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Obscene Desire

Italien | Spanien, 1978

  • Originaltitel: L'osceno desiderio - Le pene nel ventre
  • Alternativtitel:

    Poseída (ESP)

    L'osceno desiderio - La profezia

  • Regisseur: Giulio Petroni
  • Kamera: Leopoldo Villaseñor
  • Musik: Carlo Savina
  • Drehbuch: Joaquín Domínguez, Giulio Petroni, Piero Regnoli
  • Inhalt:

    Die Amerikanerin Amanda (Marisa Mell) heiratet den wohlhabenden Andrea (Chris Avram), mit dem sie in einem Herrenhaus mit gothischem Einschlag lebt. Schon schnell wird der zunächst verblüfften und später verängstigten Amanda klar, dass dort irgend etwas nicht zu stimmen scheint, denn es geschehen merkwürdige, vielleicht sogar übernatürliche Dinge. Auch ihr Ehemann wird mit der Zeit immer sonderbarer. Ist er dabei, den Verstand zu verlieren? Merkwürdige Gestalten treiben dort ihr Unwesen, doch wer der beteiligten Personen ist für die stattfindenden schwarzen Messen, die abartigen Rituale und die Serienmorde an mehreren Prostituierten verantwortlich? Oder wohnt man in diesem Haus tatsächlich mit dem Bösen Tür an Tür..?

  • Autor: Prisma
  • Review:

    Der einschlägig bekannte Horrorfilm präsentierte sich seit jeher mit den unterschiedlichsten Gesichtern und zeigte dabei Untiefen und vielfältige Ansätze, um unterm Strich jedoch meistens als in sich abgeschlossene Einheit zu funktionieren. Giulio Petroni inszenierte seinen Film "L'osceno desiderio" unter dem Pseudonym Jeremy Scott und kann insgesamt mit vielen Gängigen Aushängeschildern und Klischees des Genres aufwarten, allerdings begleiten diesen Beitrag mehrere ungünstige Voraussetzungen. Neben vor allem inhaltlichen Schwächen, entwickelt sich durch das späte Produktionsjahr ein großes Problem, weil das Rad nicht mehr neu zu erfinden war und so gut wie alles bereits gezeigt wurde, beziehungsweise Petroni sich kaum die Mühe machte, seinen zunächst ambitioniert wirkenden Beitrag mit besonderen Impulsen anzureichern. In der Nebenhandlung mit einem spürbaren Giallo-Einschlag versehen, kommt es in dieser 1978 entstandenen Produktion zu einem eher diffusen Mischmasch mehrerer Richtungen, die schlussendlich alle ins Leere laufen.

     

    Wie fast immer ist dies unter gleichen Voraussetzungen sehr schade, besonders wenn sich wie hier tatsächlich sehr atmosphärische Sequenzen zeigen, die dem Hauptthema gerecht werden wollen, es aber aus verschiedenen Gründen nicht können. Der Zuschauer hat es in diesem Fall bei Weitem nicht mit einer zu Unrecht in der Versenkung verschwundenen Perle zu tun, denn insgesamt überwiegt die schraubzwingenartige Unschlüssigkeit des Ganzen. Mit etlichen Anleihen aus diversen Klassikern des international bekannten Horrorfilms versehen, vermisst man quasi eine eigene Seele, sodass für heutige Begriffe eher ein nostalgischer Charme zurückbleibt und es letztlich erneut ziemlich erstaunlich ist, diesen Film eben genau in dieser unorthodoxen Machart inszeniert zu sehen. Es fällt dennoch nicht besonders schwer, "L'osceno desiderio" trotz des mutwillig verschenkten Potentials positive Seiten abzugewinnen.

