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Orgasmo Nero III - Schwarze Haut auf weißem Sand

Italien, 1980

  • Originaltitel: Sesso nero
  • Alternativtitel:

    Sexo negro (ESP)

    Exotic Malice (USA)

    Orgasmo nero III (Int.)

    Black Sex

    Sesso Nero - Orgasmo Nero 3

  • Regisseur: Joe D'Amato
  • Kamera: Enrico Biribicchi
  • Musik: Nico Fidenco
  • Drehbuch: George Eastman
  • Inhalt:

    Mark ist ein verdammt armes Schwein: Aufgrund eines Prostata-Problems muss ihm der Schniedelwutz amputiert werden! Am besten morgen, aber spätestens in 15 Tagen muss das Ding ab, sonst ist alles zu spät. Und je länger er wartet, desto schmerzhafter wird es. Keine schönen Aussichten, und die Entscheidung ist klar: Erstmal entspannt nach Puerto Rico in Urlaub fahren … Auf Puerto Rico sucht Mark seine große Liebe Maira, die er dort vor 12 Jahren zurückgelassen hat. Er erfährt, dass Maira gleich nach seiner Abreise gestorben ist, ihre Seele aber von einem alten Voodoo-Priester in einer Flasche verwahrt wird damit sie nicht endgültig stirbt. Totaler Kokolores, natürlich, aber wieso wird Mark beim Spazierengehen von Maira verfolgt? Ist das wirklich eine Tote die da vor seinen Augen Sex hat? Und während die Schmerzen in Marks Unterleib immer schrecklicher werden, steigt auch das Fieber in seinem Kopf …

  • Autor: Maulwurf
  • Review:

    “Ein Mann versucht mit einer Frau zu schlafen die eigentlich schon tot ist. Also mehr oder weniger ein Fall von Nekrophilie.“ Das hat Alfred Hitchcock über VERTIGO gesagt - Zum einen passt das auch bei SESSO NERO wie die Faust aufs Auge, und zum anderen ist die Gelegenheit, Joe d’Amato und Alfred Hitchcock in einem Text zu verwenden, gar zu verführerisch. Der Fairness halber gebe ich auch zu, dass sich die Ähnlichkeiten damit weitgehend erschöpfen …

     

    Nun ja, was das Drehbuch da für Mark vorsieht ist schon harter Stoff. Ausgerechnet seine Männlichkeit muss weg, das ist ja fast so schlimm wie sich den Schnäuzer abzurasieren. Der wächst wenigstens wieder nach. Aber dass gleich der ganze Schniedel ab muss, aber hallo, Nun ist Mark der Hengst allerdings auch kein Kind von Traurigkeit, und dass ein Orgasmus grausamste Schmerzen bedeutet hindert ihn nicht daran erst das Zimmermädchen zu vernaschen und dann die Frau seines besten Freundes(?) Pierre zu demütigen. Zusammen mit der langsam sich entrollenden Geschichte, dass er seine ach so heiß und innig geliebte Maira vor 12 Jahren Knall auf Fall einfach zurückgelassen hat, stellt Mark sich immer mehr als ziemlich unsympathisches Macho-Arschloch heraus. Jetzt ist er nämlich nur nach Puerto Rico zurückgekehrt, um Maira seine niemals versiegende Liebe zu gestehen und … ja was eigentlich zu machen?

     

    Maira allerdings ist tot, das wird ihm von allen Seiten glaubhaft versichert. Aber er sieht sie doch. Sie spricht mit ihm. Und sie nimmt ihm seine Liebesschwüre nicht so recht ab, ist sie ihrerseits doch stocksauer ob ihres Todes und will Rache. Und ab dem Punkt wird der Film nach einer etwas durchwachsenen ersten Hälfte wirklich gut. Ab hier nämlich verschwimmen Traum und Gegenwart: Maira (ja ja, genau, die tote Maira) gibt Mark eine Droge die seinen Körper lähmt aber seine Sinne sensibilisiert. Und dann hat sie Sex mit einem Anderen vor seinen Augen – wer denkt, dass nächtliche Anrufe der Ex eine böse Strafe sind, der hat noch nie eine tote Voodoo-Anhängerin versetzt!

