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Nackt unter Kannibalen

Italien, 1977

  • Originaltitel: Emanuelle e gli ultimi cannibali
  • Alternativtitel:

    Black Emanuelle und die letzten Kannibalen (DEU-Alternativtitel)

    Emanuelle y los últimos caníbales (ESP)

    Emanuelle chez les cannibales (FRA)

    Emanuelle and the Last Cannibals (USA)

  • Deutsche Erstaufführung: 22. Dezember 1978
  • Regisseur: Joe D'Amato
  • Kamera: Joe D'Amato
  • Musik: Nico Fidenco
  • Drehbuch: Joe D'Amato, Romano Scandariato
  • Inhalt:

    Die Reporterin Laura (Laura Gemser) spioniert undercover in einer New Yorker-Psychiatrie, wo es zu einem kannibalischen Übergriff auf eine Krankenschwester kommt. Die Patientin, welche diese menschenfressenden Neigungen verspürt, wurde wahrscheinlich von südamerikanischen Eingeborenen aufgezogen, außerdem verziert ein seltsames Symbol ihren Körper und nach Aussage eines Experten, muss es sich dabei um das Zeichen eines längst ausgestorbenen Kannibalenstammes handeln. Laura wittert natürlich eine dicke Story und beschliesst mit dem Anthropologen Mark Lester (Gabriele Tinti) ins Amazonasgebiet zu reisen, um der Sache auf den Grund zu gehen. Nach ein paar erotischen Abenteuern, wird im Dschungel das Team für die Expedition zusammengestellt und der Trip geht los. Unterwegs treffen sie noch den Jäger Donald McKenzie (Donald O'Brian) und seine Gattin Maggie (Nieves Navarro), welche zwar vorgeben im Dschungel zu jagen, aber insgeheim ein anderes Ziel verfolgen. Dafür bleibt aber keine Zeit mehr, denn die Menschenfresser haben die Fährte der zivilisierten Abenteurer schon längst aufgenommen...

  • Autor: Tobias Reitmann
  • Review:

    Die umtriebige Ein-Mann-Armee Joe D'Amato hat hiermit auch seinen Beitrag für den kurzlebigen Kannibalenfilm abgeliefert und trotzdem dieses Genre mindestens über 10 Jahre im italienischen Filmkontext bedient wurde, so kommt man doch im Höchstfall auf nicht mehr als 15 Beiträge, welche sich stur den südamerikanischen Menschenfressern widmen, darunter aber auch ultimative Klassiker wie "Nackt und zerfleischt" oder "Mondo Cannibale" zu finden sind. Bevor Deodato allerdings seinen "Cannibal Holocaust" abdrehte, beackerte D'Amato schon drei Jahre zuvor den Nährboden für kulturelle Völkerverständigung, platzierte es dann noch in der "Black Emanuelle" - Reihe, würzte es mit erotischen Einlagen und fertig war ein hübsches Produkt, welches auch heute noch Augen und Unterhosen befeuchten dürfte.

     

