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Orgie des Todes

Deutschland | Italien | Spanien, 1978

  • Originaltitel: Enigma rosso
  • Alternativtitel:

    Enigma rojo (COL)

    Tráfico de menores (ESP)

    Rings of Fear (GBR)

    O Mistério da Adolescente Violada (POR)

    Trauma (USA)

    Virgin Killer

    Das Phantom im Mädchenpensionat

  • Deutsche Erstaufführung: 28. Oktober 1986
  • Regisseur: Alberto Negrin
  • Kamera: Eduardo Noé
  • Musik: Riz Ortolani
  • Drehbuch: Marcello Coscia, Massimo Dallamano, Franco Ferrini, Stefano Ubezio, Peter Berling, Alberto Negrin, Miguel de Echarri y Gamundi
  • Inhalt:

    Die Polizei findet die Leiche der 18jährigen Schülerin Angela Rosso, und aufgrund ihrer Verletzungen scheint es förmlich so, als sei sie von einem wilden Tier zerfetzt worden. Inspektor Di Salvo (Fabio Testi) steht vor einem schweren Rätsel. Seine Ermittlungen führen ihn in ein Mädcheninternat des gehobenen Standards, in dem die Ermordete zur Schülerin war. Schon bald stößt Di Salvo auf erste mysteriöse Hinweise, wie beispielsweise die Zeichnung einer Katze im Tagebuch der Ermordeten. Auch ihre Mädchenclique gibt Rätsel auf, doch die Hintergründe bleiben lange ungewiss. Ein Profil des Täters ist kaum zu erstellen, und beteiligte Personen fallen durch mangelnde Kooperation und hohe Widerstände auf. Weitere Ermittlungen ergeben, dass man es mit einem Ring einflussreicher Persönlichkeiten zu tun hat, die sich mit jungem Fleisch versorgen lassen. Wann wird die Clique um die ermordete Angela ihr Schweigen brechen und wer steckt hinter den bestialischen Morden..?

  • Autor: Prisma
  • Review:

    Alberto Negrin, der sich hauptsächlich beim Realisieren im Serien- und TV-Fach einen Namen machen konnte, inszenierte mit "Orgie des Todes" seinen ersten von wenigen Filmen fürs Kino, die dem Vernehmen nach alle keine Erfolge wurden. Diese Produktion erinnert thematisch in vielerlei Hinsicht an Klassiker wie beispielsweise "Der Tod trägt schwarzes Leder" oder "Das Geheimnis der grünen Stecknadel", doch die Sparte der Beiträge rund um Mädchenschulen- oder Internate hatte ihren Zenit im Produktionsjahr 1978 bereits überschritten, zumindest in dieser Form. Nichtsdestotrotz ist ein unterhaltsamer und sehr atmosphärischer Spät-Giallo entstanden, der zwar gewissermaßen ohne eigene Seele auszukommen hat, da zu viele Inhalte ohne wirklich neue Impulse reproduziert wurden, aber in den Sphären unzähliger Wiedererkennungswerte überzeugen kann. Die Elixiere der Geschichte sind dunkle Geheimnisse und verbotene Machenschaften im Rahmen von Fantasien, auf die alternde Herren in langweiligen Ehen hier gerne kommen, wenn sie mit ein paar blutjungen, zunächst noch willigen Schulmädchen versorgt werden. Dass unterm Strich das Ende für jeden folgt, der zu viel weiß, oder zumindest sprechen könnte, liefert eine nahezu eindeutige Prognose für das Ende von zahlreichen Beteiligten, sodass schon einmal ganz pauschal genügend Spannung in der Luft liegt. Der reißerische deutsche Titel findet seine Bedeutung in der Trennung seiner Aufhänger, denn nach der Orgie folgt der Tod. Dieser wenig diskrete Hinweis auf sexuelle Ausschweifungen und verbotene Triebe bleibt nach dem Verlauf in absolut relativer Form zurück, denn man verliert sich angesichts der prekären Thematik geflissentlich in Andeutungen und dem Zuschauer werden nur wenige mechanische Illustrationen angeboten, was die allgegenwärtige Perversion daher noch viel abstoßender erscheinen lässt.

     

    Negrins Beitrag transportiert letztlich nicht den Charme, beziehungsweise Stil großer Vorbilder, was in erster Linie an den angebotenen Charakteren liegt. Hinzu kommt eine teilweise Haudrauf-Synchronisation, die gewissen Personen zwar viel Leben und Agilität einhaucht, aber eben nicht für einen, naja, eher kultivierten Charakter innerhalb ohnehin pervertierter Machenschaften sorgen kann. Da dieser Ausgleich fehlt, setzt man auf ein paar wenige Alternativen, die in der Variation zwar nicht immer brandneu wirken, aber dennoch überzeugen können. Als besonderer Pluspunkt ist hier eine ungewöhnliche Erweiterung im Rahmen der - wenn man es übertrieben formulieren möchte - Hauptrollen zu erwähnen, oder besser gesagt im Kreis der treuen Komplizen, die hier in Form einer schneidigen Kawasaki oder einer stahlblauen, einfach nur wunderschönen DS von Citroën zu sehen sind. Die Kamera räumt diesen Helfershelfern viel Raum ein und tastet sie sehr aufmerksam und bewundernd ab, im Endeffekt handelt es sich um eine schöne Hommage für so viel Eleganz und Ästhetik in Vollendung und Einklang mit Zuverlässigkeit sowie Funktion, die das Auge des geneigten Zuschauers erfreuen wird. Bleibt man bei den tatsächlichen Hauptrollen, so gibt es neben einem omnipotenten Fabio Testi eigentlich niemanden, der in gleicher Form exponiert in Erscheinung tritt. Ivan Desny als Oberstaatsanwalt ist vielleicht als zweite wichtige Rolle zu nennen, allerdings entsteht dieser Eindruck auch nur, weil man ihn den ganzen Film über immer wieder sporadisch zu Gesicht bekommt. Die nominelle weibliche Hauptrolle gibt Christine Kaufmann unter überaus diffuser Anlegung, sodass es letztlich nur erwähnenswert erscheint, weil man sie in ihrer vollen Anmut wahrnehmen darf. Im Großen und Ganzen wirkt die Deutsche allerdings weitgehend verschenkt und verschwindet demnach auch mitten im Film ganz plötzlich ohne weitere Erklärungen.

