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Nightmare Concert

Italien, 1990

  • Originaltitel: Un gatto nel cervello
  • Alternativtitel:

    O Concerto Nocturno (POR)

    A Cat in the Brain (USA)

  • Regisseur: Lucio Fulci
  • Kamera: Alessandro Grossi
  • Musik: Fabio Frizzi
  • Drehbuch: Lucio Fulci, Giovanni Simonelli, Antonio Tentori
  • Inhalt:

    Der Filmregisseur Lucio Fulci steckt mitten in den Dreharbeiten zu einem besonders abscheulichen Horrorfilm (seine Worte) und nach dem Drehen vieler ähnlicher Machwerke im Laufe der Jahrzehnte stößt er an seine psychischen Grenzen. Er befürchtet, Realität und Fiktion nicht mehr unterscheiden zu können, was sich bestätigt, außerdem verspürt er bei auftretendem Ärger auch mal Mordlust. Abhilfe soll ihm ein Besuch beim nachbarschaftlichen Psychiater Dr. Egon Swharz verschaffen. Doch dieser Dr. Swharz wird schon seit Jahren von seiner Frau schwer gedemütigt und vorgeführt, was einen unbändigen Hass in ihm erwachsen ließ. Während er Fulci behandelt und sich dazu auch noch dessen Filme ansieht, sieht er einen Weg, seine Mordlust auszuleben. Der Psychiater hypnotisiert Fulci und suggeriert ihm, dass Fulci bei Ertönen eines bestimmten Geräusches in eine hilflose Starre verfallen soll, während Dr. Shwarz seiner Mordlust frönen kann. Und Fulci, der sich anschließend nie an den Mörder aber seiner eigenen Anwesenheit bei den Morden erinnern kann, hält sich wegen seines eigenen Geisteszustands für den Täter.

  • Autor: Gerald Kuklinski
  • Review:

    Der Meister sitzt an seinem Schreibtisch und entwirft gerade ein paar Todesszenen für „When Alice broke the Mirror“, während anscheinend Katzen mit ihren Krallen an seinem Gehirn zerren, was uns wohl suggerieren soll, wie viel seelischen Schmerz Fulci beim Schreiben eines solchen Drehbuchs erleidet. Daher auch der Originaltitel „Un gatto nel cervello“, die Katze im Gehirn.

     

    Und genau darum scheint es in dem Film hintergründig zu gehen, um den Seelenschmerz eines Lucio Fulci, der Horrorfilme und Gewaltszenen drehen „muss“, weil niemand ein Kinoticket für einen Fulci-Liebesfilm kaufen würde. Oder...Fulci nimmt uns und sich hier schlichtweg auf die Schippe.

     

    Gleich zu Anfang dreht Fulci eine Szene für „When Alice broke the mirror“, inklusive Kettensäge, Kannibalismus und einer Prise Frauenfeindlichkeit untermalt von Wiener Walzer, was ihm bei einem anschließenden Restaurantbesuch schlecht bekommt, da schon der Gedanke an Fleisch, geschweige denn der Anblick von frischem Tartar, einen gewaltigen Widerwillen in ihm auslöst. Am Tisch hinter ihm sehen wir einen Priester und eine Nonne sitzen – Fulci-Symbolik?

     

    Mit ähnlichem Augenzwinkern dreht er anschließend eine Szene für „Sodoma’s tödliche Rache“, in der Robert „Willy the Nazi“ Egon, von einem wie ein Satyr im Halbdunkel sitzenden Fulci mit flüsternd-peitschender Stimme zu sexueller Gewalt angestachelt wird. Nach einem heftigen Coitus Interruptus lehnt Fulci erschöpft an der Wand und flüstert „Nazismus, Sadismus, wo soll das alles noch hinführen?“, so als hätte nicht er das Drehbuch geschrieben.

     

    Und dann verliert Fulci endgültig den Bezug zur Realität, als er mit einem deutschen Dokumentar-Filmteam sprechen soll und diese dann vor seinem geistigen Auge eine Nazi-Orgie feiern lässt (wiederum eine Szene aus „Sodoma’s tödliche Rache“), woraufhin er deren Regisseurin angreift, woran er sich anschließend aber nicht erinnert.

