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Papaya - Die Liebesgöttin der Cannibalen

Italien, 1978

  • Originaltitel: Papaya dei Caraibi
  • Alternativtitel:

    Fruta sexual del Caribe (ESP)

    Et mourir... de plaisir (FRA)

    Papaya: Love Goddess of the Cannibals (USA)

  • Deutsche Erstaufführung: 22. Juni 1979
  • Regisseur: Joe D'Amato
  • Kamera: Joe D'Amato
  • Musik: Stelvio Cipriani
  • Drehbuch: Roberto Gandus, Renzo Maietto
  • Inhalt:

    Papaya (Melissa Chimenti) ist die Geheimwaffe der Einheimischen einer karibischen Insel. Da ein Atomkraftwerk auf dem Eiland gebaut werden soll, fürchten die Bewohner natürlich um ihren Wohnort und die damit verbundene Lebensqualität, weshalb Papaya mit ihren weiblichen Reizen die zuständigen Architekten und Bauleiter weichkochen soll, damit diese dann von ihren Handlangern blindlings um die Ecke gebracht werden. Der aktuelle AKW-Fachmann ist Vincent (Maurice Poli), welcher damit beauftragt wurde den Bau endlich fertigzustellen. Im Schlepptau mit seiner Freundin Sara (Sirpa Lane) kreuzen sie schließlich Papayas Wege und werden erst mal zu einem rituellen Fest mitgeschleift, wo sie unter berauschenden Zutaten eine Opferung bestaunen dürfen. Danach verfällt Vincent natürlich Papayas Charme und auch Sara kann gewisse Gefühle für die einheimische Schönheit nicht verbergen, welche allerdings auch in diesem Fall nichts Gutes im Schilde führt...

  • Autor: Tobias Reitmann
  • Review:

    Nachdem D'Amato schon ein Jahr zuvor mit "Nackt unter Kannibalen" in tropischere Gefilde stieß, legte er mit "Papaya" schließlich den Grundbaustein für seine späteren Inselfilme, zu welchen beispielsweise auch "In der Gewalt der Zombies", "Paradiso Blu" oder die "Orgasmo Nero" - Reihe dazu gehören. Erotik, malerische Kulissen und ein bisschen Crime in die Handlung integriert - fertig ist die kurzweilige Unterhaltung unter tropischer Sonne. Zugegebener Maßen sicher kein Konstrukt welches das Rad neu erfinden soll, aber darum geht es bei diesen Filmen auch gar nicht, denn Aristides paradiesische Schmuddler leben von dieser eigenen entschlackenden Atmosphäre, welche man sicher auch mit angenehmer Langeweile beschreiben könnte, wäre da nicht D'Amatos feines Händchen für Erotik, denn das hatte der spätere Porn-Director schon seit jeher. Egal ob er maßgeblich daran beteiligt war, Laura Gemser in den europäischen Erotik-Himmel zu hieven oder wie in diesem Film, Sirpa Lane als hinreißende blonde Schönheit mit Schmachtpotential zu etablieren. Die gebürtige Finnin spielte bereits schon Jahre zuvor in Walerian Borowczyk's "Das Biest" oder Roger Vadim's "Ein wildes Leben" tragende Hauptrollen, konnte aber auch in Mario Caiano's Sadiconazista "Nazi Love Camp 27" Akzente als verfolgte Jüdin Hanna setzen, wo sie sich mit der einbrechenden Hölle, hervorgerufen durch braune Schergen, aber auch der historischen Ausbeutung seitens gewinnsüchtiger italienischer Produzenten, ausgesetzt sah. Unvergessen natürlich auch ihr Auftritt in Alfonso Brescia's Space-Erotic-Opera "Die Bestie aus dem Weltraum", welcher wohl einen ihrer letzten Karriere-Glanzpunkte markieren dürfte, auch wenn ich das jetzt mal ganz frech behaupte, ohne ihre beiden letzten Filme bisher gesehen zu haben. Natürlich schafft sie auch hier bei "Papaya" wieder durch ihre verträumten Blicke und (später abgelegten) Hemmungen, dass die Hormone bei den männlichen Zuschauern pulsieren dürften - umso bitterer ist es, dass Frau Lane Ende der 90er Jahre vom HI-Virus dahingerafft wurde.

