Orca - Der Killerwal

Italien | Niederlande pl. | Vereinigte Staaten, 1977

  • Originaltitel: Orca
  • Alternativtitel:

    Orca, la ballena asesina (ESP)

    L'orca assassina (ITA)

    Orca - A Fúria dos Mares (POR)

    Orca: The Killer Whale

    The Killer Whale

  • Deutsche Erstaufführung: 15. Dezember 1977
  • Regisseur: Michael Anderson
  • Kamera: J. Barry Herron, Ted Moore
  • Musik: Ennio Morricone
  • Drehbuch: Luciano Vincenzoni, Sergio Donati, Robert Towne
  • Inhalt:

    Der eigenwillige Kapitän Nolan (Richard Harris) ist seit vielen Jahren von dem Gedanken getrieben, mit seinem Walfänger einen ausgewachsenen Orca-Wal zu fangen. Als es wieder soweit ist, sticht er mit seiner Crew in See und tatsächlich spüren sie eine Herde Killerwale auf. Das waghalsige Vorhaben geht allerdings schief, denn er verletzt eine trächtige Walkuh tödlich, was der Orca-Bulle mit ansehen musste. Ab sofort sinnt das Tier auf gnadenlose Blutrache und bei dem Vorhaben, Kapitän Nolan zu erlegen, fallen ihm mehrere Besatzungsmitglieder zum Opfer. Kapitän Nolan nimmt den tödlichen Kampf mit dem Tier auf und lockt den Orca-Wal ins nordische Eismeer, wo er ihn endgültig ausschalten will. Wer wird am bitteren Ende überleben..?

  • Autor: Prisma
  • Review:

    Eine nahezu himmlische Musik bildet die Ouvertüre in Michael Andersons Tierhorror-Beitrag, dessen Titel vollkommen konträr zu den anfänglichen Eindrücken steht und der mittlerweile einen gewissen Klassiker-Status genießt. Die Freude ist groß, dass der Film für die deutsche Kino-Auswertung seinerzeit von der Rainer Brandt Filmproduktions GmbH übernommen wurde, man somit bekannte Stimmen zu noch bekannteren Gesichtern wahrnehmen kann. So übernimmt beispielsweise Synchron-Legende Ursula Heyer das Wort für Hauptdarstellerin Charlotte Rampling, die den Zuschauer kurz und bündig mit Informationen rund um Mörderwale versorgt. Im frühen Stadium der Produktion werden letztlich Mythen bemüht und Ängste geschürt, sodass das Thema Blutrache wenig später ungezügelt seinen Lauf nehmen und genüsslich ausgeschlachtet werden darf. Ganz zu schweigen von den herrlichen Aufnahmen, fällt sofort die durchweg prominente Beteiligung bei diesem Film auf, der zum Zeitpunkt seines Erscheinens nicht gerade mit Lobeshymnen überhäuft wurde. Das Thema der Rache hat sich seit jeher als guter Treibstoff für Geschichten aller Art herausgestellt und die hier angebotene Abwandlung im Rahmen von Unterwasser-Horror lässt im Vorfeld zumindest einmal hellhörig werden. Der Verlauf setzt auf ausladende Strecken von beunruhigenden Momenten und strapaziösen Bildern, die dicht eingefangen wurden und dem Zweck schließlich zuträglich sind. Der Verlauf orientiert sich schnell an der Legende, dass übermäßige Intelligenz in Verbindung mit blinden Rachegelüsten der perfekte Zündstoff für Katastrophen aller Couleur darstellen können, sodass man sich in großer Erwartung zunächst einmal bequem zurücklehnen und gespannt sein darf.



    Die Wahl für das blutrünstige Ungeheuer fiel hier ausgefallenerweise auf einen ausgewachsenen Killerwal, dem naturgemäß eine andere Solidarität vom Zuschauer aus entgegen gebracht wird, da das imposante Tierchen im Allgemeinen eher positiv als beispielsweise angriffslustige Spinnen, renitente Ameisen oder blutdürstige Haie bewertet wird. So muss natürlich schnell und mit der Holzhammer-Methode auf die Tube gedrückt werden, damit anschließend niemand Tränen in die Augen bekommt, falls die unfreiwillige Bestie dann doch zur Strecke gebracht wird. Eigenartigerweise neigt man nach der aufgetischten Vorgeschichte der sich anbahnenden Katastrophe sporadisch oder vielmehr temporär dazu, das Vorgehen des überaus aggressiv gewordenen "Orca" zu verstehen, schließlich bedient sich Regisseur Michael Anderson eines sehr gängigen Prinzips, welches in vielen anderen Genres bereits unzählige Male punkten konnte und eine Verschiebung der bestehenden Realität, Solidarität, vor allem aber des Gerechtigkeitsempfindens zur Folge hatte. Aber genug der Grübeleien, schließlich möchte man ein ordentliches Spektakel, ausgestattet mit Action, Kunstblut und Tragik geboten bekommen. In diesem Zusammenhang kommt das aufgefahrene Star-Aufgebot zum Zuge und kann insgesamt gute Eindrücke hinterlassen. Richard Harris bekommt entgegen der Norm nicht den Anstrich des strahlenden Helden, sodass er sich von seiner markanten und durchaus zweifelhaften Seite zeigen darf. Vorbelastet durch dunkle Geheimnisse, poltert er teilweise ziemlich ungehobelt und wenig feinfühlig durch das Szenario und nimmt die nicht gerade einfache Bürde für sich in Anspruch, eine waschechte Katastrophe heraufbeschworen zu haben.



    Charlotte Rampling als moralische Instanz bekommt leider nur begrenzte Möglichkeiten, sich ausreichend zu profilieren, was aber auch an Richard Harris liegen mag, der quasi eine Übermacht auf tönernen Füßen darstellt. Mit Will Sampton oder Keenan Wynn runden gut aufgelegte Interpreten das Thema ab, doch eine spezielle Erwähnung hat sicherlich die so ungeheuer attraktive Bo Derek verdient, die hier in ihrem ersten Film zu sehen ist und in den 80er Jahren zum Sex-Symbol avancieren sollte. Neben all der Bedrohung, tödlichen Gefahr und Dezimierung der Beteiligten, kann sie zumindest optisch für Ablenkung sorgen und ihr Rouge leuchtet intensiver, als jede Signalfarbe. Das cineastische Eis vermag aber auch sie nicht gänzlich zum schmelzen zu bringen, denn dafür gibt es doch ein paar zu viele Stolpersteine, die dem Verlauf ungünstig zusetzen. Hauptkritikpunkt bei diesem insgesamt wirklich sehenswerten und hauptsächlich spannenden Film ist die hemmungslose Vermenschlichung des Killerwals, was manchmal geradezu peinlich theatralisch wirkende Sequenzen mit sich bringt. Rache kennt ja bekanntlich keine Sentimentalitäten, so will man zumindest meinen, doch um den Protagonisten zurück aufs Meer für den bevorstehenden Clash zwischen Bestie und Mensch zu bringen, werden ziemlich fadenscheinige Erläuterungen bemüht. Wie dem auch sei, technisch ist der Film einwandfrei, schöne Kamerafahrten und subjektive Einstellungen sorgen für Nervenkitzel und die Kulissen versprühen einen soliden Charme. Dramaturgisch gesehen, kann sich der Film jedoch nur ein µ über den gehobenen Durchschnitt heben. Ansonsten ist "Orca" insgesamt kurzweilig und unterhaltsam ausgefallen, auch wenn er mit mancher Ungereimtheit tapeziert wurde.

  • Autor: Prisma
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