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Mord in der Toskana

Italien, 1992

  • Originaltitel: Delitti privati
  • Alternativtitel:

    Private Crimes (GBR)

    Wer rächt meine Tochter?

  • Regisseur: Sergio Martino
  • Kamera: Giancarlo Ferrando
  • Musik: Natale Massara
  • Drehbuch: Franco Marotta, Laura Toscano
  • Inhalt:

    In einer verregneten Gewitternacht kommt es in der beschaulichen Ortschaft Lucca zu einem grausamen Mord an dem erfolgreichen Unternehmer Marco Pierboni (Joe Kloenne), wobei dieser von einem unbekannten Täter mit mehreren Schüssen eiskalt ins Jenseits befördert wird. Nicole Venturi (Edwige Fenech), eine gestandene Journalistin, nimmt sich dem Fall an und trifft sogleich am Tatort auf ihren langjährigen Freund, den ermittelnden Kommissar Stefano Avanzo (Ray Lovelock), der ihr dann auch bereitwillig den zur journalistischen Recherche benötigten  Ermittlungssachstand der Polizei zukommen lässt.

     

    Nicole Venturi ist aber auch zugleich eine stolze Mutter, da ihre Tochter Sandra (Vittoria Belvedere) gerade erfolgreich die  Karriereleiter zum Opernstar erklimmt. Doch als Sandra am nächsten Tag aus unerklärlichen Gründen nicht nach Hause zurückkehrt, erfährt Nicole von Sandras bester Freundin Chiara Malvini (Silvia Mocci) ein schreckliches Geheimnis: Sandra hatte gerade erst die Beziehung zu ihrem bisherigen Freund Paolo Roversi (Lorenzo Flaherty) beendet, da sie sich kurz zuvor in den reichen Unternehmer Marco Pierboni verliebte und sich mit diesem eigentlich in der Vornacht zum Tatzeitpunkt verabredet hatte. Seit dieser Nacht ist die junge Opernsängerin nun plötzlich spurlos verschwunden, wodurch Nicole zunächst in eine tiefe Krise stürzt. Doch kurze Zeit später kann sich die Journalistin auch schon wieder einigermaßen berappeln und startet daraufhin die unermüdliche Suche nach ihrer verschollenen Tochter, wobei sie zugleich Ausschau nach dem weiterhin unbekannten Täter des ermordeten Pierboni-Sprösslings hält. Während sie gemeinsam mit Kommissar Avanzo auf zahlreiche dunkle Familiengeheimnisse des mächtigen Pierboni-Clans stößt, schnallt sowohl die Anzahl potenzieller Tatverursacher, als auch ungeklärter Fragen weiterhin ins Unermessliche:

     

    Ist möglicherweise Sandras eifersüchtiger Ex-Freund Paolo Roversi (Lorenzo Flaherty) der Täter, da dieser kurz vor dem Verschwinden der angehenden Opernsängerin gemeinsam mit dieser während eines heftigen Streitgesprächs beobachtet wurde und somit auch für den Mord am reichen Pierboni-Sprössling ein nachvollziehbares Mordmotiv hätte?  Dann wäre da aber auch noch die undurchschaubare Diskobesitzerin Milena Bolzoni (Maja Maranow), der als gehörnten Geliebten von Marco Pierboni gleichfalls ein Mordmotiv aus Eifersucht unterstellt werden könnte. Über allen von Eifersucht geplagten Verdächtigen thront dann aber schließlich die Königin der Geprellten, die doppelt hintergangene Ehefrau des Ermordeten, Daniela Pierboni (Gudrun Landgrebe), die ihrerseits wiederum ein ernsthaftes Techtelmechtel mit dem Geschäftsführer des Familienunterhmens Franco Martelli (Carlo Cartier) unterhält. Oder war vielleicht ihr Sohn Filippo Pierboni (Davide Bechini) der Tatverursacher? Dann hätten wir aber auch noch den zwielichtigen und chronisch verschuldeten Bruder des Opfers, Massimo Pierboni (Paolo Malco), der als schwarzes Schaf der Familie so einige schmutzige Geschäfte nebenher am Laufen hat und außerdem mit seinem ungeliebten Bruder sehr häufig im Clinch lag. Über allem dem versucht dann schließlich das über allen Verdacht erhabene Familienoberhaupt, Matilde Pierboni (Alida Valli), den Mantel des Schweigens auszubreiten, da ihre einzige Sorge darin besteht, dass das bis dato noch einigermaßen unversehrte Ansehen ihres verruchten Familienclans infolge der sowohl polizeilichen, als auch journalistischen Ermittlungen erheblichen Schaden nehmen könnte. Als weiterer Kandidat reiht sich dann der unheimlich wirkende Professor Carlo Mauri (Laurent Terzieff) nahtlos in die immer länger werdende Liste der potenziellen Tatverdächtigen ein, da dieser nicht nur eine Vorliebe für junge Schülerinnen hegt, sondern auch der verschwundenen Sandra andauernd hinterherstalkte. Und was hat außerdem der unbekannte Fremde aus Genf, dessen weißer Mercedes auffallend häufig an vermeintlichen Tatorten anzutreffen ist, mit der ganze Sache zu tun? Welche konkreten Kenntnisse hat eigentlich der spiritistische Zirkel, dem mehrere der zuvor genannten Personen angehören? Und was weiß Chiara Malvini nun tatsächlich über das plötzliche Verschwinden von Sandra und dem damit einhergehenden Mord an Marco Pierboni?

