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Die Mühle der versteinerten Frauen

Frankreich | Italien, 1960

  • Originaltitel: Il mulino delle donne di pietra
  • Alternativtitel:

    Le Moulin des supplices (FRA)

    El molino de las mujeres de piedra (SPA)

    Drops of Blood (UK)

    Mill of the Stone Women (Int.)

  • Deutsche Erstaufführung: 23. März 1962
  • Regisseur: Giorgio Ferroni
  • Kamera: Pier Ludovico Pavoni
  • Musik: Carlo Innocenzi
  • Drehbuch: Remigio Del Grosso, Giorgio Ferroni , Ugo Liberatore, Giorgio Stegani, Pieter van Weigen
  • Inhalt:

    Der junge Kunst-Student Hans van Harnim (Pierre Brice) reist nach Amsterdam, um dort in einer alten Mühle über die Arbeit des Bildhauers Professor Gregorius Wahl (Herbert A.E. Böhme) zu recherchieren. Dieser Ort bietet eine bizarre Attraktion: Angetrieben durch das Windrad, läuft im Inneren eine Drehbühne für sensationslustige Zuschauer, die historische Figuren in Ketten und am Galgen zeigt. Doch die unheimliche Mühle birgt noch weitere Geheimnisse wie zum Beispiel die rätselhafte Tochter des Professors, Elfie (Scilla Gabel), die sich in Hans verliebt und der ihr wie von einem Zwang getrieben verfällt. Elfie wird von ihrem Vater und seinem undurchsichtigen Assistenten Dr. Bohlem (Wolfgang Preiss) vollkommen von der Außenwelt abgeschirmt. Da der Student die merkwürdige Situation nicht ordnen kann, Elfie sich in immer stärkere Gefühle hineinsteigert und Hans bedrängt, beschließt er, sie zu verlassen und sich zu seiner Jugendliebe Liselotte (Dany Carrel) zu bekennen. Die Zurückgewiesene, die unter einer rätselhaften Krankheit leidet, wird hysterisch und erleidet einen schweren Anfall. Sie stirbt. Erschrocken, und von Schuldgefühlen geplagt, will er am folgenden Tag den Professor über die schrecklichen Tatsachen aufklären, doch es geschieht etwas Unfassbares. Elfie steht plötzlich wieder sehr lebendig vor ihm. Hat Hans den Verstand verloren oder hat er nur geträumt? Welches düstere Geheimnis wird die Mühle noch ans Tageslicht bringen..?

  • Autor: Prisma
  • Review:

    Diese französisch-italienische Co-Produktion aus dem Jahre 1960 genießt vielerorts einen gewissen Kultstatus und transportiert eine erstaunlich dichte und noch mehr beunruhigende Atmosphäre. Elemente aus Gothic-Horror, Science-Fiction und klassischem, aus heutiger Sicht vielleicht eher konservativem Grusel, gestalten eine überaus morbide und vollkommen überzeugende Grundstimmung, die diesen Film von Giorgio Ferroni zu einem kleinen Geheimtipp werden lässt. Sicherlich kommt einem die Geschichte letztlich irgendwie bereits bekannt vor, denn sie fand dem Empfinden nach Verwendung in etlichen zuvor und danach entstandenen Filmen, dennoch steht "Die Mühle der versteinerten Frauen" grundsolide auf eigenen Beinen und bietet insbesondere für damalige Verhältnisse einige ungewöhnlich intensiv dargestellte Schockmomente und Schauwerte. Besondere Akzente werden mit einer hervorragenden Bildgestaltung im Rahmen  intensiver Kameraeinstellungen gesetzt, außerdem besitzt der Verlauf eine permanent spürbare Stringenz, sodass man nicht nur auf einen packenden Verlauf, sondern auch auf ein ebenso stark umgesetztes Finale blicken kann. Außerdem ist eine gewisse Tragik in der Geschichte aufzuspüren, die dem Verlauf einen sehr guten Schliff gibt, ihn daher vielleicht wesentlich greifbarer macht, als es zu erwarten wäre. Des Weiteren versammelt sich in Ferronis Gruselkabinett eine recht unorthodox zusammengestellte Besetzung, die zunächst beinahe befremdlich wirkt, aber mit präzisen Zeichnungen und kruden Färbungen überzeugende Arbeit leistet.

