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Plattfuß in Afrika

Deutschland | Italien, 1978

  • Originaltitel: Piedone l'africano
  • Alternativtitel:

    Un superpolicía en África (COL)

    ¡Puños fuera! (ESP)

    Inspecteur Bulldozer (FRA)

    Flatfoot in Africa

    Knock-Out Cop

    The K.O. Cop

  • Deutsche Erstaufführung: 23. Juni 1978
  • Regisseur: Steno
  • Kamera: Alberto Spagnoli
  • Musik: Guido De Angelis, Maurizio de Angelis
  • Drehbuch: Adriano Bolzoni, Giovanni Simonelli, Franco Verucci, Rainer Brandt
  • Inhalt:

    Ein toter Informant lotst Komissar Rizzo von Neapel nach Südafrika, wo er versucht einem von Diamantenhändlern durchgeführten Drogenhandel auf die Spur zu kommen. Als erstes trifft er dabei auf seinen früheren Assistenten Caputo, der jetzt in Johannesburg arbeitet. Dann begegnet er einer schönen rothaarigen Alkoholikerin die aussieht wie Dagmar Lassander, und zu guter Letzt läuft ihm ein kleiner nerviger Junge über den Weg: Der Sohn des Informanten, der sich Hals über Kopf in Rizzo verliebt, ihn aber auch wirklich überall hin begleitet und sich ständig an Orten herumtreibt wo er eigentlich nichts zu suchen hat …

  • Autor: Maulwurf
  • Review:

    „Ist das Leidenschaft oder Asthma?“

     

    Was der Kollege Gerald Kuklinski kann, das kann ich auch: Besprechungen zu Filmen verfassen die schmerzen. Und wenn sich Gerald die 4 Fäuste-Reihe mit Paul L. Smith und Antonio Cantafora antut, dann ziehe ich halt mit dem dritten Teil der Plattfuß-Reihe nach: PLATTFUSS IN AFRIKA. Und ja, es schmerzt. Wenn auch nicht so heftig wie die 4 Fäuste …

     

    Losgehen tut es erstmal sehr schwungvoll. Eine Gruppe Dreckschweine überfällt einen Linienbus in Neapel und raubt die Passagiere aus. Aber unser Buddy, getarnt als Chauffeur, macht dem Spuk mit Hilfe seiner Fäuste und einer Menge loser Sprüche schnell ein Ende. Als nächstes folgt die kurze Episode mit dem Informanten, noch ein paar politische Unkorrektheiten zum Ablachen („Wenn das ein schwarzer Neger war bin ich der dicke Bud Spencer.“) und ab geht die Post nach Afrika.

     

    Tja, und irgendwie verflacht dann nicht nur die Landschaft sondern auch der Schmackes. Die Sprüche werden immer weniger und unlustiger, die Prügeleien wirken lustlos, wenn zum Ende sogar die Tiere reden fühlt man sich wie in einer älteren Autowerbung, und wenn der Schimpanse Beifall klatscht wie bei einer Folge von DAKTARI. Das Rezept ist dabei das gleiche wie im Vorgänger PLATTFUSS RÄUMT AUF: Buddy wird von A nach B geschickt, kommt in eine Prügelei, reist weiter, kommt in eine Prügelei … Aber so ehrlich muss ich sein, das Ganze ist flüssiger als beim Vorgänger und wirkt einfach homogener. Und dadurch auch ein wenig komischer. Es ist nicht so dass ich mich furchtbar gelangweilt hätte, ganz im Gegenteil. Aber vor spannender Erwartung des nächsten Schenkelklopfers bin ich nun auch nicht gerade hin- und hergerutscht.

     

    Ich gebe ja gerne zu, dass der kleine Bodo durchaus seine guten Szenen hat („Ich lenk ja geradeaus, Du schiebst nur in die falsche Richtung.“) und erheblich süßer ist als die Nervensäge in besagtem Vorgänger, aber trotzdem, ich weiß nicht … Tut das wirklich not? Ja, ich weiß, die Sache mit der Zielgruppe. Vielleicht müsste ich den Film mal mit Kindern sehen, dann wüsste ich ob solche Zutaten heute noch ankommen. Für die Highlights bei den Erwachsenen sorgen auf jeden Fall Dagmar Lassander, die zwar zur Handlung nichts beiträgt, aber - glaube ich - nie schärfer aussah, und der angetuntete und blondierte Werner Pochath, der verlässlich seine Standardrolle als Mistkerl wiederholt (und dabei verlässlich für Freude beim Zuschauer sorgt). Wer der Obergangster ist weiß man in dem Augenblick in dem er die Bühne betritt, und Enzo Cannavale ist halt einfach Enzo Cannavale. Wobei das Team Bodo und Enzo im Schlussfight ein paar wirklich lustige Dinge draufhat! Weitere Höhepunkte sind die kurze und schwungvolle Tanzszene mit der Daggi und Bud Spencer, in der letzterer zeigt was für ein wirklich toller Tänzer er war, und die hübsche Szene in der Rizzo einen Gangster unter Wasser drückt während er oben hemmungslos mit besagter scharfer Daggi flirtet. Herzallerliebst …!