     

    Fragen über Fragen.... Als dann auch noch urplötzlich unzählige anonyme Erpresserbriefe die Runde machen, eskaliert die Situation zusehends und es kommt zu weiteren, sehr rätselhaften Morden. Wird Nicole Venturi schließlich ihre verschollene Tochter wieder unbeschadet in ihre Arme schließen und zudem den wahren Mörder überführen können? 

  • Autor: Richie Pistilli
  • Review:

    Bei "Mord in der Toskana" handelt es sich um eine vierteilige TV-Miniserie unseres geschätzten Herrn Martinos, die am 30.11.1994 auf SAT1 ihre deutsche Erstausstrahlung feierte und mit altgedienten Stars des italienischen Genrefilms wie z.B. Edwige Fenech (die sich zudem als Produzentin zuständig zeigt), Ray Lovelock, Alida Valli, Gabriele Ferzetti, aber auch der deutschen Gudrun Landgrebe aufwartet. Produziert wurde das Ganze in Zusammenarbeit der RAI und der deutschen Beta Film und fand seine Premiere bereits 1993 im italienischen TV, woraufhin 1994 deutschsprachige Ausstrahlungen im ORF und auf SAT1 folgten. Obwohl es sich bei dieser gialloesken Thriller-Serie um eine handelsübliche TV Co-Produktion handelt, gelang es Regisseur Sergio Martino (“DER SCHWANZ DES SKORPIONS”, “YOUR VICE IS A LOCKED ROOM AND ONLY I HAVE THE KEY”, “SUSPECTED DEATH OF A MINOR”) gemeinsam mit seinem Kameramann Giancarlo Ferrando (“VIOLENT PROFESSIONALS”, “DIE KILLERMAFIA”, “HETZJAGD OHNE GNADE”) ein bestmögliches Ergebnis zu erzielen und hinterließ somit eine sehr spannend inszenierte Kriminalgeschichte, die zudem in sehr stimmungsvollen Bildern dargeboten wird. Die Geschichte erzählt einen sehr spannend inszenierten Whodunit Plot, dessen Auflösung obendrein mit einer großen Überraschung am Ende verblüfft.

     

    Die einzelnen Episoden unterscheiden sich dabei jeweils in ihrer Grundstimmung, wobei Teil 1 gleich mal in die Vollen geht: Nach einer bildgewaltigen Eröffnung kommt es auch schon nach wenigen Minuten zum ersten Mord und die einzelnen Protagonisten werden allmählich in den Handlungsverlauf eingebracht, wobei hier aber bis zum bitteren Ende hin der spannende Verlauf der eigentlichen Geschichte im Vordergrund steht, anstatt sich zunächst den tieferen Beweggründen der involvierten Charaktere zu widmen. Außerdem versprüht diese Folge einen ordentlichen Hauch gialloesker Atmosphäre, da neben einigen vorzufindenten Kameraspielereien zudem der Versuch unternommen wurde, diverse Filmkulissen bzw. Szenenbilder mit kleinen -genrebedingten- Farbakzenten anzureichern, was den Verantwortlichen schließlich auch wirkungsvoll gelungen ist. Teil 2 beginnt dann gleich mal mit einem Schicksalsschlag und kommt daher in seinen ersten 30 min. mit einer etwas ruhigeren bis fast gedrückten Stimmung daher, bevor der Geschichtsverlauf dann zum Ende hin wieder immer mehr an Fahrt gewinnt. In dieser Episode wird dann auch damit begonnen, die einzelnen Rollencharaktere tiefergehend zu beleuchten und entsprechend mit Leben zu füllen. Der 3. Teil zeigt dann wiederum ganz leichte Polizeifilmanleihen, da in dieser Episode eine recht verzwickte Verfolgungsjagd auf einen der vermeintlichen Täter im Vordergrund steht. Der lezte Teil strotzt dann wiederum nur so vor Spannung und wartet neben einigen gialloesk anmutenden Szenen mit der bereits zuvor aufgezeigten Verblüffung zum plotauflösenden Finale der Mini-Serie auf.