    Mit Laura Gemser wurde wieder die aufgehende Sonne am damaligen Erotik-Himmel verpflichtet, ihren Reportagen weiter offenherzig und ohne Skrupel vor sexueller Hingabe, erledigt sie als Emanuelle (in der dt. Fassung blieb man lieber bei ihrem realen Vornamen) auch hier wieder einen absolut souveränen Job. An Gemser's Seite haben wir Gabriele Tinti, welcher bis zu seinem Tod im November '91 mit ihr verheiratet war und in einigen italienischen Produktionen an Laura's Seite mitwirkte. Die herrlichste Rolle hat aber Donald O'Brian als Jäger McKenzie, denn auch wenn er sich nach außen als harter Kerl gibt, bleibt er dennoch gestraft von der eigenen Impotenz und muss machtlos mit ansehen, wie sich Nieves Navarro als seine Frau, mit dem potenten farbigen Handlanger ins Gebüsch macht, um erstmal kräftig von diesem durchgeschüttelt zu werden. Im Lager dann später von McKenzie zur Rede gestellt, bedauert sie den Vorfall natürlich und so besinnen sich die Beiden auf ihr eigentliches Ziel, nämlich wertvolle Diamanten aus einem Flugzeugwrack zu bergen und beschliessen den sexuellen Fauxpaus lieber zu vergessen. Wie von Wunderhand, scheint dann auch McKenzie's Unfruchtbarkeit verschwunden zu sein, denn als die teuren Glitzersteine gefunden werden, scheinen nicht nur die Armut beim Jägerpärchen der Vergangenheit anzugehören, sondern auch die Potenz wird durch das freudige Ereignis vehement gesteigert und damit dürften die ehelichen Sorgen erstmal beseite gelegt sein, auch wenn McKenzie vorher schon Mónica Zanchi's Schlafphase ausnutzte, um sich kurz an ihr zu vergehen - gleiches mit gleichem vergelten, könnte man sagen. Allerdings brachte es mich schon etwas zum Erstaunen, das sich die spanische Schönheit Nieves Navarro, welche ja in den späten 60ern einige Western verzierte, sowie durch ihre ungebrochene Ästethik in den 70er-Jahren zur Giallo-Queen aufstieg, für einen schamlosen Streifen wie diesen hergab, oder wenige Jahre später ebenfalls für D'Amato's "Woodoo Baby" die Möpse kreisen liess. Aber Schwamm drüber, denn auch für solch' kleine Sexploitation-Schmierer ist sie immer noch eine Bereicherung und ich erinnere mich noch zu gut an meine Erstsichtung von "Nackt unter Kannibalen" zu seligen VHS-Zeiten, wo ich mich doch die ganze Zeit fragte, wer denn diese hübsche Dame etwas älteren Jahrgangs ist, welche mit der Gruppe durch den Dschungel zieht - nunja, nach unzähligen Präsenzen ihrerseits in vorangegangen italienischen Produktionen, wusste ich dann natürlich bescheid.

     

    Musikalisch wurde wieder Nico Fidenco verpflichtet, welcher schon die vorherigen "Black Emanuelle" - Filme mit seinen Klängen untermalte. Hier gibt es nur ein Theme in verschiedenen Variationen, welches allerdings sofort den Zuhörer in seinen Bann ziehen dürfte und das Gezeigte passend begleitet. Der Titelsong "Make Love On The Wing", gesungen von Ulla Linder, ist dann sogar wahres poppig-discoides Gold und dürfte sich im Gehör verankern - ein richtiger Ohrwurm.

     

    Alles in allem eine gemütliche Sause, ohne Tierquälereien (nun gut, eine Schlange wird per Kopfschuss erledigt - aber hier könnte man auf Notwehr plädieren, denn sie führte definitiv nichts Gutes im Schilde) und sonstige Brutalitäten halten sich in ebenfalls in Grenzen, auch wenn Effektspezialist Fabrizio De Angelis hier und da mal etwas die Gewaltschraube anzieht, welches aber aus heutiger Sicht niemanden mehr verschrecken dürfte, denn an Luxuriösität dürfte es "Nackt unter Kannibalen" ebenso mangeln, wie an Intensität. Das merkt man schon am Anfang, als eine Pflegerin die rechte Brust abgerissen wird. An sich gut gemacht, nur torkelt die Gute mit offener Klamotte durch den Hausflur, wobei der Zuschauer ihre nicht so üppige linke Oberweite erblicken und somit den anfangs sehr gut aussehenden Trick durchschauen dürfte. Dennoch tut eine solche Szene dem Gesamteindruck keinen Abbruch, auch wenn Leute, welche D'Amato schon immer für einen Stümper hielten, sicherlich auch mit diesem Werk nicht vom Gegenteil überzeugt werden dürften - für genussvolle Rauschfanatiker wie mich, ist solch ein Filmchen aus Schweinepriester Aristide's Hand, natürlich ein sensationelles Vergnügen ohne jegliches Verfallsdatum.

  • Autor: Tobias Reitmann
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