     

    Wenn vieles hinkt, ist es ganz oft die Besetzung, die einiges herausreißen kann. So auch in Petronis Vehikel, das einige Darbietungen bereithält, aus welchen Gründen auch immer. Marisa Mell ist noch einmal in äußerst guter Konstitution zu sehen, allerdings mit befremdlicher Perücke als willige Expertin für Sex-Rangeleien jeglicher Art. Auch ist diese Rolle in ihrer Filmografie gar nicht so drittklassig, wie man auf den ersten oder zweiten Blick vermuten dürfte, denn es handelt sich um eine ihrer letzten großen Hauptrollen. Sie schmeißt den Film zwar im Alleingang, aber bei ihrer Leistung zeigen sich schon Licht- und Schattenseiten, denn oftmals schleicht sich dem Empfinden nach gelangweilte Müdigkeit und Lustlosigkeit ein, was sich potentiell 1:1 auf den Zuschauer übertragen kann. Außerdem sieht es so aus, als könne man ihre Tagesform genau sehen.

     

    Die Sex-Szenen mit Chris Avram sind selbst für Marisa Mells Verhältnisse eher gewagt, beispiellos wird es, wenn sich das unsichtbare, dämonische Wesen mit ihr paart. Diese Sequenz wird eingeleitet mit Hecheln und Stöhnen aus dem Off, Amanda bietet sich bereitwillig an und plötzlich befinden sich Kamera und Zuschauer unmittelbar am Ort des Geschehens, nämlich zwischen ihren Schenkeln, bis die lang gezogene Sequenz der Paarung in eine Masturbationsszene übergeht. Sagenhaft! Chris Avram, Lou Castel oder Laura Trotter sind der Übermacht Marisa Mell strikt untergeordnet, hinterlassen aber letztlich gemischte Eindrücke, was sicherlich auch auf die fahrige Handlung zurückzuführen ist. Präsenz und krude Darbietungen sind aber allemal ausfindig zu machen, und prägen das Geschehen im Rahmen von Zufallstreffern.

     

    "L'osceno desiderio" wirkt bestimmt in vielerlei Hinsicht eher zweitklassig, wenngleich auch immer einmal wieder eine im Einheitsklatsch schwer zu definierende Stärke aufblitzt. Besonders im ersten Drittel der Geschichte sind nämlich tatsächlich sehr gelungene Fragmente zu orten, die sich vor allem in den Bildkompositionen, in Verbindung mit der Musik von Meister Carlo Savina hervorheben, denn seine Kompositionen scheinen erneut 1000 Gesichter zu haben. Das dunkle Haus, das voller Geräusche sowie Geheimnisse steckt, der weitläufige Park im nächtlichen Sturm, den Amanda in ihrem flatternden, weißen Nachthemd durchquert, die eigenartigen Personen, die Séancen abhalten, und die konträr wirkenden Szenen, in denen Prostituierte angeheuert werden, bis die tatsächlich atmosphärische Dichte dem immer vehementer werdenden Sex-Einschlag weichen muss.

     

    Der Plot ist definitiv nichts Neues, wirkt zu arg gestreckt und hält auch keine besonderen Paukenschläge bereit. Dieser immer zäher werdende Verlauf verschluckt sogar beinahe so manchen rar gesäten, umständlich angebahnten Twist. Obligatorische Szenen der versuchten Austreibung durch einen Priester, oder Zustände der Besessenheit haben leider Seltenheitscharakter, wobei in diesen Fällen eine gelungene Parallel-Montage zu Stande kam. Das Finale bringt Ernüchterung und entlarvt sich leider als Gurke, weil das offene Ende (übrigens prädestiniert für eine Fortsetzung) nicht zufriedenstellend wirkt. "L'osceno desiderio" kann positiv überraschen, vorausgesetzt man räumt ihm mehrere Chancen ein. Als Premiere fällt diese unzähligste Variante des international-infernalen Beischlafs so gut wie sicher durch, da Klassiker und selbst durchschnittliche Vertreter des Genres die Messlatte für diese Produktion ziemlich hoch angelegt haben.

  • Autor: Prisma
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