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Nur tote Zeugen schweigen

Deutschland | Italien | Spanien, 1962

  • Originaltitel: Ipnosi
  • Alternativtitel:

    Hipnosis (ESP)

    Dummy of Death (GBR)

    Hipnose (POR)

    Hypnosis (USA)

  • Deutsche Erstaufführung: 31. Januar 1963
  • Regisseur: Eugenio Martín
  • Kamera: Francisco Sempere
  • Musik: Francesco De Masi, Angelo Francesco Lavagnino, Roman Vlad
  • Drehbuch: Giuseppe Mangione, Eugenio Martín, Gabriel Moreno Burgos, Francis Niewal, Gerhard Schmidt
  • Inhalt:

    Der Hypnotiseur und Bauchredner Georg von Cramer (Massimo Serato) wird nach seiner abendlichen Vorstellung am Varieté ermordet in seiner Garderobe aufgefunden. Unter Verdacht gerät der als Bote tätige Chris Kronberger (Götz George), der wie jeden Abend eine Sendung Blumen abzugeben hatte. Da man ihn zuletzt aus von Cramers Garderobe rennen sah, wird er zum Hauptverdächtigen und befindet sich seitdem auf der Flucht vor Inspektor Kaufmann (Heinz Drache), der auch die Mitglieder des Varietés unter die Lupe nimmt. Aber es kommen ihm Zweifel an der Schuld des Verdächtigen, der mittlerweile ebenfalls gezwungen ist, in diesem Fall zu ermitteln. Bei den Befragungen durch den leitenden Kriminalkommissar (Werner Peters) kommt es am Ort des Verbrechens jedoch zu einem unglaublichen Hinweis durch von Cramers Kollegin Katharina (Margot Trooger). Sie behauptet nämlich, dass der wichtigste Zeuge in diesem Fall die Bauchrednerpuppe "Grog" sei, die nicht nur während der Tat anwesend war, sondern seit dem Mord spurlos verschwunden ist...

  • Autor: Prisma
  • Review:

    Mit Eugenio Martíns "Nur tote Zeugen schweigen" schließt sich eine lang bestehende Lücke, die wohl selbst bei vielen eingeschworenen Krimi-Kennern noch darauf gewartet hat, geschlossen zu werden. Insbesondere die coproduzierten Beiträge dieser Dekade bieten sehr interessante Variationen der kriminalistischen Unterhaltung, und obwohl sie sich an damals gängigen Formaten orientiert haben, bekommt man als Zuschauer oft wesentlich mehr geboten als erwartet. Teilweise liegt es bestimmt an den unterschiedlichen Begehren der verschiedenen Märkte, allerdings wirken manche Beiträge nicht zuletzt deswegen unkonventionell, weil sie sich eben von den handelsüblichen Produktionen unterscheiden sollten. Diese Strategie ging glücklicherweise bei einigen Konkurrenzprodukten auf, bei anderen hingegen blieb unterm Strich lediglich der Eindruck bestehen, dass sie bemüht aber nicht außergewöhnlich zurück blieben. "Nur tote Zeugen schweigen" reizt zunächst wegen der nicht alltäglich klingenden Geschichte und des Umfeldes Theater, außerdem versammeln sich im Bereich der Darsteller namhafte Gesichter der deutschen Krimi-Prominenz und einige Mitglieder des europäischen Kinotopp. Ein schneller Einstieg ebnet den Weg für eine speziell anmutende Geschichte, ein ebenso schneller Mord und die Tatsache, dass der Zuschauer als Zeuge fungieren darf, tut dem allgegenwärtig verwirrenden Element keinen Abbruch. Nach kurzer Spieldauer zeigt sich im Speziellen, dass Martín eine unterschiedliche Strategie beim Aufbau der beteiligten Charaktere fährt, insbesondere einige der deutschen Akteure wirken in ihrem Einsatz vollkommen konträr zu den üblichen Eindrücken und bestehenden Sehgewohnheiten.

     

    Gute Voraussetzungen für eine Konkurrenz-Produktion reinster Seele, die man vielleicht genau aus diesem Grund mit kritischeren Blicken konfrontiert als sonst. Hat man viel gesehen, gibt es naturgemäß auch nicht mehr sehr viel Außergewöhnliches oder Neues zu entdecken, was aber keineswegs auf die Schauspieler-Entourage zutreffen wird, wenngleich Jean Sorel und Eleonora Rossi Drago weitgehend typische Einsätze, im Sinne markanter Personen vorzuweisen haben. Es sind eher die deutschen Stars, die dem europäischen Flair angepasst wirken, was als recht bemerkenswert in Erinnerung bleibt. Natürlich kommt dem Verlauf eine Verschlagenheit nach Art des Hauses Sorel zugute, ein regelrecht dumpfes Profil der männlichen Hauptrolle bereichert die mysteriös verlaufende Geschichte sehr gut. Die Spannung begründet sich in den Personen, deren Handeln schwer zu deuten ist, sowohl er als auch Partnerin Eleonora Rossi Drago geben keinen Zentimeter Aufklärung preis, zumindest nicht freiwillig. Sicherlich hapert es hier und da an kriminalistischem Pragmatismus, allerdings erweist sich eben genau dieser Eindruck als erfrischendes Element. Schützenhilfe hierbei leistet eine überaus geheimnisvoll wirkende Eleonora Rossi Drago, die eine ordentliche Portion Nervosität auf den Zuschauer übertragen kann. Die Kamera setzt ihre Blicke mit denen der beunruhigend wirkenden Bauchrednerpuppe "Grog" gleich und thematisiert das Schlagwort Hypnose sehr gut, überhaupt werden die meisten Darsteller in regelrechten Bildstrecken eingefangen. Erfreuliche Leistungen sieht man des Weiteren von Mara Cruz, die als gutes Pendant zu den anderen Damen des Geschehens aufbauen kann, oder Massimo Serato, der nicht zuletzt wegen seiner kurzen, aber überaus eindringlichen Szenen auffällt.