     

    Kommen wir zum illustren Staraufgebot an namhaften Darstellern, denen allen voran der Name “Edwige Fenech” (“FIVE DOLLS IN A AUGUST MOON”, “DER KILLER VON WIEN”, “DIE FARBEN DER NACHT”) steht, da die gebürtige Französin nicht nur eine ausgezeichnete Darbietung abliefert, sondern sich auch als Produzentin dieser TV Serie zuständig zeigt. Frau Fenech machte auch Anfang der 90er eine immer noch sehr gute Figur, wobei ihr dieses mal das bis dato obligatorische Entkleiden erspart blieb. Insgesamt bleibt festzuhalten, dass sich diese gialloeske Thrillerverfilmung im TV-Serienformat recht zugeknöpft zeigt und außerdem drastische Mordszenen meidet, worunter der recht hohe Unterhaltungsgrad letztendlich aber keinesfalls leidet.

     

    Als nächstes wäre dann  ein schwer gereifter “Ray Lovelock” (“DIE BANDITEN VON MAILAND”, “DEADLY TRAP”, “DER BERSERKER”) an der Reihe, der hier einen unermüdlichen Ermittler verkörpert und während seiner Ermittlungsarbeit sehr eng mit der Journalistin Edwige zusammenarbeitet. Das Zusammenspiel der beiden Genrestars ist dabei als äußerst gelungen zu bezeichnen.

     

    Die größte Überraschung dürfte aber das Mitwirken der großen Dame des italienischen Films, “Alida Valli” (“EYE IN THE LABYRINTH”, “SUSPIRIA”, “GESTÄNDNIS EINER NONNE”) und des (leider) gerade erst kürzlich verstorbenen “Gabriele Ferzetti” (“SPIEL MIR DAS LIED VOM TOD”, “ESCALATION”, “DIE WEIßE MAFIA”) darstellen, wobei Letzterer in der Rolle eines bis zum Schluss undurchschaubaren Mediziners bestaunt werden kann.

     

    Außerdem gesellt sich dieser hochkarätigen Runde auch noch die deutsche Beteiligung “Gudrun Landgrebe” (“DIE KATZE”, “DIE FLAMBIERTE FRAU”, “TAUSEND AUGEN”) hinzu und der italienische Darsteller “Paolo Malco” (“DIE STIMME DES TODES”, “ICH HABE ANGST”, “DER NEW YORK RIPPER”) darf abschließend auch keinesfalls unerwähnt bleiben, da seine außerordentliche Darbietung als fadenscheiniger Bruder des Mordopfers nachhaltig in Erinnerung bleibt und zudem als eine der hervorstechendsten Rollen bezeichnet werden kann.

     

    Die deutsche Synchronisation der Johannisthal Synchron GmbH, Berlin kann sich durchaus hören lassen und eigentlich als durchwegs gelungen bezeichnet werden. Für die musikalische Untermalung ist dieses mal der mir bis dato völlig unbekannte Komponist „Natale Massara“ zuständig, dessen 80er Synthie-Sound-Kompositionen sich bestens zum Einsatz im Endzeitfilmgenre geeignet hätten, aber im vorliegenden Fall manchmal etwas sonderbar anmuten. Aber im Großen und Ganzen passen die filmmusikalischen Einsätze dann wiederum zum gezeigten Bild und runden somit das gepflegte Sehvergnügen vollends ab.

     

    Fazit: Eine spannend inszenierte Kriminalgeschichte im kompakten Mini-Serienformat, die außerdem aufgrund der stimmungsvollen Bildern und überzeugenden Darstellern begeistern kann.

  • Autor: Richie Pistilli
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