Suchen

Operation "Kleiner Bruder"

Italien, 1967

  • Originaltitel: OK Connery
  • Alternativtitel:

    Todos los hermanos eran agentes (ESP)

    Opération frère Cadet (FRA)

    Operation Kid Brother (USA)

    Operation Double 007

    Secret Agent 00

  • Deutsche Erstaufführung: 26. April 1968
  • Regisseur: Alberto De Martino
  • Kamera: Giovanni Bergamini
  • Musik: Ennio Morricone, Bruno Nicolai
  • Drehbuch: Paolo Levi, Frank Walker, Stanley Wright, Stefano Canzio
  • Inhalt:

    Die Verbrecherorganisation Thanatos plant unter der Führung von Alpha (Anthony Dawson), die Goldreserven der Welt an sich zu bringen. Beauftragt wird Thanatos‘ No2 Beta (Adolfo Celi), der die Staaten der Nato mit seiner Superwaffe erpresst, die durch starke magnetische Strahlung alle Motoren außer Kraft setzen kann.

     

    Doch einer der Entwickler der Waffe hat einen Deal mit Commander Cunningham (Bernard Lee) vom britischen Geheimdienst gemacht, und fliegt mit seinem Privatflugzeug zu einem Treffen mit Cunninghams rechter Hand Max (Lois Maxwell). Die muss hilflos mitansehen, wie das Flugzeug von einem ferngesteuerten Auto zerstört wird. Thanatos‘ Entwickler war jedoch ein Meister der Hypnose und hat den Schlüssel zum Geheimnis der jungen Japanerin Yachuko (Yachuco Yama) ohne deren Wissen ins Unterbewusstsein gepflanzt.

     

    Jüngst wurde Yachuko von dem Gesichtschirurgen Dr. Connery (Neil Connery) ein neues Gesicht verpasst, um ihre Identität zu schützen. Bei einer Vorführung seiner Arbeit wird Dr. Connery jedoch von Thanatos Männern angegriffen und Yachuko entführt. Unerwartet erhält er Hilfe von der schönen Maya (Daniela Bianchi), die allerdings ebenfalls eine Agentin von Beta ist. Da Dr. Connerys großer Bruder – der ein Top-Agent des britischen Geheimdienstes ist – gerade anderweitig beschäftigt ist, nimmt Cunningham ihn in die Pflicht, Yachuko wiederzufinden und dann zu hypnotisieren, um an die Informationen in ihrem Gedächtnis zu gelangen.

     

    Die junge Japanerin befindet sich derweil in der Gefangenschaft von einer von Betas gefährlichsten Agentinnen, der lesbischen Sadistin Lotte Krayendorf. Connery ist wenig begeistert, in die Fußstapfen seines großen Bruders zu treten, gibt aber sein Bestes, um die Welt zu retten.

  • Autor: Gerald Kuklinski
  • Review:

    Oh Gott, es gäbe so vieles über diesen Film zu schreiben, der mich Eurospy-Muffel mal so richtig begeistert hat. Fangen wir beim Hauptdarsteller an.

     

    Eines schönen Tages in den Sechzigern wurde Sean Connerys acht Jahre jüngerem Bruder Neil – von Beruf Stuckateur – die Tasche mit seinem Arbeitswerkzeug gestohlen. Er wendete sich an die Presse und gab auch ein Radiointerview. Durch dieses Interview erfuhr der italienische Produzent Dario Sabatello von der Existenz dieses zweiten, freilich weniger bekannten Sprosses der Connery-Familie. Und er hatte eine wahnwitzige Idee: während andere Produzenten und Regisseure sich mit Bond-Kopien zufrieden geben mussten, könnte er doch mit dem Bruder des Originals aufwarten, der ihm doch bestimmt ähnlich sähe. Die Ähnlichkeit hält sich allerdings in Grenzen.

     