     

    Den Rest des Films windet sich Mark vor Schmerz und versucht mit Hilfe von Whisky und Medizin diesen Schmerz zu betäuben, was seiner Wahrnehmung nicht wirklich gut tut. Die bisher etwas trullernde Musik von Nico Fidenco wird finster und unheilvoll, und allein die delirierenden Szenen in der herabgekommenen Pension, in denen Wahnsinn und Realität sich untrennbar vermischen, sind wirklich beeindruckend. Im düster-halluzinogenen Sinne wohlgemerkt. Wohlfühlen ist da nicht mehr, weder für die Charaktere noch für den Zuschauer.

     

    Zwischendrin nimmt Pierre, der die Sache mit seiner Frau nicht so knorke fand, mal eben Rache und demütigt Marks Frau (vor den Augen seiner eigenen Frau wohlgemerkt), was alle Beteiligten gefühlsmäßig ein wenig voneinander entfernt. Und so gipfelt die Suche nach dem verschwundenen Mark in einem Ende, dass ich so noch in keinem Film gesehen habe. Und das richtig schlimm wehtut.

     

    Mark Shannon, geboren als Manlio Cersosimo in Rom, und in erster Linie mit Oberlippenteppich, Goldkettchen und Brustbehaarung in Hardcore-Produktionen unterwegs, zeigt hier, dass HC und schauspielerischer Anspruch sich nicht zwangsläufig ausschließen müssen. Seine Performance ist wahrscheinlich nicht Oscar-reif, aber gut! Gut bedeutet, dass er mehr drauf hat als nur seinen Dödel rauszuholen, nämlich (zumindest in beschränktem Maße) tatsächlich Gefühle zu transportieren, was von den anderen Darstellern jetzt nicht so unbedingt behauptet werden kann (Drehbuchautor George Eastman in seiner Gastrolle mal ausgenommen).

     

    Interessant ist, dass der bei uns als ORGASMO NERO 2 (OT: PORNO HOLOCAUST) vermarktete Film nach ON 3 gedreht wurde (zumindest laut OFDB), aber möglicherweise Back-to-Back. Zum einen sind sich Stab und Darsteller verdammt ähnlich, und zum anderen gibt es da ein paar übereinstimmende Szenen. Bemerkenswert ist beispielsweise die Szene in ON 2, in der Annj Goren im Haus einer dicken Frau Spaß hat mit 2 Männern. In ON 3 hat die dicke Frau den Spaß mit den gleichen Männern, während Annj Goren zuschaut. Die Settings sind die gleichen, und in ON 3 wird die Szene als Rückblende bzw. Erinnerung eingebaut. Auch die Strände der beiden Filme sind exakt die gleichen. Meine Vermutung ist, dass zumindest die Drehbücher zeitgleich geschrieben wurden, und das Filmteam dann einen laaaaaaaaangen Urlaub auf Santo Domingo machte.

     

    Aber diese Zusammenhänge sind innerhalb von ON 3 spannend eingebaut worden, denn dadurch entstehen Ähnlichkeiten in der Grundstimmung. ON 3 ist dabei eher ein Horrorfilm mit Sex-Anleihen, während ON 2 eher der Sex-Film mit Horroranleihen ist. OK, Horror ist hier relativ zu sehen, und ON 3 ist nun definitiv kein Film für die lange Gruselnacht an Halloween, zwischen TCM und Tanz der Teufel. Aber auf dieser Mystik-Sex-Schiene funktioniert der Film tatsächlich recht gut. Ein düsterer Tanz zwischen Abgrund und Hardcore, mit Handlung, ordentlichem Hauptdarsteller, ansprechenden Frauen und guter Musik. Wenn mich einer fragen würde, ich denke so etwas würde fast nur einer hinbekommen, nämlich: Joe D'Amato.

  • Autor: Maulwurf
  • Links

    OFDb

    IMDb

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