     

    Mit Melissa Chimenti als Titeltragende Darstellerin konnte D'Amato eine verführerische Nymphe gewinnen, welche hier auf die holde Männlichkeit angesetzt wird, um genau deren Triebverhalten zu ihren Gunsten ausnutzen zu können. Nach getaner Arbeit warten schon ihre Helfer mit blitzenden Meuchelwerkzeug hinter der Ecke, um den territorialen Eindringlingen das Lebenslicht auszuhauchen. Chimes agiert dabei souverän, aber wenn Aristide schon zwei Ladies ins Rennen schickt, um nach der Gunst des Zuschauers zu buhlen, dann kann es auch nur eine Wahl geben und da muss ich mich halt auf die Seite der blonden Sirpa schlagen - denn diese wurde von D'Amato mit ihrer anfänglichen Unsicherheit weitaus erotisierender angelegt. Mit Maurice Poli konnte zudem noch ein gestandener Akteur gewonnen werden, der auch schon vorher einen gewissen Bekanntheitsgrad im Filmgeschäft inne hatte und zudem noch in späteren D'Amato-Werken zum Einsatz kam. Seine Rolle ist natürlich äußerst eindimensional angelegt, zumindest entscheidet bei ihm nicht der Kopf über das Denken. Andernfalls würde er die aufgestellten Warnsignale schon viel eher deuten können, aber so läuft er halt beschwingt vor sexuellen Gelüsten ins Unheil und verkörpert hier das perfekte Abziehbild des gebildeten Chauvis, dem alsbald die Schwingen gestutzt werden.

     

    Atmosphärisch hat der Streifen neben dem verführerischen Urlaubsflair natürlich noch das verlassene Dorf zu bieten, wo Sara und Vincent anfangs noch unentschlossen umher tingeln und die  Kamera von Aristide persönlich den Handlungsablauf berauschend einfängt, während Cipriani diese Mystik in seinem Klanggerüst unnachahmlich einbettet, obwohl ich anfangs gar nicht mehr mit ihm gerechnet habe. Umso toller das er wieder für den Soundtrack zuständig war, denn diese nebulöse Stimmung in Verbindung mit flirrender Tropenhitze und treibender Erotik konnte neben Nico Fidenco in den auslaufenden 70er Jahren halt keiner so gut erzeugen, wie er.

     

    "Papaya - Die Liebesgöttin der Cannibalen" (wohlgemerkt ohne Menschenfresser im fertigen Film) konnte mich auch nach Jahren der letzten Sichtung wieder mit einem entspannten Lächeln zurücklassen, auch wenn dieser Film sicher nicht die gesamte Klasse eines Aristide Massaccesi aufweisen wird. Dennoch bewirkt auch dieser Tropenausflug im Nachhinein wieder ein entschlackendes Gefühl, wobei Sirpa Lane mit diesem Film wohl endgültig als erotisches Phänomen der 70er Jahre glorifiziert werden dürfte.

  • Autor: Tobias Reitmann
  • Veröffentlichungen:

    Vom dt. Label X-Rated ist "Papaya" im Jahre 2003 erschienen, zwar leider nicht anamorph und ohne jegliche Untertitel (sehr nützlich bei enthaltener ital. Tonspur, aber ohne deren Sprachkenntnisse), doch dafür mit einer (für damalige Zeiten) guten Bildqualität und der aufgespielten Super 8-Rolle als Bonus mit an Bord. Wem eine dt. Vertonung nicht so wichtig ist, der gönnt sich die schöne UK-DVD von Shameless, wo neben engl. und ital. Sprachoption auch die passenden Untertitel verfügbar sind.

  • Autor: Tobias Reitmann
  • Filmplakate

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