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Die Nacht der rollenden Köpfe

Italien | Spanien, 1973

  • Originaltitel: Passi di danza su una lama di rasoio
  • Alternativtitel:

    Exorcismo Num Fio de Navalha (BRA)

    Pasos de danza sobre el filo de una navaja (ESP)

    Chassés-croisés sur une lame de rasoir (FRA)

    A Morte traz uma Bengala (POR)

    Death Carries a Cane (Int.)

    Maniac at Large (Int.)

    The Tormenter (Int.)

    Trauma (Int.)

  • Deutsche Erstaufführung: 01. Februar 1973
  • Regisseur: Maurizio Pradeaux
  • Kamera: Jaime Deu Casas
  • Musik: Roberto Pregadio
  • Drehbuch: Alfonso Balcázar, Arpad DeRiso, George Martin, Maurizio Pradeaux
  • Inhalt:

    Ketty beobachtet zufällig durch ein Touristenfernrohr einen Mord an einer jungen Frau, das Gesicht des Mörders hat sie allerdings nicht gesehen. Weder ihr Freund Alberto noch die Polizei glauben ihr anfangs, aber dann wird tatsächlich die Leiche in der von ihr beschriebenen Wohnung gefunden. Ein Maronenverkäufer der den Mörder gesehen hat stirbt, genauso wie eine alte Frau die ihr Wissen um die Identität des Mörders an die Presse verkaufen möchte. Und da niemand weiß, dass Ketty den Mörder nicht erkannt hat, gerät auch sie in das Visier des Unholds. Könnte es ihr Verlobter Alberto sein, der gerne Messer in Stoffpuppen rammt? Oder die junge Journalistin Lydia, die für eine Schlagzeile und ihre Karriere absolut alles machen würde? Oder der Musiker Marco, der ein Tanzstück über Bildern von zerstückelten Puppen machen möchte? Oder Silvia, die allem Anschein nach alles und jeden hasst? (Wer mit Luciano Rossi Liebe macht kann wahrscheinlich gar nicht anders…)

  • Autor: Maulwurf
  • Review:

    Giallo, Der. Mehrzahl Gialli, Die. Nach gängiger (ist gleich deutscher) Lesart ein italienisches Filmgenre mit sehr scharf umrissenem Inhalt: Ein schwarz gekleideter Butzemann, von dem man nur die schwarzen Handschuhe sieht, geht um und tötet schöne junge Frauen so blutig wie möglich, vorzugsweise mit einem Messer. Die Aufklärung der Morde obliegt meist einem Zivilisten, die Polizei wird im Normalfall als ein Haufen von Vollidioten dargestellt. Logik ist dabei weitgehend uninteressant, das Hauptaugenmerk liegt auf der Darstellung nackter Mädels und blutiger Morde, gerne auch mal präsentiert mit visuellen Experimenten. Die Grundlagen des Genre wurden 1964 mit Mario Bavas BLUTIGE SEIDE gelegt, verschiedene mal mehr und mal weniger gute Gialli wurden im Lauf der 60-er Jahre gedreht, bevor Dario Argento 1970 mit DAS GEHEIMNIS DER SCHARZEN HANDSCHUHE dem Genre den Durchbruch verschuf, und dabei gleichzeitig die Regeln festlegte. Sergio Martino hat dann 1971 mit DER SCHWANZ DES SKORPIONS und DER KILLER VON WIEN gleich die ziemlichen Höhepunkte vorgelegt, und danach ging dann, bis tief in die 90-er Jahre hinein, das muntere Morden weiter, wobei die Perlen definitiv fast alle aus den 70-er Jahren kommen.

     

    Die ROLLENDEN KÖPFE sind also zur absoluten Hochzeit des Genres entstanden und könnten locker aus dem Vollen schöpfen, damals, bevor alle guten Ideen umgesetzt waren und sich das Genre dann nur noch in blutigen Details verlor. Aber es hat wohl seinen Grund warum die Filmographie von Regisseur Maurizio Pradeaux so übersichtlich ist, die ROLLENDEN KÖPFE sind nämlich leider nur Durchschnitt. Zwar leicht gehobener Durchschnitt, aber eben Durchschnitt: Die Kameraführung ist ideenarm, die Schauspieler wirken oft unmotiviert, und der Plot bietet seine roten Heringe dermaßen offensichtlich an dass es schon fast peinlich ist. Ich meine, ich bin wirklich ein großer Verehrer von Nieves Navarro, und ich mag sie sogar in einem Film wie Joe d’Amatos WOODOO BABY. Aber hier schaut sie um Längen älter und schlechter aus als zum Beispiel in dem ein Jahr früher entstandenen FRAUEN BIS ZUM WAHNSINN GEQUÄLT von Luciano Ercoli.

    Passender Vergleich übrigens, weil in beiden Filmen der Spanier Simón Andreu mitspielt – in letzterem ist er sehr sinister und mysteriös, was zu seiner Ausstrahlung hervorragend passt. In den ROLLENDEN KÖPFEN hingegen hat er außer ein wenig Nacktheit, sinnierenden Blicken und klavierspielenden Einlagen nicht viel zu tun. Nein, er ist keine Fehlbesetzung, sondern die Regie plätschert einfach dahin. George Martin, der auch am Drehbuch mitgeschrieben hat, und der viele Genrefilme durch seine Ausstrahlung veredeln konnte, wirkt wie ein Stück Holz das durch den Film geschoben wird. Nieves Navarro darf weder ihre Schauspielkunst noch ihren wunderschönen Körper nie wirklich präsentieren, Luciano Rossi wird komplett verschenkt, und Anuska Borova hat keine Gelegenheit bekommen eine größere Karriere zu starten.

     

    Positives gibt es natürlich auch: Rom kann wirklich eine hübsche Stadt sein, die Musik von Roberto Pregadio ist wunderschön, der kurze Auftritt von Sal Borgese ein Brüller vor dem Herrn, und insgesamt ist die Story zwar überraschungsarm, aber zumindest nicht unspannend. Einige visuelle Umsetzungen sind absolut gelungen, so zum Beispiel Rosita Toroshs Autofahrt durch das nächtliche Rom: Sehr starke 5 Minuten, die das Gefühl der Angst und der Panik ausgesprochen intensiv verbreiten. Auch der Beginn mit dem Fernrohr ist gelungen, genauso wie die letzten 20 Minuten und das Showdown gut was her machen, trotz der Kavallerie (ich mag hier einfach nicht zu viel verraten). Nein, der Film ist nicht schlecht, und die 90 Minuten sind erstaunlich schnell und unterhaltsam herumgegangen. Er ist halt einfach nur etwas einfallslos erzählt und ohne Schmackes inszeniert. Der übersetzte Originaltitel “Tanzschritte für ein Rasiermesser“ verspricht halt eine gewisse Leichtigkeit und Eleganz, die er dann letzten Endes leider nicht einlöst.

     

    Trotzdem ist er auf jeden Fall immer noch besser als so mancher Rohrkrepierer aus den 80-er und 90-er Jahren. Kollege Christian Ade hat in seiner Besprechung zu “Death Steps in the Dark“ geschrieben, dass die Filme Pradeauxs in der zweiten Reihe des Genres sitzen. Dem gibt es nichts hinzuzufügen …

  • Autor: Maulwurf
  • Veröffentlichungen:

    Gesehen wurde die DVD von X-Rated. Das Bild ist ordentlich, und geboten werden deutscher, englischer und italienischer Ton, die letzteren beiden mit deutschen Untertiteln. Extras gibt es keine.

  • Autor: Maulwurf
  • Filmplakate

    Links

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