    Alberto de Martino erzählt in einem Interview in den Neunzigern, dass hier ein wahres Wunder vollbracht wurde, „denn wir mussten den armen Neil Connery benutzen.“ Sean Connerys kleiner Bruder sei nicht nur das Gegenteil von einem Schauspieler gewesen, sondern habe auch sonst wenig hergemacht. De Martinos Vater – ein Maskenbildner – vollbrachte jedoch wahre Wunder. Auf einen kahlen Kopf wurde ein Toupet gesetzt, den schlechten Zähnen eine Prothese verpasst. Der Bart wurde sorgfältig zurechtgestutzt und die sehr kleinen Augen, die vor der Kamera nicht viel hergaben, mithilfe von Klebstoff an den Schläfen vergrößert. Mir persönlich ist egal, was man alles angestellt hat, um aus Neil Connery einen Schauspieler zu machen, denn es funktioniert hervorragend. Interessant ist hierbei die Idee, aus seinem Charakter eben keinen Superagenten zu machen sondern einen eher gesetzten Arzt mit hypnotischen Fähigkeiten, der als Spion wider Willen obendrein ein hervorragender Bogenschütze und Lippenleser ist. Es funktioniert, der Mann HAT Charisma, auf seine Art. Meine Freundin war jedenfalls von ihm begeistert. Die Story des Films kann ebenfalls mit so einigen originellen Einfällen punkten.

     

    Dass man Adolfo Celi  („Feuerball“, 1965) für das Projekt bekommen konnte, ist weniger überraschend, auch Daniela Bianchi („Liebesgrüße aus Moskau“, 1963) hatte ohnehin gerade einen De Martino-Run im italienischen Genre-Film, neben „Operation Kleiner Bruder“ in „Im Netz der Goldenen Spinne“ (1966) und „Dirty Heroes“ (1967). Neben Adolfo Celi konnte man dann aber noch einen zweiten ehemaligen Bond-Bösewicht gewinnen, nämlich „Dr. No“ Anthony Dawson, und auch der spielte 1967 dann in gleich drei Italo-Filmen mit. Bernard Lee ist bekannt, und „Miss Moneypenny“ Lois Maxwell hat man womöglich mit der Aussicht geködert, auch mal eine Actionszene zu spielen. Alberto de Martino hebt neben einer sehr familiären Stimmung beim Dreh weiterhin die weibliche Crew von Betas Segeljacht hervor, die aus einer Reihe sehr schöner Frauen bestand. Unter ihnen befindet sich die wundervolle Kitty Swan („Das Dschungelmädchen“, 1967), die sich 1972 leider aus dem Filmgeschäft zurückziehen musste, nachdem sie bei einer Szene für einen spanischen Tarzan-Film von Manuel Cano schwere Verbrennungen erlitt.

     

    Obwohl die italienische wie auch die deutsche Kritik nur wenig für Alberto de Martinos Eurospy-Komödie übrig hatte, machen deren Kritikpunkte gerade die Stärken des Films aus. Natürlich gibt es unzählige James Bond-Anspielungen, denn das ist der Daseinszweck dieses leichtherzigen Eurospy-Beitrags, der als Persiflage auf das Original bestens funktioniert. Etwa wenn Adolfo Celi nach den Titelcredits eine Bachtänzerin auf den Körper einer der Damen seiner Schiffsbesatzung projiziert, offensichtlich eine Anspielung auf die Bond-Creditsequenzen von Maurice Binder. Und selbstverständlich haben Ennio Morricone Themen aus den James Bond-Filmen in ihren Soundtrack einfließen lassen, und der gibt – nicht nur bei dem hervorragenden Titelstück – eine gute Vorstellung davon, wie es geklungen hätte, wenn Morricone Bond-Komponist gewesen wäre. Herrlich.

     

    Offenbar kannte auch Blake Edwards den Film. Oder ist es Zufall, dass das „bayrische“ Schloss von dem aus der wahnsinnig gewordene Inspektor Dreyfuss in „Inspector Clouseau - Der beste Mann bei Interpol“ (1975) die Nato mit einer Superwaffe erpresst, dasselbe ist, von dem aus Beta Adolfo Celi seine Superwaffe einsetzen will? Hier gibt es auch den schönen Twist, dass Connery hier Unterstützung von seinem Bogenschützen-Verein bei der Erstürmung des Gemäuers erhält. Seine deutsche Kinopremiere erlebte „Operation Kleiner Bruder“ im April 1963 und war dann erst 35 Jahre später im Pay-TV zu sehen. Und trotz aller negativer Kritik war der Film ein kommerzieller Erfolg, der in den USA gar von United Artists vertrieben wurde.

     

    Regisseur Alberto de Martino verstarb im Juni 2015 im Alter von 85 Jahren. Und Neil Connery durfte - neben ein paar Auftritten in TV-Serien - im Jahr 1984 in die Rolle des „Mr. Bond“ schlüpfen – in Tsui Harks „Mad Mission 3 – Unser Mann von der Bond Street.“

  • Autor: Gerald Kuklinski
  • Filmplakate

    Links

    OFDb
    IMDb

    Bitte Kommentar schreiben

    Sie kommentieren als Gast.