     

    Die deutsche Seite fällt wie bereits erwähnt mit guten alten Bekannten aus den zu dieser Zeit beliebten Edgar-Wallace-Filmen, oder aus dem Epigonen-Bereich auf, und augenscheinlich kristallisiert sich eine wirklich interessante Mischung heraus. Der deutsche Trailer wirbt selbstbewusst mit den Stars aus dem kurz zuvor entstandenen Straßenfeger "Das Halstuch" von Francis Durbridge, und gemeint sind natürlich Heinz Drache und Margot Trooger, die man später ebenfalls wieder in den "Hexer"-Filmen gemeinsam vor der Kamera sehen konnte. Betrachtet man Heinz Drache, so wirkt seine Darbietung natürlich noch etwas weniger festgefahren als bei seinen folgenden Auftritten im Krimi-Fach. Allerdings sieht man in diesem teilweise turbulenten Verlauf eine Inspektoren-Figur, wie man sie sich früher oder später bei Wallace häufiger gewünscht hätte. Drache wirkt noch befreiter und innerhalb seiner üblichen Angriffslustigkeit vehementer, vielleicht sogar unkonventioneller, sodass er schließlich einen soliden Eindruck hinterlassen kann. Sein Chef wird dargestellt vom stets gerne gesehenen Werner Peters, der seinen sehr kurzen Auftritt zwar routiniert färben kann, er aber für das weitere Geschehen nicht relevant ist. Beim Thema Relevanz muss leider ebenfalls Margot Trooger genannt werden, deren Rolle hochinteressant angebahnt wird, sich aber ebenfalls irgendwann abrupt verliert. Ihre provokante Fragestellung nach dem verstummten, beziehungsweise verschwundenen Zeugen in Form der Bauchrednerpuppe irritiert nicht nur Beteiligte am Befragungsort, sondern vor allem den Zuschauer und sie schürt letztlich den Gedanken an das potentiell Unmögliche. Schließlich kann Götz George als zwischen die Fronten geratene Schachfigur gefallen, ohne allerdings in den Luxus eines dramaturgischen Feinschliffs zu kommen.

     

    Insgesamt wird die komplette Star-Besetzung in dieser hohen Dichte den Film aber bereichern, da der gute Wille von andersartigen Anlegungen zu erkennen ist In diesem Zusammenhang sollte auch die Puppe "Grog" nicht unerwähnt bleiben, da sie für wirklich unheimliche Momente sorgen wird. Nicht nur von der Optik her werden derartige Akzente gesetzt, sondern auch im Bereich Akustik, da man zu späterer Spieldauer noch mehrmals ihr beunruhigendes Lachen im Szenario hören wird. Dieser kleine Horror-Einschlag tut dem Verlauf sehr gut und stellt sich neben dem eigentlichen Kriminalfall, der von vorne herein ein ziemlich offenes Buch ist, einen extravaganten Hingucker dar. Genre-Experten werden sich möglicherweise etwas an dem offenen Verlauf der Geschichte und der sich anbahnenden Vorhersehbarkeit stören, auch dass gewisse Personen gegen den eigentlich intelligent angelegten Spannungsaufbau arbeiten, stört das gelungene Gesamtbild ein wenig. Dennoch besitzt Eugenio Martíns Beitrag ganz großartige Momente, die zumindest einmal nicht alltäglich erscheinen, vor allem auch angesichts des Produktionsjahres. Man setzt auf Kontraste und Widerstände, temporeiche und bedrohlich wirkende Sequenzen sorgen für eine kurzweilige Unterhaltung, Set, Ausstattung, Musik und Bebilderung präsentieren sich in angemessenem Rahmen. Auch wenn bei "Nur tote Zeugen schweigen" einiges an Potential unausgeschöpft bleiben wird, und man sich stellenweise eine konsequentere Abhandlung gewünscht hätte, bleibt dieser Beitrag im Großen und Ganzen als gelungene Abwechslung in Erinnerung, die mit Leichtigkeit belegen kann, dass Gelegenheit nicht nur Diebe, sondern auch Mörder machen kann.

  • Autor: Prisma
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