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Nude for Satan

Italien, 1974

  • Originaltitel: Nuda per satana
  • Alternativtitel:

    Les Nuits perverses de Nuda (FRA)

  • Regisseur: Luigi Batzella
  • Kamera: Antonio Maccoppi
  • Musik: Alberto Baldan Bembo
  • Drehbuch: Luigi Batzella
  • Autor: Christian Ade
  • Review:

    Nach einem Autounfall landen ein Arzt und eine junge Dame auf einer sinistren Burg, wo sich seltsame Dinge zutragen. Nicht nur, dass sie dort ihren eigenen (geilen) Doppelgängern begegnen, auch der Umhang ihres aristokratischen Gastgebers ist in verdächtig-diabolischem Rot-Schwarz gehalten. Die beiden Gestrandeten stellen fest, dass sie die Burg nicht mehr verlassen können und verfallen immer mehr den teuflischen Verlockungen dieses seltsamen Orts. Insbesonder die Dame läuft alsbald kaum noch bekleidet durch die Korridore, sondern ist nur noch NUDE FOR SATAN...

  • Autor: Christian Ade
  • Review:

    Als er das Drehbuch zu NUDE FOR SATAN verfasst hat, ist Regisseur Batzella (der hier wie schon bei seinem ersten Horrorfilm FULL MOON OF THE VIRGINS das Pseudonym Paolo Solvay verwendet und in der Eröffnungssequenz eine halbnackte Frau durch einen nächtlichen Wald hetzen lässt) mit einem Aktfoto von Rita Calderoni, einem alten Gruselfilm, ein paar mit Lambrusco bekleckerten Pamphlets aus seinem abgebrochenen Philosophiestudium und dem größten Blunt der Welt in Klausur gegangen. Woher ich das weiß? Nun, ich habe grad den Film gesehen und der lässt keine anderen Rückschlüsse zu.

     

    Auch wenn ich mich nach wie vor frage, warum zur Hölle die Vorspann-Credits über dem Standbild einer schnöden VW-Käferfront ablaufen anstatt über einem viel atmosphärischeren Freeze von der Damsel in Fear im Wald, startet die Geschichte in zwar nicht allzu actionreichen, aber immer noch halbwegs geordneten Bahnen.

     

    Doch dann Rita Calderoni -zunächst noch angezogen und urplötzlich nackig - in LSD-Perspektive vor dem Hintergrund einer dieser schickigen, psychedelischen Farbenkärtchen, die der Augenarzt beim Sehtest verwendet - gefolgt von einem Peitschenknall und der Plot gerät völlig aus den Fugen...

     

    Schon klar. Hier wird wieder die gute, alte Vorhölle bemüht. Jener mysteriöse Ort, wo sich im Nebel zwischen Leben und Tod die Realität mit dem Alptraum vermählt. Und irgendwie geht es auch um die Dualität von Gut und Böse in ein jedem Menschen. Diese gute Gelegenheit, jede Stringenz aus der Handlung zu jagen, nutzt Luigi Batzella im Stile eines Renato Polselli aber sowas von gnadenlos aus.

     

    Das Delirium frisst die Logik auf. Der Irrsinn bricht sich ungehindert Bahn. Zeit und Raum verschieben sich nach Belieben. Das Schloßfaktotum mit den schwärzesten Zähnen dies- und jenseits des gotischen Horrorfilms greift zur Peitsche. Die vollbusige Rita Calderoni und ihr Partner, der einst auf Bavas PLANET DER VAMPIRE gestrandete Stelio Candellio, stolpern durch das im italienischen Frosinone gelegene Monte San Giovanni Campano Gemäuer, von einem Feuchttraum in den nächsten Alptraum und dürfen drunten im Verlies der obligatorisch dilettantisch zusammengebastelten Riesenspinne ins Netz gehen. Welche Funktion der Arachnid aus Klump und feuchter Pappe in der Meta-Ebene dieses Wahnwitzes einnimmt? Fragt mich nicht. Wahrscheinlich gar keine. Eventuell war sie nur ein Überbleibsel aus den BLOODY PIT OF HORROR-Requisiten und man wollte den PIT-kundigen Trash-Connaisseuren ein lustiges Déjà-Vu bescheren. Oder hängt sie vielleicht doch irgendwie mit diesen ungewöhnlich großzügig eingesetzten lesbischen Szenen zusammen, die in ihrem Kontext das Coming-Out (im Gruselschloss) von Rita Calderoni suggerieren könnten?

     

    Ohnehin ruft dieser Film gewordene Irrwitz bei seinen Rezipienten die unterschiedlichsten Wahrnehmungen hervor. Während moderne (oder nicht bekiffte) Horrorfans mit diesem Streifen definitiv gar nichts anfangen werden können, sehen andere NUDE FOR SATAN gar in Arthouse-Nähe. Vielleicht weil Cinematographer Antonio (GESTÄNDNIS EINER NONNE) Maccoppi hier öfters mal experimentielle Kameraperspektiven wählt. Oder der dann und wann aufblitzenden Nähe zu philosophischen Zeilen wegen.

     

    Die Wagemutigen aus der Eurokultnische feiern NUDE FOR SATAN für seine extreme Obskurität. Und wieder andere wegen Rita Calderonis Brüsten. Der Titel verrät es ohnehin: Batzella hat hier allemal ein kleines gotisches Sleazefest auf Film gebannt. Von dem übrigens auch eine mit Hardcore Inserts aufgepeppte, aber eher unnötige XXX-Fassung existiert.

     

    Oder ist das ganze Kunstwerk am Ende doch nur ein verirrter Haufen Okkult-Mist mit einem Mephistopheles für Arme, einer unglaublich stümperhaften Riesenspinne und vielen Nackedeis? Ich fürchte, ein großer Teil der Menschheit wird eher in diese Richtung tendieren.

     

    Vielleicht hat aber auch nur der für die Filmmusik zuständige Alberto Baldan Bembo hinter die sieben Schleier dieser filmischen Salome blicken können. Vielleicht hat er den Sinn des Ganzen als Einziger erfasst. Bembo hat nämlich das Kunststück vollbracht, Batzellas wirre Szenarios mit einem famosen, fast schon hypnotischen Score zu untermalen. Seine atmosphärischen Stücke schaffen es, fast schon ein Eigenleben auf der Tonspur zu entwickeln.

     

    Ich für meinen Teil habe NUDE FOR SATAN als kleine Schwester von REINCARNATION OF ISABEL erlebt. Als Delirium tremens eines gotischen Horrorfilms. Wandelnd auf einem verdammt schmalen Grat. Denn in Batzellas Kastell ist die Grenze zwischen psychotronischer Bewußtseinserweiterung und dem blanken Unfug ebenso hauchdünn wie der Fetzen Stoff, der die meiste Zeit Rita Calderonis Nippel bedeckt, oder eben nicht bedeckt.

     

    Anyway: Die Wahrheit ist irgendwo da draußen. Und...Hail Astaroth!

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