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The Murder Secret

Italien, 1988

  • Originaltitel: Non aver paura della zia Marta
  • Alternativtitel:

    El espejo roto (ESP)

    Don't Be Afraid: Aunt Martha Wouldn't Kill You

    Don't Be Afraid of Aunt Martha

    The Broken Mirror

  • Regisseur: Mario Bianchi
  • Kamera: Silvano Tessicini
  • Musik: Gianni Sposito
  • Drehbuch: Mario Bianchi
  • Inhalt:

    Im Jahr 1958 lässt Richards Mutter ihre Schwester Martha (Sacha Darwin) in eine Anstalt einweisen, um an ihr Vermögen zu kommen. Tante Martha, die sich bis jetzt weitgehend um den kleinen Richard gekümmert hat, wartet nach ihrer Genesung 30 Jahre später darauf, dass der inzwischen erwachsene Richard sie aus der Klinik holt. Vergeblich. Eines Tages erhält Richard (Gabriele Tinti) eine Einladung seiner Tante, sie sei gerade entlassen worden, und er solle sie doch bitte zusammen mit seiner Familie auf ihrem Landsitz besuchen. Man folgt der Einladung, doch Martha lässt sich durch ihren Verwalter Thomas (Maurice Poli) immer wieder entschuldigen, sie sei auf dem Weg, würde aber bald eintreffen. Als Richard herausfindet, dass Marthas Entlassung bereits über ein Jahr zurückliegt und das Haus weder bewohnt ist noch einen Verwalter hat, ist es bereits zu spät. Das Massaker an seiner Familie hat schon begonnen.

  • Autor: Gerald Kuklinski
  • Review:

    Probieren wir etwas Neues. Heute möchte ich für einen unter katastrophalen Budgetbedingungen entstandenen Film der Lucio Fulci Presents-Reihe in die Bresche springen, der noch dazu von einem Regisseur ist, den ich eigentlich so gar nicht mag: Mario Bianchi. Der hatte in den Jahren 1971 bis Anfang der 80er etwa ein Dutzend Filme von grenzwertiger qualitativer Umsetzung geleistet, darunter Highlights wie „Provinz ohne Gesetz“ (Provincia violenta, 1978), „Sexorgien im Satansschloss“ (La bimba di satana, 1982) oder „Schneefickchen und die Sex-Zipfelzwerge“ (Biancaneve & Co, 1982). Anfang der Achtziger begann er dann auch eine „zweite Regiekarriere“, in dem er unter Pseudonymen wie Nicholas Moore, Martin White, David Bird und ein paar weiteren ins Hardcore-Geschäft einstieg, wo er dann noch bis immerhin 2001 tätig war. Sein tatsächlicher Porno-Output ist unbekannt, denn es könnte weitere Pseudonyme geben, und mit dem Namen Nicholas Moore wurden vom Produzenten auch andere Regisseure bedacht.

     

    Für die Lucio Fulci Presents-Reihe gab es einen relativ winzigen Budgettopf, der am Ende für acht oder neun Filme reichen sollte. Mit schwindendem Geld und frustrierenden Dreherfahrungen verweigerte Fulci schließlich allerdings seine vereinbarten letzten eigenen Regiearbeiten für die Serie, aber das ist ein anderes Thema. Viel interessanter ist es, wie ausgerechnet ein Mario Bianchi es geschafft hat, mit einer Handvoll Lire und einer einzigen Location hier einen seiner effektivsten Regiearbeiten abzuliefern. Für Story und Drehbuch ist Mario Bianchi selbst gecredited (mit Camilla Fulci als Supervisor), und das ist das eigentlich Erstaunliche. Denn es ist ein gutes Drehbuch. Das Thema heißt Schlechtes Gewissen, und der schwer durchschaubare Hauptprotagonist Richard, gespielt von Gabriele Tinti, wird von einem solchen geplagt. Und dazu hat er auch allen Grund. Seine Mutter hat seine nette Tante Martha wegen Geld und Besitz in eine Anstalt stecken lassen, schließlich aber aus Schuldgefühlen heraus Selbstmord begangen – und zuvor ihrem Sohn das Versprechen abgenommen, sich eines Tages um Martha zu kümmern. Sprich, sie aus der Anstalt rauszuholen und die Dinge wieder in Ordnung zu bringen. Doch Richard ist eher der passive Typ, erzählt selbst seiner späteren eigenen Familie zunächst gar nichts von seiner Tante und erfindet nach deren Brief eine Lügengeschichte.

     

    Man folgt also Tante Marthas Einladung, die dann aber nicht in Erscheinung tritt. Stattdessen wartet auf die Familie Hamilton ein Verwalter, der ihnen ebenfalls Lügengeschichten von Marthas baldiger Ankunft erzählt. Stattdessen folgt alsbald ein Blutbad, das recht krude aber effektiv von Giuseppe Ferranti kredenzt wurde. Budget- und Locationbedingt plätschert „The Murder Secret“ die erste Stunde etwas dahin. Dass dies nicht allzu langweilig wird, ist einer einprägsamen musikalischen Synthesizer-Untermalung von Gianni Sposito zu verdanken, die insgesamt sehr viel zum Gelingen des Endprodukts beiträgt. Was den Film schließlich aus dem Tal der Eintönigkeit herausreißt, ist die letzte halbe Stunde, die neben dem bereits erwähnten Blutbad ein paar sehr erschütternde und sich steigernde dramatische Momente vorweisen kann, in denen sich am Ende zwei zerbrochene Charaktere gegenüberstehen zu einem letzten Gefecht. Über das „zweite Ende“ des Films – Gott, ist das schwierig, nichts zu verraten – kann man streiten, doch auch das passt zum Thema des Films: Gewissen.

     

    „The Murder Secret“ ist wahrlich kein Meisterwerk aber sehr gut ansehbar und meiner Ansicht nach Mario Bianchis beste Regiearbeit, was immer das wert sein mag. Und wen das nicht zu überzeugen vermag, es gibt ein paar Nacktszenen mit Jessica Moore.

  • Autor: Gerald Kuklinski
  • Links

    OFDb
    IMDb

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