     

    Insgesamt ist PLATTFUSS IN AFRIKA halt irgendwie ein ständiges Auf und Ab: Auf die erwähnte groovige Tanz- und die coole Flirtszene folgen altbekannte Aufnahmen von Safaris und Tieren, die in Howard Hawks’ HATARI! deutlich stärker waren (was auch an der Musik liegen kann, die bei PLATTFUSS ziemlich uninspiriert vor sich hindümpelt). Dann kommt eine spannende Verfolgungsszene unter Verwendung einer Tierfalle, irgendwann danach wieder eine lieblos gemachte Prügelei. Die Verfolgungsjagd in der Wüste ist wirklich recht komisch, der südafrikanische Inspektor hingegen einfach nur unerfreulich und betont unlustig. Dass afrikanische Frauen nur dazu taugen folkloristische Elemente in den Film zu bringen ist aus heutiger Sicht peinlich, und die Flugszenen haben dem begeisterten Flieger Bud Spencer sichtlich viel Spaß gemacht, nichtsdestotrotz sind sie im Film einfach nur langweilig. Man muss aber der Fairness halber hinzufügen, dass der Film runder wirkt als sein Vorgänger und besser durch die Geschichte durchkommt. Momente wie der, wenn Bud Spencer in einem Seitenwagen in der Wüste sitzt, während das Motorrad bereits davongebraust ist, erinnern nicht von ungefähr an Laurel & Hardy, und sind das Salz in dieser nicht immer gut gewürzten Suppe. Im Gesamtbild fügt sich das dann doch noch relativ harmonisch zusammen, auch wenn das Niveau von Bud Spencer-Soloknallern wie SIE NANNTEN IHN MÜCKE oder EINE FAUST GEHT NACH WESTEN weit verfehlt wird.

     

    Martin Hirthe auf Bud Spencer ist etwas gewöhnungsbedürftig, aber irgendwann passt das dann auch. Schade nur, dass die Kalauerdichte des Beginns mit der Laufzeit immer mehr nachlässt, fortgesetzt hätte die den Film nämlich durchaus retten können. Wobei man dann natürlich Fan sein sollte von Rainer Brandt-Synchros, der hat nämlich am deutschen Dialog mitgearbeitet, und genauso klingt es dann auch: „Kennen Sie den Vesuv?“ „ Sicher! Da schmeißen wir alte Tomaten rein, und wenn sie gar sind fliegen sie wieder raus.“

     

    Gerald hatte sicher größere Schmerzen, aber der ist auch härter als ich und kann das ab. Mir hat es so schon gelangt, und mit fast 2 Stunden ist der Film in der ungekürzten Fassung einfach zu lang, trotz (oder gerade wegen) der schönen Naturaufnahmen. Insgesamt also nette Unterhaltung, aber definitiv nichts was ich uneingeschränkt empfehlen könnte. Als Prügelkomödie im typischen Bud Spencer-Stil vielleicht? Nö, dazu sind die Choreographien zu fade. Als Tierfilm? Da verweise ich nochmals auf HATARI!. Als Polizeifilm? Nee! Alles, aber nicht das!! Schlecht ist PLATTFUSS IN AFRIKA nicht, wirklich gut aber deswegen noch lange nicht. Einigen wir uns auf ein gesundes Mittelfeld. Und die Sichtung des vierten Teils, da bin ich nun ganz anders als Gerald, werde ich sicher noch längere Zeit vor mir herschieben …

     

    Aber irgendwie muss ich zugeben, dass ich doch meinen Spaß hatte …

  • Autor: Maulwurf
  • Veröffentlichungen:

    Gesehen wurde die Blu-ray der Plattfuß-Komplett-Box von Universum. Bild und Ton sind einwandfrei, und als Extras gibt es die gleichen Extras wie bei allen Filmen der Box: Trailershow Plattfuß, Trailershow Bud Spencer, …. Plus ein Bonbon, nämlich neben der deutschen Kinofassung auch die italienische Langfassung, die 15 Minuten länger ist als alle deutschen Auswertung bisher (inklusive der Kinoauswertung). Die geschnittenen Szenen sind dabei deutsch untertitelt. Ob diese 15 Minuten mehr dem Film nun gut tun sei allerdings mal dahingestellt …

  • Autor: Maulwurf
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