     

    Um nochmals auf die Parallelen zu ähnlichen Beiträgen zurückzukommen, ist hier dem Empfinden nach manchmal ein regelrechtes Ersatzteillager bekannter Inhalte zu finden, was weniger Kritik als Feststellung sein sollte. Voyeurismus unter der Dusche, Sex-Capricen der jungen Schulmädchen, ein Lehrer-Kollegium das den Eindruck erweckt, als sei es einer Geisterbahn entsprungen, ein Ermittler, der mit unorthodoxen Methoden aufräumt und alte Herren, die im Spätherbst ihres Lebens noch einmal auf Ideen stoßen, die sie bisher noch nicht einmal aus ihren kühnsten Träumen kannten, oder Riz Ortolanis Musik aus "Sieben Tote in den Augen der Katze". Sicherlich ist dieses Grundgerüst mitunter der Stoff, aus dem die Albträume dieser Geschichten sind, aber die ausgeliehenen Themen erfahren dem Empfinden nach nicht die nötige Präsenz oder Brisanz, geschweige denn ausgiebige Abhandlung. Über allem steht jedoch der enorme Unterhaltungswert dieses Beitrags, der sich sehr auffällige Unterschiede bezüglich seiner Wirkung erlaubt. Mal erscheint die Geschichte (zu) konservativ, um kurz danach mit großen Spektakeln, oder beinahe extravaganten Strecken aufzufallen. In Deutschland fand sich für "Orgie des Todes" seinerzeit kein Verleih, also kam es auch zu keiner Auswertung im Kino, sodass es Alberto Negrins Film hierzulande erst im Jahr 1986 zu einer Veröffentlichung brachte. Vielleicht kann das mangelnde Interesse zur Entstehungszeit an der Produktion tatsächlich so gedeutet werden, dass derartige Formate einfach nicht mehr en vogue waren und man daher den günstigen Zeitpunkt um einige Jahre verpasst hatte. Dennoch sagt es nichts über die zweifellos vorhandenen Vorzüge aus, denn bei näherem Betrachten offenbaren sich sehr viele Berührungspunkte, die zu gefallen wissen. Um nochmals auf die Funktion der Besetzung zurückzukommen; es fehlt ein wenig an Ausgewogenheit, denn viele der Parts sind zu unscheinbar oder kurz ausgefallen.

     

    Da Fabio Testi als Inspektor Di Salvo hier in jeder Beziehung über allem steht, muss seine Rolle auch dementsprechend stichhaltig ausfallen, und hier kommt tatsächlich alles zusammen. Sein Beruf hat ihn über die Jahre ganz offensichtlich vor vollendete Tatsachen gestellt. Er hat zu viel gesehen, um sich mit unnötigen Sentimentalitäten oder Höflichkeiten aufzuhalten. Seinem jeweiligen Gegenüber gibt er daher unmissverständlich zu verstehen, was er von ihm hält. So umgibt den temperamentvollen Ermittler zwar überhaupt kein Geheimnis, aber er kann sehr gut als eines der Fundamente der Geschichte angenommen werden. In kleineren Rollen sieht man einen überaus unbequem wirkenden Jack Taylor, eine gerne gesehene Helga Liné, deren Auftrittsdauer aber leider einen Wettlauf gegen etwa zwei Minuten veranstaltet, oder Fausta Avelli, die erneut Misstrauen und das Bedürfnis nach Sicherheitsabstand hervorruft. "Orgie des Todes" präsentiert eine durchweg angenehme Besetzung, die aber weit von der Extraklasse vieler Gialli entfernt ist. Der Film bietet überdies ein sehr interessantes Puzzlespiel in Form einer Assoziationskette an, die zur Klärung des Falles interessant und exponiert in den Fokus gerückt wird. Was bei anderen Mädchen-Cliquen etwa eine grüne Stecknadel war, setzt sich hier geheimnisvollerweise aus dem Codenamen »Nemesis« zusammen, was allerdings nicht im Rahmen griechischer Mythologie aufgeschlüsselt wird. Eine aufgemalte Katze aus einem Tagebuch, die sich auch auf einem Plakat wiederfindet und den Ermittler zur nächsten Instanz bringt, ein rätselhafter Vers und einige weitere dieser Hinweise, die erst einmal Ordnung finden müssen, wirken spannungsbildend und tragen zu einem klaren Aufbau bei, den der Film in voller Länge auch zu vermitteln weiß. "Orgie des Todes" thront schlussendlich nicht im Olymp der Top-Gialli, kann aber als Film der späteren Stunde mit klassischen Elementen, intelligenten Twists und hohem Unterhaltungswert, sowie einem packenden Finale punkten.

  • Autor: Prisma
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