIE NANNTEN IHN PLATTFUSS, war ja ein relativ ernsthafter Poliziottescho, der mit einem Schmunzeln im Mundwinkel supersympathisch daherkam, und einfach eine perfekte Mischung war aus straightem Polizeifilm und leichter Komödie. Jetzt im zweiten Teil wird dann der Krimianteil zurückgenommen, und zwar, jetzt kommt’s, zugunsten einer Ostasien-Reise …

     

    Im Ernst, die erste Stunde des Films ist ein gut gemachter Polizeifilm, der den Zuschauer ordentlich bei der Stange hält und seine Handlungsstränge vernünftig unter Kontrolle hat. Buddy ist nach wie vor der knuffige Neapolitaner, der die Kleinen beschützt und die Großen unnachgiebig verfolgt, und deswegen von seinem Vorgesetzten ständig eins auf den Deckel bekommt, wenngleich dieses Thema ein wenig mit dem Holzhammer präsentiert wird. Enzo Cannavale ist als weiblicher Lockvogel Inspektor Caputo die Schau (und erst recht in der deutschen Synchro), Renato Scarpa als Vorgesetzter Inspektor Morabito ist ein Kotzbrocken und Sesselpupser vor dem Herrn, und außenrum wuseln beliebte und bekannte Ohrfeigengesichter der ersten Klasse italienischer Stuntmen. Soweit alles prima, und das Zusehen macht wirklich Spaß.

     

    Na ja, und dann so nach einer Stunde kommt der Break: Der Kommissar muss nach Ostasien flüchten, spielt Schnitzeljagd mit irgendwelchen austauschbaren Nasen, und die Spannung und vor allem leider auch das Interesse an der Geschichte verflüchtigen sich ins fernöstliche Nirwana. Stattdessen gibt es eine mäßig aufregende Rundreise durch Ostasien, deren Schema sich sehr schnell abnutzt: Plattfuß kommt nach Bangkok, erfährt dass er nach Hongkong muss, erfährt dass er nach Macao muss … Innerhalb dieser Stationen wiederholt sich das „Zufälliges Aufdecken einer Verbrechermachenschaft – Prügelei – Reise zum nächste Ort“-Schema, und die ganze Zeit ist er nur unterwegs von A nach B, ohne dass dabei irgendwas Relevantes passiert. Im Gegenteil, es regiert Kommissar Zufall, und über die manchmal geradezu peinliche „Ermittlungsarbeit“ Rizzos decken wir mal lieber den Mantel des Schweigens. Bis er wieder in Neapel aufschlägt, da wird die Story wieder ein wenig interessanter und abwechslungsreicher.

     

    Zwischendrin gibt es ein paar wirklich gelungene Szenen, wie etwa das Abschütteln des Mörders am Flughafen in Bangkok, und auch der Rikschatausch in Hongkong ist köstlich. Die drollige Verfolgungsjagd in Hongkong, wenn Rizzo versucht Barella auf den Fersen zu bleiben macht ebenfalls Laune, und es kommt durchaus das zu dieser Zeit vermisste Wohlfühl-Feeling auf. Zu dieser Zeit halten sich Licht und Schatten durchaus die Waage (mit einem leichten Übergewicht zum Positiven), doch dann kommt das Schlimmste was man diesem Film antun konnte: Einen kleinen Jungen, der süß guckt, wenig spricht und komisch sein soll. Wenn der kleine Yoko sich als Sumo-Ringer aufspielt dann ist die Absicht sicher, dass das unheimlich lustig ist. Aber mal ganz ehrlich: Eigentlich ist das nur peinlich. Der Kleine nervt nicht mal richtig, er hat einfach keine Rolle und macht nichts anderes als für das entsprechende Publikum ein wenig herumzuhampeln. Und den Film herunterzuziehen …

    Zusätzlich sind die drei, aus dem ersten Teil bekannten, US-amerikanischen Matrosen Jho Jenkins, Roberto dell’Acqua und Claudio Ruffini wieder mit von der Partie, und treten immer genau dann zufällig auf den Plan wenn Plattfuß gerade Hilfe braucht. Ich meine, der Bud Spencer’sche Slowburn ist vorhersehbar und unter anderem auch deswegen irrsinnig komisch. Aber diese Art der Vorhersehbarkeit, also die mit den Matrosen, langweilt sehr schnell sehr massiv. Hauptcharakter gerät mal etwas ernsthafter in die Bredouille? Na und, die Kavallerie wird’s schon richten *gähn*

     

    Somit wird weder die Komik einer Prügelklamotte erreicht noch die Ernsthaftigkeit eines Polizeifilms. Und dummerweise schon gar nicht die Leichtfüßigkeit des ersten Teils, die eigentlich beabsichtigt gewesen sein dürfte. Die eingängige und schwungvolle Musik der De Angelis-Brüder tut ihr Bestes und spendiert reichlich Urlaubsflair, aber den Karren zieht sie auch nicht mehr aus dem Dreck.

     

    PLATTFUSS RÄUMT AUF ist also der Versuch eines familientauglichen Hybriden zwischen einem Polizeifilm mit mäßiger Spannung und einer Bud Spencer-Klamotte mit mäßigem Spaßanteil. Von Buddys Solofilmen sind SIE NANNTEN IHN MÜCKE oder EINE FAUST GEHT NACH WESTEN ganz deutlich stärker, und die Qualität von SIE NANNTEN IHN PLATTFUSS wird ebenfalls nicht erreicht, aber unterhalten tut der Film, dank der Darsteller und der Musik, allemal. Man sollte halt ein Herz für Kinder haben … Das Problem ist nun, dass es mich vor der Sichtung der verbliebenen zwei Plattfuß-Filme ziemlich graut. Allem Anschein nach hat es da auch wieder irgendwelche ach so niedlichen Kinder …

  • Autor: Maulwurf
  • Veröffentlichungen:

    Gesehen wurde die Blu-ray von Universum Film, die Bestandteil der großen Plattfuß-Box ist und als Schmankerl die Dokumentation „Bud’s Best – Die Welt des Bud Spencer“ enthält. Weiters sind enthalten alle Plattfuß-Trailer und ein Schwung Trailer für hauptsächlich Spencer/Hill-Filme und die beiden NOBODYs mit Terence Hill. Technisch ist alles in trockenen Tüchern: Bild Top, Ton Top, und dass der italienische Originalton fehlt kann man bei einem Bud Spencer-Film ja nun gerade noch verschmerzen …

  • Autor: Maulwurf
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