     

    Pierre Brice kann hier einmal fernab der Rolle seines Lebens bestaunt werden und er macht seine Sache überdurchschnittlich gut. Er kreiert eine ernste Figur und arbeitet die innere Zerrissenheit beachtlich heraus. Darstellerisch gesehen, und für die Verhältnisse des Franzosen, bekommt man eine erstaunlich prägnante Interpretation geboten, die schon irgendwie überrascht, wenn nicht sogar beeindruckt. Hans ist hin- und hergerissen zwischen unschuldiger Anmut und zwanghafter Verführung, die Ereignisse reißen ihn in einen Strudel zwischen Traum und Wirklichkeit. Dany Carrel spielt seine leicht naive und bürgerliche Freundin weitgehend unscheinbar und muss sich den anderen Darstellungen unterordnen, bildet jedoch einen notwendigen Kontrast zu Elfie und wird zum Spiegel des Wahns von Hans, außerdem Magnet für die tödliche Gefahr. Wolfgang Preiss als Dr. Bohlem hatte hier leider kaum Möglichkeiten, aus seiner dubiosen Figur viel herauszuholen, seine Rolle ist im Gesamtgeschehen zwar nicht unwichtig, vermittelt aber nicht im genügenden Ausmaß die latente Gefahr, die von ihm ausgehen soll. Das Kabinettstückchen dieses Szenarios liefert ganz eindeutig Herbert A.E. Böhme, der mit einer beinahe teuflischen Aura glänzen kann. Professor Wahl ist durch und durch beunruhigend und verkörpert eine bedrohliche Präsenz. Die beeindruckendste Leistung zeigt jedoch die schöne Italienerin Scilla Gabel, die damals als aufsteigender europäischer Star gehandelt wurde. Ihre Erscheinung wird dem Titel der Produktion zusätzlich gerecht, wirkt sie doch selbst wie eine der Puppen aus dem Gruselkabinett der Mühle. Mit ihrem maskenhaften, fast leblosen, emotionslosen Gesicht scheint ihr Wesen ebenso versteinert zu sein, sie vereint Unschuld und Verführung sehr nachhaltig. Ihre Auftritte wirken einerseits sehr gespenstisch, andererseits aber auch anziehend und bleiben wenig greifbar, denn sie baut eine hohe Distanz auf. Die Schauspiel-Kolleginnen verlieren neben Scilla Gabel somit deutlich an Farbe und vor allem an Reiz.

     

    "Die Mühle der versteinerten Frauen" vermittelt vielleicht nicht die höchste Glaubwürdigkeit, aber es handelt sich dabei um ein düsteres Märchen, das darüber hinaus sehr eingängig und geradlinig umgesetzt wurde. Ausgestattet mit einem klaren Aufbau, offeriert das Szenario für die damalige Zeit sehr ausgefallene Bilder, die den einen oder anderen Zuschauer schon schockiert haben dürften. Wie es wohl üblich ist, wurde die Produktion von der Kritik in der Luft zerrissen, beispielsweise mit Aussagen wie »Entartungsprodukt kranker Fantasie« oder »Gruselfilm übelster Sorte«. Geschenkt! Die Gruseleffekte erscheinen heute natürlich etwas angestaubt zu sein, doch muss man hier die über 50 vergangenen Jahre berücksichtigen, so dass man schon wieder sagen kann, dass für damalige Verhältnisse ungewöhnliche Register gezogen wurden. Neben der positiv auffallenden Besetzung gibt es viele weitere Vorzüge. Der gewählte Ort des Geschehens bekommt durch die Grusel-Mühle ein sonderbares, wenn auch überzeugendes Flair, im Inneren wirkt alles geheimnisvoll und düster, die skurrilen Personen tun das Übrige dazu. Ständig hat man das Gefühl, dass etwas Unheilvolles passieren wird, gewürzt wird der Verlauf schließlich mit einigen Schock-Passagen. Auch die Außenaufnahmen sind mit der charakteristischen Mühlen-Landschaft sehr gelungen, die Effekte weisen eine optimale Dosierung auf. Musikalisch begleitet wurde das ganze von Komponist Carlo Innocenzi, der ein gutes Gespür für Spannungsförderung und Abstimmung beweist. Im Finale wird es dann schließlich richtig heiß hergehen, obwohl die Frage bestehen bleibt, ob es aus heutiger Sicht eher amüsiert oder das Fürchten lehrt. Insgesamt hat "Die Mühle der versteinerten Frauen" schon etwas beinahe Herausragendes und vor allem Fesselndes an sich gehabt und wirkt mit seinen vielleicht nicht gerade imposanten Mitteln durchaus extravagant. Ein rundum gelungenes Experiment.

  • Autor: Prisma
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