     

    Abhilfe soll ein Psychiater verschaffen, Professor Egon Swharz (kein Schreibfehler, steht so an dessen Tür), gespielt von David L. Thompson. Und Thompson ist die große Ausnahme dieses Films, denn er spielt seine Rolle nicht nur glaubwürdig sondern ziemlich erinnernswert sadistisch. Umso kurioser, dass dies offenbar sein einziger Filmauftritt blieb. Als dessen untreue Frau sehen wir Marisa Longo, die auch für den einzigen Original-Mord in „Nightmare Concert“ herhalten darf, einer recht heftigen Strangulation mit einer Klaviersaite.

     

    Und da liegt auch das große Manko von „Nightmare Concert“, es ist ein Billigfilm, angereichert mit zahlreichen Archivszenen aus anderen Produktionen des Gespanns Antonio Lucidi und Luigi Nannerini aus den Jahren 1988 und 1989: „When Alice broke the Mirror a.k.a Touch of Death“ und „Sodoma’s tödliche Rache“ von Lucio Fulci, sowie „The Murder Secret“ von Mario Bianchi, „Bloody Psycho a.k.a. Snake House“ von Leandro Lucchetti, „Massacre“ von Andrea Bianchi und „Luna di Sangue“ von Enzo Milioni. Die Hälfte der gelisteten Darsteller ist ausschließlich in diesem Archivmaterial zu sehen.

     

    Angesichts dieser vielen Archivszenen gibt es Logiklücken gratis und spätestens bei Fulcis letztem großen Spektakel von „Visionen“ (gesammelte Mordwerke aus „The Murder Secret“) in der er tatenlos und unfähig wahrgenommen zu werden, das Abschlachten an einer befreundeten Familie bezeugen muss, verläßt auch der Zuschauer den sicheren Grund zwischen Realität und Phantasie. Wurde diese Familie nun ermordet oder nicht? Die Dialoge mit Inspektor Vanni sagen Nein, aber was sollte das dann?

     

    Richtig billig wird es am sehr unbefriedigenden Ende, das wirklich den Eindruck macht, als hätte man den letzten der paar Lire längst verbraten, der im schmalen Budget drin war.

     

    Fairerweise muss man sagen, dass man sich abgesehen von Fulcis „When Alice broke the Mirror“ die anderen Filme nicht unbedingt antun muss, nachdem man “Nightmare Concert” gesehen hat, es sei denn, man hat wirklich nichts Besseres mehr zum Gucken. „Nightmare Concert“ ist ein Splatterfest, über die Qualität der Umsetzung dieser Splatterszenen ließe sich streiten.

     

    Auch das Wort „Giallo“ kommt einem hier nur schwer über die Lippen, aber streng genommen ist „Nightmare Concert“ genau das. Dass aus dem Täter kein Geheimnis gemacht wird, spricht keineswegs dagegen. Warum hat Fulci das eigentlich nicht getan, hätte dem Film etwas mehr inhaltliche Qualität verleihen können, wäre am Ende aber wohl sehr schwer dem Zuschauer zu erklären gewesen.

     

    Ebenfalls herrlich Streiten könnte man über den Sinn oder Unsinn der Anschaffung einer Blu-ray dieses Films, denn was man bekommt, ist ein falsches Bildformat und zahlreiche Unterschiede in der Bildqualität, bedingt durch das Archivmaterial. Leider aber auch in den Originalszenen, so bei der ersten Dialogszene zwischen Thompson und Longo, da gibt es zahlreiche Unreinheiten.

     

    Fabio Frizzis Soundtrack ist sehr anhörbar, in der deutschen Fassung dagegen hat sich bei den Morden an der Familie gegen Ende ein wenig Fremdmusik eingeschlichen, die da nicht reingehört. Überhaupt ist die deutsche Synchro furchtbar, was wiederum für die Anschaffung der XT-Blu-ray spricht, die über drei Tonspuren und Untertitel verfügt.

     

    Bei IMDb ist der Film nach wie vor als 66 minütige Horror-Komödie gelistet, aber von dem alten kastrierten Summit-Tape fange ich hier gar nicht erst an, die Schnittberichte hierzu sind wohl bekannt.

  • Autor: Gerald Kuklinski
  • Links

    OFDb

    IMDb

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